Schnee, der auf Zedern fiel
„Skilaufen
im Libanon? Das geht doch gar nicht!“ so die Reaktion unserer Freunde in Deutschland.
... und ob das geht! Hilfreich bei der Auswahl des Skigebietes waren Tipps
von Freunden und Bekannten und die website www.skileb.com . Wir entschieden uns für das
größte Gebiet: Faraya-Mzaar. Dank der website, auf der man sich gut zurechtfindet,
hatten wir Angebote von mehreren Chalets und Hotels. Auf Buchungsanfragen
wurde prompt geantwortet und ggf. Alternativen angeboten. Da wir uns nun denkbar
spät entschlossen hatten Ski zu laufen, kamen für uns nur noch wenige Möglichkeiten
in Frage. Wir buchten das Hotel „San Antonio“, ein 3-Sterne Hotel, wobei für
den verwöhnten Geschmack mindestens 1 ½ Sterne selbsternannt waren. Dennoch,
das Personal war freundlich und hilfsbereit. Gleichzeitig mit dem Hotel hatten
wir die Skiausrüstung und den Skipass gebucht. Man kann vollkommen Ski-unvor-bereitet
anreisen, denn selbst Skioveralls, Handschuhe und Mützen können geliehen werden.
Die Wahl des
Hotels erwies sich insofern als ungünstig, als wir nicht direkt in Faraya-Mzaar,
also an den Skiliften, sondern ca. 10 Fahrminuten entfernt in Faraya-Kfardebiane
wohnten. Dieses war ein ständiger Angriff auf unsere Toleranz, denn Verspätungen
von 30 Minuten zur verabredeten Abfahrzeit des Shuttlebusses waren, dank einer
kuwaitischen Großfamilie, keine Seltenheit. Wollte man „Sonderfahrten“ haben,
mussten diese mit $10 pro Strecke entlohnt werden.
An unserem
ersten Tag liehen wir uns die Ausrüstung in einem mit skileb verbundenen Geschäft
aus. Allerdings entsprach die Qualität nicht unseren Erwartungen. Unser Tipp:
Leihen Sie sich die Ausrüstung in Läden, die auf dem Weg von Beirut nach Faraya
liegen. Vollkommen problemlos bekamen wir unsere Skipässe, da alles schon
vorbereitet war.
Auf die Skier,
fertig, los! ... wegen des starken Schneefalls und Windes waren nur ein Sessellift
und ein Schlepplift geöffnet. Am nächsten Tag wurden wir jedoch von strahlendem
Sonnenschein und 20 – 30 cm Neuschnee begrüßt – Kaiserwetter!
Dieser Tag
gehört zu den eindrucksvollsten unseres langen Skiläuferdaseins! Wohltuend, dass man an keinem Lift anstehen
musste. Nahezu euphorisch befuhren wir die ausgezeichnet präparierten Pisten.
Selbst Tiefschneefahren war an vielen Stellen seitlich der Abfahrten möglich,
ein „roter“ Hang blieb hierfür reserviert. Besonders beeindruckend war der
Blick über die schneebedeckten Berge hinunter nach Beirut und auf das Mittelmeer.
Mit 13 Sessel- und 5 Schleppliften, die bis in eine Höhe von 2465m führen,
konnten selbst wir nicht alle Pisten an einem Tag abfahren. Der Schwierigkeitsgrad
variiert von vielen leichten bis zu einigen schwierigen Teilbereichen von
Pisten.
Was die Après-Ski-Angebote
angeht, so ist dieses sicherlich in Faraya-Mzaar möglich, wir haben sie allerdings
nicht genutzt. Empfehlenswert ist ein Ausflug in die lokale Küche, d. h. Restaurants
(Al Erzal, Shaker), die „mountain food“ offerieren. Um zu diesen Restaurants
zu kommen, muss man allerdings immer noch $20 für die Hin- und Rückfahrt berechnen.
Nochmals sei
auf die Firma skileb verwiesen, denn der Besitzer dieses Unternehmens besucht
alle Gäste, die über sein Unternehmen gebucht haben, und erkundigt sich nach
deren Wohlbefinden. So war es auch gar keine Schwierigkeit, Teile unserer
Skiausrüstung auszutauschen. Zusätzlich konnten wir einen Eindruck von einer
Art Jugendherberge gewinnen, in der Schulgruppen für mehrere Tage unterkommen
und im Faraya-Mzaar das Skifahren erlernen können. Angeregt von diesem Besuch
wurde die Idee geboren, dort mit einigen Schülern Ski zu fahren.
Wenn wir ein
Fazit ziehen, so können wir nur sagen: Dieser Skiurlaub wird uns, trotz des
widrigen Wetters, in guter Erinnerung
bleiben!
Anke und Ralph Nolte