ÇOh-Ba-Ma, Oh-Ba-Ma

 Wenn es in Obamas Rede um die Araber ging, war ihm der Applaus gewiss (Bild: Kristina Bergmann)

 

Wenn es in Obamas Rede um die Araber ging, war ihm der Applaus gewiss.

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Die Kairoer klatschten frenetisch, als Obama Ÿber die Araber sprach, aber nicht, als er den Holocaust erwŠhnte. Schade! Und die Regierung putzte die ganze Stadt - rŠumte die Blumentšpfe jedoch rasch von der Strasse, nachdem Obama abgeflogen war. ...

So riefen viele Zuhšrer, als Obama am Donnerstag seine Rede in Kairo hielt. Mich Ÿberraschte die Begeisterung nicht, denn der Mann hat den €gyptern eine Menge ihres verloren geglaubten Stolzes zurŸck gegeben.

Ausserdem ist es ein lŠssiger Name, den man richtig gut skandieren kann. Melodišs ist er, mit seinen drei Vokalen. Vielleicht scheint in ihm auch das Geheimnis der afrikanischen Sprachen auf: Sie sind rund und voll und eindrŸcklich.

Ausserdem sehe ich im Namen Obama frŸhste kindliche Erinnerungen - sind nicht ÇbaÈ fŸr Papa und ÇmaÈ fŸr Mama die ersten Silben, die ein Kind Ÿberhaupt sagt?

In Kairo jubelten ihm alle zu, sogar der wichtigste dortige Oppositionelle, Aiman Nur. Nach der Rede sagte er, sie sei viel besser gewesen, als zu befŸrchteten gewesen sei. Zwar habe er gehofft, Obama wŸrde mehr zur mangelhaften Demokratie in €gypten sagen, aber dass sei wohl unrealistisch gewesen. Das finde ich auch, denn in einer Rede, die dazu dienen sollte, die Grundstimmung zwischen dem Orient und den USA zu verbessern und erschŸttertes Vertrauen wieder herzustellen, ist kein Platz fŸr die AufzŠhlung der hiesigen innenpolitischen Probleme.

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Bilderstrecke: Obamas Rede in Kairo

 

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Angeblich zeigte sich Obama danach, als er in Deutschland war, sehr viel pessimistischer, als er hier schien. In Kairo lief er flotten Schrittes zum Rednerpult, versprach sich nicht ein einziges Mal, wirkte intensiv und gleichzeitig entspannt. Als mich eine Schweizer Radiosprecherin anschliessend fragte, wie ich es empfunden habe, den Mann ÇlifeÈ zu sehen, sagte ich: ÇToll, einfach toll!È

Obamas EnttŠuschung verstehe ich allerdings sehr gut. Denn das Publikum, das ganz bei der Sache war, klatschte nur dann, wenn Obama Ÿber die PalŠstinenser und den Irak sprach und beschrieb, wie viel die Araber fŸr die globale Kultur geleistet hŠtten. Als Obama das Leid der Juden erwŠhnte und den enormen Schaden, den der Holocaust angerichtet habe, schwiegen sie.

Ich weiss, warum, schliesslich lebe ich hier. Der schlimmen Meinung Ahmedinejads, der Holocaust habe gar nicht stattgefunden, sind weitaus mehr Orientalen, als man es sich im Westen vorstellen kann. Sie sind deshalb keine Antisemiten, nein, der Holocaust wurde von Westlern erfunden und umgesetzt. Ich denke, das Schmollen der Orientalen gegenŸber den Israeli beruht einerseits auf geschichtlicher Unkenntnis und andrerseits auf ihrer ewigen Frage, warum eigentlich ausgerechnet sie fŸr die Shoah bŸssen sollen.

Ich kann die Frage zwar nachvollziehen, dennoch finde ich die Haltung der Orientalen falsch. Es gibt Israel, es ist eine RealitŠt, und mit der mŸssen alle Betroffenen umgehen. AnnŠherung, Ausgleich, Frieden und Normalisierung sind erwŸnscht und dringend notwendig! Das kalte Schweigen ist nicht nur tragisch und falsch, sondern auch lŠcherlich - nach 60 Jahren.

So war also die Stimmung im Saal, und ich bin froh, hat Obama sie mitbekommen. Der Mann darf nicht unterschŠtzt werden! Er ist weitaus klŸger, als es viele wahrhaben wollen, und ausserdem hat er diese coole Art, Probleme anzugehen. Viele werfen ihm vor, er solle nicht nur reden, sondern auch etwas tun. Ich sage: Ist das etwa keine Tat, in Kairo eine Rede zu halten? Das hat doch vor ihm keiner getan, oder? Und keiner war auf diese glŠnzende Idee gekommen. Ob da wohl Neid mitspielt?

Was mir auch gefiel, war, wie ruhig die Kairoer alles nahmen, vor allem die riesigen Absperrungen in der ganzen Stadt. Schlimm war hingegen, dass zu Ehren Obamas vieles in Ordnung gebracht wurde, was seit Jahren auf Reparatur (z. B. ein Springbrunnen) wartet und dann, sobald er abgereist war, wieder dem Verfall und der VernachlŠssigung preisgegeben wurde. Ein Witz drŸckte das wunderbar aus: Ein hoher Beamter sagt zu zwei Strassenfegern: ÇObama ist weg, jetzt tut Ihr den MŸll wieder dort hin, wo er war. Und wehe, Ihr vergesst etwas! Ich werde persšnlich nachzŠhlen, ob da gleich viele Fliegen wie vorher 'rumschwirren!È Angeblich wurden sogar Blumentšpfe aufgestellt und, als Obama an ihnen vorbeigefahren war, wieder abgeholt...

In Europa wurde unterdessen die arme Frau Clinton angegriffen. Beim Moschee-Besuch habe sie doch tatsŠchlich ein Kopftuch angezogen, hiess es empšrt! Vermutlich sehe so die Zukunft der westlichen Frauen aus, falls Obama weiter so Islam-freundlich sei... Ich lachte, als ich das las. In einer Moschee muss man die Schuhe ausziehen und als Frau die Haare bedecken. Das tut man aus Respekt vor Gott - so sehen es die Muslime. Es wŠre albern, dagegen zu protestieren. Vor der Klagemauer setzen doch auch alle, sogar PrŠsidenten, eine Kippa auf, oder irre ich mich?

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