Relief T

Stefan Gerke

Amenhotep III.

T 57

 

In der Reihe das pharaonische €gypten zur Zeit des Neuen Reiches befasst sich dieser Artikel mit Pharao Amenhotep III. welcher manchen Papyrus- Leser gelŠufig sein mag. Dieser Herrscher welcher 37 Jahre regierte ist nicht zuletzt als Vater seines Nachfolgers Amenhotep IV. auch genannt Echnaton recht bekannt. Wie dieser Artikel zeigen wird, hatte Amenhotep III. eine besondere Beziehung zu Theben, fast an jedem pharaonischen Bauwerk des Neuen Reiches sind seine Spuren anzutreffen: von Luxor bis Karnak, seinem Totentempel mit den sogenannten "Memnon- Kolossen", seine neue Resi-denzstadt und viele andere Orte.

Der erste Abschnitt dieses Artikels befasst sich mit der Abstammung und Familie von Amenhotep III. Seine kšnigliche Abstammung als Sohn von Thutmosis IV. und Mutemwia sowie als Enkel von Amenhotep II. fŸhrte das "Haus" der 18. Dynastie fort. Seine Hauptgemahlin Teje entstammte einer einflussreichen Beamtenfamilie und war die Tochter von Juja und Tuja, die spŠter das seltene Privilig genossen als nichtkšnigliche Personen im Tal der Kšnige bestattet zu werden. Es liegen Dokumente vor, welche die kšnigliche Hochzeit belegen: "Gro§e kšnigliche Gemahlin Teje, sie mšge leben, der Name ihres Vaters ist Juja, der Name ihrer Mutter ist Tuja. Das ist die Gemahlin des mŠchtigen Kšnigs ..." (Hochzeits- SkarabŠus, €gyptisches Museum Berlin, Urk. IV. 1741, 1-6) Diese SkarabŠen in handlichem Format wurden in Mengen produziert und dienten als Kommunikationsmittel; beson-ders Amenhotep III. machte von diesem Medium verstŠrkt Gebrauch.

 

                                                                Kšnigin Teje                                   HochzeitsskarabŠus

                                                                                                 Museum Berlin No. 21834

 

In seinem zehnten Regierungsjahr heiratete er Giluchepa, eine Prinzessin aus Mitanni (Reich am obe-ren Tigris); zum Ende seiner Regierung die Prinzessin Taduchepa. Dem heutigen Leser mag es sus-pekt vorkommen das Amenhotep III. mit Satamen und Isis zwei seiner Tšchter heiratete. Diese Ver-bindungen sollten jedoch rituell und nicht weltlich gesehen werden. Neben vier (fŸnf) Tšchtern gingen aus der Ehe mit Teje noch zwei Sšhne hervor: Thutmosis und Amenhotep. Der Šltere Sohn Thutmosis der mit "Falke im Nest" tituliert wurde war dazu prŠdestiniert seinem Vater als Thutmosis V. auf dem Thron zu folgen. Seine Titel belegen dieses: "Kronprinz", "Hohepriester des Ptah" sowie "€ltester und geliebter Kšnigssohn" (Sarkophag Kairo 5003). Wir wissen nicht wann, wo und wie Thutmosis starb, sicher ist, dass er in jungen Jahren das Zeitliche segnete.

Da der zweite Sohn und spŠtere Pharao Amenhotep IV. Thema des nŠchsten Artikels ist, werde ich mich hier nicht weiter Ÿber seine Person auslassen.

Ein SkarabŠus belegt das Amenhotep III. in Theben geboren wurde. Ab seinem fŸnften Lebensjahr wurde er von seinem Erzieher Heqa- Ra- neheh (TT 64) in hieratischer Schrift, Mathematik, Religion, Politik sowie spŠter in hieroglyphischer Schrift unterrichtet. Neben seiner schulischen Ausbildung wurde der Kronprinz in Sport, Jagd sowie im MilitŠrwesen unterwiesen.

In seinem zwšlften Lebensjahr starb sein Vater Thutmosis IV. und der Prinz wurde am 3. Tag des 3. Monats der Jahreszeit Shemu im Jahr 1388 v. Chr. zum Pharao gekršnt. Aufgrund seiner Jugend Ÿbernahm seine Mutter Mutemwia fŸr die ersten Jahre die Regentschaft. Mit seiner Thronbesteigung erhielt Amenhotep III. den Njswt- bjtj- Namen "Neb Maat Ra", welcher mit "Der Herr der Maat ist Ra" Ÿbersetzt werden kann. Sein Name Amenhotep (=Amun ist zufrieden) wurde oft von dem Epitheton "Heqa Waset" (=Herrscher von Theben) begleitet. Es waren die Griechen die den Namen Amenhotep mit "Amenophis" Ÿbersetzten; der Name Amenhotep wird von Wissenschaftlern und Belesenen benutzt, der Name "Amenophis" ist allgemein gebrŠuchlich. Einige wichtigen Ereignisse seiner ersten 11 Regierungsjahre sind uns durch sogenannte Gedenk- SkarabŠen Ÿberliefert; sie berichten Ÿber Jagden oder Angelegenheiten des kšniglichen Harems. Im Jahr 5 unternahm Amenhotep III. einen Feldzug in das sŸdliche Kusch um die Lieferungen von Tributen und Gold sicherzustellen. Er folgte der Hochzeitspolitik von Thumosis III. indem er zwei mitannische Prinzessinen heiratete und einen ausgedehnten Handel fšrderte.

Die sogenannten "Amarna- Tabletts" sind kleine, mit Keilschrift beschriebene Tontafeln die in Tell el- Amarna gefunden wurden. Sie stellten das Archiv des "Aussenministeriums" dar; eine Tafel berichtet das zum Ende der Regierungsjahre von Amenhotep III. der VerbŸndete aus Mitanni in militŠrische Auseinandersetzungen verwickelt war. Wie aus den Tafeln hervorgeht, reichten die Handelsbeziehun-gen €gyptens in dieser Zeit von Anatolien Ÿber Kreta bis in den Jemen.

Pharao Amenhotep III. feierte drei Heb- Sed Feste, dabei dabei fŸhrte er die Tradition des Heb- Sed Festes aus dem Alten Reich erneut ein. Diese €nderung war von immenser Bedeutung wie wir spŠter sehen werden. Im Mittelpunkt des Festes stand die Erneuerung der Energie um eine weitere Periode zu regieren sowie eine Fusion mit gšttlichen KrŠften. Das Prinzip bestand darin, dass der verstorbene Kš-nig die Gštterwelt betrat und selbst zum Gott wurde. Amenhotep III. Šnderte nun dieses Prinzip als er wŠhrend seines ersten Heb- Seds im Regierungsjahr 30 entschied, seine Existenz als "Mensch" zu be-enden. Er fusionierte mit dem Grš§ten der Gštter, dem Sonnengott Ra und regierte fortan als Gott Amenhotep. Das Epitheton welches er nun seinem Namen beifŸgte verdeutlicht das: "Ra- Harachte, der aus der Akhet handelt, in seinem Attribut als Licht der Sonne die in der Sonnenscheibe (Aton) ist".

 

           Der vergšttlichte Kšnig, Luxor Museum, Gallerie A

 

Amenhotep III. feierte drei Heb- Sed Feste in den Regierungsjahren 30, 34 und 37. Im Grab des Kheruef (TT 192; PM I. 1 S. 298 f.) ist eines seiner Feste in Wandmalereien Ÿberliefert.

€gypten war zur Zeit von Amenhotep III. ein blŸhendes Land: die Wirtschaft florierte, es wurden kei-ne gro§en FeldzŸge unternommen, die Grenzen waren gesichert und es wurden viele neue religišse Bauten errichtet. Der folgende Abschnitt befasst sich mit der BautŠtigkeit von Amenhotep III. Es wŠre zu umfangreich, hier die Bauten ausfŸhrlich zu beschreiben, aus diesem Grund hier nur eine Auflis-tung:

UnterŠgypten:

OberŠgypten:   

Nubien:

Wie sie erkennen kšnnen, schlie§t diese Listung die Stadt Theben aus. Hier entwickelte Pharao einen besonderen Tatendrang der sich in prŠchtigen Monumenten manifestierte:

 

Luxor:        Bau und Erweiterung des Tempels

Karnak:     Dritter Pylon

                  Zehnter Pylon mit zwei Kollosalstatuen

                  Tempel des Month mit zwei Obelisken

                  Tempel der Mut

                  Sphingen- Avenue zum Tempel von Luxor

Westufer:  Totentempel in Kom el Hetan

                  Residenzstadt in Malkatta

                  Der See von Birket Habu

                  MilitŠrŸbungsplatz von Kom el Abd

                  Das Grab WV (KV) 22

 

In seinen 37 Regierungsjahren entwickelte Amenhotep III. eine solch gro§e BautŠtitgkeit die nur noch von Ramses II. Ÿbertroffen wurde.

 

Der kšnigliche Palast in Theben reichte durch die Vergrš§erung der Verwaltung und angegliederten Institutionen nicht mehr aus, eine gemЧe Unterbringung sicherzustellen. Aus diesem Grund entschied Pharao, dass eine neue und grš§ere Residenz gebaut werden sollte: Malkatta. Die neue Residenzstadt lag auf der westlichen Seite des Nils am Rande der WŸste sŸdlich von Medinet Habu und nšrdlich des ptolemŠischen Tempels von Deir el Shelwit. Heute wird der Ort "el Malkat el Ba«irat" genannt (Der Ort, wo Dinge von dem Dorf Ba«irat aufgehoben werden). In umstrittenen Kreisen auch "Flohmarkt" genannt lŠsst sich das einfach erklŠren: nach StŸrmen oder einem Chamsin werden oft Ostraka, bemal-te Fragmente oder andere GegenstŠnde freigelegt welche dann illegal eingesammelt werden.

 

Die Ruinen von Malkatta, Photo: Stefan Gerke

 

Zur Zeit von Amenhotep III. wurde der Ort "Per- Khaj" (Haus der Freude) genannt, er umfasste 226.800 Quadratmeter und wurde vermutlich ab den Jahren 29/30 bewohnt. ArchŠologen der Waseda UniversitŠt die in Malkatta gruben, gelang es einen Plan der kšniglichen Residenz zu rekonstruieren. Alle GebŠude in Per Khaj wurden aus Schlammziegeln gebaut und waren mit aufwendigen Wandma-lereien verziert. Rekonstruktionen ergaben, dass diese Malereien meist einen naturellen Charakter hat-ten, Hauptmotive waren Všgel, SŠugetiere und Flora.

 

    Deckenmalerei  Wandmalerei

 

Im SŸdosten des Palastes fŸhrte eine Terasse zum kšniglichen See von Birket Habu. Dieser See wel-cher mit dem Nil verbunden war diente rituellen und logistischen Zwecken; eine weitere Nutzung ist als "Lustsee" der Gro§en Kšniglichen Gemahlin Teje belegt. Der gro§e Hafen "Maru Amen", der See und die Residenz wurden nach einem detaillierten Plan gebaut: alle Hauptelemente lagen parallel zueinander.     

Per Khaj wurde bis zur Zeit von Haremheb bewohnt, Belege deuten darauf hin, dass Pharao Tutankh-amun den Palast zumindest temporŠr nach der Aufgabe von Achet- Aton bewohnt hat.

Der nun folgende Exkurs beschŠftigt sich mit einer genialen und interessanten Persšnlichkeit: Amenhotep, Sohn des Hapu. Viele der Papyrus Leser haben von dem Universalgelehrten Imhotep gehšrt der zur Zeit von Pharao Djoser im Alten Reich als Architekt, Literat, Magier und Heiler belegt ist. Sie werden sich fragen, aus welchem Grund ich hier Imhotep anfŸhre; er wird oft mit dem Gelehr-ten Amenhotep, Sohn des Hapu verglichen der zur Zeit von Amenhotep III. lebte. Lassen sie mich Ÿber diese berŸhmte und interessante Persšnlichkeit berichten: Amenhotep; Sohn des Hapu wurde am 10. Tag des 3. Monats der Jahreszeit Peret in Athribis geboren. Wir besitzen keine Kenntnisse Ÿber seine Jugend, ich kann nur die Vermutung anstellen das er eine sehr gute Ausbildung an einer staatlichen- oder Tempelschule erhielt. Nach seiner Ausbildung war er zunŠchst als kšniglicher Schreiber in Athribis angestellt, in der Zeit Amenhoteps III. diente er als oberster Architekt, war fŸr alle BautŠtigkeiten des Pharao verantwortlich, Ÿbersah den Bau des kšniglichen Totentempels mit den beiden Kollosalstatuen in Kom el Hetan und war der Verwalter der Tochtergemahlin Satamun. Es ist offen-sichtlich, dass Pharao ihn gegenŸber anderen hohen WŸrdentrŠgern bevorzugte und ehrte; er spielte eine sehr wichtige Rolle beim ersten Heb- Sed Fest des Kšnigs.

 

Als Aufseher aller Arbeiten im Tempel von Karnak erhielt er den Titel "Leiter des Festivals des Amun". Eine von Pharao gestiftete Statue im Tempel bezeichnet ihn als "Herold des Gottes" (Urk. IV. 1835, 3). Dieser recht seltene Titel sagt aus, dass Amenhotep, Sohn des Hapu als Mittler zwischen Menschen und Gott diente: er befšrderte die Gebete der Menschen zu der Statue. In seinen letzten Lebensjahren gewann er mehr und mehr an Bedeutung, Pharao plazierte ihn an ober-ster Stelle im Hofstaat. Meiner Ansicht nach sah Amenhotep III. in ihm einen zukŸnftigen Regenten fŸr die Tochtergemahlin Satamun da sich sein verbleibender Sohn, der spŠtere Echnaton zu dieser Zeit sehr vom Hofleben zurŸckzog.

 

                         Amenhotep, Sohn des Hapu, Statue Kairo 44861

 

In Regierungsjahr 34 starb Amenhotep, Sohn des Hapu mit einem Ÿberdurchschnittlich hohen Alter von Ÿber 80 Jahren. Vor seinem Tod gewŠhrte ihm der Kšnig eine Gunst die Šu§erst selten in der Šgyptischen Geschichte belegt ist: die Erlaubnis zum Bau eines eigenen Totentempels. Von diesem Tempel der sich unmittelbar sŸdlich der heutigen Kartenverkaufsstelle befindet sind heute nur noch spŠrliche Ruinen zu sehen. In der 21. Dynastie wurde Amenhotep, Sohn des Hapu zum Sohn des Apis erklŠrt und wurde in Ge-meinschaft mit dem Gott der Heilung Imuthes abgebetet. Es wurden Monumentalstatuen von ihm in Deir el Bahri, Deir el Medina, im Tempel des Ptah in Karnak und in Qasr el- Agus errichtet wo er wie ein Gott verehrt wurde. Soweit dieser kleine Exkurs Ÿber eine faszinierende Persšnlichkeit die zu be-rŸcksichtigen ist, wenn Ÿber Šgyptische Geschichte gelehrt wird.

 

Lassen sie uns nun zur Person von Amenhotep III. zurŸckkehren. Die Wissenschaftler sind uneinig ob in seinen letzten Regierungsjahren eine Koregentschaft mit seinem Sohn Amenhotep bestanden hat, einige Fakten sprechen dafŸr, andere Belege wiederlegen es. Es wŸrde den Rahmen dieses Artikels Ÿberschreiten darŸber detailliert zu berichten.

Nach 37 (38) Regierungsjahren starb Pharao Amenhotep III. und wurde im Tal des Westens, einem Seitenwadi des Tals der Kšnige bestattet. Wissenschaftler der Waseda UniversitŠt ist es mit sehr viel Zeit und Aufwand gelungen, dieses Grab WV (KV) 22 zu restaurieren; nach Angaben des SCA soll es bald der …ffentlichkeit zugŠnglich sein. Wenn man die lange Regierungszeit des Pharao berŸcksichtigt, ist es nicht verwunderlich, dass es den Arbeitern von Set Maat gelang eines der prŠchtigsten GrŠber im Tal zu schaffen.

 

                      WV (KV) 22

 

Wie bereits erwŠhnt, transformierte Amenhotep III. bei seinem ersten Heb- Sed Fest in seinem 30. Regierungsjahr zu einem Gott. Von diesem Zeitpunkt an zeigte sich Pharao stets mit einem "shebju" Halsband welches die Fusion mit dem Sonnengott Ra verdeutlichte.

Die letzten Bauprojekte von Amenhotep III. waren seinem Kult gewidmet, so z. B. in Sedeigna und  Soleb. Eine Statuette die im Tempel von Luxor gefunden wurde stellt ihn als gšttlichen Kšnig dar: "Lasst den perfekten Gott leben, in wahrer Wahrheit, die MajestŠt, der Kšnig des schwarzen Landes (Kemet), der Herrscher des roten Landes (Der WŸste), Neb Maat Ra, Sohn des Ra".

 

Der amerikanische €gyptologe Bruyan stellte die Theorie auf, dass sich die Tempel €gyptens dem Sonnenkult von Amenhotep III. in dessen spŠten Jahren unterzuordnen hatten. Damit war der Weg fŸr seinen Sohn und Nachfolger Amenhotep IV. der sich spŠter Echnaton nannte vorbereitet. In der kom-menden Ausgabe von Papyrus werde ich Ÿber eben diese Persšnlichkeit berichten die das Thema un-zŠhliger Publikationen und Diskussionen ist.  Neben altŠgyptischer Religion und deren AffinitŠt mit dem Neuen Testament sowie dem Sonnengesang des heiligen Franz von Assisi werden sie Ÿber Nofretete und Tutankhamun lesen.

  

Literatur:

Arnold, Lexikon der Šgyptischen Baukunst

von Beckerath, Chronologie des pharaonischen €gyptens

von Beckerath, Handbuch der Šgyptischen Kšnigsnamen

Breasted, Geschichte €gyptens

Fletcher, Sonnenkšnig vom Nil

Hannig, Handwšrterbuch I: €gyptisch – Deutsch

Hodel- Hoenes, Leben und Tod im alten €gypten

Lexikon der €gyptologie

Porter- Moss I. 1 The Theban Necropolis

Saghir, Das Statuettenversteck im Luxortempel

Strudwick, Thebes in Egypt

Katalog €gyptisches Museum Berlin

Katalog €gyptisches Museum Kairo

Katalog €gyptisches Museum Luxor

Dodson, in JEA 76 (1990)

KŸhn, in Kemet 4/2003

Bidoli, in MDAIK 26 (1970)

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