Kairoer Skizzen
Wir sind mit die Ersten
am Düsseldorfer Flughafen.
An Gate 34 soll unser Flug nach Zürich geboardet werden.
Der Sicherheitsbeamte sagt, die beiden Rucksäcke
sind als Handgepäck ok, aber der Trolley müsse aufgegeben werden.
„Bitte an Check- in- Schalter 155.“
Der Flughafen füllt sich.
Es ist gegen 5 Uhr früh.
Aber an Schalter 155 tut sich nichts.
„Der ist kaputt, und weitere 10 Schalter daneben auch,
das Gepäcklaufband geht nicht“ sagt uns ein
freundlicher Flughafenangestellter, „gehen Sie zu Schalter
179.“
An Schalter 179.
„Guten Morgen, geht hier die Swiss nach Zürich?“
„Nein, bitte an Schalter 155.“
„Ihr Kollege sagt, der sei kaputt.“
„Nicht dass ich wüsste. Sonst fragen Sie mal bei der Flughafeninfo.“
Die Flughafeninfo schickt uns zur Swiss Air-Info weiter.
Bei der Swiss Air-Info beginnt der Mitarbeiter
gerade seinen Arbeitstag, die Uniformjacke über den Sessel
hängend.
„155 ist richtig. Sehen Sie, die Kollegen fangen da drüben
gerade an.“
An 155 und 156 beginnen ein Mann und eine Frau mit dem Einchecken
des
Gepäcks nach Zürich.
Eine kleine Schlange von Fluggästen bildet sich.
Wir sind die ersten an 155.
Die Banderole wird um den Koffer geklebt. „Dus-Cai via Zue“.
Ein entsprechender Aufkleber auf unsere Tickets.
Der Koffer wird aufs Band gestellt.
Nichts geht.
Der Mitarbeiter von 156 greift zum Hörer:
„Guten Morgen, hier ist die Swiss, wissen Sie, warum das Band
nicht läuft? ... Aha, das heißt, wir ziehen um...
Sie wissen nicht, wohin? ...Weil, hier warten bereits die Passagiere
...Gut, danke.“
Er legt auf, und an die uns bedienende Dame: „Schalter 178“.
„Sie habens gehört“ sagt die Dame, „bitte gehen Sie schon mal
zu Schalter 178. Wir treffen uns da.“
Durchsage des Flughafenlautsprechers: „ Bitte beachten Sie,
dass der Flug nach Zürich nicht
wie angezeigt an Schalter 155, sondern an Schalter 196 eingecheckt
wird.“
Eine Minute später, erneute Durchsage des Flughafenlautsprechers:
„Der Flug nach Zürich wird abweichend von der Anzeige nicht
an 155, sondern an
144 eingecheckt.“
Die Dame von Swiss hat uns eingeholt, im Schlepp einige
weitere Reisende samt Gepäck: „Das fängt ja gut an.“
Nachdem 144 und 196 uns nicht wollen,
landen wir schließlich an Schalter 176
und geben den Koffer auf.
Im Flieger kostet ein Pappbecher Tee 2 Euro 80.
Durch Tragflächenenteisung hätten wir fast
den Anschlussflieger nach Kairo verpasst.
Als wir endlich Richtung Ägypten gestartet sind,
sage ich zu Sweta:
„Ist eine gute Einstimmung auf die Reise, glaub ich.
Kairo gilt als das Synonym für Rush hour, Verkehrsstau
und Geduld. Malesh, was solls. Insh Allah – so Gott will.“
Weitere Worte Arabisch kann ich noch nicht.
Nach dem Flugzeugessen (diesmal umsonst)
mache ich mich mit den wichtigsten Worten
aus den Sprachseiten eines dünnen Reiseführers vertraut
(der Hauptgrund, warum ich ihn erworben habe).
Das Lesen arabischer Schrift ist für den mitteleuropäischen
Besucher zunächst aussichtslos, weshalb die Phonetik
herhalten muss (was jedem Arabischkundigen vermutlich
Verzweifelungstränen in die Augen treibt)
Shokran – danke
Min fadlak – bitte
Ana mish arif(a) – ich weiß nicht
Ana arif(a) – ich weiß Bescheid
(ich versuche, mir die männlichen Formen zu merken, die weiblichen
wären Swetas Part)
Aiwa – ja
La`a – nein
La`a shokran – nein danke
Boukra – morgen (neben insh Allah und malesh sehr wichtig!)
Ba`ad boukra – übermorgen
Innaharda – heute
Izzayyak – wie geht’s
Al Hamdulillah – Lob sei dem Herrn (Antwort auf Izzayyak)
Af´wan – bitte schön, gerne
Ma´a salama – auf Wiedersehen
Beim Anflug liegt Ägypten in strahlendem Sonnenschein,
Kairo liegt unter einer beige-staubig-schwarzen Dunstglocke.
Am Flughafen ist es warm, Leute wuseln durcheinander.
Die Visa bestehen aus zwei bunten Briefmarken, die in den
Reisepass geklebt werden.
Ägyptische Pfund sind zumeist abgenutzte, speckige Scheine
mit hohem Baumwollanteil, die sich nach vielen Händen anfühlen
und nach Staub, Schweiß und Leben riechen.
Die in Arabien gebräuchlichen arabischen Zahlen unterschieden
sich
erheblich von den in Europa gebräuchlichen „arabischen“ Zahlen.
Auf der einen Seite enthalten die Scheine nur die arabischen
Zahlen,
sodass der unkundige Abendländer sie umdrehen muss, wo auch
„seine“
Zahlen stehen. Ein Euro = ca. 7.6 LE (Jan/Feb 2005).
Münzen gibt es nicht mehr.
Jeder rennt mit einem Bündel Scheinen herum, da die Batzen
Geld in keine Brieftasche passen, und Diebstahl anders als
in Europa kein wirkliches Thema ist.
Das Kofferband gibt so ziemlich alles her. Von
losen Kofferriemen, abgebrochenen Rädern von Gepäckstücken
bis hin zu Rohrleitungsteilen und sonstigem
Installationsbedarf, den ich eher mit einem Baumarkt assoziieren
würde –
nur unseren Koffer nicht.
„Salam Aleikum, we miss that suitcase, min fadlak.“
Der Flughafenarbeiter ist freundlich und kümmert sich
sofort. Er reißt mir den Gepäckschein aus den Fingern und
läuft zu einem Krawattenträger mit Walkie-Talkie.
Kurze Diskussion auf Arabisch. Krawatte hat jetzt den
Gepäckschein und bedeutet mir, zu einem großen,
wirklich großen Schalter eigens für verlorenes Gepäck
mitzukommen.
Dort diverse Computer. Leute in Uniform diskutieren
erregt mit Reisenden aller Herren Länder.
Es gibt keine Warteschlangen. Jeder Uniformierte scheint
zwei Telefonhörer gleichzeitig am Ohr zu haben und
mit je fünf Leuten vorm Tresen zu diskutieren,
von denen jeder mit Pässen und Tickets wedelt.
Wir haben wahrscheinlich mehr Glück als Verstand,
denn Krawatte ist offenbar WICHTIG; letztlich geht
alles sehr schnell.
Das europäische Hirn verarbeitet indes die ägyptische
Pragmatik nur mit Verzögerung.
Krawatte drückt dem Uniformierten hinterm Tresen
meinen Gepäckschein in die Hand.
Der hält schon zehn Gepäckscheine in Fingern.
Die Uniformierten scheinen mit den Gepäckscheinen Karten zu
spielen.
„Scheiße. Koffer weg, Zettel weg.“
„Your passport please“ sagt Uniform, einen Hörer am Ohr,
einen anderen Hörer zwischen Schulter und Kopf geklemmt,
eine Hand auf der Computertastatur,
mit der anderen diverse Papiere aushändigend und entgegennehmend.
Eh ich was sagen kann, reißt mir ein Flughafenmensch
den Pass aus der Hand, gibt ihn dem Uniformierten hinter der
Theke, der ihn
zusammen mit einem Stapel weiterer Pässe aller Nationen wieder
über den
Tresen reicht an einen Menschen, der aussieht wie ein Taschenspieler.
Der flitzt damit von dannen.
„What happens?“
„They make copies of the passports
to deliver the baggage“, klärt mich ein
Mitbetroffener, vermutlich Indonesier, auf.
Das Chaos am Schalter geht weiter.
Es dauert scheinbar ewig, bis der vermeintliche Taschenspieler
mit Pässen und Kopien
zurückkommt.
„Der ist damit abgehauen“, sagt ein Deutscher.
Ein Brite schimpft lautstark.
„Toll, Koffer weg, Zettel weg, Pass weg. Hier darfste nix aus
der Hand geben“, sag ich,
während Sweta schon Tränen in den Augen hat.
Der Uniformierte will zwischen seinen diversen Aktivitäten
unsere Anschrift in Kairo wissen.
Inzwischen stehe ich vorn am Tresen und kann somit den Zettel
im Auge behalten, der die
Wohnanschrift unserer Freunde enthält, die schon seit Stunden
aufgrund der diversen
Verspätungen vor dem Terminal auf uns warten.
Taschenspieler erweist sich als Security in Zivil mit verstecktem
Kärtchen an der Jacke.
Schließlich halte ich einen Pass in Händen, einen Gepäckschein
und einen brauchbaren
Wisch der Swiss, dass unser Koffer geliefert wird. Plus einen
Adresszettel. Alles ist meins.
(Zwei Tage später kommt, wie zugesagt, auch der Koffer.)
Ich bedanke mich und wir können endlich raus. Schneller als
die anderen. Aus reiner
Naivität haben wir uns nicht an dem großen, großen Schalter
für verlorenes Gepäck
angestellt, sondern einen Arbeiter angesprochen. Der hat sofort
geholfen.
Der Krawattenmann mit Sprechfunk hat sofort geholfen, der worcaholic
hinterm
Tresen und der vermeintliche Taschenspieler haben sofort geholfen.
Eine erste Lektion auf arabischem Boden. Es wirkt wie absolutes
Chaos, aber
irgendwie funktionierts.
Draußen schließen sich endlich Sweta und Isa in die Arme.
„Salam Aleikum“, sage ich zu dem jungen Ägypter, der sie begleitet.
„Aleikum as Salam“, sagt der, „Welcome to Egypt. Your Arabic is very good.”
“Oh Lord, no”, erwidere ich die freundliche Begrüßung, nicht
wissend, wie
recht ich mit meiner Selbsteinschätzung habe, da die Wendung
„der Friede sei mit Dir“ eigentlich nur unter Muslimen gebräuchlich
ist.
Sabah al cher wäre korrekt gewesen, nach Sonnenuntergang Massah
al cher (oder so ähnlich; wird verstanden).
Draußen Sonne, Staub, Wüste und – Sommer. 27. Januar, 24 Grad
Celsius.
An so mancher Straßenecke Soldaten mit MPs.
Der Fahrer von Blue Cab Taxi, mit dem Isa uns abholt, schlängelt
sich
souverän durch den Verkehr.
Jeder hupt, fährt wie und wo er will, ein vollbeladener LKW
macht ohne zu blinken
einen waghalsigen und abrupten Spurwechsel von ganz rechts
nach ganz links auf
einer breiten Ausfallstraße bei allgemein eher forschem Tempo.
Ungeachtet dessen springen Kinder, ältere Leute, Jungs mit
Einkaufstüten,
verschleierte Frauen von Straßenseite zu Straßenseite, zwischen
die Autos;
Fahrbahnmarkierungen gibt es nicht, und wenn, dann kümmert
das keinen.
Manche Autos haben vor Zeiten bereits beide Heckleuchten eingebüßt.
Die Nummernschilder ausschließlich auf arabisch, sowohl Schrift
als auch Zahlen.
Viele sind über deutsche Nummernschilder einfach drübergeschraubt
oder selbst gemalt.
Autos aus Deutschland sind beliebt.
Viele alte Benz (Baureihen der 60er, 70er und 80er Jahre),
außerdem Peugeot 504, Lada, Niva, Mazdas aus 80er Jahre Baureihen,
japanische Vans, VW-Busse, alles ohne Kat. Benzin, verbleit,
ist vom Staat subventioniert
und somit auch für ägyptische Verhältnisse spottbillig. Man
fühlt sich um 30 Jahre
zurückversetzt.
Das Leben findet in den Gassen statt, die meisten Schilder
nur auf Arabisch,
halbfertige Gebäude in der Wüste, Betonklötze, aus denen die
Stahlstreben ragen,
die ab einem x-beliebigen Stockwerk plötzlich zur Bauruine
wurden, weil
das Geld ausging. Laternenmasten, schon mal in die Wüste gestellt,
ob eine Straße
folgt oder eine Siedlung, ist unklar.
Wir kommen durch Nasr City und etwas später an ein großes Areal
meist einstöckiger
Bauten, auf deren zweiten Stockwerken Backsteine wie Zahnstummel
stehen,
entweder abgebrochen oder einfach nicht weitergebaut.
Hier und da ragt eine Kuppel daraus hervor, eher Mausoleum
als Moschee.
„Das ist die Totenstadt“, sagt Isa, „an sich eine Art Friedhof,
doch es sind tausende
obdachlose Familien eingezogen, die dort leben. Die Stadt hat
mittlerweile
sogar Wasseranschlüsse legen lassen.“
An einem kahlen Sandsteinberg inmitten der Stadt die Ruine
einer Moschee.
Auf diesem Tafelberg riesige Antennenanlagen.
Der Landesvater, Hosni M., hier und da im Stadtbild in Beton
eingelassen.
Isa lebt seit einem 1/2 Jahr in Kairo-Maadi. Ihr Mann ist Dozent
an einer Uni.
Maadi ist vergleichsweise grün und ruhig. Viele Botschaftsgebäude
sind dort.
Entsprechend viele Polizisten mit MPs an Straßenecken. Sie
machen einen relaxten und
angenehmen Eindruck.
Verbringen den Tag oft dösend in kleinen Unterständen
oder auf fahrbare Schutzschilde gelehnt.
Einer muss natürlich immer Wache halten, doch zur Gebetszeit
ist es ein normaler Anblick, dass die Polizisten ihren Teppich
ausrollen, die Schuhe
ausziehen und in aller Ruhe auf einer der dörrenden Rasenflächen
beten.
Straßensperren mit Widerhaken, Hubbel in der Fahrbahn.
Mal ist diese, mal jene Straße im Viertel gesperrt,
was zu immer neuen Umwegen für die Taxler führt.
Als Fußgänger ist man unbehelligt und fühlt sich sicher.
Isa und ihr Mann leben im fünften Stock eines Appartementhauses.
Unten sitzt ein Bawwab mit Turban,
der es bewacht. Da wir zu dritt mit Gepäck sind, müssen wir
im Aufzug
hüpfen, damit er überhaupt nach oben fährt. Die Wohnung ist
groß, hat
Parkettboden und Balkon und ist für europäische Verhältnisse
sehr günstig.
„Polizisten verdienen ca. 200 LE im Monat“, klärt Mark uns
abends bei einer Tour
über die 9th Street auf (shariä tissa – wie ich in gebrochenem
Arabisch behalten habe).
„Aber vieles ist subventioniert. Sprit. Und Brot. Aber auf
Bakschisch sind sie wohl
doch angewiesen.“
Am Maadi Overdrive verkaufen Jungs an Straßenständen besagtes
Brot in grünen Tüten,
ein Hähnchengrill flammt lecker duftend unter freiem Himmel,
Obst- und Gemüsestände.
Man geht besser auf der Straße, denn die Bürgersteine sind
hoch, uneben,
voller Schlaglöcher.
Die hupenden Autos fahren zwar, wie sie wollen,
aber jeder Verkehrsteilnehmer rechnet grundsätzlich jederzeit
mit allem, weshalb Fußgänger relativ ungefährdet sind.
Kinder versuchen, Pakete Taschentücher und Zuckerwatte in Folie
an
Einheimische und nichteinheimische „Misters“ und „Madams“
zu verkaufen.
La`a shokran, nein danke, geht schnell in den Wortschatz ein.
Vollverhüllte Frauen (viele mit schönen Augen, Lidschatten,
sonst sieht man nichts unterm schwarzen Gewand); und in
einem Geschäft Reizwäsche im Schaufenster.
Widersprüche sind in Kairo kein Widerspruch.
Auf der Corniche al Nil, der Hauptstraße,
schert sich keiner um rote Ampeln, obwohl
ständig Polizisten am Second Entrance direkt daneben stehen.
Wer die Kühlerschnauze vorn hat, hat Vorfahrt.
Alte schwarz-weiße Taxen werden am Straßenrand gewaschen
und repariert.
Recht ramponierte Kisten zum Teil,
wobei aber wohl ein Auto nur dann als kaputt gilt,
wenn die Hupe nicht mehr funktioniert
Im Fish Market gibt es libanesische Mezze und gegrillte Kalamares,
letztere für umgerechnet etwa vier bis fünf Euro (ein Luxusrestaurant!).
Stella Export, das einheimische Bier schmeckt überraschend
gut.
„Gewöhnt Eure Mägen langsam hier ein“, raten Isa und Mark,
„Lieber keinen Salat. Das Kairoer Wasser ist zwar stark gechlort,
aber es gibt hier im Wesentlichen die Kopfdüngung, also
lieber erstmal cook it, boil
it, peel it or forget it.“
Gegenüber von Villen eine Bauruine.
Leute machen ein Lagerfeuer davor.
Hunde und Katzen wühlen im Müll, der
neben dem Container liegt.
Manche Männer (viele in Galabiyya –
der kleidähnlichen Tracht)
haben Hämatome auf der Stirn – vom Beten, wie es heißt.
Die ersten beiden Wagen jedes Metrozuges sind Frauenwagen.
Männer wurden, berichtet Isa, auch schon mal rausgeprügelt
– von Frauen.
Die Metrokarte kostet 75 Piaster, am Schalter verkauft.
Pariser System, Drehkreuz,
Kärtchen einstecken, durchgehen, Kärtchen rausziehen, aufpassen,
dass
sich kein Schlingel vordrängt und an der Zielstation am
Drehkreuz das Ticket wieder in den Automaten schieben.
Das Zifferblatt der Bahnhofsuhr eignet sich besonders
zum Lernen der (in Arabien heute gebräuchlichen) arabischen
Zahlen.
Zu Sonnenaufgang und Sonnenuntergang und unter Mittag
schwillt ganz Kairo, diese riesige 14-Millionen-Stadt, zu
einem einzigen kraftvollen Gesang an. Die Muezzine rufen
von den Minaretten der Moscheen.
Häuser in Dar el Salam auf dem Weg nach Downtown.
Die jeweils oberste Etage halbfertig gebaut,
darauf oft ein Holzgerüst mit einer Holzhüttenkonstruktion,
eine Art Balkon für die Illusion kühler Abende,
Antennen, Wäsche vor den Fenstern, roher Back- und Sandstein,
vereinzelt ein grün gestrichenes Haus.
Leute sammeln in Schubkarren Müll entlang der Bahnschienen;
und
streunende Hunde.
An Sadat Station steigen wir aus. Downtown. Der riesige Verwaltungskomplex
der Mogamma.
Die unterbezahlten Beamten teilen sich zu mehreren alte klapprige
Schreibtische in unsäglichen
Löchern von Büros. Am Eingang Sicherheitsschleusen und Metalldetektoren.
Hinterlassenschaft britischer Kolonialbürokratie, ägyptisch
weiter gepflegt.
Lässt jeden mitteleuropäischen Bürokratiegeschädigten aufatmen.
Metalldetektoren auch am Eingang des Nile Hilton. Europäer
werden meistens durchgewunken.
Vom Dach des Hilton schöne Aussicht auf den Nil, die Pyramiden
von Giza im Abendlicht,
die Insel Gezira mit Kairo-Tower, Oper und Moscheen, das lärmende
Treiben auf der Straße
und die bunten Restaurantschiffe auf dem Fluss und gemächlich
segelnde Felukkas.
GrIngo Lahr
GrIngo Lahr veröffentlicht Gedichte,
Storys, Essays, zu denen er auch Lesungen veranstaltet. Seit 1986 textet er
Songs, spielt Bass und singt zuweilen in einer Band. Nach Hilfsarbeiterjobs
als Anstreicher und im Tiefbau hat er in seinem "richtigen" Leben
den Rang eines Dipl.-Verwaltungswirts erreicht und verdient sich seine Brötchen
als Sozialhilfe-Sachbearbeiter. GrIngo ist 35 Jahre alt und lebt mit seiner
Frau und einer kleinen Katze im Bergischen Land. Vor seinem ersten Besuch
im Januar 2005 bei Freunden hier in Ägypten hat er die USA, Israel, Hongkong,
Australien und Europa bereist. In all diesen Teilen der Erde habe er die unterschiedlichsten
Erfahrungen gemacht, wichtige Erfahrungen, die er nicht missen wolle. Und
im Hinblick auf Ägypten meint er: Orient und Okzident können viel voneinander
lernen...