Im
Mai 2005 stand in meiner 9. Klasse an der Deutschen Evangelischen Oberschule
der
2.
Exkursionstag vor der Tür. Ich war das erste Jahr in Ägypten, und mir klopfte
gehörig das Herz, wenn ich daran dachte, mit einer Gruppe von Jugendlichen
durch ein für mich fremdes Land zu ziehen.
Meine
Schüler hatten den Wunsch, ans Meer zu fahren. Es sollte aber nicht nur ein
Badevergnügen werden. Mir fiel ganz spontan Alexandria ein. Bei dieser Wahl
war auch ein wenig persönliches Interesse dabei, weil ich die Stadt noch nicht
kannte.
Leider
reagierten meine Schüler nicht besonders begeistert, da viele schon sehr oft
mit ihren Eltern die Freizeit dort verbracht hatten.
Die
Sekretärin unserer Schule machte mich darauf aufmerksam, dass die Deutsche
Schule der Borromäerinnen in Alexandria derartige Unternehmungen organisatorisch
unterstützt. Damit stand mein Entschluss fest, und ich betrieb in der Klasse
gezielt „Überzeugungsarbeit“.
Ich
erhielt die E-Mail-Adresse und die Telefonnummer von Frau Sadat, die an der
DSB in Alexandria arbeitet, und rief sie an. Es setzte ein reger Informationsaustausch
ein. Frau Sadat besorgte die Hotelbuchung, die Bestellung des Abendessens,
gab mir alle Informationen zu Öffnungszeiten und Eintrittsgeldern und stellte
uns eine Empfehlung für unseren Zeitplan zusammen. Um es kurz auszudrücken,
ein Reiseunternehmen hätte es nicht besser machen können!
Wenige
Tage vor unserem Abfahrtstermin spürte ich auch endlich die Vorfreude meiner
Schüler auf das Ereignis. Für die Fahrt hatte einer von ihnen einen Kleinbus
organisiert. Als er an der Schule vorfuhr, bezweifelten wir, ob 25 Schüler
und zwei Betreuungspersonen darin Platz finden würden. Aber schon das „Einschichten“
machte viel Spaß, und ich glaube, es interessierte kaum jemanden, dass es
etwas eng und unbequem war.
Am
Vormittag des ersten Tages besuchten wir zunächst das griechisch-römischen
Theater. Es ist das einzige erhaltene Amphitheater in Ägypten. Wichtige Informationen
erhält man an Übersichtstafeln direkt am Eingang, und jeder konnte nach Interesse
seinen Wissensdurst stillen.
Gegen
Mittag kamen wir am Fort Quait Bey an. Das Bauwerk ist beeindruckend und bereits
von der Corniche aus sichtbar. Es wurde im 18. Jahrhundert auf den Grundmauern
des Leuchtturms von Alexandria (eines der Weltwunder) erbaut und diente zur
Verteidigung. Wir erhielten eine sachkundige Führung. Jeder eroberte allerdings
die Festung auf seine Weise, ob durch kleine Klettertouren, das Genießen des
herrlichen Ausblicks auf das Mittelmeer oder das interessierte Zuhören bei
der Führung.
Ein
wichtiges Besuchsziel der Stadt ist natürlich die im Jahre 2002 eröffnete
neue Bibliothek. Sie soll die Nachfolge der ersten antiken Bibliotheca Alexandrina
antreten, die durch Brände bereits im Altertum vollständig zerstört wurde.
Das neue Gebäude ist architektonisch sehr interessant und trug in den vergangenen
Jahren dazu bei, die Stadt Alexandria als Kultur- und Wissenschaftszentrum
wieder mehr in den Blickpunkt zu rücken.
Inzwischen
machte sich bei uns der Hunger bemerkbar. Ein reichhaltiges und schmackhaftes
Essen gab den Jugendlichen Energie für abendliche Aktivitäten.
Einige
Schüler schlossen sich dem Besuch des Hotels Sofitel/Cecil an. Von dem umwerfenden
Blick auf die Bucht von Alexandria beeindruckt, meinte eine Schülerin auf
der Dachterrasse, der Tag möge bitte nicht zu Ende gehen.
Erstaunlich
war für mich das ägyptische Temperament und Stehvermögen der Schüler. Ein
ausgefüllter Tagesablauf war nicht die Garantie für eine zeitige Nachtruhe.
Ja, was erwartete ich da eigentlich?????????????????????
Am
zweiten Tag ließen wir unseren Aufenthalt in Alexandria in einer wunderschönen
Clubanlage mit Baden und Erholen ausklingen.
Die
harmonische Stimmung auf unserer Rückfahrt nach Kairo hat mir bestätigt, dass
alle mit unserer Exkursion zufrieden waren.
Mit
diesem kleinen Bericht möchte ich mich bei der Schule der Borromäerinnen in
Alexandria, insbesonders bei Herrn Eberle, dem Direktor, und bei Frau Sadat
bedanken. Gleichzeitig soll es eine Anregung für eine weitere erlebnisreiche
und interessante Exkursion mit Jugendgruppen sein.
Karla Schäfer
Lehrerin an der Deutschen Evangelischen Schule in Cairo