Man begegnet
diesem kleinen Reptil sehr oft in unseren Häusern, an Decken und Wänden entlanglaufend,
senkrecht hinauf- und hinunterkletternd. Es klettert selbst an Glasscheiben
und Spiegeln hoch und scheint die menschlichen Behausungen sehr zu lieben
– findet aber bei den Ägyptern wenig Gegenliebe. Sein Erscheinen erzeugt meist
Ekelgeschrei, Abwehr, Rausschmiss und Totschlag, weil es mit unsinnigem Aberglauben
behaftet ist.
Was für ein hysterisches Entsetzensgeschrei,
wenn so ein Tierchen mal an der Decke des Klassenzimmers erschien! Auf meine
erstaunte Frage (als Biologielehrerin) hieß es dann, dass der „burs“ – „burs
mansili“ heißt der Gecko auf Ägyptisch – das Salz verderbe und zum tödlichen
Gift mache! Ich forderte die Schülerinnen auf, mir den „burs“ und etwas Salz
zu bringen, um vor ihren Augen davon zu essen, worauf nur düsteres Erschauern
folgte.
Auch die Nützlichkeit des Gecko als
Moskitofresser wurde verachtet. Wenn man sich dem Haus unserer früheren Nachbarn
in Maadi von der Gartenseite her näherte, sah man die Geckos in Kreisen rund
um die Lampe an der weißen Hinterwand der Gartenterrasse auf der Lauer sitzen
und sich auf die vom Licht angelockten Kerbtiere stürzen. Anscheinend hatten
sie ihre Rangordnung. Der dickste und dunkelste Gecko mit raugekörnter Haut
hatte den inneren, der Lampe am nächsten sich befindliche und damit hellsten
Kreis inne. Die anderen schwächeren Tiere folgten mit abnehmender Größenordnung
und durchsichtiger Hautfärbung.
Sehen
wir uns so ein Tierchen genauer an, so fällt seine fast durchsichtig zarte,
rosa Haut auf, die je nach Lichteinfall einen pelzig-seidenen Glanz zeigt.
Fasst man es mit der Hand an, glaubt man, ein winziges, weichpelziges Säugetier
zu berühren. (Kein Wunder, dass die Haftzeher, zu denen der Gecko gehört,
dafür bekannt sind, dass sie nach der Häutung ihre „leckere“ alte Haut auffressen!)
Der Kopf ist deutlich vom
Rumpf abgesetzt und etwas abgeflacht. Die Augen sind recht groß, vorgewölbt
und haben eine senkrecht gestellte Pupille (wie bei der Katze), die
sich in der Dämmerung erweitert, was charakteristisch für Dämmerungstiere
ist.
Das Auge wird vom glasklaren,
durchsichtigen unteren Augenlid bedeckt, das mit dem oberen Lid verwachsen
ist. Das sind alles typische Kennzeichen der Geckofamilien. Unser Tierchen
kann sich mit der Zunge die Äuglein putzen, wenn es das für nötig befindet.
Der ägyptische „burs mansili“ kann
auch seltsame Laute von sich geben, ähnlich einem Zirpen. Andere Geckoarten
keckern und klopfen, quäken und bellen.
Der Name „Gecko“ kommt von
ihrem Ruf. Anscheinend dient er der Kontaktaufnahme der Geschlechter bei nächtlicher
Lebensweise. Sie legen mehrmals im Jahr nur wenige Eier, halbversteckt in
ihrem Lebensbereich. Die Embryonen sind sehr widerstandfähig.
Die große Frage ist, wie diese Tiere
sich an die Zimmerdecke heften können, senkrecht die Wände hinauf- und hinunterlaufen
und sogar an Fensterscheiben und Spiegeln umherflitzen können?
Untersuchen wir die Geckofüßchen
genauer, finden wir auf den Sohlen eigenartige Muster von „Blattscheiben“,
sogenannte Haftlamellen. Das sind die besonderen Kennzeichen der Gekkonoiden,
der Haftzeher, woher auch der Name der Art stammt.
Früher glaubte man, diese funktionierten
wie Saugscheiben oder besäßen Drüsen, die Klebsubstanz ausschieden. Mit verbesserter
Mikroskopie erkannte man aber, dass die Oberfläche dieser Lamellen unzählig
viele Zellen mit einem hakenartig gekrümmten Fortsatz haben und wie Batterien
von Miniaturkrällchen noch in der kleinsten Unebenheit Halt finden. Wenn sich
die Haftzeher vorwärts bewegen wollen, müssen sie zuerst die Zehen von der
Spitze her nach oben wegkrümmen.
Die Haftlamellenmuster von Geckosohlen:
Dr. Lore Becker