Kršnung
von Seti I. in Abydos,
Grabmalerei in KV 17
Verglichen
mit den "berŸhmten" Pharaonen wie Echnaton,
Tutankhamun oder Ramses II. ist nur rela-tiv wenig Ÿber Pharao Seti
I. bekannt. Es ist meine Absicht, ihnen mit diesem Artikel einen kurzen
Einblick in diese wichtige und interessante Persšnlichkeit zu gewŠhren.
Als
VorgŠnger und Vater von Ramses II. ging Seti I. als
zweiter Kšnig der 19. Dynastie mit einer Re-gierungszeit
von 11 Jahren in die Annalen der Šgyptischen Geschichte ein.
Ich
habe diesen Artikel in fŸnf Abschnitte unterteilt:
1.)
Genealogie und Vita
2.)
Der Oberbefehlshaber der Armee
3.)
BautŠtigkeiten
4.)
Die letzten Regierungsjahre
5.)
Das lŠngste Grab im Tal: KV 17
Genealogie
und Vita des Seti
Der
junge Seti trat schon in jungen Jahren in die Armee
ein. WŠhrend der Regierungszeit des Horemheb ist er
als StreitwagenkŠmpfer attestiert, spŠter stieg er zum Kommandeur und kšniglichen
Gesandten auf. Das Amt des kšniglichen Gesandten drŸckte das gro§e Vertrauen
des Horemheb ge-genŸber Seti aus. Als Offizier und Kommandeur unter Horemheb entschied sich das Schicksal von Seti, bei militŠrischen Kampagnen erwarb er erste
Erfahrungen.
Um
die militŠrische Situation in dieser Zeit besser zu verstehen, werde ich diese
kurz vorstellen: Die 27- jŠhrige Regierungszeit des Horemheb
hatte die Absicht, die alte Šgyptische Religion und Traditi-onen
wiederherzustellen nachdem sie durch die religišse Revolution des Echnaton stark gestšrt war. Pharao Horemheb
besa§ weder Sšhne noch einen mšglichen Thronfolger. Diese Situation fŸhrte zur
Beendung der 18. und zur GrŸndung der 19. Dynastie. Es war seine Aufgabe, den
ersten Pharao der neuen Dynastie zu bestimmen. Die komplizierte innenpolitische
Lage sowie die im Osten vorstossen-den Hethiter
verlangten einen starken Kšnig der 1.) die Reformation fertigstellte
und 2.) die Hethiter stoppte. Horemheb wŠhlte seinen
langjŠhrigen Armeekameraden, den General und Wesir Ramses.
Die
eigentliche Absicht von Horemheb lag nicht in der
Wahl des bereits Šlteren Ramses der nur kurze Zeit regieren wŸrde. Ramses besa§
einen fŠhigen, ehrgeizigen und vielversprechenden Sohn der ihm auf den Thron
nachfolgen wŸrde: Seti. So entstand die lange Periode
der Ramessiden.
Die
Gemahlin von Seti war Tuya,
eine Dame von nicht- kšniglicher Abstammung die den Titel "Mutter und gro§e
kšnigliche Gemahlin" trug. Sie sollte ihren Gemahl bei weitem Ÿberleben:
sie verstarb in hohem Alter in den Jahren 22/23 von Ramses II. Tuya gebar ihm zwei Tšchter: Tia
und Nebenchasnebet sowie einen Sohn der als sein
Nachfolger prŠdestiniert war: Ramses.
Als
einziger Sohn von Ramses I. und Satra (Tia) wurde Seti nach der sehr
kurzen Regierungszeit von nur einem Jahr und vier Monaten seines Vaters am 3.
oder 4. Monat des Schemu am 24. Tag inthroni-siert.
Sein
nswt- bjtj- Name lautete "Men
Maat Ra" was mit "Dauernd ist die Maat des Ra" Ÿbersetzt
werden kann. Der Name wurde von den Epitheta "Heqa
Waset" (Herrscher von Theben), "Heqa Iunu"
(Herrscher von Heliopolis) und "Heqa
Maat" (Herrscher von Maat) begleitet. Sein Sa- Ra- Name Seti wurde mit dem Beinamen "Meri n Ptah" (Geliebt von Ptah)
komplementiert.
Seti war etwa 30 Jahre alt als er den Thron bestieg. Wir
wissen relativ wenig Ÿber die nicht- militŠri-schen
Aspekte der Regierungszeit von Seti I. Sicher ist
jedoch, das er die Goldminen im Wadi Hammamat und Wadi Miah in den šstlichen Bergen ausbaute und dort zusŠtzliche
Brunnen erschlo§ um so den gesteigerten Bedarf an
Gold sicherzustellen.
Der
Oberbefehlsheber der Armee
Seti I. als StreitwagenkŠmpfer, Karnak,
Photo: Stefan Gerke
Nachdem
Echnaton sich weigerte dem VerbŸndeten Mitanni Hilfe zu leisten, wurden diese von den Hethitern
geschlagen. Die Hethiter deren Ursprung im heutigen Anatolien zu sehen ist, entwickelten
sich zu einer neuen und aggresiven Macht die €gypten
stark bedrŠngte. MilitŠrische Kampagnen unter Tutankhamun
und Horemheb in das sŸdliche Palestina
verminderten den Druck, waren aber nicht in der Lage, sichere Grenzen zu
schaffen. Es war die Absicht von Pharao Seti I. den
hethitischen Vor-marsch zu stoppen; die
Wiederbesetzung von verlorenen StŠdten und Gebieten war lediglich sekundŠr.
Bereits
als Kronprinz wurde Seti im ersten Regierungsjahr
seines Vaters zum Oberbefehlshaber der Šgyptischen Armee ernannt. In seiner 11
jŠhrigen Regierungszeit unternahm er neun militŠrische Kampagnen, davon waren
sieben gegen den Osten gerichtet. Die rebellischen Schahsu-
Beduinen wurden geschlagen, die Festung von Pa- Kanaan (Das heutige Gaza) wurde
eingenommen. Nun war die wich-
tige Handelsroute vom šstlichen Delta nach Palestina
wieder unter Šgyptischer Kontrolle. Die Šgypti-sche
Armee siegte gegen rebellische StŠdte in Palestina
und brachte so das Land wieder unter Kontrolle. Nun fŸhrte der Soldatenkšnig Seti I. eine neue, bisher unbekannte Taktik ein: Aus seiner
starken Armee entstanden Teileinheiten die zwar unter seiner Kontrolle standen
aber unabhŠngig operierten. Mit dieser Taktik war er in der Lage, verschiedene
Ziele gleichzeitig anzugreifen und hatte Geschwindigkeit, Schock und †berraschung
auf seiner Seite.
Der
sechste Feldzug richtete sich gegen die Hethiter. Die Schlacht um die Stadt Kadesh und deren kurzzeitige Besetzung war jedoch nicht
final. Erst seinem Sohn Ramses II. sollte es gelingen, den alten Status der Šgyptischen
Dominanz im Osten wiederherzustellen. Mit der Vernichtung rebellischer StŠmme
und StŠdte, Sicherung der Handelsroute und Schaffung einer befriedeten
Pufferzone schuf Seti I. die Vorraussetzungen dafŸr.
Die BautŠtigkeiten
von Seti I.
Totentempel des Seti I. in Theben-
West, Photo: Stefan Gerke
Es
war seine vornehmliche Absicht, jene Tempel, die vernachlŠssigt oder zerstšrt
worden waren wie-der in Betrieb zu nehmen. So
restaurierte er die Tempel von Assuan, Elephantine, Ombos, Medamud, Tod, im Fayum, im
šstlichen Delta und in Nubien. In Abydos
erbaute er einen Tempel wo die berŸhm-te Kšnigsliste
besichtigt werden kann. Des weiteren erweiterte er die Tempel von Memphis und Saqqara. Lassen sie uns nun einen Blick nach Theben werfen:
eines der sieben Weltwunder ist der Tempel von Karnak,
hier die gro§e SŠulenhalle. Dieses au§erordentliche Bauwerk mit dem Namen
"hwt- ntjr"
(Haus des Gottes) wurde von Pharao Seti I. erbaut und
wurde als eigenstŠndiger Tempel im Komplex von Karnak
betrachtet.
Seinen
Totentempel errichtete er in Gurna,
er war nicht nur fŸr ihn sondern auch fŸr seinen Vater Ramses I. gedacht. Die
Reliefs an den TempelwŠnden gehšren zu den schšnsten der 19. Dynastie.
Ausgrabungen des DAI haben ergeben, dass der Tempel Ÿber gro§e Magazine Šhnlich
denen des Ramesseums verfŸgte.
Die
letzten Regierungsjahre
Seti I. Ÿberwachte die Erziehung und Ausbildung seines Sohnes
Ramses sehr sorgfŠltig. Der Kron-prinz ist als Kšniglicher
Schreiber, Governeur und Armeekommandeur attestiert,
hier kšnnen wir er-kennen, dass seine Ausbildung das
Ziel verfolgte, einen Staatsmann hervorzubringen. Die 11 Regie-rungsjahre
von Seti I. waren sehr ereignisreich, nicht zuletzt
war er es, der die alten Traditionen in €gypten wiederherstellte. Der Kšnig
starb in seinen frŸhen vierziger Jahren, die Todesursache ist un-bekannt.

Seti I. und Isis, KV 17 Seti I. Statue Luxor Museum, Gallerie
J
Das
mysterišse und lŠngste Grab im Tal: KV 17
Im
letzten Abschnitt stelle ich ihnen das Grab von Seti
I. vor: es ist das lŠngste und eines der schšns-ten
im Tal. Das Grab fŸhrt die geraden Linien des Nach- Amarna
Stils fort und fŸhrt gleichzeitig einen neuen Trend ein: Die zunehmende Zahl
von Kammern und SŠulenhallen, die Korridore mit gemalten Reliefs, die mit
astronomischen Motiven bemalten Decken und der antropomorphe
Sarkophag weisen in die Richtung einer Neuerung; nicht nur rein architektonisch
sondern auch auf Texte und Motive der Malereien und Reliefs bezogen.
Das
Grab KV 17 wurde im Oktober 1817 von dem italienischen Zirkusartisten G. B. Belzoni entdeckt und von dem ArchŠologen Howard Carter spŠter
restauriert. Die Arbeit des Schweizer Professors E. Hornung resultierte in
einer detaillierten wissenschaftlichen Dokumentation. Das Grab war und ist
Thema zahlreicher Diskussionen, es ist bis heute noch nicht vollstŠndig
erforscht.
Lassen
sie uns einen Blick auf dieses Grab werfen:
Stufen
fŸhren hinab zu Korridor A der mit der Sonnenlitanei verziert ist, Korridore B
und C zeigen das Totenbuch Amduat.
Ein vierter Korridor fŸhrt schlie§lich zum Hauptkomplex des Grabes: drei SŠu-lenhallen und vier Kammern. Alle Hallen und Kammern
sind mit Motiven der Unterwelt dekoriert: Das Amduat
und das Buch der Tore dominieren.
Das
Grab ist Ÿber 100 Meter lang, man stelle sich die Zeit, den Aufwand und die FŠhigkeiten
vor die die altŠgyptischen Handwerker benštigten um
dieses Meisterwerk zu erschaffen.
Lassen
sie uns in Jahr 1817 zurŸckkehren als der Gewichtsheber und AntiquitŠtenhŠndler
Belzoni das Grab entdeckte. Unter seinen Mitarbeitern
war ein Vormann mit dem Namen Rassul, der Ahnherr des
berŸhmt- berŸchtigten Abd el Rassul
Clans. Dieser Rassul
bemerkte gegenŸber dem Sarkophag eine Ziegelmauer und Ÿberzeugte Belzoni von deren NebensŠchlichkeit, der naive Belzoni glaubte ihm. Diese Tatsache wurde Ÿber vier
Generationen hinweg geheimgehalten. Nun geschah etwas
was fŸr uns EuropŠer nur schwer verstŠndlich ist: die Šgyptische
Altertumsverwaltung erteilte 1961 der GrabrŠuberfamilie Rassul
die Ÿber keinerlei archŠologische Kenntnissse verfŸgte
eine Grabungslizenz. Hinter besagter Ziegelmauer fŸhrte ein Korridor (K) tief
in die Felsen. Bereits im FrŸhjahr hatte Ali Abd el Rassul eine LŠnge von Ÿber 200 Metern ausgegraben- mehr als
die doppelte LŠnge des Grabes. Dieser Korridor mit den Aus-ma§en
von 0,8 x 1,5 Metern wurde schlie§lich durch einen Felsen blockiert der dort in
pharaonischen Zeiten positioniert worden ist.
Aufgrund finanzieller Defizite wurde die Grabung eingestellt.

Korridor
K
Sie
mšgen sich nun fragen, welchem Zweck diente dieser Korridor? Bis heute bestehen
zwei Theorien: 1.) Eine verborgene (Schatz-) Kammer befindet sich hinter dem
Felsblock. 2.) Der Korridor hat eine mythische und symbolische Bedeutung; er kšnnte
die Nabelschnur zum Wasser sein, in anderen Wor-ten
die Verbindung des verstorbenen Kšnigs in seinem Sarkopharg
und dem mythischen Urwasser Nun.
Ich
hoffe sehr, dass eine serišse Institution oder aber das SCA selbst dieses archŠologische
RŠtsel bei einer Grabung nŠher beleuchten wird. Eine 2008 durchgefŸhrte Grabung
des SCA drang bis zu einer LŠnge von 136,5 Metern in den Korridor vor und wurde
dann vorzeitig aufgegeben.
Das
Geschick der alten Šgyptischen Handwerker die dieses Grab schufen ist
als nahezu perfekt zu be-zeichnen; dieses umfasst die
Bereiche Architektur, Steinmetzarbeiten und Bemalung.
Aufgrund von BeschŠdigungen durch Besucher ist das Grab momentan leider nicht
der …ffentlichkeit zugŠnglich.
Das
abschlie§ende Photo zeigt die Gšttin Isis und
Ausschnitte aus dem Amduat, der altŠgyptischen Totenliteratur im Grab des Pharao.

Literatur:
Abd el- Hamid, Abydos
Arnold,
Lexikon der Šgyptischen Baukunst
von
Beckerath, Handbuch der Šgyptischen Kšnigsnamen
Breasted, Geschichte €gyptens
Ehlebracht, 5000 Jahre Grabraub in €gypten
Hornung,
Das Grab Sethos I.
Lexikon
der €gyptologie
Romer, Complete Valley of the Kings
Katalog
€gyptisches Museum Luxor