Obwohl weibliches Unternehmertum in der langen Geschichte
€gyptens eine recht junge Erscheinung darstellt, zeigt sich das Gesicht der
modernen Unternehmerin in €gypten sehr facettenreich. Auf der einen Seite
dominieren glanzvolle Namen, wie Azza Fahmy oder Marie Louis Bishara, deren
Schmuck- und Modekreationen mittlerweile auf den internationalen Laufstegen von
Paris bis New York Triumphe feiern. Auf der anderen Seite stehen die mutigen
Frauen der verarmten lŠndlichen Bevšlkerung im Focus der Aufmerksamkeit.
Huwaida Abd El-Atti Abdullah, Fatheya Rezk Abdel-Rahman and Hoda Salah Sayed
erreichten einige BerŸhmtheit, als sie im April 2008 bei den Kommunalwahlen in
Assiut gewannen. Frei nach dem Grundsatz, dass škonomischer Erfolg und
politische Verantwortung Hand-in- Hand
gehen mŸssen, verdankten sie ihren Sieg
nicht zuletzt den Fšrderprogrammen der ãCatholic Relief ServicesÒ
(CRS), einer Organisation, die Ÿber die Vergabe von Mikrokrediten Frauen sowohl
in ihren unternehmerischen als auch politischen Ambitionen fšrdert.
Zugegeben, das Spektrum weiblichen Unternehmertums
wird nach wie vor stark von ãtypisch femininenÒ Branchen, wie Design und Mode,
Kosmetik und Hygiene oder auch dem Gesundheitssektor dominiert. Dies verdeutlicht
ein Blick auf die Plattform ãCleostore-E- Business-Support
CenterÒ (http://www.cleostore.com). Doch
selbst in diesen Bereichen gibt es bemerkenswerte AnsŠtze vom reinen ãRetailÒ
zur eigenen Produktion Ÿberzugehen. Ob Kosmetik, Reinigungsprodukte, Stoffe oder
Medizintechnik, gerade nach anfŠnglichen Erfolgen entsteht der Wunsch, in
eigenen oder assoziierten Fabriken produzieren zu lassen mit dem Ziel, alle Phasen der Produktherstellung
selbst kontrollieren und damit auch eine gleich bleibende QualitŠt garantieren
zu kšnnen.
Sicher besteht hierin eines der Erfolgs-Geheimnisse der ãBishara-GroupÒ, die in ihrem
Familienunternehmen von der Einzelhandelskette bis zur Produktion der Stoffe
alles in Eigenregie durchfŸhrt. Als Ko-EigentŸmerin kann Marie Louis Bishara
immer auf die hochwertigen Fabrikate der eigenen Stoffproduktion zurŸckgreifen,
wŠhrend ihr Vater Louis Bishara von der internationale Anerkennung des Pret ˆ Porter und Haute Couture-
Labels
von Marie profitiert.
Vergleichbares
lŠsst sich auch von der ãTechnical Chemical Labratories GroupÒ (TCL)
feststellen, da
Doch die
Einbettung in ein Familienunternehmen oder die finanzielle Fšrderung durch
dieses, reicht auch im familienorientierten €gypten hŠufig nicht aus, um selbst
gut ausgebildeten und halbwegs gutsituierten Jungunternehmerinnen die nštige Starthilfe zukommen zu
lassen. So wird zwar immer wieder betont, wie wichtig die UnterstŸtzung durch
den Vater oder den Ehegatten gerade in der Anfangsphase der UnternehmensgrŸndung
ist, doch ergeben gerade auch plštzliche SchicksalsschlŠge wie Verwitwung oder
Scheidung starke Motive fŸr Frauen, ein selbststŠndiges Unternehmen zu grŸnden.
Gerade das Bewusstsein dieser unterschiedlichen Problemstellungen hat bei den
oben genannten FŸhrungspersšnlichkeiten zu einem starken Engagement in diversen
VerbŠnden und Organisationen zur Fšrderung des weiblichen Unternehmertums
gefŸhrt.
So kšnnen die herausragenden Beispiele nicht darŸber hinweg- tŠuschen, dass der Anteil weiblicher Unternehmerinnen mit
12-18% am Gesamtvolumen der ohnehin eher kleine bis allenfalls mittlere
Betriebsgrš§e erreichenden Firmen €gyptens im weltweiten Vergleich nur die
unteren PlŠtze belegt. Auch weil die Gruppe der mittelstŠndischen
Unternehmerinnen, entsprechend den schwierigen škonomischen Bedingungen und dem
chronisch niedrigen Anteil weiblicher BeschŠftigter Ÿberhaupt, eher langsam
wŠchst, entstanden seit den 90er Jahren eine Reihe von VerbŠnden und
Organisationen, die, nicht zuletzt auch mit deutscher UnterstŸtzung, fŸr eine
professionelle und effiziente Fšrderung des Berufsstandes sorgten. Von
Šgyptischer Regierungsseite werden unter dem Dach des ÒNational Council for
WomenÒ durch das ãWomen Business Development CenterÒ (WBDC)
verschiedene Trainee-Programme und Workshops angeboten. Das deutsche Engagement
drŸckt sich vor allem im Rahmen eines ãPrivaten PartnerschaftsprojektsÒ
(PPP) aus, das mit UnterstŸtzung des ãVerbandes Deutscher UnternehmerinnenÒ
( VdU) mit den VerbŠnden ãEgyptian Businesswomen
AssociationÒ (EBWA) Kairo, ãBusiness Women of Egypt 21Ò (BW 21) Giza
und ãAlexandria Businesswoman AssociationÒ (ABWA) Alexandria kooperiert.
(Bericht in: Lisa Heermann: ãUnternehmerinnen am NilÒ; In: Papyrus-Magazin,
Heft 3 Januar / Februar 2008; 28 JG; S. 22-24).
In einer
Gesellschaft wie der Šgyptischen, in der besonders au§erhalb gro§er
Ballungszentren zunehmend Segregation der Geschlechter herrscht, sind Netz- werke gerade auch im škonomischen Bereich besonders
hilfreich. Auch wenn sich immer wieder beobachten lŠsst, dass auch Frauen wichtige
Vertrauenspositionen in ihren Unternehmungen am
So titeln
die PrŠsidentin und GrŸnderin der ABWA (Alexandria Business Association) Frau
Dr. Raga Ahmed Abdou und ihre Tochter Dr. Howaida El Sayed
Shalaby ihre gemeinsame unternehmerische Biographie mit ãA Family of
PharmacistsÒ. Beide betreiben
in Alexandria mehrere Apotheken, wobei die Abgrenzung zu Drogerie-MŠrkten
flie§end verlŠuft, denn beide
investieren in zunehmenden Ma§ in naturmedizinische und Wellness-Produkte. Zwar
steht auch hier die Familientradition im Vordergrund, aber gerade wenn der
Wunsch nach Expansion grš§er und somit eine internationalere GeschŠftsebene erreicht
wird, haben sich die FrauenverbŠnde mit ihren Hilfestellungen und globalen Partnerschaftsprojekten von Indien bis zu den
LŠndern der EU bewŠhrt.
GeschŠft und Familie zu vereinbaren, mag der einen oder
anderen ebenso schwer fallen wie ihren Kolleginnen im Westen, auffŠllig bleibt
jedoch, in wie viel stŠrkerem Ma§e Kinder ganz selbstverstŠndlich sind.
Gelegentlich geht die erfolgreiche ãKarriereÒ als Ehefrau und Mutter einer spŠteren
geschŠftlichen BetŠtigung voraus.
Typisch in diesem Zusammenhang ist der Werdegang der ãHobby-Ò oder ãZufallsÒ- Unternehmerin
Mayra El-Sahn, die, nachdem ihre Kinder ein schulfŠhiges Alter erreicht
hatten, ein Catering Unternehmen grŸndete.
Mittlerweile hat sich ãTartinoÒ in Alexandria zu einer ansehnlichen Patisserie
und Restaurant-Kette entwickelt, die auch ihr KerngeschŠft, das Ausrichten von
Veranstaltungen und Festen, nicht vernachlŠssigt. Gerade fŸr die
Abwicklung des kaufmŠnnischen Teils Ihrer
Unternehmungen, benštigte sie immer wieder den Rat der FrauenverbŠnde,
und es lŠsst sich leicht vorstellen, dass es fŸr manch eine GeschŠftsfrau eine
Erleichterung bedeutet, wenn Ÿber diese Schiene auch gemeinsame Messebesuche,
wie in diesem Fall zur ANUGA nach Kšln, organisiert werden kšnnen.
Abschlie§end
bleibt zu bemerken, dass trotz Wirtschaftskrise und einem schwierigen sozialen
Umfeld Unternehmerinnen aus allen sozialen Schichten sich auch auf
GeschŠftsfelder wagen, die frŸher undenkbar gewesen wŠren. Ob Taxifahrerinnen
oder ReprŠsentantin einer Harley-Davidson Niederlassung, das Bild der
Šgyptischen Unternehmerin hat sich
in den letzten Jahren zunehmend gewandelt, und man kann gespannt abwarten, auf
welchen BetŠtigungsfeldern sie noch erscheinen wird.
Fotos:
Foto 1:
Azza Fahmy Company 2010
Foto 2:
New councilwomen Huwaida Abd El-Atti Abdullah, Fatheya Rezk Abdel-Rahman and
Hoda Salah Sayed
Foto 3:
Mr. Galal Ghaly , Chef Micheel Uwe, Dr. Hoda Yassa
http://www.tclgcc.com/PhotoAlbum.aspx?album=1&albumname=Golfood
2010
Foto 4 :
Photo Gallery - Businesswomen Day in Alexandria November 09 – In:
Foto 5:
Foto des Vorstands der "Alexandria Businesswomen" Vorn rechts Dr.
Ragaa Abdou, links stehend Dr.
Businesswomen
in Egypt Portal:
http://www.businesswomeninegypt.org/index.php?option=com_content&view=frontpage&Itemid=1
Egyptian
Woman Entrepreneurs – Profiles of SuccessMarch 2007in :
esuccesstories.pdf
The Women
Business Development Center (WBDC)
http://www.ncwegypt.com/english/prog_wbdc.jsp
http://vitalvoicesonline.org/blog/category/economic-empowerment/women-in-business/
Gender
Entrepreneurship Markets (GEM) International Finance Corporation (IFC) GEM
Country Brief —
EGYPT
2007 in : Egyptfinalgemmarch6.pdf
Egyptian Woman Workers and Entrepreneurs
– Maximizing Opportunities in the Economic Sphere Ò Editor..
Sahar
Nasr – The World Bank
Publications 2010
Earl L.
Sullivan,Women in Egyptian Public Life, Syracuse University Press 1986
Lisa
Heermann: ãUnternehmerinnen am NilÒ; In: Papyrus-Magazin 28 Jg., Heft 3 Januar / Februar
2008 S. 22-