Eindrücke:

German Open Days 2005 an der GUC

 

 

Auch in diesem Jahr lud die „German University in Cairo“ um den 3. Oktober herum auf den Campus ein. Es gab ein reichhaltiges Programm für Besucher, Studenten und diejenigen, die studieren wollen, um die Fortschritte der GUC zu demonstrieren.

Der offizielle Ablauf für „drei Tage Ausnahmezustand kurz vor Beginn des Ramadan“, wie es ein Besucher mir gegenüber ausdrückte, sah am ersten Tag die Ansprachen des GUC-Gründers, Prof. Ashraf Mansour, und des Deutschen Botschafters, Martin Kobler vor, außerdem  Vorträge der deutschen und arabischen Minister für Wissenschaft und Forschung und des Generalsekretärs der Arabischen Liga, Amr Moussa, als einem der Schirmherren. Das Trio „Pereals“ der Franz-Liszt-Musik-Hochschule Weimar bot Musik von Haydn, Beethoven, Mendelssohn und anderen dar. Doch nicht nur klassische Töne, auch Jazzklänge und die Musik der Gruppe „Wust El Balad“ schwebten über den Campus.

Mit Hilfe von Vorträgen, Broschüren und Besichtigungen konnten sich Studierwillige und Besucher über die Universität und die Studienmöglichkeiten, sowie an Ständen der entsprechenden Firmen über eventuelle berufliche Chancen informieren.

 

Ich begann meinen Rundgang von der an diesem Tag von Imbissständen umgebenen und mit lauter Musik beschallten, Anfang 2005 angelegten Piazza, die von vielen Studenten bevölkert war. Von hier aus ist die Erweiterung des Campusgeländes am besten zu erkennen. Sie gibt den Blick frei auf die Sportanlage am Rande der Wüste mit Stadion, Tennisplätzen,  Basketball- und Volleyballfeld, jeweils mit eigenen Umkleidemöglichkeiten, und auf den von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern langersehnten Kindergarten, der seit dem Sommer unter deutscher Leitung seine Pforten geöffnet hat. Ich hätte gern mal in die kleinen Häuser hineingeschaut, doch leider war das nicht möglich.

Ein großer, freistehender Gebäudeteil, der sich noch im Rohbau befand und die Ingenieurfakultät beherbergen wird, überragte von seinem etwas erhöhten Standort aus das bunte Treiben.

Die Vergrößerung des Geländes erlaubte in diesem Jahr die Ausweitung der Veranstaltung. Sie gab mehr Raum für den Auftritt von Geschäftsleuten, die, wie die Deutsche Botschaft und die deutschen Institutionen, nun auf dem Basketballfeld über ihre Angebote informierten.

Vermisst habe ich die Präsenz der ortsansässigen deutschen Schulen. Wie ich von Lehrern sowohl der DSB als auch der DEO hörte, hatte die Absprache der GUC mit den Bildungsstätten nicht richtig funktioniert. Schade, denn im vergangenen Jahr empfand ich die Zusammenarbeit als sehr bereichernd!

Hinweise an Mauern und auf der Erde zeigten mir auf meinem Rundgang den Weg zum Physik-Demo-Labor, dessen Experimente auf Publikum vorbereitet waren, aber leider, wie die Vorführungen in anderen Departments auch, wenig Zulauf erfuhr.

Für den zweiten Tag war wie im Jahr zuvor ein Mini-Marathon geplant, den ich mir gerne angesehen hätte, der allerdings vom Zeitpunkt her mit einem Physik-Vortrag kollidierte, dem ich dann den Vorzug gab. An dieser Stelle hätte ich mir eine bessere Koordination gewünscht. Gefehlt haben mir auch Ankündigungen über Lautsprecher zu den stattfindenden Ereignissen.

In einem der Gebäude fiel mir eine Ausgabe der in Zusammenarbeit von Studenten mit den GUC-Departments für „Communications & External Relations“ und „English & Scientific Method“ herausgegebenen Zeitung „Echo“ in die Hand, in der ich ein Vorwort von Herrn Botschafter Kobler fand. Unter anderem sprach er den immer wieder beklagten Umstand an, dass die Unterrichtssprache an der „German University“ nicht Deutsch, sondern Englisch ist. Die Studenten haben die Möglichkeit, am uni-eigenen „German Centre“ Deutsch zu lernen, aber Deutschkenntnisse sind keine Voraussetzung für ein Studium an der German University. Herr Kobler empfiehlt in seinen einleitenden Worten, sich neben Englisch eine weitere europäische Sprache anzueignen, denn sie erleichtere es, die entsprechende Kultur besser zu verstehen und den eigenen Horizont zu erweitern. An der GUC biete sich Deutsch als Fremdsprache eben an, auch wenn der Erwerb deutscher Sprachkompetenz ein nicht gerade einfaches Unterfangen darstelle. Seiner Meinung nach spielt das Medium des Lehrens für das Profil einer Universität eine wichtige Rolle. Im Falle der GUC seien jedoch andere Dinge bedeutsamer, und er hebt hervor: die Curricula, die sich an deutschen Standards orientieren, die enge Zusammenarbeit mit Universitäten in Deutschland und der hohe Anteil deutscher Professoren, Dozenten und Assistenten.

Einer der deutschen Dozenten erzählte mir, dass einige der vielen Sicherheitsmänner mit großem Eifer Deutsch lernen.

 

So sehr ich selbst an meiner Muttersprache hänge und der Meinung bin, sie müsse an der ihr gebührenden Stelle auch gewürdigt, d. h. gesprochen werden, so gibt mir gerade die Diskussion zum Thema Unterrichtssprache zu denken, denn:

die GUC ist ein ägyptisches Wissenstransfer-Unternehmen in Ägypten, und in unserem Gastland ist Englisch weiter verbreitet als die deutsche Sprache, und

an deutschen Universitäten geht man immer stärker dazu über, in Englisch zu lehren, weil die aus dem Ausland kommenden Studenten des Deutschen nicht oder nur bruchstückhaft mächtig sind.

 

 

Auch andere Bereiche werden unter den Deutschen oft erörtert. Das zeigt, dass die German University als ägyptisches Hochschulunternehmen, das damit wirbt, Wissen auf deutscher Grundlage zu vermitteln, in hohem Maß im Blick der Öffentlichkeit steht. Meiner Meinung nach zu Recht, denn berechtigte Kritik birgt immer die Chance, Schwachstellen zu erkennen und Fortschritte in die Wege zu leiten.

 

Mein Eindruck ist, dass sich an der „German University in Cairo“ in den zwei Jahren ihres Bestehens einiges getan hat, das als Fundament für Entwicklungen gelten kann. Ich bin gespannt auf die nächsten German Open Days.

 

 

 

Iza Khan

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