Wer heutzutage am ehemaligen Greek Campus der American University in Cairo vorbeiläuft, dem entgeht leicht die unscheinbare Einfahrt zum Campus an der Tahrir-Straße, kurz vor dem Falaki-Platz. Nichts weist mehr auf die Geschichte des Gebäudes hin, das jahrzehntelang der Universität diente, und kein großes Schild deutet auf die Metamorphose, die den „Greek Campus“ in einen „Geek Campus“ verwandelt hat.

Warum aber „Greek“? Die neoklassizistischen Gebäude zum Norden und Westen des Geländes gehörten ursprünglich der griechischen Gemeinschaft in Kairo, die sie als Schulen für ihre Jugend nutzte. Die American University in Cairo war hingegen seit ihrer Gründung im Jahre 1919 in Gebäuden am Tahrir-Platz untergebracht. Als in den sechziger Jahren die Studentenzahlen der Universität anstiegen, wurde der Platz im alten Palast bald knapp, und die Universität suchte inmitten der eng bebauten Innenstadt nach Expansionsraum. Durch Zufall ergab es sich, dass die griechische Gemeinschaft zur gleichen Zeit den Entschluss gefasst hatte, die Schulgebäude abzustoßen. Die amerikanische Universität unter der Leitung ihres jungen Präsidenten Thomas Bartlett konnte die Gebäude mit dem umliegenden Gelände daraufhin 1965 erwerben. In seinen Erinnerungen an diesen Kauf hebt Bartlett ein interessantes Detail hervor: Weil Schecks damals kein legales Zahlungsmittel für derartige Käufe waren, musste der Zahlmeister der Universität säckeweise Banknoten anliefern, um den Kaufbetrag zu decken, nämlich sage und schreibe vierhunderttausend ägyptische Pfund!

Greek Campus

Obwohl die Schulen damit in den Besitz der AUC übergingen, die auf dem Gelände im Laufe der Jahre noch mehrere andere Gebäude errichtete (darunter auch die Bibliothek), blieb die Erinnerung an die ursprünglichen Besitzer im Namen des Campusteils weiter bestehen: Der Straßenblock wurde auf den Namen „Greek Campus” getauft, der auch heute noch verwendet wird. Als die Universität 2008 nach New Cairo zog, wo sie (wieder aus Platzmangel) einen neuen Campus errichtet hatte, blieb der Greek Campus mehrere Jahre lang ungenutzt.

Im November 2013 unterschrieb man dann einen Pachtvertrag auf zehn Jahre mit der einheimischen Trägerfirma Tahrir Alley Technology Park (TATP), die sich zum Ziel gesetzt hatte, den Campus in einen Inkubator für Technologie-Startups zu verwandeln - eine Art Silicon Valley en miniature. Eine Bedingung des Pachtvertrages war die Beibehaltung des Namens, und so heißt das Gelände weiterhin GrEEK Campus - absichtlich mit kleinem ‘r’, um das ‘geek’ im Namen hervorzuheben.

Der Plan für den Technologiepark war anscheinend recht erfolgreich, wie man aus der langen Liste von Firmen schließen kann, die sich im GrEEK Campus angesiedelt haben. Neben etablierten Riesenfirmen wie Microsoft sind es vor allem kleine Unternehmen, eben Startups, die auf dem Greek Campus Räume mieten. Die großen Firmen treten dabei teilweise auch als Sponsoren auf, wie Microsoft, die den Campus-Nachbarn einen Teil ihrer Development-Software zur Verfügung stellt.

Microsoft ist auch vertreten ©MPM Lincense:CC-BY

Laut der Website des GrEEK Campus hat sich die Trägerfirma zum Ziel gesetzt, einen Technologiepark zu schaffen, in dem Startups Platz finden können. Angehende Entrepreneure können deshalb gerade so viel Raum anmieten, wie sie brauchen, von einem einzigen Arbeitsplatz bis zur Bürosuite. Die Trägerfirma hilft ihren Mietern zudem mit Logistik und organisiert das Drumherum, das ein produktives Arbeiten ermöglicht. Dem Campus kommt auch zugute, dass in der direkten Umgebung zahlreiche Elektronik-Firmen angesiedelt sind. Nur in Geschäften wie RAM oder Nekheily Computer Mall bekommt man gute Hardware, und deshalb zieht der Stadtteil auch Studenten und Technologiefreaks aus ganz Kairo an.

Die Startups, die zur Zeit im GrEEK Campus angesiedelt sind, arbeiten in vielen verschiedenen Branchen: Vom Online-Marketing über Softwarefirmen bis zu Filmproduzenten und Vermittlungsdiensten für Hauspersonal - alles ist vertreten. Was diese Firmen verbindet ist die Tatsache, dass alle recht neu sind und meist noch keine große Kundschaft gefunden haben. Außerdem sind ihre Betreiber und Angestellten meist recht jung.

Weil der GrEEK Campus in erster Linie ein Arbeitsplatz ist, gibt es für den Besucher außer modern eingerichteten Büros nichts zu sehen. Die ganze Aktivität entfaltet sich aber im Internet, wo man sich das breite Angebot der Startups ansehen kann. Weil den Betreibern aber auch an guter Publicity für ihren Campus liegt, organisiert man in regelmäßigen Abständen anstatt eines Tags der offenen Tür sogenannte Maker-Faire-Tage, an denen kreatives Schaffen (auch mit Technologie) vorgeführt und gefeiert wird.

Wie das aussieht, kann man sich auf der Website der Faire ansehen (http://makerfairecairo.com/; https://www.facebook.com/makerfairecairo/), oder man plant einen Besuch der nächsten Faire auf dem GrEEK Campus.

Bildernachweis: Alle Fotos stammen aus dem Privatbesitz des Autors

Abb. 1: Techosaurus Rex auf dem GrEEK Campus; Image: MPM License: CC-BY

Abb. 2: Blick über den Campus; Image: MPM License: CC-BY