I R A N - Abenteuer in 5 Akten

von Wolfgang Engelhorn

1. Akt : Prolog

Wer eine Reise in den Iran unternehmen will, muss entweder mit einer Agentur reisen oder aber gute Nerven haben!

Im letzten Oktober beschloss ich, in den Weihnachtsferien den Iran zu bereisen. Also begab ich mich zur Botschaft der Islamischen Republik in Dokki und musste auch schon den ersten Kampf mit dem Zerberus am Tor ausfechten. Nicht nur, dass er keinerlei Sprachkenntnisse aufwies und ständig, wenn er seine kleine Einlasstür öffnete, mit vollem Munde lamentierte, sondern er wollte mich auch in keinster Weise zur Visaabteilung einlassen, obwohl es angeschlagene Öffnungszeiten gab. Aber nach einiger Zeit war meine Wartegeduld erschöpft und ich begann eine filmreife Szene vorzuführen, die das Resultat hatte, dass ich einen Antrag erhielt, aber ihn nicht abgeben konnte, weil irgendein Feiertag frühere Schließzeiten erforderte. Also am Mittwoch wieder hinmarschiert! Die ägyptischen Wachsoldaten erkannten mich sogleich und erzählten einander, dass ich derjenige sei, der tags zuvor eine Szene gemacht habe, aber der Zerberus war zuvorkommend und die Sachbearbeiterin bereit, meinen Antrag anzunehmen!

Nach zwei Wochen begann ich nachzutelefonieren, ob das Visum zurück sei, aber dem war leider noch nicht so! Meine wöchentlichen Anrufe wurden jeweils negativ beschieden, so dass ich im November beschloss, direkt mit der Deutschen Botschaft in Teheran Kontakt aufzunehmen, um meinen Antrag positiv entschieden zu bekommen. Mein Freund in Deutschland, der auch beim Konsulat in Hamburg nachfragte, erhielt die Auskunft, dass er binnen 10 Tage ein Visum bekommen könnte! Warum also nicht in Kairo? Die deutsche Botschaft in Teheran intervenierte sogar beim iranischen Außenministerium, aber der Bescheid kam und kam nicht, die Weihnachtsferien jedoch rückten so nahe, dass ich den Iran abhakte! Zwei Tage vor meinem Abflug in Richtung Dubai dann doch die Info, das Visum ist da! Also schnell mal wieder zur Mullah-Botschaft und mit Madame Mervat besprochen, dass sie das Visum erst einmal liegen lässt! Hamdulillah!

2. Akt: Auf los geht`s los!

Der Iran geisterte nach wie vor in meinem Kopf herum, aber nun war eine Entscheidung zu treffen: Ja oder Nein! Nach Abstimmung mit meinem Bekannten, sollte es noch einmal in den Osterferien angepackt werden! Zielregion Bandar Abbas von Dubai aus! Also zur Botschaft und flugs das Visum auf den Tisch, 350 LE abgedrückt und los! Denkfehler! Leider ist am Tag meiner Visite die Botschaft wegen eines Feiertages vorzeitig geschlossen, aber Frau Mervat verspricht mir beim Verlassen ihres Arbeitsplatzes (sie kennt mich schon!), dass ich am nächsten Sonntag das Visum bekomme. Um nicht in den Wartereihen zu viel Zeit zu vertrödeln, gehe ich erst um 12.30 Uhr dorthin, bin 13.30 Uhr dran und erfahre, dass ich das bereits in der Hand abgezählte Geld nicht direkt vor Ort, sondern in der Iranian-Egyptian Bank ("not far away, near the zoo") bezahlen muss. Immerhin war ja das Visum noch da. Zur Bank schaffe ich es noch, aber dann ist die Botschaft wieder geschlossen. Also am Mittwoch erneut vor Ort! Nun fehlt nur noch die Unterschrift des Botschafters. Aber wo ist er? Er wird im Haus gesucht - und das zwei Mal! Ich verliere die Geduld, denn es warten auch noch Schüler auf meinen Unterricht! Ich verabrede, dass ich pünktlich 13.25 Uhr wieder da bin und der Pass an der Pforte (beim Zerberus) liegen soll! Schweißgebadet erreiche ich die friedliche Hütte, aber kein Pass! Krieg dem (Botschafts)palast! Frau Mervat sieht mich bereits, als ich über den Hof eile und als ich das Büro erreiche, ist der Schalter leer! Wo mag sie nur sein? Andere "Besucher" rufen nach einigen Minuten bereits flehentlich nach ihr und da erscheint sie - in ihrem schwarz vermummten Körper - triumphierend hält sie meinen Pass in der Hand! Sie und ich haben es geschafft!

3. Akt : Ankunft im "Achsenland des Bösen"

Nun ist nur noch der Flug von Dubai ins verheißene Land zu buchen. Dummerweise wurden aber die ganzen Charterflüge, die vorher noch in den Süden des Irans gingen, nach dem Absturz einer Maschine der Kish-Airlines gestrichen. Trotz Internet und Einschaltung von IATA gelingt es mir nicht, mit Mahan oder ASEMAN Airlines in Dubai in Kontakt zu kommen, Iran Air fliegt von Kairo überhaupt nicht. Aber das fordert uns gerade! Mein Bekannter in Hamburg findet endlich ein tolles Angebot mit Emirates für 150 Euro nach Teheran und so soll es also in die Hauptstadt gehen! Treffpunkt ist der Dubai-Airport morgens um 6 Uhr vor dem Counter. Nun ja, wir treffen uns, wenn auch mit Problemen dort, und fliegen endlich mit der in der Vergangenheit ausgezeich-neten Airline in Richtung Teheran! Der Service an Bord ist auch nicht besser als bei anderen Fluggesellschaften, aber immerhin "Emirates"! Ein mulmiges Gefühl stellt sich ein, als wir über der Stadt einschweben und die Frauen in der Maschine in den Handtaschen die Kopftücher herauszerren. Was wird uns da erwarten?

Durch den Flughafen sind wir schnell, denn international starten und landen pro Tag etwa 20 Ma-schinen und davon entfallen auf Emirates drei! An der Passkontrolle, die mit "Türchen auf" und "Türchen zu" wohlgeordnet abläuft, arbeiten nur schwarzvermummte junge Damen, die aber Englisch sprechen und sehr zuvorkommend sind. Keine Fragen, in welchem Hotel wir wohnen, so wie man das in so vielen Ländern bei der Einreise gewohnt ist! In 15 Minuten sind wir durch die Abfertigung und stehen vor dem Taxistand! Nachdem uns klar ist, dass eine Taxifahrt zu dem Hotel, das wir uns im "Lonely Planet" ausgesucht haben (Reise Know How erscheint angeblich im Juni 2004) 4 "Komeini" (=4 Euro) kosten wird, geht es über die Hauptstraße ins Zentrum! Der Fahrer spricht leider überhaupt keine andere Sprache als Farsi, aber der Verkehr ist wenigstens mit dem heimischen in Kairo zu vergleichen - nur die vielen Moped- und Motorradfahrer fallen auf!

Unser Hotel ist klein (Hotel Arman) und liegt im südlichen Teil der Stadt in der Nähe des Basars. Das ist zwar einerseits günstig für die Sehenswürdigkeiten, aber andererseits ungünstig für die Versorgung, denn Restaurants in diesem Teil der Stadt sind Mangelware. Es gibt vor allem Autozubehör - und das straßauf und -ab! Nach Einigung über den Zimmerpreis wollen wir auch sofort los und stürzen uns in den Basar! Die Straßen dorthin sind gefüllt mit Menschen und auch im Basar, einem Irrgarten von der Größe eines Stadtviertels, Menschen über Menschen, Angebote über Angebote. Es gibt alles und das in Hülle und Fülle - wenn es sich auch ziemlich oft um Fakes handeln dürfte! Am Souk stehen auch viele Geldwechsler herum, die mit großer Offenheit Euros zu einem guten Kurs wechseln! Beeindruckt suchen wir auch noch andere Hotels, die im Führer angegeben sind. Die Preisklasse ist ziemlich ähnlich und alle sind eigentlich leer!

Im Nordteil der Stadt sehen wir uns dann noch das Hotel Omid an, das aber 30 Dollar kosten soll, wenn auch mit Restaurant. In diesem Teil der Stadt pulsiert das Leben mit modernen Geschäften, Restaurants und es gibt auch zahlreiche Parks, die von den Einwohnern stark frequentiert sind.

4. Akt : Sehenswertes

Am nächsten Tag wollen wir dann so richtig loslegen - aber weit gefehlt: Es ist Feiertag (Arbain), an dem alles geschlossen ist. Wir nutzen die Zeit für die Erkundung der Verkehrsmittel Bus (ge-trennt in Männer- und Frauensektion für Cents) und Taxi quer durch die Stadt für 2 - 3 "Komeini" (=20000-30000 Rial). Auch die Parks sind sehr zu empfehlen. Oder aber man folgt den Bächen, die mitten durch die Straßen verlaufen und die Grünanlagen bewässern! Absolut "in" im Norden der Stadt sind die Fastfood-Fresstempel. Lustigerweise werden Namen wie McDo adaptiert und dazu trinkt man "Parsi-Cola", das in der Aufmachung verdammte Ähnlichkeit mit Pepsi aufweist! Langsam taut auch das Personal im Hotel auf und bringt uns schon Tee, wenn wir uns nur setzen oder man lächelt auch schon mal.

Am nächsten Tag ist endlich der Golestan-Palast angesagt. Mitten im Südteil der Stadt liegend zeigt er die Reste alter iranischer Palastkultur. Leider ist er ein "Einzelstück" in der Betonwüste Teherans, denn im Zuge einer radikalen Modernisierung schon zu Zeiten der letzten Herrscher wurden Altstadt und Stadtmauern geschleift und ein modernes Straßennetz angelegt. Im Palastgelände befinden sich diverse, recht unterschiedliche Bauten, die den Glanz und die Fähigkeiten iranischer Bauhandwerker verdeutlichen. Wunderbar verspiegelte Wandornamentik, dekorativ bemalte Kacheln und repräsentative Throndiwane, die eigentlich Platz für Großfamilien böten, geben der Anlage, an der aber zur Zeit viel gearbeitet wird, eine großartige und höchst bemer-kenswerte Ausstrahlung! Und um dieses Quadrat kreist und dröhnt der Verkehr, der es jederzeit mit Kairo aufnehmen kann. Eine besondere Qualität haben zudem die Motorradtaxis, die an jeder Straßenecke stehen und auf Kundschaft warten. Sie wird dann auf dem kürzesten Weg, d.h. auf den Busspuren der ansonsten mit Einbahnstraßen gelenkten Verkehrsführung gegen den normalen Verkehr zum gewünschten Ziel gebracht! Vierfache Kontrolle vor der Überquerung einer Straße ist sinnvoll!

Am Nachmittag geht es dann zur Schatzkammer, die in dem Tresorraum der Zentralbank gegen-über der deutschen Botschaft untergebracht ist. Dass diese Schätze im Iran verblieben sind und nicht irgendwo auf der Welt verkauft wurden, verdanken sie der Gewohnheit, dass die Träger der Preziosen diese sofort nach Benutzen wieder an das Schatzamt abgeben mussten. Es ist die Fülle von Edelsteinen, die ich bisher nirgendwo auf der Welt so gesehen habe (noch nicht einmal im Londoner Tower). Edle Waffen mit Rubinen und Smaragden überfüllt, der Pfauenthron, bei dem einem schwindlig wird durch die Fülle der Steine oder Diademe und Kronen von unendlichem Wert! Und dann noch der Diamant Darya-ye-Nur mit 182 Karat! Dieses Museum ist mit Sicherheit eines der Highlights der Reise!

Am nächsten Tag wollen wir dann das Elburz-Gebirge "erklimmen". Von der Talstation kann man bequem auf den 3933 m hohen Towchal mit kleinen 4-sitzigen Kabinen fahren. Lässt man den Smog Teherans hinter sich, dann breitet sich in der Höhe ein unvergleichliches Panorama mit schneebedeckten Bergen aus. Dort oben kann man auch gut Ski fahren, nur leider fand ich keinen Verleih, aber gejuckt hat es mich schon, im Iran einfach mal die Hänge hinabzugleiten! Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben! Denn im Hotel, wo wir zu Abend aßen, ließ sich an den Gesichtern der Gäste aus dem Norden sehr gut erkennen, dass diese im Schnee gewesen waren!

Vergessen darf ich nicht, dass natürlich auch einige Teppich-Sitzungen sein mussten. Wer mich kennt, der weiß, dass mich Geschäfte dieser Art nervös machen. Ich brachte schöne Wollteppiche mit, da ich Seidenteppiche, für die der Iran eigentlich bekannter ist, nicht so sehr mag. Gut, dass dann irgendwann mein Geld zu Ende war, ansonsten ....


5. Akt : Fazit

Abschließend muss ich sagen, dass ich nie das Gefühl der Unsicherheit hatte, mit dem ich vorher gerechnet hatte. Trotz der Sprachprobleme kann man zurechtkommen. Vieles erscheint fremd und ungewohnt, aber mit Aufgeschlossenheit und einer Portion Abenteuerlust bleibt der Iran kein Land in der "Achse des Bösen". Die Presse fokussiert zu stark auf die Mängel der islamischen Länder wie Polizei- und Überwachungsstaat und Fehlen von demokratischen Rechten. Aber wenn man bedenkt, wie beispielsweise gerade jetzt die Einreisebedingungen in der westlichen Welt eingeschränkt werden, dann fühlte ich mich im Iran geradezu frei!


Meine nächste Reise in den Iran wird sicherlich in den Süden dieses Kulturlandes gehen. Kenntnisse zur Organisation der Reise sind nun vorhanden und die Städte wie Shiraz oder Isfahan locken!

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