Eine neue Elektrobahn verbindet bald Kairo mit der 6. Oktober-City und der neuen Verwaltungshauptstadt. Gebaut wird sie von einem deutsch-ägyptischen Konsortium.

Trägerbau am 26.Juli-Korridor©privat

Gewaltige Eisenbetonträger ragen neben dem 26.Juli-Korridor zwischen Kairo und Scheich Zayed in die Luft. Die ersten Bauaktivitäten weisen auf ein wichtiges Verkehrsprojekt hin. Ab 2023 soll hier die Cairo Monorail - eine supermoderne Elektrobahn - Tausende von Menschen täglich zwischen 6. Oktober-City und Mohandessin transportieren. Eine zweite Bahnlinie wird gleichzeitig zwischen Nasr-City und der neuen Verwaltungshauptstadt gebaut.

Route und Stationen der Monorail

Die Bahn zwischen 6. Oktober und Giza ist auf 42 km mit 12 Stationen konzipiert. Sie beginnt in Mohandessin (League of Arab States) und verbindet die Ring Road, El Marioutia, El Mansouria, die Desert Road nach Alexandria, Hyperone-Mall, Jouhina-Platz, Authority of Urban Communities, El Hosary-Platz, Dar El Fouad und die Industrial Zone.

Streckenverlauf Monorail©Bombardier

Die 54 km lange Bahnlinie zur neuen Verwaltungshauptstadt beginnt am Stadion in Nasr City und hat 21 Stationen über Hisham Barakat, Nouri Khattab, 7th District, Free Zone, Marshal Tantawy, Cairo Festival City, El Choueifat, Air Hospital, Narjis District, Mohammed Naguib, American University, Emaar, Nafoura-Place, Al Barwa, Middle Ring Road, Mohammed Bin Zayed, Regional Ring Road, Almasa Hotel, Ministries (Al Wezarat) District, und Verwaltungshauptstadt.

Baustellenschild der 6.Oktober-Strecke©privat

Supermoderne Technik

Die Bahn kann mit bis zu 80 km/h Geschwindigkeit fahren und braucht für die Strecke zwischen Nasr City und der Verwaltungshauptstadt 60 Minuten Fahrzeit. Die 42 km lange Strecke der 6.Oktober-Linie legt sie in 42 Minuten zurück. Auf jeder Linie können schätzungsweise bis zu  45.000 Passagiere pro Stunde befördert werden. Dazu stehen 70 vollautomatisierte Züge des Typs Bombardier INNOVIA monorail 300 mit je vier Wagen zur Verfügung.

Die Züge sind aus Aluminium hergestellt, recyclebar und energieeffizient. Sie werden mit moderner fahrerloser Technologie gesteuert.

Laut Egypt Today wurde das Projekt für die beiden Schnellbahnstrecken im Januar 2019 ausgeschrieben. Das deutsche Unternehmen Bombardie/Alstom erhielt den Zuschlag, Präsident El Sissi persönlich führte die Verhandlungen im August 2019. Das 4,1 Milliarden-Euro-Projekt wird im Konsortium mit den ägyptischen Unternehmen Orascom und Arab Contractors umgesetzt. Es umfasst die Planung und Konstruktion des Projekts sowie 30 Jahre  Betrieb und Instandhaltung.

Bombardier wird die Fahrzeuge bauen und installieren und für die elektrische und mechanische Ausstattung verantwortlich sein. Orascom ist zuständig für die Planung und den Bau der Infrastruktur sowie für alle Bauarbeiten inklusive der Haltestellen und Depots.

Der INNOVIA monorail 300 wurde insbesondere auf Grund seiner Eignung für dichtbesiedelte Städte und seiner führerlosen Steuerung ausgewählt. Diese Züge werden bereits im brasilianischen Sao Paulo eingesetzt und sind in Bangkok und im chinesischen Wuhu geplant.

Nach der Fertigstellung in Kairo wird der Monorail eventuell auch in Alexandria gebaut.

Zukunft des Bahnverkehrs in Ägypten

Ägypten hat die älteste Eisenbahn in Afrika und im Nahen Osten. 1854 wurde die erste Eisenbahnstrecke des Landes zwischen Alexandria und Kafr al Zayyat eröffnet, zwei Jahre  später die komplette Strecke bis Kairo.

Die Ägyptischen Staatsbahnen ENR (Egyptian National Railway) stellen das Rückgrat des Personenverkehrs in Ägypten dar und befördern auf rund 5000 Streckenkilometern etwa 800 Millionen Fahrgäste jährlich. Das Frachtvolumen liegt bei etwa vier bis fünf Millionen Jahrestonnen.

Die älteste Eisenbahn des Orients ist jedoch vom Verfall geplagt. Laut Wikipedia sind von den 270 Lokomotiven für den Frachtguttransport nur 90 einsatzfähig. Immer wieder kommt es zu schweren Unfällen, FAZ-Net berichtet im  Mai 2021 von 1000 Kollisionen im Jahre 2018.

Es besteht deshalb ein erheblicher Nachholbedarf im Unterhalt der Eisenbahninfrastruktur.

2014 kündete die ENR eine 10-Jahres-Planung zur Verbesserung der Schienennetze im Wert von 10 Milliarden Dollar an. Es geht vor allem um die Verbesserung der Sicherheit, Pünktlichkeit und eine höhere Auslastung der wichtigen Bahnstrecken im Delta und nach Südägypten. Die Cairo Metro soll ausgebaut und erneuert werden. Gefördert werden diese Projekte von internationalen Geldgebern, unter anderem der Weltbank und der EU. “Die Verbesserung des Zugverkehrs auf der Strecken Tanta – El Mansoura – Damietta erfolgt nach den Maßgaben der EU-Politik, das die Lebensbedingungen von Millionen ägyptischen Bürgern verbessern soll, für diese bedeutende Verkehrsader durch die Einführung einer verbesserten Qualität und eines sicheren Transportsystems“, begründet der EU-Botschafter in Ägypten, Ivan Surkoš, das Engagement.

Für mehr Aufmerksamkeit sorgt ein Großprojekt für den Neubau eines Hochgeschwindigkeitszuges, der das Mittelmeer mit dem Roten Meer und der neuen Verwaltungshauptstadt verbinden soll. Laut FAZ-Net unterzeichneten im Mai 2021 in Kairo Vertreter des deutschen Siemens-Konzerns und der ägyptischen Regierung eine Absichtserklärung zum Bau einer 460 km langen Schnellfahrstrecke mit einer möglichen Fahrgeschwindigkeit von 250 km/h. Siemens Mobility wird mit einem Auftragsvolumen von mehreren Milliarden Euro Signaltechnik, Kommunikation, elektrische Kontrollsysteme und Steuerung errichten sowie 34 Passagierzüge und 10 Elektrolokomotiven für Gütertransporte liefern. Egypt Today berichtet, dass insgesamt fünfzehn Bahnhöfe zwischen El-Alamein am Mittelmeer und Ain Suchna am Roten Meer bedient werden, darunter Borg El Arab, Alexandria, 6.Oktober -Stadt und die neue Verwaltungsmetropole Ägyptens.