Der
€gypter feiert gern. Schon Herodot Ÿberlieferte uns Beschreibungen Šgyptischer
Feste: ã(É) Festversammlungen und Prozessionen und FestzŸge mit Darbringungen
haben in aller Welt zuerst die €gypter veranstaltet (É)"
Hier
werden koptische, christliche,
islamische und normale, weltliche Feiertage gefeiert. Die einzelnen
Konfessionen richten sich jeweils
nach eigenen Kalendern, z.B. dem
westlich gregorianischen, dem koptischen Kalender und dem islamischen, dem ãTaquim
Al Hegri.Ò Die zwei bedeutendsten islamischen Feste; sind das ãAid El FitrÒ, am Ende des Fastenmonats
Ramadan und das Fest zum Ende der Zeit der Pilgerfahrt nach Mekka und Medina,
das ãAid El AdhaÒ. Weiter werden der Geburtstag des Propheten ãMulid
El NabiÒ, seine Himmelfahrt und die ãMulidsÒ festlich begangen. Auf
die vielen Mulids, die ihren Ursprung altŠgyptischer und koptischer
Erntedank- und Jahresfeste muslimischer und christlicher Heiligen verdanken,
soll an dieser Stelle nicht nŠher eingegangen werden.
Alle
islamischen Feiertage fallen in die ZeitzŠhlung des islamischen Mondjahres
(Kalenders), welches
Die genaue
Bestimmung des Tages zum Beginn und Ende des Fastenmonats und
damit auch die Umrechnung auf
den gregorianischen Kalender, wird in einigen Rechtsschulen nicht ausschlie§lich
von der astronomischen Berechnung, sondern von der tatsŠchlichen Sichtung des
Neumonds abhŠngig gemacht. Das kann dazu fŸhren, dass nicht alle Muslime auf
der Welt den Ramadan gleichzeitig beginnen und beenden, und der endgŸltige
Termin fŸr manche Muslime oft erst am Vorabend des Beginns des Fastenmonats
bekannt und festgelegt wird. Einen Monat, so verlangt es der Islam, muss jeder
Muslim, der dazu gesundheitlich in der Lage ist, von Sonnenaufgang bis
Sonnuntergang fasten. Es ist verboten, wŠhrend des Tages zu essen, zu trinken
oder zu rauchen. Kinder, alte und kranke Menschen sowie schwangere Frauen. sind
von den strengen Fastenregeln befreit. Sobald die Sonne untergeht, beendet ein
Kanonenschuss von der Citadelle (heute nur noch im Radio bzw. TV zu hšren) den
Fastentag. In der Vergangenheit, den Zeiten ohne Strom und Technik (so hei§t es
in der †berlieferung), war das Fasten beendet, wenn man in der AbenddŠmmerung
einen wei§en Faden von einem schwarzen nicht mehr unterscheiden konnte. Ist die
Stunde des Iftar endlich angebrochen, scheinen die Stra§en wie leer gefegt.
Alle Moslems versuchen die erste Mahlzeit des Tages im Kreise ihrer Familie
einzunehmen.
WohltŠtigkeit
hat im Islam hohen Stellenwert und wird speziell im Ramadan sehr ernst
genommen. So werden in vielen Stra§en Kairos lange Tische mit entsprechend
vielen StŸhlen - oft in bunten Zelten - aufgebaut, wo Arme und BedŸrftige oder
auch BerufstŠtige, die keine Mšglichkeit hatten zum Fastenbrechen nach Hause zu
gelangen, mit einer Ÿppigen warmen Mahlzeit bewirtet werden. Grš§ere GeschŠftsleute
finanzieren diese wundervolle Tradition. Engagierte Frauen gruppieren sich
regelmЧig, um in Šrmeren Wohnvierteln, Grundnahrungsmittel zu verteilen.
Wenn auch
die Stimmung der Bevšlkerung - nach fremden Empfinden - tagsŸber monoton, fast
gelŠhmt erscheint, so gleichen die Abende und NŠchte einem vierwšchigen Fest.
Nach dem Iftar fŸllen sich die Stra§en mit fršhlichen Menschen, die an den nŠchtlichen
Unterhaltungen, die von CafŽs, Restaurants und auch Theatern angeboten werden,
lebhaften Anteil nehmen. Die ganze Nacht lang - oft bis zum Morgengrauen - wird
Ÿppig gegessen und getrunken. Man genie§t Speisen und Kšstlichkeiten, die
speziell nur im Ramadan zubereitet werden. Und kurz vor dem Monatsende, in der
Nacht vom 26. auf den 27. Tag des Ramadan, wird die
ãLailatu El QadrÒ
ãNacht der MachtÒ oder
ãNacht der BestimmungÒ
gefeiert.
Sie gilt als die heiligste Nacht im islamischen Kalender, und gehšrt zu den Hšhepunkten
des Fastenmonats. In dieser Nacht wurde im Jahr 610 unserer Zeitrechnung, die
erste Sure des Korans, die ãAl FatihaÒ (die Eršffnende), an den
Propheten Mohammed gesandt. Der genaue Zeitpunkt ist nicht offizieller Teil des
islamischen Kalenders, und daher nicht genau datierbar. Aber die ãLailatu El
QadrÒ hat gro§e Bedeutung, weil sie in mehreren Suren erwŠhnt wird: So
steht es in Sure 44,3: ãWir haben es (das Buch) herab gesandt in einer
gesegneten Nacht(...)Ò. In der 97. Sure (nach der †bersetzung von Ludwig
Ullman und Leo Winter) hei§t es: ãIm Namen Allahs, des Albarmherzigen,
wahrlich wir haben (den Koran/das Buch) in der Nacht El-Kadar offenbart(...)Ò. ã(...)
die Nacht El Kadar ist weit besser als tausend Monate. In ihr steigen die Engel
herab und der Geist, mit Erlaubnis ihres Herrn, mit den Anordnungen Allahs Ÿber
alle Dinge. Friede und Heil bringt diese Nacht bis zum ErglŸhen der Morgenršte(...)Ò.
Diese besondere Nacht verbringen viele GlŠubige betend in der Moschee.
ãAid El FitrÒ
ãRamadanfestã
beginnt,
wenn der Neumond den Beginn des zehnten Mondmonats Shawwal verkŸndet.
Das Fest dauert drei, mancherorts sogar vier Tage. Am ersten Tag des Neumonds,
bei Tagesanbruch, versucht jeder Moslem diesen Tag, mit einem ersten Festgebet
bei einer Predigt, in einer ihm naheliegenden Moschee, zu beginnen. Oft werden
sie von Frauen begleitet, die sonst wenig oder nie in einer Moschee beten.
Nach dem
Gebet besucht man Freunde und Familie, gratuliert sich gegenseitig, und kostet
und verschenkt die eigens zum Aid El Fitr gebackenen PlŠtzchen (Quahk),
wŠhrend die Kinder sich Ÿber neue Kleidung und Spielzeug freuen.
ãAid El AdhaÒ
ãDas OpferfestÒ
Es wird am
10. Tag des Monats der Pilgerfahrt
ãHadschÒ, begangen. FŸr die Pilgerreise muss der GlŠubige sich in
ein ungenŠhtes Tuch wickeln (das gilt nicht fŸr die Frauen), welches seinen RŸcken
und die untere KšrperhŠlfte verhŸllt. Der Kopf bleibt dagegen unbedeckt.
Alle Riten,
die er wŠhrend der Pilgerreise vollziehen muss, sind symbolisch. Der GlŠubige
begibt sich zuerst fŸr einen Tag nach Arafat einem Vorort von Mekka, weil sich
dort Adam und Eva nach der Vertreibung aus dem Paradies wiederfanden, nachdem
sie sich verirrt und verloren hatten. Von dort aus verbringt er eine Nacht in Musdalifah,
danach wird er zwei oder drei Tage in Mina zubringen, wo er wŠhrend seines
Aufenthaltes die GebŠrde der Steinigung des Satans nachvollziehen wird. Dies
geschieht zur Erinnerung an die PrŸfung Abrahams, der seinen einzigen Sohn
opfern sollte, und den der Satan dreimal versuchte, um ihn von seinem Vorhaben
abzubringen. Abraham trieb Satan jedes Mal mit SteinwŸrfen fort. Zum Andenken
an diese PrŸfung und an Gottes Barmherzigkeit, der Abrahams Opfer nicht annahm
und ihm stattdessen ein Schaf sandte, wird zu diesem Fest ein Tier geschlachtet.
Die
Umschreitung der Kaaba, die lt. †berlieferung das erste, vom Propheten Abraham
erbaute Gebetshaus ist, geschieht mit den dazugehšrenden Gebeten, die ebenfalls
vorgeschrieben sind.
Das ãAid
El AdhaÒ dauert wiederum drei Tage und verbindet die gesamte islamische Welt
imaginŠr mit den Pilgern, die in Mekka die Kaaba umschreiten, um ihren
Treue-Eid zu Gott zu bekrŠftigen. Nicht nur der Pilger, sondern jeder Muslim,
wenn er dazu in der Lage ist, spendet ein Tier zum Opferfest. Das Fleisch wird
mit Verwandten, Nachbarn und Freunden geteilt.
ãLailatu El MiradschÒ
ãDie HimmelsreiseÒ
Dieses Fest,
wird von Fremden kaum wahrgenommen. Die Himmelsreise des Propheten ereignete
sich in der spŠteren mekkanischen Zeit, nicht lange vor der Auswanderung des
Propheten nach Medina, am
27. Tag des
Monats Radschab. Die Reise teilt sich in zwei Teile; einmal die ãIsraÒ-Reise
von Mekka nach Jerusalem zum Felsendom und zum anderen ãNiraqÒ, den Aufstieg
von der Erde zum Himmel. In
der
Prophetenbiografie von Ibn Ishaq wird berichtet, dass der Engel Gabriel den
Propheten auf ein himmlisches Reittier ãBuraraqÒ gehoben hat. Das Reittier trug
den Propheten zum Sinai, und der Engel zeigte ihm, bevor es seinen Ritt bis
nach Jerusalem fortsetzte die Stelle, wo Allah einst zu Moses gesprochen hatte.
Der Prophet stieg ab, wŠhrend in der Moschee bereits die anderen Propheten auf
ihn warteten, mit denen er dann als Imam betete.
Ibn Ishaq
berichtet weiter Ÿber die anschlie§ende Himmelfahrt: ãEin zuverlŠssiger Mann
hat mir von Abu Said berichtet, dieser habe gehšrt, wie Mohammed erzŠhlte:
"Als ich in Jerusalem das Nštige ausgefŸhrt hatte, wurde mir eine Leiter
gebracht, wie ich nie eine schšnere gesehen habe. Es war die, auf welche die
Toten bei der Auferstehung ihre Blicke richten. Mein Freund lie§ mich
aufsteigen, bis wir an eines der Himmelstore kamen, welches das Tor der Wache
hei§t. Zwšlftausendmal zwšlftausend Engel hielten dort Wache. Der Prophet traf
auf Abraham im ersten Himmel, im zweiten Himmel traf er auf Jesus und Johannes,
im dritten Josef und im vierten Himmel Idries. Im fŸnften Himmel begegnete ihm
Aaron und im sechsten traf er Moses. Als er zum siebenten Himmel kam sah er -
auf einem Stuhl am Tor zum Paradies sitzend - Abraham.Ò
†ber die
Himmelsreise gibt es bei den islamischen Theologen keine †bereinstimmung. Die
Frage, ob es sich um eine echte Abwesenheit handelt und nicht nur um eine
geistige Reise oder einen Traum, ist umstritten. Nach einer †berlieferung gibt
es die Aussage A'ishas, der Frau des Propheten, die da lautet: ãSein Kšrper
wurde nicht vermisst, sondern Gott lie§ seinen Geist reisen(...)Ò Nach Ansicht
anderer fand ãAl-IsraÒ (die Nachtreise) von Mekka nach Jerusalem mit dem Kšrper
statt. Hierbei verweist man auf
die Worte Mohammeds, was er in der WŸste Sinai gesehen und erlebt habe. Dagegen
sei die Himmelsreise mit dem Geist geschehen. Sie wird aber in der Mystik als hšchste
Weihe des Propheten angesehen.
ãMulid El-NabiÒ
ãDer Geburtstag des
ProphetenÒ
FŸr das
Leben Mohameds ist der Koran die einzige zuverlŠssige Quelle, weil er
authentische Worte des Propheten enthŠlt. Es gibt keine gesicherten
biographischen Daten des Propheten, man wei§ nur, dass Mohamed im Jahre 610
n.Ch. zum vollen Bewusstsein seiner Berufung gekommen ist, und dass er zu
diesem Zeitpunkt etwa 40 Jahre gewesen sein musste. Man schŠtzt daher das
Geburtsjahr des Propheten um das Jahr 570 n.Chr. und hat den 12. Rabi El Auwal,
im dritten Monat des islamischen Kalenderjahres, zum Geburtstag des Propheten
festgelegt. An diesem Tage gleicht die Feststimmung, die eines Volksfestes. Wie
bei allen islamischen Festen beginnt man den Tag mit Gottesdiensten und
Almosengeben.
Vor dem
Geburtstag werden kandierte NŸsse, kandierte Datteln, SesamplŠtzchen und viel
Zuckerwerk verkauft. FrŸher wurden gro§e Zuckerpuppen auf einem weiten geschmŸckten
Papp-Rock, mit gro§zŸgiger, fŠcherfšrmiger, bunter Halskrause hinter dem Kopf,
zum Kauf angeboten. Die Puppen standen manchmal so lange in den Wohnungen bis
sie von Ameisen heimgesucht wurden.
Zu allen
religišsen Festlichkeiten gehšrt die Abgabe der ãZakatÒ * das Almosen an die
Armen. Zakat gehšrt zu den wichtigsten Pflichten eines jeden Moslems und ist
eine der fŸnf SŠulen des Islam.
ãChanukkaÒ
ãDas jŸdische
LichterfestÒ
Chanukka
ist mit dem christlichen Weihnachtsfest vergleichbar. Es gehšrt zu den
untergeordneten Festen des Judentums und beginnt am 25. Tag des jŸdischen
Monats Kislev, welcher dem Monat Dezember entspricht und dauert acht Tage.
Chanukka ist das einzige jŸdische Fest, das an ein historisch fassbares
Ereignis erinnert; an den Sieg des Judas MaccabŠus Ÿber die Seleukiden im Jahre
164 v. Chr., und die anschlie§ende Reinigung des Jerusalemer Tempels. Entweiht
wurde der Tempel in Jerusalem wŠhrend der Zeit der Judenverfolgung unter
Antiochus IV. Epiphanes.
Nach der
Legende war das einzige, nicht von fremden Besatzern entweihte Objekt im
Tempel, eine kleine Schale, die gerade genug …l fŸr einen Tag enthielt. Wie
durch ein Wunder brannte das
Licht acht
Tage und acht NŠchte lang. Darum hei§t diese Begebenheit auch das ãLichtwunderÒ.
Seitdem wird am ersten Tag von Chanukka nach Sonnenuntergang eine Kerze eines
neunarmigen Leuchters von links nach rechts nacheinander entzŸndet, und jeden
Tag eine weitere, bis alle acht Kerzen des Chanukka-Leuchters brennen. Die
erste Kerze, die entzŸndet wird ist die, in der Mitte. Mit dieser Kerze werden
von links nach rechts die anderen acht Kerzen entzŸndet. Wenn die letzte Kerze
brennt, ist werden spezielle Chanukka-Lieder gesungen, Kinder beschenkt
sŸ§es GebŠck und Pfannkuchen gegessen.
ãSham El NessimÒ
ãFrŸhlingsanfangÒ
ist kein
religišser Festtag, gilt aber als Šltester Festtag €gyptens. Schon die
Pharaonen feierten vor Ÿber 5000 Jahren den Beginn des FrŸhlings. Zweimal im
Jahr sind Tag und Nacht gleichlang. Die Tag- und Nachtgleiche nach dem Winter
war Sinnbild vom Neubeginn des Lebens. ãAus ShamuÒ, welches Atem
bedeutet (Hauch), wurde spŠter ãSham El NessimÒ.
Der
griechische Philosoph Plutarch berichtet, dass an diesem Tag den pharaonischen
Gšttern kleine gesalzene Fische, Eier, grŸne Zwiebeln und Salat als Opfer
dargebracht wurden. Das Ei, welches mit den Grundnaturfarben bunt eingefŠrbt
wurde, galt als Symbol fŸr Leben. Au§erdem glaubte man in alter Zeit, dass die
Welt die Form eines Eies habe, die obere HŠlfte sei der Himmel und die untere
die Erde.
Schon zur
Zeit der Pharaonen wussten die Menschen, dass Fische in der Hitze des Sommers
krank werden kšnnen. Darum trocknete und salzte man bestimmte Fischsorten wie
z.B. Meerbarben ãMullidaeÒ, die erst zum Shamu gegessen wurden.
Bis heute
verbringen die €gypter aller Religionen das Sham El Nessim in šffentlichen
Parks und GŠrten, um den ãFrŸhling zu riechenÒ. Man ist versucht zu sagen: ã€gypten
macht Picknick.Ò Familien mit Kindern, Verwandten und Freunden lassen sich auf
allen erreichbaren GrŸnflŠchen nieder, breiten die mitgebrachten grŸnen
Zwiebeln, hart gekochten Eier, grŸne SalatblŠtter, verschiedene durch rŠuchern
und pškeln haltbar gemachte Fischarten und Brotfladen vor sich aus und feiern
von morgens, bis Sonnenuntergang den FrŸhling, heiter und laut.
*Zakat
ist eine Steuerleistung im Sinne von Almosen, WohltŠtigkeit, oder auch
Armensteuer genannt. Der GlŠubige
muss mindestens einen Betrag, der zur ErnŠhrung eines Erwachsenen wŠhrend eines
ganzen Tages ausreicht, an die Armen entrichten.
Quellen:
ãIslamÒ
Islamisches Centrum Genf
Koran †bersetzung
von L.Ullmann und L. Winter
wegzumislam.com
Papyrus `95
Foto: swr.de