Von moslemischen
Bräuchen und Sitten
war der Fastenmonat unbestritten,
bei unserer Ägyptentour
die wohl einprägsamste Zäsur.
Zwei Aspekte im Ramadan
hatten’s uns dabei angetan:
Die Gratisspeisung großer Massen
und das Chaos auf Kairos Strassen!
Allabendlich
zur gleichen Stunde,
wenn Muezzine riefen in die Runde
und das Abendgebet war vollbracht,
ward’ an Speisung der Armen gedacht.
Riesentafeln auf den Strassen und Plätzen,
an die sich die Bedürftigen setzen,
bieten kostenlos Speisen und Trank
einen ganzen Monat lang.
Welch eine kolossale
Kraft,
die’s organisatorisch schafft
alle Geld- und Warenspenden
so konzentriert zu verwenden,
dass sie für die Millionenstadt
Helfer, Gerät und Speisen hat,
um Hunderttausende zu laben,
ohne Hilfe vom Staat zu haben!
Wie nachdenklich wird mancher Christ,
da dies im Islam Praxis ist!
Doch bleiben
auch Fastensorgen
dem Betrachter nicht verborgen.
Kairo, die Zwölfmillionenstadt,
die fast ’nen Verkehrskollaps hat,
erweist sich an Ramadantagen
im Autochaos kaum zu schlagen,
wenn hungergequälte Massen
blockieren die Ausfallstrassen.
Die Smogwolke über der Stadt
macht die Gläubigen auch nicht satt,
die in den Vorabendstunden
brennendes Heimweh bekunden
und sich mit sehr flauem Magen
durch Stau und Gedränge schlagen.
Geschäfte und Praxen machen dicht,
Touristenwünsche gelten jetzt nicht.
Alle streben
nach einem Ziel,
dem Tisch im Heimatdomizil.
Dafür nimmt man Beulen in Kauf
und ändert den Tagesablauf.
Erst, wenn Durst
und Hunger gestillt,
womöglich ´ne Shisha gekillt,
Kaffeeduft gen Himmel steigt
und der Gebetsrufer schweigt,
wird der Handel wieder lässig,
Autofahren nicht mehr stressig,
und der Tourist kann ohne Zanken
sich mit einem Bier betanken,
wobei man peinlich darauf sieht,
dass es nicht im Freien geschieht.
So sieht der
Fremde zwei Seiten,
die Freude und Frust bereiten.
Er stellt sich schließlich darauf ein,
im Ramadan dabei zu sein,
das Verkehrschaos zu umgeh’n,
um die schöne Seite zu seh’n.
Ein Erlebnis ist es allemal
trotz aller Autofahrerqual!
Fritz Peter, Oktober 2005