Nach Syrien, Südfrankreich und der Türkei scheinen sich heute die ältesten derzeit bekannten Wandmalereien der Welt mit einem Alter von fast 40.000 Jahren in Indonesien zu befinden.

Noch nicht gar so alt, aber weit bekannter sind mit Sicherheit die ägyptischen Wandmalereien und Reliefs.
Die Geschichte des Alten Ägypten reicht von der vordynastischen Zeit des vierten Jahrtausends v. Chr. bis zum Jahr 395 n. Chr., dem Ende der griechisch-römischen Zeit.Von allen Mittelmeerkulturen war die des Alten Ägypten die langlebigste. In der ägyptischen Religion war der Toten- und Bestattungskult wesentlich. Auch die Kunst diente der Verehrung der Götter und kultischen Zwecken. Die Kunst war trotz der langen Dauer der ägyptischen Kultur sehr einheitlich im Stil, da man an der traditionellen Gestaltung festhielt. Der Pharao hatte für das Kunstschaffen eine große Bedeutung, die großartigen Bauwerke und Skulpturen zeigten auch die Macht der Herrscher.

Diese Kunst bildete vor allem den Pharao und die Götter ab. Die Künstler galten nur als namenlose Handwerker, ausgenommen die Architekten, die einen höheren Rang besaßen. Die Hieroglyphen- schrift, die auch dekorativen Zwecken diente, spielte in der ägyptischen Kultur eine wichtige Rolle - auch Reliefs und Wandmalereien wurden mit Inschriften versehen.

Die Wandmalerei ist eine Form der Malkunst, bei der das Bild nicht, wie bei einer Tafelmalerei, auf eine Holztafel oder Leinwand aufgetragen wird und zum mobilen Einsatz bestimmt ist, sondern auf eine Wand oder Decke so appliziert wird, dass sie fest mit dem Untergrund verbunden ist. Die Wandmalerei ist neben der Bildhauerei die älteste überlieferte Kulturleistung der Menschheit.

Bereits in der Vorgeschichte Ägyptens entstanden Felsbilder und keramische Malereien. Doch die typischen Merkmale der ägyptischen Malerei sind im Wesentlichen aus Funden in Grabkapellen der Pharaonenfamilien und hoher Beamter bekannt. Die Wandbilder in den Gräbern  sollten  die  Seele  des  Toten  an  ihr  Leben  auf  der  Erde  erinnern  und  deren  Wirklichkeit darstellen, ohne sich auf das Individuelle zu beziehen, und die Toten mit dem „umgeben", was sie zu Lebzeiten besessen hatten. Der zweite große Themenbereich der ägyptischen Malerei zeigte Darstellungen der Götterwelt und des Totengerichtes. Manche neuere Werke sind noch auf Papyrus erhalten.

Die Bildgestaltung folgte präzisen Vorgaben. Die Figuren wurden über die gesamte gestaltete Fläche verteilt, Schrägansichten vermieden. Kopf und Beine wurden im Profil dargestellt, Oberkörper und Arme hingegen meist frontal. Schatten oder Lichteffekte wurden nicht eingearbeitet, auch ein Hintergrund wurde vermieden. Hauptfiguren wurden größer dargestellt als Nebenfiguren (Bedeutungsperspektive). Perspektivische Darstellungen gab es nicht; so sitzen Vögel beispielsweise nicht in, sondern auf den Schilfrohrblättern. Die Anordnung der Menschen war meist starr und aktive Bewegung wurde vermieden. So sind Menschen in der Regel zu sehen, unmittelbar bevor sie sich in Bewegung setzten, jedoch selten mit einem halb erhobenem Fuß. Solche Bildnisse datieren sich üblicherweise in die Endphasen großer Epochen, z. B. Ende des Alten Reiches, wobei diese Art der Darstellung teilweise auch als Stilmittel verwendet und exzessiv gebraucht wurde (Akrobatenszene im Grab). Eine Ausnahme der traditionellen Regeln bilden die Wandbilder aus Echnatons Regierungszeit, dessen „revolutionäre" Herrschaft nicht nur in politischen und religiösen, sondern auch in künstlerischen Bereichen Wirkung zeigte.

In Tempeln, Palästen, Gräbern und Grabgebäuden wurden Reliefs und  Wandmalereien  verwendet. Wenn eine Wand mit Reliefs verziert werden sollte, wurde erst ein Netzraster für die Proportionen aufgetragen, dann wurden zuerst die Umriss- und danach die feinen Linien herausgearbeitet. Man unterscheidet zwischen Flachreliefs (Hintergrund wird abgetragen) und versenkten Reliefs (Linien werden hineingemeißelt). Zum Schluss wurden sie eingefärbt. Für die Farben wurden Mineralfarben verwendet: Ocker für Rot, Gelb und Braun, Malachit für Grün, Azurit für Blau, Gips oder Kalk für Weiß, Holzkohle oder Ruß für Schwarz. Als Bindemittel wurden Leim, Eiweiß und Gummi arabicum verarbeitet. Die ägyptische Kunst beschränkte sich auf wenige Grundfarben, die auch Richtlinien folgten. Gold war das Symbol der Sonne, Schwarz wurde für Tod und Auferstehung verwendet. Die Hautfarbe der Männer war braun, während die der Frauen eher gelblich dargestellt wurde.

Zahlreiche Wandmalereien haben sich in Grabkapellen der Alten Ägypter erhalten. In diesen Wandmalereien wurden vorwiegend für die nach ägyptischem Glauben notwendigen Beigaben zum „Überleben“ in der anderen Welt dargestellt, über die die Toten auf diese Weise dann dort verfügen konnten. So befinden sich dort viele Darstellungen von Nahrungszubereitung oder auch von Werkstätten, in denen sich die Verstorbenen notwendige Gerätschaften „herstellen" konnten. Sie sollten zum einen das Überleben im Jenseits garantieren, jedoch auch als Statussymbol den Wohlstand des Verstorbenen in der Totenwelt demonstrieren. Gartendarstellungen geben die Vorstellungen der damaligen Künstler von dem Aussehen der jenseitigen Welt wieder. Oftmals hatten diese Wandmalereien auch religiöse und zeremonielle Bedeutung und sollten durch ihre erzählende Bildhaftigkeit wohl auch teilweise die der Hieroglyphenschrift Leseunkundigen anschaulich über die dargestellten Themen unterrichten.

Auch profane Bauten wurden zu dieser Zeit mit Wandmalereien ausgestattet, doch sind von solchen Gestaltungen wegen des schlechteren Schutzes sehr viel weniger Beispiele erhalten geblieben. Im Alten Reich und Mittleren Reich (ca. 3000 - 1550 v. Chr.) dominierten monochrome Bemalungen, seit dem Neuen Reich sind auch figürliche Darstellungen bekannt. Vor allem die Paläste in Malqatta und Amarna waren mit polychromen Wandmalereien ausgestattet. Hier findet man Darstellungen von Nillandschaften, der Herrscher und deren Dienerschaft. Auch Abbildungen unterworfener Feinde, womit kriegerische Erfolge für die Zeitgenossen und Nachfahren festgehalten werden sollten, sind zu finden. Die Bilder nehmen oftmals direkten Bezug zur Funktion des Raumes. Die Wandmalereien in den Häusern hoher Beamter dienten dagegen mehr dekorativen Zwecken und zeigten vorwiegend geometrische und pflanzliche Motive.

Während die Relieftechnik wahrscheinlich kurz vor der Reichseinigung in der Vorgeschichte entstand, gab es die Malerei schon früher. Das versenkte Relief taucht seit der 4. Dynastie auf.

Man merkt es eigentlich kaum, aber die Zeichnungen und Abbildungen aller Relieffiguren folgen einem starren Raster. Personen wurden nach genau definierten Regeln dargestellt, eine Abweichung war kaum denkbar. Nur die Einhaltung  dieser  Vorgaben  garantierte,  dass  die Person "echt“ war. Besonders bei Darstellungen von Pharaonen musste sich strikt an diese Regeln gehalten werden.

Ziel war nicht die naturgetreue Darstellung einer Person, sondern das, wofür sie steht, was sie verkörpern soll. Deutlich wird dies z. B. an den stets makellos dargestellten göttlichen Pharaonen - denn Götter sind perfekt und haben keine Schönheitsfehler. So gibt es keine "Momentaufnahmen“, auch wenn dies manchmal den Anschein hat. Eine Kriegsszene soll nicht eine bestimmte Kampfhandlung abbilden, sondern steht für den Gedanken des „Besiegens des Feindes“, des „Niederstreckens“ oder soll den Mut und die Überlegenheit des Pharaos darstellen. Ein wirklich reizender, sehr gut Deutsch sprechender Reiseführer erklärte uns wiederholt beim Betrachten diverser Wandmalereien: „Und wiederschon sehen wir den Pharao beim Erschlagen seiner Feinde“. Man möge es mir nachsehen – aber dieser Satz bleibt uns und unseren Freunden als wunderschöne Erinnerung einfach im Gedächtnis und wann immer wir vor ähnlichen Wandgemälden oder Reliefs stehen….

Weiter ist auffallend, dass Menschen auf Malereien stets aus verschiedenen Ansichten zusammengesetzt sind - man sieht sie frontal, aber auch im Profil. So ist der Kopf z.B. im Profil dargestellt, das Auge jedoch ist Vorderansicht. Hierdurch soll die Funktion der einzelnen Körperteile hervorgehoben werden.

Damit die Proportionen eines Menschen durch diese Technik nicht verschoben wurden, trugen die Maler vor Beginn der eigentlichen Zeichnung ein Quadratenraster auf die zu bemalende Fläche auf. Nun wurden die Umrisse der Person gezeichnet: vom Fuß bis zum Kopf maß eine stehende Figur achtzehn Quadrate. Davon gingen sechs bis zum Knie, neun zum Gesäß, zwölf zum Ellenbogen und sechzehn zum Halsansatz. Nun konnte die Figur entweder ausgemalt oder bei Reliefs der Hintergrund entfernt werden.

Die Stufenpyramide von Sakkara, von Pharao Djoser um 2700 vor Christus errichtet, ist die älteste Pyramide Ägyptens. Auch in Sakkara wurden im Alten Ägypten wichtige Persönlichkeiten begraben: Könige und Königinnen, Priester und Beamte. Nun haben im vergangenen Jahr, 2015, Archäologen einen faszinierenden Fund gemacht. Besonders farbintensive Wandmalereien. Ein französisches Archäologenteam hat auf dem Pyramiden-Areal von Sakkara die Gräber zweier Priester aus der 6. Dynastie (ca. 2318-2168 v. Chr.) freigelegt. Die gut erhaltenen Grabkammern enthalten Wandmalereien von ungewöhnlicher Farbfrische, wie das Portal „ahram.org“ unter Berufung auf das Ministerium für Altertümer berichtete.

Die Priester mit den Namen Ankhti und Saby standen demnach im Dienst des Pharaos Pepi II. Die Malereien zeigen religiöse Rituale, darunter Opferhandlungen für Götter. Die beiden Gräber wurden südlich der Stufenpyramide des Djoser gefunden, die den Mittelpunkt der großen Totenstadt von Sakkara bildet.

Im Taltempel der Knickpyramide in Dahschur wurden hauptsächlich Reliefs gefunden. Bereits schon in den 1950er Jahren führte der bekannte ägyptische Archäologe Ahmed Fakhry Ausgrabungen an den Pyramiden in Dahschur durch. Er entdeckte dabei eine große Zahl von Funden und Relieffragmenten von der Dekoration des Tempels der Knick- pyramide des Königs Snofru in Dahschur (4. Dyn. ca. 2.600 v. Chr.). Dieser Tempel ist der älteste bildlich ausgeschmückte Pyramidentempel  des Alten Ägypten. Bedauerlicherweise wurden viele Objekte nach der Grabung nur teilweise ausgestellt, sondern in großen Holzkisten ohne Inhaltsverzeichnisse in Magazinen des ägyptischen Antikenministeriums, unter anderem bei den Pyramiden in Giza in Atfih, und im Ägyptischen Museum Kairo, verwahrt.

Seit 2013 konnten durch die finanzielle Unterstützung des Kulturerhalt-Programmes des Auswärtigen Amtes (Deutschland) mehr als 1000 Einzelobjekte restauriert und dokumentiert werden. Ziel des Projektes ist die vollständige Registrierung, Dokumentation und gegebenenfalls Restaurierung der Funde und Relieffragmente aus dem Taltempel der Knickpyramide in Dahschur.

Ein weiteres Projekt ist bei der Recherche ins Licht gerückt: Die 82 Goldblechfragmente des Tutanchamuns. Bisher wenig beachtet, was nicht verwundert, wenn man den unglaublichen Rest des gewaltigen Schatzes zum Vergleich hat, beschäftigt sich nun ein Kooperationsteam aus dem Ägyptischen Museum Kairo, dem Institut für die Kulturen des Alten Orients (IANES), der Uni Tübingen, dem DAI Kairo und dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (RGZM) mit dem aus Mitteln des Auswärtigen Amtes und der Deutschen Forschungs- gemeinschaft finanzierten Projekt.

Ein besonderer Schwerpunkt wird auf der Analyse des Stils und der Ikonographie der figürlich und ornamental verzierten Goldbleche liegen. Ein großer Teil der Stücke ist mit traditionell ägyptischen Darstellungen und Motiven dekoriert, die mehrheitlich im typischen Stil der Nach-Amarna-Zeit ausgeführt wurden, so beispielsweise das Motiv des Königs beim Erschlagen der Feinde oder wenn er in  Gestalt einer Sphinx seine Feinde niedertritt. Ein weiterer Teil der Bleche lässt jedoch deutliche vorderasiatische bzw. „internationale“ Einflüsse erkennen. Beispiele hierfür sind u. a. etwa Motive von Tierkampfszenen und verschiedenen Pflanzen.    Es    wird    ein    Motivrepertoire    angesprochen,    welches    sich aus unterschiedlichen Kultureinflüssen des Vorderen Orients, des östlichen Mittelmeerraums und Ägyptens speist und vor allem ab der Spätbronzezeit im gesamten östlichen Mittelmeerraum häufig miteinander kombiniert auftritt, weshalb die Herkunft eines dementsprechend verzierten Objektes nicht von vornherein bestimmt werden kann. Aus diesem Grund sind die so dekorierten Bleche in der Forschung bislang dem sog. „Internationalen Stil“ zugewiesen worden, ein Begriff, der jedoch sehr problematisch ist und jüngst sehr kontrovers diskutiert worden ist. Die kunstgeschichtliche Komponente des Projekts  ist deshalb vor dem Hintergrund des internationalen Motivaustausches der Späten Bronzezeit im Bereich des östlichen Mittelmeerraums, Vorderasiens und Ägyptens angesiedelt. Die dargestellten Szenen und Einzelmotive sollen einer detaillierten ikonographischen Analyse unterzogen werden, um mithilfe von Vergleichen aus Ägypten, Vorderasien und dem gesamten östlichen Mittelmeerraum neue Erkenntnisse zu deren Ursprung und Entwicklung zu gewinnen. Dies wird abschließend zu einer Einordnung der Bleche und ihrer Darstellungen in den Gesamtkontext der ägyptischen Kunst sowie der Kunst des internationalen Gefüges der spätbronzezeitlichen Staaten führen.

Papyrus ist sehr neugierig, wie sich neben allem bereits Bekannten all das Neue der Öffentlichkeit in adäquater Weise im neuen Grand Egyptian Museum präsentiert. Wobei die Autorin betont, auch das jetzige Ägyptische Museum Kairo zu lieben und wieder und wieder zu besuchen.

 Anmerkung der Redaktion: Ein besonderer Dank gilt dem DAI Kairo und der Ägyptologin Frau Nicole Alexanian für das zur Verfügung gestellte Material!
Siehe auch: Libya’s endangered pre-historic site: www.africanews.com

Quellen: https://de.wikipedia.org/wiki/Wandmalerei
w.mein-altaegypten.de/internet/Alt_Aegypten_2/Kunst/Malerei.html http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/wandmalereien-in-aegypten-entdeckt-mehr-als-2500-jahre-alt-a- 1011719.html https://www.google.com.eg/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=12&cad=rja&uact=8&ved=0ahUK EwjJituntq7KAhWGvBoKHZyEB4UQFghQMAs&url=http%3A%2F%2Fwww.aegypteninfo.de%2Fkunst.htm&usg
=AFQjCNGD154pcTwnGqeOeO21cctFhEzU-w http://www.spektrum.de/news/aelteste-wandmalereien-der-welt-in-syrien/907982 https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_des_Alten_%C3%84gypten
https://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/altertums-und- kunstwissenschaften/ianes/forschung/vorderasiatische-archaeologie/projekte/die-goldbleche-aus-dem-grab-des- tutanchamun-untersuchungen-zur-kulturellen-kommunikation-zwischen-aegypten-und-vorderasien-dfg.html Archäologie in Ägypten – Magazin des Archäologischen Instituts Kairo Ausgabe 2. Juni 2014
Letzter Zugriff: jeweils 31.01.2016