Stefan Gerke

Pharao Seti I.

 

Kršnung von Seti I. in Abydos, Grabmalerei in KV 17

 

Verglichen mit den "berŸhmten" Pharaonen wie Echnaton, Tutankhamun oder Ramses II. ist nur rela-tiv wenig Ÿber Pharao Seti I. bekannt. Es ist meine Absicht, ihnen mit diesem Artikel einen kurzen Einblick in diese wichtige und interessante Persšnlichkeit zu gewŠhren.

Als VorgŠnger und Vater von Ramses II. ging Seti I. als zweiter Kšnig der 19. Dynastie mit einer Re-gierungszeit von 11 Jahren in die Annalen der Šgyptischen Geschichte ein.

Ich habe diesen Artikel in fŸnf Abschnitte unterteilt:

1.) Genealogie und Vita

2.) Der Oberbefehlshaber der Armee

3.) BautŠtigkeiten

4.) Die letzten Regierungsjahre                           

5.) Das lŠngste Grab im Tal: KV 17

 

Genealogie und Vita des Seti

 

Der junge Seti trat schon in jungen Jahren in die Armee ein. WŠhrend der Regierungszeit des Horemheb ist er als StreitwagenkŠmpfer attestiert, spŠter stieg er zum Kommandeur und kšniglichen Gesandten auf. Das Amt des kšniglichen Gesandten drŸckte das gro§e Vertrauen des Horemheb ge-genŸber Seti aus. Als Offizier und Kommandeur unter Horemheb entschied sich das Schicksal von Seti, bei militŠrischen Kampagnen erwarb er erste Erfahrungen.

 

Um die militŠrische Situation in dieser Zeit besser zu verstehen, werde ich diese kurz vorstellen: Die 27- jŠhrige Regierungszeit des Horemheb hatte die Absicht, die alte Šgyptische Religion und Traditi-onen wiederherzustellen nachdem sie durch die religišse Revolution des Echnaton stark gestšrt war. Pharao Horemheb besa§ weder Sšhne noch einen mšglichen Thronfolger. Diese Situation fŸhrte zur Beendung der 18. und zur GrŸndung der 19. Dynastie. Es war seine Aufgabe, den ersten Pharao der neuen Dynastie zu bestimmen. Die komplizierte innenpolitische Lage sowie die im Osten vorstossen-den Hethiter verlangten einen starken Kšnig der 1.) die Reformation fertigstellte und 2.) die Hethiter stoppte. Horemheb wŠhlte seinen langjŠhrigen Armeekameraden, den General und Wesir Ramses.

 

Die eigentliche Absicht von Horemheb lag nicht in der Wahl des bereits Šlteren Ramses der nur kurze Zeit regieren wŸrde. Ramses besa§ einen fŠhigen, ehrgeizigen und vielversprechenden Sohn der ihm auf den Thron nachfolgen wŸrde: Seti. So entstand die lange Periode der Ramessiden.

 

Die Gemahlin von Seti war Tuya, eine Dame von nicht- kšniglicher Abstammung die den Titel "Mutter und gro§e kšnigliche Gemahlin" trug. Sie sollte ihren Gemahl bei weitem Ÿberleben: sie verstarb in hohem Alter in den Jahren 22/23 von Ramses II. Tuya gebar ihm zwei Tšchter: Tia und Nebenchasnebet sowie einen Sohn der als sein Nachfolger prŠdestiniert war: Ramses.

 

Als einziger Sohn von Ramses I. und Satra (Tia) wurde Seti nach der sehr kurzen Regierungszeit von nur einem Jahr und vier Monaten seines Vaters am 3. oder 4. Monat des Schemu am 24. Tag inthroni-siert.

Sein nswt- bjtj- Name lautete "Men Maat Ra" was mit "Dauernd ist die Maat des Ra" Ÿbersetzt werden kann. Der Name wurde von den Epitheta "Heqa Waset" (Herrscher von Theben), "Heqa Iunu" (Herrscher von Heliopolis) und "Heqa Maat" (Herrscher von Maat) begleitet. Sein Sa- Ra- Name Seti wurde mit dem Beinamen "Meri n Ptah" (Geliebt von Ptah) komplementiert.

 

Seti war etwa 30 Jahre alt als er den Thron bestieg. Wir wissen relativ wenig Ÿber die nicht- militŠri-schen Aspekte der Regierungszeit von Seti I. Sicher ist jedoch, das er die Goldminen im Wadi Hammamat und Wadi Miah in den šstlichen Bergen ausbaute und dort zusŠtzliche Brunnen erschlo§ um so den gesteigerten Bedarf an Gold sicherzustellen.   

 

Der Oberbefehlsheber der Armee

 

Seti I. als StreitwagenkŠmpfer, Karnak, Photo: Stefan Gerke

 

Nachdem Echnaton sich weigerte dem VerbŸndeten Mitanni Hilfe zu leisten, wurden diese von den Hethitern geschlagen. Die Hethiter deren Ursprung im heutigen Anatolien zu sehen ist, entwickelten sich zu einer neuen und aggresiven Macht die €gypten stark bedrŠngte. MilitŠrische Kampagnen unter Tutankhamun und Horemheb in das sŸdliche Palestina verminderten den Druck, waren aber nicht in der Lage, sichere Grenzen zu schaffen. Es war die Absicht von Pharao Seti I. den hethitischen Vor-marsch zu stoppen; die Wiederbesetzung von verlorenen StŠdten und Gebieten war lediglich sekundŠr.

 

Bereits als Kronprinz wurde Seti im ersten Regierungsjahr seines Vaters zum Oberbefehlshaber der Šgyptischen Armee ernannt. In seiner 11 jŠhrigen Regierungszeit unternahm er neun militŠrische Kampagnen, davon waren sieben gegen den Osten gerichtet. Die rebellischen Schahsu- Beduinen wurden geschlagen, die Festung von Pa- Kanaan (Das heutige Gaza) wurde eingenommen. Nun war die wich-

tige Handelsroute vom šstlichen Delta nach Palestina wieder unter Šgyptischer Kontrolle. Die Šgypti-sche Armee siegte gegen rebellische StŠdte in Palestina und brachte so das Land wieder unter Kontrolle. Nun fŸhrte der Soldatenkšnig Seti I. eine neue, bisher unbekannte Taktik ein: Aus seiner starken Armee entstanden Teileinheiten die zwar unter seiner Kontrolle standen aber unabhŠngig operierten. Mit dieser Taktik war er in der Lage, verschiedene Ziele gleichzeitig anzugreifen und hatte Geschwindigkeit, Schock und †berraschung auf seiner Seite.

 

Der sechste Feldzug richtete sich gegen die Hethiter. Die Schlacht um die Stadt Kadesh und deren kurzzeitige Besetzung war jedoch nicht final. Erst seinem Sohn Ramses II. sollte es gelingen, den alten Status der Šgyptischen Dominanz im Osten wiederherzustellen. Mit der Vernichtung rebellischer StŠmme und StŠdte, Sicherung der Handelsroute und Schaffung einer befriedeten Pufferzone schuf Seti I. die Vorraussetzungen dafŸr.

 

Die BautŠtigkeiten von Seti I.

 

Totentempel des Seti I. in Theben- West, Photo: Stefan Gerke

 

Es war seine vornehmliche Absicht, jene Tempel, die vernachlŠssigt oder zerstšrt worden waren wie-der in Betrieb zu nehmen. So restaurierte er die Tempel von Assuan, Elephantine, Ombos, Medamud, Tod, im Fayum, im šstlichen Delta und in Nubien. In Abydos erbaute er einen Tempel wo die berŸhm-te Kšnigsliste besichtigt werden kann. Des weiteren erweiterte er die Tempel von Memphis und Saqqara. Lassen sie uns nun einen Blick nach Theben werfen: eines der sieben Weltwunder ist der Tempel von Karnak, hier die gro§e SŠulenhalle. Dieses au§erordentliche Bauwerk mit dem Namen "hwt- ntjr" (Haus des Gottes) wurde von Pharao Seti I. erbaut und wurde als eigenstŠndiger Tempel im Komplex von Karnak betrachtet.

 

Seinen Totentempel errichtete er in Gurna, er war nicht nur fŸr ihn sondern auch fŸr seinen Vater Ramses I. gedacht. Die Reliefs an den TempelwŠnden gehšren zu den schšnsten der 19. Dynastie. Ausgrabungen des DAI haben ergeben, dass der Tempel Ÿber gro§e Magazine Šhnlich denen des Ramesseums verfŸgte.

 

Die letzten Regierungsjahre

 

Seti I. Ÿberwachte die Erziehung und Ausbildung seines Sohnes Ramses sehr sorgfŠltig. Der Kron-prinz ist als Kšniglicher Schreiber, Governeur und Armeekommandeur attestiert, hier kšnnen wir er-kennen, dass seine Ausbildung das Ziel verfolgte, einen Staatsmann hervorzubringen. Die 11 Regie-rungsjahre von Seti I. waren sehr ereignisreich, nicht zuletzt war er es, der die alten Traditionen in €gypten wiederherstellte. Der Kšnig starb in seinen frŸhen vierziger Jahren, die Todesursache ist un-bekannt.

 

         

Seti I. und Isis, KV 17         Seti I. Statue Luxor Museum, Gallerie J

 

Das mysterišse und lŠngste Grab im Tal: KV 17

 

Im letzten Abschnitt stelle ich ihnen das Grab von Seti I. vor: es ist das lŠngste und eines der schšns-ten im Tal. Das Grab fŸhrt die geraden Linien des Nach- Amarna Stils fort und fŸhrt gleichzeitig einen neuen Trend ein: Die zunehmende Zahl von Kammern und SŠulenhallen, die Korridore mit gemalten Reliefs, die mit astronomischen Motiven bemalten Decken und der antropomorphe Sarkophag weisen in die Richtung einer Neuerung; nicht nur rein architektonisch sondern auch auf Texte und Motive der Malereien und Reliefs bezogen.

 

Das Grab KV 17 wurde im Oktober 1817 von dem italienischen Zirkusartisten G. B. Belzoni entdeckt und von dem ArchŠologen Howard Carter spŠter restauriert. Die Arbeit des Schweizer Professors E. Hornung resultierte in einer detaillierten wissenschaftlichen Dokumentation. Das Grab war und ist Thema zahlreicher Diskussionen, es ist bis heute noch nicht vollstŠndig erforscht.

Lassen sie uns einen Blick auf dieses Grab werfen:

 

 

Stufen fŸhren hinab zu Korridor A der mit der Sonnenlitanei verziert ist, Korridore B und C zeigen das Totenbuch Amduat. Ein vierter Korridor fŸhrt schlie§lich zum Hauptkomplex des Grabes: drei SŠu-lenhallen und vier Kammern. Alle Hallen und Kammern sind mit Motiven der Unterwelt dekoriert: Das Amduat und das Buch der Tore dominieren.

 

Das Grab ist Ÿber 100 Meter lang, man stelle sich die Zeit, den Aufwand und die FŠhigkeiten vor die die altŠgyptischen Handwerker benštigten um dieses Meisterwerk zu erschaffen.

 

Lassen sie uns in Jahr 1817 zurŸckkehren als der Gewichtsheber und AntiquitŠtenhŠndler Belzoni das Grab entdeckte. Unter seinen Mitarbeitern war ein Vormann mit dem Namen Rassul, der Ahnherr des berŸhmt- berŸchtigten Abd el Rassul Clans.  Dieser Rassul bemerkte gegenŸber dem Sarkophag eine Ziegelmauer und Ÿberzeugte Belzoni von deren NebensŠchlichkeit, der naive Belzoni glaubte ihm. Diese Tatsache wurde Ÿber vier Generationen hinweg geheimgehalten. Nun geschah etwas was fŸr uns EuropŠer nur schwer verstŠndlich ist: die Šgyptische Altertumsverwaltung erteilte 1961 der GrabrŠuberfamilie Rassul die Ÿber keinerlei archŠologische Kenntnissse verfŸgte eine Grabungslizenz. Hinter besagter Ziegelmauer fŸhrte ein Korridor (K) tief in die Felsen. Bereits im FrŸhjahr hatte Ali Abd el Rassul eine LŠnge von Ÿber 200 Metern ausgegraben- mehr als die doppelte LŠnge des Grabes. Dieser Korridor mit den Aus-ma§en von 0,8 x 1,5 Metern wurde schlie§lich durch einen Felsen blockiert der dort in pharaonischen Zeiten positioniert worden ist. Aufgrund finanzieller Defizite wurde die Grabung eingestellt.

 

Korridor K

 

Sie mšgen sich nun fragen, welchem Zweck diente dieser Korridor? Bis heute bestehen zwei Theorien: 1.) Eine verborgene (Schatz-) Kammer befindet sich hinter dem Felsblock. 2.) Der Korridor hat eine mythische und symbolische Bedeutung; er kšnnte die Nabelschnur zum Wasser sein, in anderen Wor-ten die Verbindung des verstorbenen Kšnigs in seinem Sarkopharg und dem mythischen Urwasser Nun.

Ich hoffe sehr, dass eine serišse Institution oder aber das SCA selbst dieses archŠologische RŠtsel bei einer Grabung nŠher beleuchten wird. Eine 2008 durchgefŸhrte Grabung des SCA drang bis zu einer LŠnge von 136,5 Metern in den Korridor vor und wurde dann vorzeitig aufgegeben.

 

Das Geschick der alten Šgyptischen Handwerker die dieses Grab schufen ist als nahezu perfekt zu be-zeichnen; dieses umfasst die Bereiche Architektur, Steinmetzarbeiten und Bemalung. Aufgrund von BeschŠdigungen durch Besucher ist das Grab momentan leider nicht der …ffentlichkeit zugŠnglich. 

 

Das abschlie§ende Photo zeigt die Gšttin Isis und Ausschnitte aus dem Amduat, der altŠgyptischen Totenliteratur im Grab des Pharao.

 

  

Literatur:

Abd el- Hamid, Abydos

Arnold, Lexikon der Šgyptischen Baukunst

von Beckerath, Handbuch der Šgyptischen Kšnigsnamen

Breasted, Geschichte €gyptens

Ehlebracht, 5000 Jahre Grabraub in €gypten

Hornung, Das Grab Sethos I.

Lexikon der €gyptologie

Romer, Complete Valley of the Kings

Katalog €gyptisches Museum Luxor

 

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