Ein Leben für sein Land:

Gamal Abdel Nasser

 

 

 

Dr. Daniela Gielow

 

 

 

1918

 

 

 

15. Januar

Nasser wird in Beni Morr, einem Dorf in Oberägypten in der Provinz Assiut, geboren.

Sein Vater ist Postbeamter. Er wächst in einfachen Verhältnissen unter strengen oberägyptischen Traditionen auf. Als er 8 Jahre ist, stirbt seine Mutter.

Über seine Kindheit sagt Nasser: „Ich bin stolz darauf, zu diesem kleinen Dorf Beni Morr zu gehören. Und ich bin vor allem stolz darauf, ein Mitglied einer armen Familie aus diesem Dorf zu sein.“

1926

 

 

Danach zieht er zusammen mit seinem Vater nach Assuit, Alexandria und

schließlich nach Kairo, wo sein Vater Inspektor im Postministerium wird.

 

 

Schon in seiner Jugend ist er politisch engagiert und wendet sich gegen
ausländische Einflüsse auf die ägyptische Politik. Er nimmt an Demon-
strationen gegen die englische Besetzung teil, wobei er verletzt wird und
eine Narbe in seinem Gesicht behält.

1935

 

 

 

Nasser sitzt wegen „umstürzlerischer Tätigkeit” kurze Zeit in Unter-
suchungshaft.

1936

 

 

 

Das Militär-College wird nächste Lebensstation, er tritt der ägyptischen Armee bei.

 

 

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitet Nasser mit deutschen und italienischen Agenten zusammen und plant gemeinsam mit weiteren ägyptischen Militärs einen Putsch gegen die Briten.

1949

 

 

Verärgert über die Korruption der Regierung unter König Farouk und die Britische Besatzung, gründet er zusammen mit einer Gruppe von Freunden die Organisation „Freie Offiziere“.

Alle Mitglieder sind aber zu jung, um nach dem geplanten Umsturz in der Bevölkerung Vertrauen zu erlangen.

Deswegen wird der 48jährige General Ali Muhammad Nagib als Repräsentationsfigur an die Spitze des Komitees gesetzt.

Um ihre Ziele bekannt zu machen, verteilt die Organisation zunächst Flyer per Hand, später wird eine Zeitung gedruckt, die 700 ägyptische Offiziere per Post erreicht. Mehr und mehr Offiziere schließen sich an.

 

1952

 

 

23. Juli

Es kommt zum Putsch der Freien Offiziere, König Farouk wird
gebeten,
abzudanken.

General Nagib wird Präsident und Nasser stellvertretender

Ministerpräsident.

 

 

In den Folgejahren kommen Nasser und Nagib in Konflikt
über den zukünftigen Weg Ägyptens.

Nagib ist für eine Rückkehr der Armee in die Kasernen und
die Wiederherstellung eines demokratischen Gemeinwesens,
während Nasser für die Fortsetzung der Militärherrschaft eintritt.

 

1954

 

 

 

24. Februar

Nagib wird von Nasser zum Rücktritt gezwungen und kehrt nach einem Volksaufbegehren kurze Zeit später zurück. Bald darauf nimmt Nasser ein auf ihn verübtes Attentat islamistischer Terroristen zum Anlass, Nagib der Mitwisserschaft zu bezichtigen und ihn abzusetzen.

Erst nach dem Tode Nassers wird Nagib vollständig rehabilitiert.

 

 

19. Oktober

Nasser unterzeichnet ein Abkommen zum Abzug der britischen Truppen und beendet damit deren 72jährige Präsenz in Ägypten.

1955

 

 

 

Durch die Konferenz der „blockfreien Staaten“ wird Nasser zu einer zentralen Figur im Entkolonialisierungsprozess.

Hier werden Resolutionen verabschiedet, nach denen jede Form von Kolonialismus und Rassendiskriminierung verurteilt und der Abbau der Spannungen zwischen den Machtblöcken gefordert wird.

 

Zudem will Nasser die ägyptische Armee zur stärksten Streitmacht der arabischen Welt ausbauen. Nachdem er bei den westlichen Staaten nur wenig Hilfe bekommt, nähert er sich dem Ostblock an.

Unter diesem Einfluss baut Nasser ein neues politisches System, den „Arabischen Sozialismus” auf: ein Ein-Parteien-System mit dem Islam als offizielle Religion.

Er enteignet Grundbesitzer und verteilt das Land an das Volk, eine Verstaatlichung der Banken und Fabriken erfolgt wenig später. Nasser fördert die Ausbildung der ägyptischen Jugend, indem er ihr eine freie Bildung ermöglicht. Das Frauenwahlrecht wird eingeführt, ebenso eine kostenlose medizinische Versorgung. Dies verschafft ihm hohe
Popularität.

Zur Beseitigung des Massenelends plant Nasser den Bau des Assuan-Staudamms. Mit deren Zusagen für Finanzierungshilfe versucht er die USA und die Sowjetunion gegeneinander auszuspielen. Im Ergebnis ziehen beide Supermächte sich zurück.

1956

 

 

 

26. Juli

Zur Finanzierung des Staudamms wird der Suez-Kanal verstaatlicht. Zwar entschädigt Nasser die Anteilseigner (Briten und Franzosen), trotzdem werden sie um eine sehr wichtige Handelsroute gebracht.

 

 

29. Oktober

Das Entziehen dieser Handelroute führt zu einer Militärintervention, bei der Nasser eine militärische Niederlage erleidet. Er kann aber dank des Eingreifens der Supermächte einen politischen Sieg davontragen. Dadurch gelingt es ihm eine quasi unanfechtbare Position als Führer der arabischen Welt aufzubauen.

1958

 

 

 

Ägypten und Syrien schließen sich zur Vereinigten Arabischen Republik zusammen, bei der Nasser Staatspräsident wird. Nasser ist einer der Hauptvertreter des Gedankens einer vereinten Nation vom Atlantik bis zum Persischen Golf („Nasserismus”). 1961 sagt sich Syrien jedoch los und die Union zerbricht.

1967

 

 

 

5. bis 10. Juni

Israel greift im Sechstagekrieg Ägypten an, erobert den Sinai und fügt der davon überraschten ägyptischen Armee eine empfindliche Niederlage zu.

Nasser bietet seinen Rücktritt an, doch Massendemonstrationen in der gesamten arabischen Welt veranlassen ihn, im Amt zu bleiben. Seinen Nimbus als Held hat er beim ägyptischen Volk jedoch verloren.

1968

 

 

 

Um den Sinai zurückzuerobern, greift Nasser Israel an. In diesem Krieg gelingt es ihm teilweise, das Selbstvertrauen der ägyptischen Truppen wiederherzustellen. Als Israel jedoch die Überhand gewinnt, muss Nasser die Sowjetunion um Unterstützung bitten.

Die schwierige Kriegslage und die häufigen Luftangriffe auf ägyptische Städte setzen ihm gesundheitlich schwer zu.

Der Krieg endet 1970 mit einem Waffenstillstand; keine der beiden Parteien verzeichnet Gebietsgewinne.

1970

 

 

 

28. September

Gamal Abdel Nasser stirbt 52jährig in Kairo. Am Trauerzug für den Verstorbenen nehmen ca. vier Millionen Menschen teil. Er wird von Anwar al-Sadat als Staatspräsident abgelöst.

 

 

Nasser bleibt bei den Muslimen im Gedächtnis als der Mann, der sich gegen die westliche Herrschaft erhoben und sein Land von einer armen britischen Kolonie zu einer freien fortschrittlichen Nation geführt hat.

 

Obwohl man ihm den Vorwurf machen könnte, Ägypten zu einem Polizeistaat mit Kontrolle und Zensur gemacht zu haben, wird Nasser zweifelsfrei in erster Linie als der Arabische Führer gesehen, der nach einer langen Zeit der Demütigung durch westliche Herrschaft die Würde des Arabischen Volkes wiederherstellte.

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Quellen:

http://de.wikipedia.org

http://www.spartacus.schoolnet.co.uk/2WWnasser.htm

http://www.geocities.com/CapitolHill/Lobby/5270/index2.htm

http://atheism.about.com/library/glossary/islam/bldef_nassergamel.htm