BŸste Luxor- Museum, Galerie H
†ber
keinen anderen Kšnig der Geschichte wurde mehr spekuliert oder geschrieben als Ÿber
Amenhotep IV. den spŠteren Echnaton.
UnzŠhlige Dispute von renommierten €gyptologen verstanden es, die Mystik und
Spekulationen um diesen Pharao zu vergrš§ern.
Durch
die Ausstellung Amarna: LebensrŠume- Lebensbilder-
Weltbilder in Kšln sowie die umstrittene Forderung des Vorsitzenden des Supreme Courts of Antiquities, Zahi Hawass bezŸglich der RŸckkehr der BŸste der Nofretete nach
€gypten ist dieses Thema erneut ins Licht gerŸckt.
Die
Regierungszeit von Echnaton war sehr ereignisreich,
einige Geschehnisse und Praktiken haben noch heute Bedeutung. Amenhotep IV. fŸhrte eine neue Theologie ein: den
Monotheismus in dem nur ein Gott, nŠmlich der Aton,
angebetet wurde.
Prof.
Assmann schreibt: "Echnaton war der
Erste, der den Monotheismus praktizierte; die meisten religišsen Denker
adoptierten einige seiner Ideen".
Echnaton baute eine neue und schšne Hauptstadt im heutigen Tell
el Amarna und war mit Nofretete verheiratet, die zu
den berŸhmtesten Frauen der Antike gezŠhlt wird. Er war die Hauptperson vieler literarischen Werke, unter
anderem bei Naguib Mahfouz (al- A«isch
fi- l- haqiqa, Kairo, 1985).
Obwohl
Echnaton nach seinem Tod zum Ketzer erklŠrt wurde und
fast sŠmtliche Monumente zerstšrt wurden, besitzen wir ausreichende Kenntnisse
Ÿber ihn und seine Zeitperiode, die sogenannte Amarna-Periode.
In
meiner Bibliothek befinden sich zahlreiche Werke Ÿber Echnaton
und seine Zeit, trotzdem hatte ich anfŠnglich meine Bedenken, diese so wichtige
Zeitspanne in wenigen Seiten hier zu beschreiben. Da dieses Thema zu komplex
ist, habe ich mich auf die folgenden Aspekte beschrŠnkt:
Der
interessierte Leser sei auf die Bibliographie am Ende des Artikels hingewiesen,
einige dieser Werke und Abhandlungen sind auch in Kairo erhŠltlich.
Echnaton wurde als zweiter Sohn von Pharao Amenhotep III. und dessen gro§er kšniglicher Gemahlin Teje sehr wahrscheinlich in Theben geboren, das genaue
Datum ist unbekannt. Wir wissen wenig Ÿber seine Jugend, es wird vermutet, dass
er wie andere Prinzen in Memphis erzogen wurde. Er war nicht der designierte
Thronfolger, sein Šlterer Bruder Thutmosis verstarb
jedoch frŸh und gab so den Weg fŸr Echnaton frei. Als
"Horus im Nest" und Thronfolger wurde er im
Tempel des Ra in Heliopolis erzogen und kam dort erstmalig mit dem Sonnenkult
in BerŸhrung, was ihn nachhaltig beeinflusste. Schon in jungen Jahren vor
seiner Kršnung heiratete er Nafteta (Mittel-
€gyptisch = Nofretete), deren Abstammung nicht gesichert ist, einige
€gyptologen sehen jedoch den spŠteren Pharao Eje als
ihren Vater. Ihre Schwester Mutnodjmet war mit dem
spŠteren Pharao Horemheb verheiratet. Der Name
Nofretete bedeutet "Die Schšne ist gekommen", sie wird stets in
Begleitung ihres Gemahls gezeigt. Neben seiner Hauptgemahlin war Echnaton noch mit Kiya sowie mit Taduchepa, einer mitannischen
Prinzessin verheiratet, die letztere war die Witwe seines Vaters. Drei weitere
Gemahlinnen waren seine Tšchter Maketaton, Meritaton sowie Ankhesenpaaton,
die spŠtere Ankhesenpaamun und Gemahlin von Pharao Tutankhamun. Aus seiner Ehe mit Nofretete gingen drei
weitere Tšchter hervor. Es ist nicht meine Absicht, mich ausfŸhrlich mit den
komplexen familiŠren VerhŠltnissen von Echnaton zu
beschŠftigen.
Nach
37 Regierungsjahren starb Pharao Amenhotep III. und
wurde von seinem Sohn Amenhotep auf dem Thron
abgelšst. In den ersten fŸnf Jahren seiner Regierungszeit war sein Njswt- Name "Schšn sind die Manifestationen des Ra,
Einziger des Ra", sein Sa- Ra- Name lautete "Amun
ist zufrieden, Gott- Herrscher von Theben". Im Anschluss an seine spŠtere
religišse Reform Šnderte er seine Namen:
Njswt: "Nefer chepheru Ra wa n Ra"
(Schšn sind die Manifestationen des Ra, Einziger des Ra" und Sa- Ra:
"Echnaton" (Strahl des Aton).
Die
Regierungszeit des Echnaton muss in zwei Perioden unterteilt
werden: die ersten fŸnf Jahre und die folgenden 12 Jahre. WŠhrend der ersten
fŸnf Jahre lebte und herrschte der Kšnig in Theben. Der junge Pharao war
bereits mit seiner religišsen Reform infiziert und begann den ersten Aton-Tempel in Karnak zu erbauen,
wie wir im Verlaufe dieses Artikels sehen werden.
Wie
bereits erwŠhnt heiratete Echnaton Nofretete in
jungen Jahren vor seiner Kršnung. Als gebildete und emanzipierte Person Ÿbte
sie einen gro§en Einfluss auf ihn aus. Nofretete ist immer in Begleitung ihres
Gemahls zu sehen, bei privaten, staatlichen und religišsen AnlŠssen. Sie kann
als emanzipierte Kšnigin bezeichnet werden, keinesfalls aber als Gšttin. Obwohl
sie drei Kapellen in Theben erbauen lie§, wo sie dem Aton
opfernd gezeigt wird, empfing sie keine Opfergaben und unterhielt keine eigene Priesterschaft.
Kšnigin Nofretete, BŸste Kairo JE 45547
Wir
wissen, dass Nofretete den Kult des Aton stark
unterstŸtzte; eine Theorie besagt, dass sie die treibende Kraft war, die Echnaton zu seinen Reformen inspirierte. Wie auch ihr
Gemahl Šnderte sie nach den ersten fŸnf Jahren ihren Namen: "Nefer- Neferu- Jtn- Nfrtjti" (Schšne
oder Schšnheit des Aton, Die Schšne oder Schšnheit
ist gekommen).
Soweit
die ersten fŸnf Regierungsjahre des Echnaton: in dieser
kurzen Zeitspanne lie§ er einen Tempel fŸr den Aton
in Karnak erbauen, perfektionierte seine neue
Theologie und plante die GrŸndung einer neuen Hauptstadt. Obwohl er nur fŸnf
Jahre in Theben residierte, hinterlie§ er ausreichend Anhaltspunkte wie
das folgende Kapitel zeigen wird.
Sehr
wahrscheinlich residierten Echnaton und Nofretete in Malkata, der neuen Residenzstadt die von seinem Vater
gegrŸndet wurde. Echnaton entschied sich dazu, einen
dem Aton geweihten Tempel er-bauen
zu lassen. Dieser Tempel lag im Osten von Karnak, er
wurde ab 1976 von Prof. Redford ausge-graben. Mit
einer Grš§e von 608 x 217 Metern wurde er "Gem
pa Aton" = StŠrke (Kraft)
des Aton ge-nannt. Obwohl
wir noch nicht am Ende dieses Artikels sind, wissen wir alles Ÿber das Schicksal
der Bauten, die von Echnaton errichtet wurden: sie
wurden zerstšrt.
Der
Tempel von Karnak wurde nicht von nur einem, sondern
von mehreren Pharaonen Ÿber eine lange Zeitspanne hinweg erbaut. So benŸtzten
die Nachfolger Echnatons die Steine des Tempels von Gem pa Aton
fŸr ihre eigenen Bauvorhaben, hauptsŠchlich als FŸllmaterial fŸr die Pylone.
Diese Stein-blšcke werden "Talatat"
(Talata = Drei) genannt weil ihre LŠnge etwa dreimal
einer Handbreite ent-spricht. Echnaton
verwendete Talatat mit den Abma§en von 52 x 27 x 27
cm, sie waren leicht und kostengŸnstig zu produzieren und zu transportieren;
demnach konnte der Tempelbau zŸgig erfolgen.
Gem pa Aton
war derzeit der grš§te Tempel €gyptens, seine architektonische Gestaltung
erfolgte nach einem neuen Konzept. Bisher waren sŠmtliche Tempel Ÿberdacht und
mit einem zentralen Sanktuar versehen, in dem sich
die Statue des anzubetenden Gottes bzw. der Gšttin befand. Dieses Sanktuar war von geschlossenen RŠumen umgeben, das Innere
des Tempels war eher dunkel. Die Konzeption von Gem pa Aton war das všllige Gegenteil
der herkšmmlichen Architektur: der Tempel war nach allen Seiten und nach oben
hin offen. In einem gro§en offenen Hof befand sich eine offene SŠulenhalle, ein
Hauptaltar sowie Hunderte von weiteren waren so platziert, dass die Strahlen
des Aton sie den ganzen Tag Ÿber erreichen
konnten.
Heute
existiert Gem pa Aton nicht mehr, er wurde komplett zerstšrt. Es war Pharao
Haremhab, der die meisten Steine als FŸllgut beim Bau des Neunten Pylons verbaute. Prof. Redford, der in Karnak
bei seinen Ausgrabungen vermehrt auf Talatat von Gem pa Aton
stie§, grŸndete nun ein innovatives und einzigartiges Projekt: Das "Akhenaten Temple Project"
(ATP). Ziel dieses Projektes war es, die Talatat mit
Hilfe einer eigens entwickelten Software zu archivieren. Seine Absicht war es,
die einzelnen Blšcke so zusammenzufŸgen, dass sich Szenen rekonstruktieren
lie§en. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist heute im Museum von Luxor zu bewundern:
Galerie H
Die
restlichen Tausende von Talatat warten noch darauf,
archiviert und zusammengesetzt zu werden -
Freiwillige
kšnnen sich zwecks Terminabsprache bei mir melden.
Der
folgende Abschnitt mag fŸr manche der interessanteste sein: die religišse
Reform.
Zwei
Aspekte weisen darauf hin, dass der junge Amenhotep
vom Solar-Kult bzw. dessen Dominanz beeinflusst wurde. Als erstes ist da sein
Vater Amenhotep III., der wŠhrend seines Heb- Sed Festes im Regierungsjahr 30 zu einem Gott transformierte.
Der zukŸnftige Echnaton erlebte den zunehmenden Kult,
der seinem Vater von diesem Zeitpunkt an entgegengebracht wurde. Zweitens
wissen wir, dass der Prinz in Heliopolis von den Priestern des Ra erzogen wurde,
was einen tiefen Eindruck hinterlie§. Als dritten Punkt mšchte ich die Person
der Nofretete anfŸhren, ihr starker und emanzipierter Charakter kšnnte ihn
stark beeinflusst haben.
Um
die religišse Reform zu verstehen, mŸssen wir einen kurzen Blick auf die
religišse Situation der spŠten 18. Dynastie werfen: der Kult des mŠchtigen Amun-Ra und seine Verbindung mit Mut und Chons dominierte die Religion und sŠmtliche anderen Kulte.
Neben der thebanischen Triade und dem Kult des
Sonnengottes Ra im Norden wurden viele anderen Gottheiten im gesamten Land Kemet an-gebetet. Einige
Gottheiten wie Meretseger genossen nur einen lokalen
Kult, andere wie Thot, Horus,
Isis, Nephthys und viele
andere spielten wichtige Rollen in der Theologie. Diesen Zustand, dass meh-rere Gottheiten zur gleichen Zeit verehrt werden und
harmonisch nebeneinander existieren, bezeichnet man als Polytheismus.
Die
religišse Reform Echnatons war eine Bewegung von oben
nach unten. Er begann damit in Jahr 4 und vollendete sie in den Jahren 6 bis 9.
Im Jahr 4 wurde der Hohepriester des Amun May seines Am-tes enthoben und der Aton an
die Spitze des Pantheons gestellt. Zuerst wurden die
Gottheiten, die in Verbindung mit dem Totenkult standen, eliminiert; nach und
nach verloren die anderen Gottheiten ihr Ansehen und ihre Kulte. Dieser Zustand,
in dem neben einer dominanten Gottheit noch andere Gottheiten toleriert werden,
bezeichnet man als Henotheismus.
Es
war im Jahr 9, dass der Aton als einziger Gott in
€gypten angebetet wurde, alle anderen Gottheiten wurden nicht mehr toleriert.
Dieser Zustand wird als Monotheismus bezeichnet, also eine Religion, die ihr
Credo auf einen Gott beschrŠnkt, wie z. B. Christentum, Buddhismus, Judentum
und Islam.
Dieser
Schritt war ein sehr bemerkenswerter und eine bis dahin unbekannte und
ehrgeizige Handlung. Alle anderen Gottheiten der Šgyptischen Theologie mit
ihren Mythen und Kulten wurden innerhalb ei-nes
kurzen Zeitraums durch den Aton ersetzt. Diese Reform
war die Grundlage, aus der sich spŠtere monotheistische Religionen entwickelten.
Der
von Echnaton vermutlich selbst verfasste gro§e
Sonnengesang ist ein Hymnus, der seine neue Theologie erklŠrt. Leider ist es
mir aus PlatzgrŸnden nicht mšglich, diesen im Rahmen dieses Artikels hier
wiederzugeben. Inhalt dieser Dichtung ist die Lobpreisung Atons
als Erschaffer und Erhalter der Welt. Die alten Legenden und mythischen
Vorstellungen werden nicht mehr akzeptiert; Tod und Nacht, die im alten €gypten
eine wichtige Rolle spielten, werden nur kurz erwŠhnt und dem Aton gegenŸber als negativ dargestellt. Der Schwerpunkt des
Sonnengesangs liegt auf Schilderungen der Natur und der Tierwelt, die von Aton erschaffen wurden.
Der
zweite Aspekt der neuen Theologie liegt in der Stellung Echnatons.
Er alleine war der Mittler zwischen dem Aton und den
GlŠubigen, das Wesen des Aton wurde ausschlie§lich
dem Kšnig offen-bart: "Es gibt keinen
anderen, der dich kennt". Echnaton war nicht
nur weltlicher Herrscher sondern auch Prophet, diese Kombination war im alten
€gypten neu und beinhaltete eine immense MachtfŸlle.
Es ist unbestreitbar, dass sich Elemente
des gro§en Sonnengesangs in der Bibel finden lassen. Der 104. Psalm weist hier
einige besonders deutliche Allegorien auf:
Psalm 104 mit Versangabe: |
Sonnengesang Echnatons: |
|
20. Du machst Finsternis, dass es Nacht wird, da regen sich alle wilden
Tiere.
|
(...) so ist die Welt in Finsternis, (...) jedes Raubtier ist aus seiner Hšhle
gekommen
|
|
21. Die jungen Lšwen, die da brŸllen nach dem Raub, und ihre Speise suchen von
Gott.
|
alles
Wild hŸpft auf den FŸssen, alles, was fliegt und
flattert lebt. |
|
22. Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon, und legen sich in ihre
Hšhlen.
|
Gehst
du unter im Westhorizont, (...)
jedes Raubtier ist aus seiner Hšhle gekommen. |
|
23. So geht dann der Mensch aus an seine Arbeit und an sein Werk bis an den
Abend.
|
die
Menschen sind erwacht(...) das ganze Land tut seine Arbeit. |
|
24. Herr, wie sind deine Werke so gro§ und viel! Du hast sie alle weise geordnet,
und die Erde ist voll deiner GŸter.
|
Wie zahlreich sind deine Werke. Jedermann stellst du an seinen Platz. Die Welt
entsteht auf deinen Wink.
|
|
25. Da ist das Meer, das so gro§ und weit ist, da wimmelt«s ohne Zahl, gro§e und kleine Tiere.
|
Die Fische im Strom springen vor deinem Angesicht, deine
Strahlen sind im Inneren des Meeres.
|
Als
zweite AffinitŠt fŸhre ich den Sonnengesang des heiligen Franziskus von Assisi
an: Auch hier wird der Herr als Schšpfer der Elemente, Natur und Lebewesen
gepriesen:
"Gepriesen
sei, Du mein Herr, mit allen geschaffenen Wesen,
Vor
allem der Frau Sonne, der Schwester,
Der
Tag bringt, und Du erleuchtest uns durch sie,
Und
schšn ist sie und strahlend in hellem Erbrennen-
Sie
trŠgt ja deine Zeichen, Du Hšchster und Bester".
"Gepriesen
sei, Du mein Herr, durch Schwester Quelle,
Ihr
Wasser ist nŸtzlich und keusch, demŸtig und helle".
"Gepriesen
sei, Du mein Herr, durch unsere Schwester Mutter Erde,
Die
hilft, uns regieren und nŠhren
Und
schenkt uns vielerlei FrŸchte, Buntblumen und KrŠuter, €hren".
Auch
die Kunst, Ÿber die ein gesonderter Artikel von Nšten wŠre, unterlag in der Amarna-Periode einem Wandel. So werden z. B. intime
Handlungen wie das Halten von HŠnden und das KŸssen erst-malig
auf Reliefs und Malereien gezeigt. Echnaton sah die
Kunst als ein Mittel, um seine Politik zu verdeutlichen: der Stil wurde radikal
geŠndert und die alten symmetrischen und axialen Darstellungen verschwanden.
Die Hauptthemen der Motive waren meist der Aton, die
kšnigliche Familie oder das Verteilen des sogenannten "Ehrengoldes".
Relief Berlin 14145
Der
nun folgende Abschnitt fŸhrt uns in die ersten Regierungsjahre zurŸck. Seine
radikalen Reformen
beschrŠnkten
sich nicht auf Religion und Kunst, sie beinhalteten auch die Architektur. Im
Jahre 5 begann Echnaton mit der Planung einer neuen
Hauptstadt mit dem Namen Achet Aton
(Horizont des Aton), heute bekannt unter dem Namen
Tell el Amarna. Achet Aton lag in der WŸste auf der Ostseite des Nils gegenŸber
der heutigen Stadt Mallawi. Sie mšgen sich nun
fragen, aus welchem Anlass er diese Stadt baute, mit Malkatta
verfŸgte er doch Ÿber ausreichende Quartiere.
Es
war die Absicht des Kšnigs, seine neue Stadt, die dem Aton
gewidmet war, auf jungfrŠulichem Bo-den zu erbauen,
auf den niemand Anspruch erheben konnte. Die Stadt Theben mit dem dominierenden
Amuntempel war nicht geeignet, den Aton ohne von anderen Gottheiten gestšrt zu werden
anzubeten.
Die
neue Stadt war von 14 Felsstelen umgeben, welche manifestierten, dass diese
Stadt ausschlie§lich dem Aton gewidmet sei. Im
FrŸhjahr 2008 hatte ich das VergnŸgen, eine Vorlesung des Amarna-
Spezialisten Dr. Loeben in meiner alten Heimatstadt Kšln zu hšren. Die
Ausstellung im Ršmisch- Germanischen Museum zeigte Modelle der HŠuser aus Achet- Aton sowie einen
Stadtplan.

Modell
der kšniglichen Residenz in Achet- Aton, Ma§stab 1: 50
Etwa
50.000 bis 100.000 Menschen bewohnten die neue Stadt, sie verfŸgte u. a. Ÿber
einen gro§en und kleinen Tempel, kšnigliche Residenzen, Villen- und
Wohnviertel, einer Siedlung der von Deir el Medina
Šhnlich, sowie einen Friedhof. Es waren diese Arbeiter, die das Grab des Echnaton in den šst-lichen Bergen
(AT 26) schufen. Es ist nicht bekannt, ob Echnaton
dort begraben wurde, sŠmtliche GrŠber wurden ausgeplŸndert und stark zerstšrt.
Nach
12 Jahren wurde Achet Aton
nach dem Tod von Echnaton in Jahr 17 aufgegeben. Pharao
Horemheb zerstšrte sie und benŸtzte die
Baumaterialien, um den Tempel des Thot in Hermopolis zu renovieren, es wurden dort Ÿber 3.000 Talatat gefunden.
Achet Aton war und ist das Ziel
zahlreicher Ausgrabungen, die berŸhmtesten waren die von Flinders
Petrie und Ludwig Borchardt, der die Werkstatt des
Bildhauers Thutmosis mit der BŸste der Nofretete
fand. Die neue Direktorin des Šgyptischen Museums in Berlin, Dr. Seyfried hat eine schwierige Auf-gabe
Ÿbernommen: der Status eben jener BŸste. Die weitere Entwicklung ist mit Spannung
zu beob-achten.
Das
letzte Kapitel befasst sich mit dem Verfall der Reform. Eine Revolution wird
gewšhnlich von zahlreichen Menschen veranstaltet, welche ein gemeinsames Ziel
und Ideen haben; sie ist gegen wenige Personen an der Spitze des Staates gerichtet.
Die religišse Revolution des Echnaton war všllig kontrŠr:
sie wurde weder von den Massen getragen noch akzeptiert. Die traditionell
praktizierte Form der Herrschaft in Verbindung mit der polytheistischen
Theologie wie seit Hunderten von Jahren praktiziert wurde plštzlich negiert, um
ein všllig neues und kontrŠres System einzufŸhren. Die Mehrheit der Šgyptischen
Bevšlkerung war nicht in der Lage, diesen Zustand zu begreifen. Aus diesem
Grund verfŸgte der Kšnig nur Ÿber eine geringe Anzahl von GlŠubigen, die den Aton anbeteten. Sie wurden mit Ehrengold, Land und
Gunstbezeigungen belohnt, meiner Ansicht nach war dieses fŸr einige der wahre
Anlass nach Achet Aton zu
ziehen.
Auf
der anderen Seite waren Tausende von Priestern ohne BeschŠftigung, nachdem Echnaton die an-deren Kulte
verboten hatte. Die Kulte wurden im geheimen weiter praktiziert, ihr Einfluss
war nach wie vor sehr stark. Akzeptierten sie den neuen Status oder versuchten
sie, das alte System wieder her-zustellen?
Echnaton regierte mit relativ wenigen Gefolgsleuten von Achet- Aton aus das Land, wŠhrend
die Šgyptische Bevšlkerung und die ehemaligen Priester eine nicht zu
Ÿbersehende Macht darstellten, welche die neue Theologie ablehnten. Die au§enpolitische
Situation kann als unbefriedigend bezeichnet werden: die einst mŠchtigen
VerbŸndeten Mitanniter wurden von den Hethitern
bedroht. An Echnaton Ÿbermittelte Hilferufe blieben
unbeantwortet, er konzentrierte sich einzig auf religišse Angelegenheiten. Die
Folgen dieser Situation wurden von ihm kontrŠr gesinnten MilitŠrs und
StaatsmŠnnern vorhergesehen: sollte Mitanni
geschlagen werden, wŸrde die neue Macht der Hethiter eine akute Gefahr fŸr das
Land €gypten werden.
Diese
beiden UmstŠnde, die Echnaton feindlich gesinnten
Priester sowie die Bevšlkerung und die pre-kŠre au§enpolitische
Situation fŸhrten letztendlich zu seinem Untergang. †ber die letzten Jahre
seiner Regierungszeit liegen relativ wenige Belege vor. Das letzte offizielle
Dokument wurde in Jahr 12 da-tiert, einige
Korrespondenz mit auslŠndischen VerbŸndeten reichte bis in Jahr 17. Wir wissen
nicht wann und wie Echnaton starb, gesichert ist
jedoch, dass er mit einer Grabausstattung versehen in Achet-
Aton bestattet wurde, sein Leichnam ist jedoch nicht
auffindbar.
Es
war Pharao Tutankhamun der Achet-
Aton letztendlich aufgab und den Regierungssitz
zurŸck nach Theben bzw. Memphis verlegte. Mit Beginn der 19. Dynastie wurden Echnaton und seine Ideen als feindlich angesehen, der Kšnig
wurde von der Šgyptischen Chronologie ausgeschlossen. Dokumente die aus dieser
Zeit datieren, bezeichnen ihn als den "Kriminellen von Armarna"
oder "Angreifer von Theben". In den folgenden Jahren wurden die
Šgyptischen VerbŸndeten in Mitanni vernichtend von
den Hethitern geschlagen und der Šgyptische Einflussbereich dadurch drastisch
reduziert. Erst unter Pharao Ramses II. gelang es, die verlorenen Gebiete
erneut zu okkupieren.
Die
momentan stattfindenden Untersuchungen an dem Leichnam des Kšnigs Tutankhamun sowie die daraus zu ziehenden SchlŸsse lassen
eine spannende Entwicklung vermuten: zumindest die Genealo-gie
der kšniglichen Familie muss Ÿberarbeitet werden.
Amenhotep IV. Kestner
Museum Hannover
Literatur:
Die
Heilige Bibel, katholische Ausgabe
Aldred, Akhenaten, King of Egypt
Arnold,
Lexikon der Šgyptischen Baukunst
Assmann,
Moses der €gypter
Bonnet,
Reallexikon der Šgyptischen Religionsgeschichte (R€RG)
Goudge, Franz von Assisi
Hornung,
Die Religion des Lichtes
Redford,
Akhenaten, The Heretic King
Schlšgl,
Echnaton
Schlšgl,
Echnaton- Tutanchamun
Lexikon
der €gyptologie (L€)
Katalog
Amarna LebensrŠume- Lebensbilder- Weltbilder, Kšln,
2008
Katalog
Nofretete- Echnaton, MŸnchen, 1976
Katalog
€gyptisches Museum Berlin
Katalog
€gyptisches Museum Kairo
Katalog
€gyptisches Museum Luxor