Dr. Daniela Gielow

 

 

Omar Sharif:

Charme und Leidenschaft

 

 

1932

 

 

 

10. April

In Alexandria wird Michael Shalhoub geboren. Sein Vater ist ein erfolgreicher Holzhändler.

Im Alter von vier Jahren zieht er mit seiner Familie nach Kairo. Dort besucht er eine englische Schule und studiert Mathematik und Physik am British Victoria College.

Bereits während der Schulzeit gründet er eine kleine Schauspielgruppe, für die er
14 Jahre lang als
Darsteller und Regisseur tätig ist.

1950

 

 

 

Nach seiner Ausbildung tritt er zunächst in das Geschäft seines Vaters ein und
arbeitet dort für drei Jahre mit. Er betätigt sich jedoch weiterhin als Darsteller
und Regisseur bei der Schauspielgruppe.

1951

 

 

 

Er bewirbt sich um die Aufnahme an der „Royal Academy of Dramatic Arts“ in London.

Während er noch auf Antwort wartet, lernt er den bekannten ägyptischen Regisseur Youssef Shahine kennen, der ihm im Alter von 22 Jahren seine erste Rolle anbietet.

 

 

 

1953

 

 

 

Er bekommt die Hauptrolle in dem Film „The Blazing Sun“ und feiert damit große Erfolge.

Noch unter dem Namen „Umar ash-Sharif wird er über Nacht in seinem Heimatland Ägypten ein gefeierter Star.

1955

 

 

 

[omar+and+faten.jpg]Omar heiratet den populären ägyptischen Filmstar Faten Hamama. Für sie tritt er vom Katholizismus zum moslemischen Glauben über, obwohl er bis heute keine religiöse Überzeugung hat und Religion seiner Meinung nach nicht die Völker vereint, sondern spaltet.

Oft steht er gemeinsam mit seiner Frau vor der Kamera.

Über 20 weitere Filme in seiner Heimat folgen. Aufgrund seines blendenden Aussehens entwickelt er sich 23jährig rasch zum Publikumsliebling und zu einem der beliebtesten Schauspieler der arabischen Länder.

1957

 

 

 

Der gemeinsame Sohn Tarek wird geboren.

1958

 

 

 

Omar dreht seinen ersten westlichen Film „Goha, ein Romantikdrama. Er spielt hier zusammen mit Claudia Cardinale.

1962

 

 

 

Nicht zuletzt durch seine optische Erscheinung wird der Produzent Sam Spiegel auf Omar Sharif aufmerksam und bietet ihm die Rolle des Beduinen „Ali“ in „Lawrence von Arabien“ an.

Mit Peter O'Toole und Anthony Quinn in der Titelrolle spielt Omar die Figur des gerechtigkeitsliebenden Beduinen Sherif Ali, wofür der junge Schauspieler eine Oscar-Nominierung erhält.

Daraufhin kann er sich vor Angeboten aus Hollywood kaum retten. Er ist 30 Jahre alt.

1965

 

 

 

Internationalen Ruhm erreicht Omar mit der Titelrolle in dem Film „Doktor Schiwago von David Lean. Der Film nach dem Roman des Nobelpreisträgers Boris Pasternak wird zu einem mit fünf Oscars ausgezeichneten Klassiker. Sein 8jähriger Sohn Tarek verkörpert in diesem Film seinen Vater als kleines Kind.

Heute äußert er sich kritisch darüber, dass außer seiner Rolle in Doktor Schiwago nicht viel beim Publikum von seinen zahlreichen Auftritten in Kinofilmen im Gedächtnis haften geblieben ist: „Ich bin für alle Welt nur Doktor Schiwago!“

Von Produzenten wird Omar Sharif als Garant für den Filmerfolg gesehen und ist als Schauspieler sehr gefragt. So spielt er trotz seines orientalischen Aussehens auch einen deutschen Wehrmachtsoffizier in dem Film „Die Nacht der Generäle“, ein weiterer Film an der Seite von Peter O'Toole.

Der Höhepunkt seiner Karriere ist erreicht! Schon bald war Omar Sharif auf die Rolle des heißblütigen, orientalischen Liebhabers und verführerischen Casanovas festgelegt. Er spielt u.a. zusammen mit Sophia Loren und mit Cathérine Deneuve.

1968

 

 

 

Omar Sharif spielt neben Barbara Streisand in „Funny Girl“. Da er den Ehemann einer Jüdin spielt und wegen der damals herrschenden Auseinandersetzungen zwischen Israel und Ägypten, löst der Film Diskussionen aus. Zeitungen drucken Fotos mit Kuss-Szenen und Omar Sharif wird in arabischen Ländern als Verräter beschimpft.

Er verkauft sein Haus in Ägypten, um sich ganz in Hollywood anzusiedeln. Sein Jugendtraum, jemand zu sein, über den die Welt redet, hat sich erfüllt. Die Zu-schauer, vor allem die Frauen, lieben ihn.

1973

 

 

 

Neben der Schauspielerei entwickelt sich noch eine zweite Leidenschaft. Schon früh wird durch seine Mutter, die ihm das Bridgespielen beibringt, die Liebe zum Spiel entdeckt. Omar Sharif ist so gut im Bridge-Spiel, dass er in diesem Jahr die Weltmeisterschaft im Bridge gewinnt.

1974

 

 

 

Durch seine US-Karriere entfremdet er sich immer mehr von seiner Frau Faten Hamama. Sie lassen sich schließlich nach knapp 20 Jahren einvernehmlich scheiden.

Später sagt er, Faten sei die einzige Frau gewesen, die er jemals geliebt habe.

Dabei soll der Schauspieler viele Affären und Romanzen gehabt haben: Barbara Streisand, Sophia Loren, Ingrid Bergman, Anouk Aimée - die Liste ist lang. Doch als Gentleman plaudert er nie über seine Eroberungen, sondern sagt, er wünsche sich, dass nur 10 Prozent aller vermeintlichen Affären wahr gewesen wären.

Omar Sharif spielt weiter Bridge und führt ein aufwändiges Leben. Schließlich verliert er den Boden unter den Füßen und seine Wurzeln, raucht täglich vier Packungen schwere Orient-Zigaretten und tanzt betrunken viele wilde Nächte durch.

1980er

 

 

 

Er verliert im Laufe seines Lebens wohl 12 Millionen US$ und schafft den Absprung nicht. Sein Abstieg ist unvermeidlich. Omar Sharif bringt sein gesamtes Vermögen durch und gilt mit ca. 50 Jahren als bankrott.

 

Wegen seines finanziellen Notstands nimmt Omar Sharif hauptsächlich TV-Rollen an, um seine Spielschulden zu begleichen und schreckt schließlich auch vor Fernsehwerbung nicht zurück. Aber er trat auch in dem TV-Mehrteiler „Palast der Winde“ auf.

Sharif gilt weiterhin als Experte in Sachen Bridge, ist Autor des Buches „Omar Sharif´s Life in Bridge“.

1987 gibt es in den USA eine TV-Show mit Namen „Play Bridge with Omar Sharif“, bei der er moderiert. Es wird auch eine gleichnamige VHS-Kassette produziert, mit deren Hilfe man quasi interaktiv Bridge gegen Omar Sharif spielen kann.

Auf Turnieren winken ihm große Gewinne und er wird oft als Zugpferd zu Spielveranstaltungen eingeladen.

1990

 

 

 

Omar Sharif wirkt endlich wieder in einem anspruchsvolleren, epischen Kinofilm mit: „Land der schwarzen Sonne“. Er spielt einen Abenteurer, der zusammen mit seinem Freund Mitte des 19. Jahrhunderts zu einer gefährlichen Expedition in die unentdeckte afrikanische Wildnis aufbricht, um den Ursprung des Nils zu erforschen. Durch Eifersucht und Ehrgeiz werden die einstigen Freunde zu erbitterten Feinden.

1993

 

 

 

Omar Sharif muss sich einer schweren Herzoperation unterziehen, die Ärzte fordern einen ruhigeren Lebenswandel. Er gibt seine Villa in Los Angeles auf und geht zurück in seine Heimat. „Nur in Kairo habe ich wirkliche Freunde. Ich war 30 Jahre in der Fremde und allein“, bekennt er wehmütig.

1999

 

 

 

Der dreizehnte Krieger“ zeigt Omar Sharif neben Latin Lover Antonio Banderas. Dieser Abenteuerfilm beginnt in der Atmosphäre von Tausendundeine Nacht und verknüpft diese mit der Welt nordischer Mythen. Der Streifen erhält gemischte Kritiken.

2003

 

 

 

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran; 01 Copyright Einhorn-FilmDer ehemalige Weltstar Omar Sharif feiert in dem märchenhaften Sozialdrama „Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran“ ein glänzendes Comeback auf der Leinwand.

Sharif verkörpert in diesem Film den weisen muslimischen Ladenbesitzer Ibrahim, der im Paris der späten fünfziger Jahre Freundschaft mit einem 13 jährigen jüdischen Jungen aus der Nachbarschaft schließt und diesen mit den Geheimnissen des Lebens bekannt macht.

Für seine Leistung gewinnt Sharif auf den Filmfestspielen von Venedig den Publikumspreis für den besten Darsteller.

Außerdem wird er mit einem „Goldenen Löwen“ für sein Lebenswerk ausgezeichnet, das mehr als 70 Filme umfasst.

2004

 

 

 

CoverOmar Sharif ist neben Viggo Mortensen in dem Film „Hidalgo“ zu sehen. Er spielt in dem Abenteuerfilm einen ehrenhaften Scheich, der den Kurierreiter Frank (Viggo Mortensen) und sein Pferd Hidalgo zum spektakulären 3000-Meilen-Rennen durch Arabien einlädt. Der Scheich hatte von Hidalgo als ausdauerndstem Pferd gehört und sah die Ehre seines eigenen Ausnahmehengstes Al Hattal verletzt. Die Geschichte beschreibt das 3000-Meilen-Wüstenrennen der schnellsten, ausdauerndsten Pferde der Welt durch die Wüste von Arabien in den 90er-Jahren des auslaufenden 19. Jahrhunderts.

 

 

 

Im Laufe seiner Schauspielkarriere hat Sharif drei Golden Globe Nominierungen bekommen: zwei 1962 für seine Rolle in „Lawrence von Arabien“ (bester Newcomer und bester Nebendarsteller) und einen 1964 als Bester Schauspieler in „Doktor Schiwago“. Für seine Rolle in „Lawerence von Arabien“ hat er 1962 auch den OSCAR als bester Nebendarsteller bekommen.

 

Der heute 77 jährige Omar Sharif hat von seinem Charme nichts eingebüßt.

 

Er steht noch heute vor der Kamera, die Kinozuschauer erleben den Schauspieler in wahrer Hochform. So zeigte er im letzten Jahr, 2008, in vier Filmen („Hassan & Morcos“, „10.000 B.C.“, „Petrus - Die wahre Geschichte“ und „Scriptum - Der letzte Tempelritter“) seine hervorragenden schauspielerischen Leistungen.

 

Seine deutsche Synchronstimme stammt übrigens überwiegend von Michael Chevalier.

 

 

Exotischer Lebemann, verführerischer Casanova, glutäugiger Vollblutschauspieler - auf Omar Sharif passen alle Begriffe, die mit Leidenschaft, Feingeist, Erotik und Filmkunst zu tun haben. Omar Sharif, der einzige ägyptische Filmschauspieler, der international berühmt wurde, hat unzählige Rollen gespielt: er war Zar, Maharadscha, Gentleman, Playboy und Revolutionär, aber an seinen „Schiwago“-Erfolg konnte er nie wieder anknüpfen.

 

 

Quellen:

www.whoswho.de

www.steffi-line.de

www.prisma-online.de

www.wikipedia.de

www.moviesection.de/schauspieler

http://farm4.static.flickr.com

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