Stefan Gerke

Echnaton:

Ketzer oder Prophet?

BŸste Luxor- Museum, Galerie H               

 

†ber keinen anderen Kšnig der Geschichte wurde mehr spekuliert oder geschrieben als Ÿber Amenhotep IV. den spŠteren Echnaton. UnzŠhlige Dispute von renommierten €gyptologen verstanden es, die Mystik und Spekulationen um diesen Pharao zu vergrš§ern.

 

Durch die Ausstellung Amarna: LebensrŠume- Lebensbilder- Weltbilder in Kšln sowie die umstrittene Forderung des Vorsitzenden des Supreme Courts of Antiquities, Zahi Hawass bezŸglich der RŸckkehr der BŸste der Nofretete nach €gypten ist dieses Thema erneut ins Licht gerŸckt.

Die Regierungszeit von Echnaton war sehr ereignisreich, einige Geschehnisse und Praktiken haben noch heute Bedeutung. Amenhotep IV. fŸhrte eine neue Theologie ein: den Monotheismus in dem nur ein Gott, nŠmlich der Aton, angebetet wurde.

 

Prof. Assmann schreibt: "Echnaton war der Erste, der den Monotheismus praktizierte; die meisten religišsen Denker adoptierten einige seiner Ideen".

Echnaton baute eine neue und schšne Hauptstadt im heutigen Tell el Amarna und war mit Nofretete verheiratet, die zu den berŸhmtesten Frauen der Antike gezŠhlt wird.  Er war die Hauptperson vieler literarischen Werke, unter anderem bei Naguib Mahfouz (al- A«isch fi- l- haqiqa, Kairo, 1985).

Obwohl Echnaton nach seinem Tod zum Ketzer erklŠrt wurde und fast sŠmtliche Monumente zerstšrt wurden, besitzen wir ausreichende Kenntnisse Ÿber ihn und seine Zeitperiode, die sogenannte Amarna-Periode.

 

In meiner Bibliothek befinden sich zahlreiche Werke Ÿber Echnaton und seine Zeit, trotzdem hatte ich anfŠnglich meine Bedenken, diese so wichtige Zeitspanne in wenigen Seiten hier zu beschreiben. Da dieses Thema zu komplex ist, habe ich mich auf die folgenden Aspekte beschrŠnkt:

 

  1. Die Abstammung und Jugend von Amenhotep IV.
  2. Die ersten Regierungsjahre
  3. Amenhotep IV. in Theben
  4. Die religišse Reform
  5. Die neue Hauptstadt
  6. Der Verfall

 

Der interessierte Leser sei auf die Bibliographie am Ende des Artikels hingewiesen, einige dieser Werke und Abhandlungen sind auch in Kairo erhŠltlich.

 

Echnaton wurde als zweiter Sohn von Pharao Amenhotep III. und dessen gro§er kšniglicher Gemahlin Teje sehr wahrscheinlich in Theben geboren, das genaue Datum ist unbekannt. Wir wissen wenig Ÿber seine Jugend, es wird vermutet, dass er wie andere Prinzen in Memphis erzogen wurde. Er war nicht der designierte Thronfolger, sein Šlterer Bruder Thutmosis verstarb jedoch frŸh und gab so den Weg fŸr Echnaton frei. Als "Horus im Nest" und Thronfolger wurde er im Tempel des Ra in Heliopolis erzogen und kam dort erstmalig mit dem Sonnenkult in BerŸhrung, was ihn nachhaltig beeinflusste. Schon in jungen Jahren vor seiner Kršnung heiratete er Nafteta (Mittel- €gyptisch = Nofretete), deren Abstammung nicht gesichert ist, einige €gyptologen sehen jedoch den spŠteren Pharao Eje als ihren Vater. Ihre Schwester Mutnodjmet war mit dem spŠteren Pharao Horemheb verheiratet. Der Name Nofretete bedeutet "Die Schšne ist gekommen", sie wird stets in Begleitung ihres Gemahls gezeigt. Neben seiner Hauptgemahlin war Echnaton noch mit Kiya sowie mit Taduchepa, einer mitannischen Prinzessin verheiratet, die letztere war die Witwe seines Vaters. Drei weitere Gemahlinnen waren seine Tšchter Maketaton, Meritaton sowie Ankhesenpaaton, die spŠtere Ankhesenpaamun und Gemahlin von Pharao Tutankhamun. Aus seiner Ehe mit Nofretete gingen drei weitere Tšchter hervor. Es ist nicht meine Absicht, mich ausfŸhrlich mit den komplexen familiŠren VerhŠltnissen von Echnaton zu beschŠftigen.

 

Nach 37 Regierungsjahren starb Pharao Amenhotep III. und wurde von seinem Sohn Amenhotep auf dem Thron abgelšst. In den ersten fŸnf Jahren seiner Regierungszeit war sein Njswt- Name "Schšn sind die Manifestationen des Ra, Einziger des Ra", sein Sa- Ra- Name lautete "Amun ist zufrieden, Gott- Herrscher von Theben". Im Anschluss an seine spŠtere religišse Reform Šnderte er seine Namen:

Njswt: "Nefer chepheru Ra wa n Ra" (Schšn sind die Manifestationen des Ra, Einziger des Ra" und Sa- Ra: "Echnaton" (Strahl des Aton).

 

Die Regierungszeit des Echnaton muss in zwei Perioden unterteilt werden: die ersten fŸnf Jahre und die folgenden 12 Jahre. WŠhrend der ersten fŸnf Jahre lebte und herrschte der Kšnig in Theben. Der junge Pharao war bereits mit seiner religišsen Reform infiziert und begann den ersten Aton-Tempel in Karnak zu erbauen, wie wir im Verlaufe dieses Artikels sehen werden.

 

Wie bereits erwŠhnt heiratete Echnaton Nofretete in jungen Jahren vor seiner Kršnung. Als gebildete und emanzipierte Person Ÿbte sie einen gro§en Einfluss auf ihn aus. Nofretete ist immer in Begleitung ihres Gemahls zu sehen, bei privaten, staatlichen und religišsen AnlŠssen. Sie kann als emanzipierte Kšnigin bezeichnet werden, keinesfalls aber als Gšttin. Obwohl sie drei Kapellen in Theben erbauen lie§, wo sie dem Aton opfernd gezeigt wird, empfing sie keine Opfergaben und unterhielt keine eigene Priesterschaft.

 

 Kšnigin Nofretete, BŸste Kairo JE 45547

 

Wir wissen, dass Nofretete den Kult des Aton stark unterstŸtzte; eine Theorie besagt, dass sie die treibende Kraft war, die Echnaton zu seinen Reformen inspirierte. Wie auch ihr Gemahl Šnderte sie nach den ersten fŸnf Jahren ihren Namen: "Nefer- Neferu- Jtn- Nfrtjti" (Schšne oder Schšnheit des Aton, Die Schšne oder Schšnheit ist gekommen).

 

Soweit die ersten fŸnf Regierungsjahre des Echnaton: in dieser kurzen Zeitspanne lie§ er einen Tempel fŸr den Aton in Karnak erbauen, perfektionierte seine neue Theologie und plante die GrŸndung einer neuen Hauptstadt. Obwohl er nur fŸnf Jahre in Theben residierte, hinterlie§ er ausreichend Anhalts­punkte wie das folgende Kapitel zeigen wird.

 

Sehr wahrscheinlich residierten Echnaton und Nofretete in Malkata, der neuen Residenzstadt die von seinem Vater gegrŸndet wurde. Echnaton entschied sich dazu, einen dem Aton geweihten Tempel er-bauen zu lassen. Dieser Tempel lag im Osten von Karnak, er wurde ab 1976 von Prof. Redford ausge-graben. Mit einer Grš§e von 608 x 217 Metern wurde er "Gem pa Aton" = StŠrke (Kraft) des Aton ge-nannt. Obwohl wir noch nicht am Ende dieses Artikels sind, wissen wir alles Ÿber das Schicksal der Bauten, die von Echnaton errichtet wurden: sie wurden zerstšrt.

 

Der Tempel von Karnak wurde nicht von nur einem, sondern von mehreren Pharaonen Ÿber eine lange Zeitspanne hinweg erbaut. So benŸtzten die Nachfolger Echnatons die Steine des Tempels von Gem pa Aton fŸr ihre eigenen Bauvorhaben, hauptsŠchlich als FŸllmaterial fŸr die Pylone. Diese Stein-blšcke werden "Talatat" (Talata = Drei) genannt weil ihre LŠnge etwa dreimal einer Handbreite ent-spricht. Echnaton verwendete Talatat mit den Abma§en von 52 x 27 x 27 cm, sie waren leicht und kostengŸnstig zu produzieren und zu transportieren; demnach konnte der Tempelbau zŸgig erfolgen.

 

Gem pa Aton war derzeit der grš§te Tempel €gyptens, seine architektonische Gestaltung erfolgte nach einem neuen Konzept. Bisher waren sŠmtliche Tempel Ÿberdacht und mit einem zentralen Sanktuar versehen, in dem sich die Statue des anzubetenden Gottes bzw. der Gšttin befand. Dieses Sanktuar war von geschlossenen RŠumen umgeben, das Innere des Tempels war eher dunkel. Die Konzeption von Gem pa Aton war das všllige Gegenteil der herkšmmlichen Architektur: der Tempel war nach allen Seiten und nach oben hin offen. In einem gro§en offenen Hof befand sich eine offene SŠulenhalle, ein Hauptaltar sowie Hunderte von weiteren waren so platziert, dass die Strahlen des Aton sie den ganzen Tag Ÿber erreichen konnten. 

 

Heute existiert Gem pa Aton nicht mehr, er wurde komplett zerstšrt. Es war Pharao Haremhab, der die meisten Steine als FŸllgut beim Bau des Neunten Pylons verbaute. Prof. Redford, der in Karnak bei seinen Ausgrabungen vermehrt auf Talatat von Gem pa Aton stie§, grŸndete nun ein innovatives und einzigartiges Projekt: Das "Akhenaten Temple Project" (ATP). Ziel dieses Projektes war es, die Talatat mit Hilfe einer eigens entwickelten Software zu archivieren. Seine Absicht war es, die einzelnen Blšcke so zusammenzufŸgen, dass sich Szenen rekonstruktieren lie§en. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist heute im Museum von Luxor zu bewundern:

 

 Galerie H

 

Die restlichen Tausende von Talatat warten noch darauf, archiviert und zusammengesetzt zu werden -

Freiwillige kšnnen sich zwecks Terminabsprache bei mir melden.

 

Der folgende Abschnitt mag fŸr manche der interessanteste sein: die religišse Reform.

 

Zwei Aspekte weisen darauf hin, dass der junge Amenhotep vom Solar-Kult bzw. dessen Dominanz beeinflusst wurde. Als erstes ist da sein Vater Amenhotep III., der wŠhrend seines Heb- Sed Festes im Regierungsjahr 30 zu einem Gott transformierte. Der zukŸnftige Echnaton erlebte den zunehmenden Kult, der seinem Vater von diesem Zeitpunkt an entgegengebracht wurde. Zweitens wissen wir, dass der Prinz in Heliopolis von den Priestern des Ra erzogen wurde, was einen tiefen Eindruck hinterlie§. Als dritten Punkt mšchte ich die Person der Nofretete anfŸhren, ihr starker und emanzipierter Charakter kšnnte ihn stark beeinflusst haben. 

 

Um die religišse Reform zu verstehen, mŸssen wir einen kurzen Blick auf die religišse Situation der spŠten 18. Dynastie werfen: der Kult des mŠchtigen Amun-Ra und seine Verbindung mit Mut und Chons dominierte die Religion und sŠmtliche anderen Kulte. Neben der thebanischen Triade und dem Kult des Sonnengottes Ra im Norden wurden viele anderen Gottheiten im gesamten Land Kemet an-gebetet. Einige Gottheiten wie Meretseger genossen nur einen lokalen Kult, andere wie Thot, Horus, Isis, Nephthys und viele andere spielten wichtige Rollen in der Theologie. Diesen Zustand, dass meh-rere Gottheiten zur gleichen Zeit verehrt werden und harmonisch nebeneinander existieren, bezeichnet man als Polytheismus.

 

Die religišse Reform Echnatons war eine Bewegung von oben nach unten. Er begann damit in Jahr 4 und vollendete sie in den Jahren 6 bis 9. Im Jahr 4 wurde der Hohepriester des Amun May seines Am-tes enthoben und der Aton an die Spitze des Pantheons gestellt. Zuerst wurden die Gottheiten, die in Verbindung mit dem Totenkult standen, eliminiert; nach und nach verloren die anderen Gottheiten ihr Ansehen und ihre Kulte. Dieser Zustand, in dem neben einer dominanten Gottheit noch andere Gottheiten toleriert werden, bezeichnet man als Henotheismus.

 

Es war im Jahr 9, dass der Aton als einziger Gott in €gypten angebetet wurde, alle anderen Gottheiten wurden nicht mehr toleriert. Dieser Zustand wird als Monotheismus bezeichnet, also eine Religion, die ihr Credo auf einen Gott beschrŠnkt, wie z. B. Christentum, Buddhismus, Judentum und Islam.

 

Dieser Schritt war ein sehr bemerkenswerter und eine bis dahin unbekannte und ehrgeizige Handlung. Alle anderen Gottheiten der Šgyptischen Theologie mit ihren Mythen und Kulten wurden innerhalb ei-nes kurzen Zeitraums durch den Aton ersetzt. Diese Reform war die Grundlage, aus der sich spŠtere monotheistische Religionen entwickelten.

 

Der von Echnaton vermutlich selbst verfasste gro§e Sonnengesang ist ein Hymnus, der seine neue Theologie erklŠrt. Leider ist es mir aus PlatzgrŸnden nicht mšglich, diesen im Rahmen dieses Artikels hier wiederzugeben. Inhalt dieser Dichtung ist die Lobpreisung Atons als Erschaffer und Erhalter der Welt. Die alten Legenden und mythischen Vorstellungen werden nicht mehr akzeptiert; Tod und Nacht, die im alten €gypten eine wichtige Rolle spielten, werden nur kurz erwŠhnt und dem Aton gegenŸber als negativ dargestellt. Der Schwerpunkt des Sonnengesangs liegt auf Schilderungen der Natur und der Tierwelt, die von Aton erschaffen wurden.

 

Der zweite Aspekt der neuen Theologie liegt in der Stellung Echnatons. Er alleine war der Mittler zwischen dem Aton und den GlŠubigen, das Wesen des Aton wurde ausschlie§lich dem Kšnig offen-bart: "Es gibt keinen anderen, der dich kennt". Echnaton war nicht nur weltlicher Herrscher sondern auch Prophet, diese Kombination war im alten €gypten neu und beinhaltete eine immense MachtfŸlle.

 

 Es ist unbestreitbar, dass sich Elemente des gro§en Sonnengesangs in der Bibel finden lassen. Der 104. Psalm weist hier einige besonders deutliche Allegorien auf:

Psalm 104 mit Versangabe:

Sonnengesang Echnatons:

20. Du machst Finsternis, dass es Nacht wird,

da regen sich alle wilden Tiere. 

(...) so ist die Welt in Finsternis,

(...) jedes Raubtier ist aus seiner Hšhle gekommen

21. Die jungen Lšwen, die da brŸllen nach dem Raub,

und ihre Speise suchen von Gott.

alles Wild hŸpft auf den FŸssen, alles, was fliegt und flattert lebt.

22. Wenn aber die Sonne aufgeht, heben sie sich davon,

und legen sich in ihre Hšhlen.

Gehst du unter im Westhorizont,

(...) jedes Raubtier ist aus seiner Hšhle gekommen.

23. So geht dann der Mensch aus an seine Arbeit

und an sein Werk bis an den Abend.

die Menschen sind erwacht(...) das ganze Land tut seine Arbeit.

 

24. Herr, wie sind deine Werke so gro§ und viel!

Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner GŸter.

Wie zahlreich sind deine Werke. Jedermann stellst du an seinen Platz.

Die Welt entsteht auf deinen Wink.

25. Da ist das Meer, das so gro§ und weit ist,

da wimmelt«s ohne Zahl, gro§e und kleine Tiere.

Die Fische im Strom springen vor deinem Angesicht,

deine Strahlen sind im Inneren des Meeres.

 

Als zweite AffinitŠt fŸhre ich den Sonnengesang des heiligen Franziskus von Assisi an: Auch hier wird der Herr als Schšpfer der Elemente, Natur und Lebewesen gepriesen:

 

"Gepriesen sei, Du mein Herr, mit allen geschaffenen Wesen,

Vor allem der Frau Sonne, der Schwester,

Der Tag bringt, und Du erleuchtest uns durch sie,

Und schšn ist sie und strahlend in hellem Erbrennen-

Sie trŠgt ja deine Zeichen, Du Hšchster und Bester".

 

"Gepriesen sei, Du mein Herr, durch Schwester Quelle,

Ihr Wasser ist nŸtzlich und keusch, demŸtig und helle".

 

"Gepriesen sei, Du mein Herr, durch unsere Schwester Mutter Erde,

Die hilft, uns regieren und nŠhren

Und schenkt uns vielerlei FrŸchte, Buntblumen und KrŠuter, €hren". 

 

Auch die Kunst, Ÿber die ein gesonderter Artikel von Nšten wŠre, unterlag in der Amarna-Periode einem Wandel. So werden z. B. intime Handlungen wie das Halten von HŠnden und das KŸssen erst-malig auf Reliefs und Malereien gezeigt. Echnaton sah die Kunst als ein Mittel, um seine Politik zu verdeutlichen: der Stil wurde radikal geŠndert und die alten symmetrischen und axialen Darstellungen verschwanden. Die Hauptthemen der Motive waren meist der Aton, die kšnigliche Familie oder das Verteilen des sogenannten "Ehrengoldes".

 

 Relief Berlin 14145

 

Der nun folgende Abschnitt fŸhrt uns in die ersten Regierungsjahre zurŸck. Seine radikalen Reformen

beschrŠnkten sich nicht auf Religion und Kunst, sie beinhalteten auch die Architektur. Im Jahre 5 begann Echnaton mit der Planung einer neuen Hauptstadt mit dem Namen Achet Aton (Horizont des Aton), heute bekannt unter dem Namen Tell el Amarna. Achet Aton lag in der WŸste auf der Ostseite des Nils gegenŸber der heutigen Stadt Mallawi. Sie mšgen sich nun fragen, aus welchem Anlass er diese Stadt baute, mit Malkatta verfŸgte er doch Ÿber ausreichende Quartiere.

 

Es war die Absicht des Kšnigs, seine neue Stadt, die dem Aton gewidmet war, auf jungfrŠulichem Bo-den zu erbauen, auf den niemand Anspruch erheben konnte. Die Stadt Theben mit dem dominierenden Amuntempel war nicht geeignet, den Aton ohne von anderen Gottheiten gestšrt zu werden anzubeten.

 

Die neue Stadt war von 14 Felsstelen umgeben, welche manifestierten, dass diese Stadt ausschlie§lich dem Aton gewidmet sei. Im FrŸhjahr 2008 hatte ich das VergnŸgen, eine Vorlesung des Amarna- Spezialisten Dr. Loeben in meiner alten Heimatstadt Kšln zu hšren. Die Ausstellung im Ršmisch- Germanischen Museum zeigte Modelle der HŠuser aus Achet- Aton sowie einen Stadtplan.

 

      

        Modell der kšniglichen Residenz in Achet- Aton, Ma§stab 1: 50

 

Etwa 50.000 bis 100.000 Menschen bewohnten die neue Stadt, sie verfŸgte u. a. Ÿber einen gro§en und kleinen Tempel, kšnigliche Residenzen, Villen- und Wohnviertel, einer Siedlung der von Deir el Medina Šhnlich, sowie einen Friedhof. Es waren diese Arbeiter, die das Grab des Echnaton in den šst-lichen Bergen (AT 26) schufen. Es ist nicht bekannt, ob Echnaton dort begraben wurde, sŠmtliche GrŠber wurden ausgeplŸndert und stark zerstšrt.

 

Nach 12 Jahren wurde Achet Aton nach dem Tod von Echnaton in Jahr 17 aufgegeben. Pharao Horemheb zerstšrte sie und benŸtzte die Baumaterialien, um den Tempel des Thot in Hermopolis zu renovieren, es wurden dort Ÿber 3.000 Talatat gefunden.

 

Achet Aton war und ist das Ziel zahlreicher Ausgrabungen, die berŸhmtesten waren die von Flinders Petrie und Ludwig Borchardt, der die Werkstatt des Bildhauers Thutmosis mit der BŸste der Nofretete fand. Die neue Direktorin des Šgyptischen Museums in Berlin, Dr. Seyfried hat eine schwierige Auf-gabe Ÿbernommen: der Status eben jener BŸste. Die weitere Entwicklung ist mit Spannung zu beob-achten.

Das letzte Kapitel befasst sich mit dem Verfall der Reform. Eine Revolution wird gewšhnlich von zahlreichen Menschen veranstaltet, welche ein gemeinsames Ziel und Ideen haben; sie ist gegen wenige Personen an der Spitze des Staates gerichtet. Die religišse Revolution des Echnaton war všllig kontrŠr: sie wurde weder von den Massen getragen noch akzeptiert. Die traditionell praktizierte Form der Herrschaft in Verbindung mit der polytheistischen Theologie wie seit Hunderten von Jahren praktiziert wurde plštzlich negiert, um ein všllig neues und kontrŠres System einzufŸhren. Die Mehrheit der Šgyptischen Bevšlkerung war nicht in der Lage, diesen Zustand zu begreifen. Aus diesem Grund verfŸgte der Kšnig nur Ÿber eine geringe Anzahl von GlŠubigen, die den Aton anbeteten. Sie wurden mit Ehrengold, Land und Gunstbezeigungen belohnt, meiner Ansicht nach war dieses fŸr einige der wahre Anlass nach Achet Aton zu ziehen.

 

Auf der anderen Seite waren Tausende von Priestern ohne BeschŠftigung, nachdem Echnaton die an-deren Kulte verboten hatte. Die Kulte wurden im geheimen weiter praktiziert, ihr Einfluss war nach wie vor sehr stark. Akzeptierten sie den neuen Status oder versuchten sie, das alte System wieder her-zustellen?

 

Echnaton regierte mit relativ wenigen Gefolgsleuten von Achet- Aton aus das Land, wŠhrend die Šgyptische Bevšlkerung und die ehemaligen Priester eine nicht zu Ÿbersehende Macht darstellten, welche die neue Theologie ablehnten. Die au§enpolitische Situation kann als unbefriedigend bezeichnet werden: die einst mŠchtigen VerbŸndeten Mitanniter wurden von den Hethitern bedroht. An Echnaton Ÿbermittelte Hilferufe blieben unbeantwortet, er konzentrierte sich einzig auf religišse Angelegenheiten. Die Folgen dieser Situation wurden von ihm kontrŠr gesinnten MilitŠrs und StaatsmŠnnern vorhergesehen: sollte Mitanni geschlagen werden, wŸrde die neue Macht der Hethiter eine akute Gefahr fŸr das Land €gypten werden.

 

Diese beiden UmstŠnde, die Echnaton feindlich gesinnten Priester sowie die Bevšlkerung und die pre-kŠre au§enpolitische Situation fŸhrten letztendlich zu seinem Untergang. †ber die letzten Jahre seiner Regierungszeit liegen relativ wenige Belege vor. Das letzte offizielle Dokument wurde in Jahr 12 da-tiert, einige Korrespondenz mit auslŠndischen VerbŸndeten reichte bis in Jahr 17. Wir wissen nicht wann und wie Echnaton starb, gesichert ist jedoch, dass er mit einer Grabausstattung versehen in Achet- Aton bestattet wurde, sein Leichnam ist jedoch nicht auffindbar.

 

Es war Pharao Tutankhamun der Achet- Aton letztendlich aufgab und den Regierungssitz zurŸck nach Theben bzw. Memphis verlegte. Mit Beginn der 19. Dynastie wurden Echnaton und seine Ideen als feindlich angesehen, der Kšnig wurde von der Šgyptischen Chronologie ausgeschlossen. Dokumente die aus dieser Zeit datieren, bezeichnen ihn als den "Kriminellen von Armarna" oder "Angreifer von Theben". In den folgenden Jahren wurden die Šgyptischen VerbŸndeten in Mitanni vernichtend von den Hethitern geschlagen und der Šgyptische Einflussbereich dadurch drastisch reduziert. Erst unter Pharao Ramses II. gelang es, die verlorenen Gebiete erneut zu okkupieren.

 

Die momentan stattfindenden Untersuchungen an dem Leichnam des Kšnigs Tutankhamun sowie die daraus zu ziehenden SchlŸsse lassen eine spannende Entwicklung vermuten: zumindest die Genealo-gie der kšniglichen Familie muss Ÿberarbeitet werden.

 

  Amenhotep IV. Kestner Museum Hannover

 

 

Literatur:

Die Heilige Bibel, katholische Ausgabe

Aldred, Akhenaten, King of Egypt

Arnold, Lexikon der Šgyptischen Baukunst

Assmann, Moses der €gypter

Bonnet, Reallexikon der Šgyptischen Religionsgeschichte (R€RG)

Goudge, Franz von Assisi

Hornung, Die Religion des Lichtes

Redford, Akhenaten, The Heretic King

Schlšgl, Echnaton

Schlšgl, Echnaton- Tutanchamun

Lexikon der €gyptologie (L€)

Katalog Amarna LebensrŠume- Lebensbilder- Weltbilder, Kšln, 2008  

Katalog Nofretete- Echnaton, MŸnchen, 1976

Katalog €gyptisches Museum Berlin

Katalog €gyptisches Museum Kairo

Katalog €gyptisches Museum Luxor

 

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