NGOs in Ägypten: Association for the Development and Enhancement of Women
von Johanna Ammar-Claus und Michaela Grohm
In unserer Reihe über NGOs in Ägypten wollen wir heute eine Vereinigung vorstellen, die ihr Augenmerk auf die Situation von Frauen richtet: Die "Association for the Development and Enhancement of Women", kurz ADEW. Ihre Zielgruppe sind so genannte weibliche Haushaltsvorstände ("female headed households"), also Frauen, die für den Unterhalt und das Auskommen der Familie sorgen.
Anfänge
Initiiert wurde ADEW von Dr. Iman Bibars, die schon während ihrer Studienzeit zusammen mit anderen Studentinnen im Bereich der Wohlfahrtsarbeit tätig war. Die damals noch lose Gruppierung engagierte sich vor allem im Gebiet Manschijet Nasr, einem der ärmsten Gebiete Kairos. Schon damals fiel Dr. Bibars der hohe Prozentsatz weiblicher Haushaltsvorstände auf. Wenn die Männer - traditionell die versorgenden Oberhäupter der Familie - entweder arbeitsunfähig oder arbeitslos sind und daher den Unterhalt der Familie nicht mehr sicherstellen können, übernehmen die Frauen üblicherweise die Funktion als Alleinversorger von Familie und Haushalt.
"Female headed households"
Nach einer später in Auftrag gegebenen Studie liegt der Anteil solcher weiblichen Haushaltsvorstände in den ärmeren Gebieten bei 25 %. In ihrer späteren Doktorarbeit befasste sich Dr. Bibars denn auch schwerpunktmäßig mit dem Thema "Frauen und Wohlfahrtsstaat in Ägypten" (Der Titel der später als Buch erschienenen Arbeit lautet: "Victims and Heroines"). Bei ihren Recherchen entdeckte sie außerdem, dass die betroffenen Frauen zum größten Teil nicht im Besitz von Personalausweisen waren, welche sie für den Bezug von Sozialleistungen, zum Beispiel auch subventionierter Lebensmittel dringend benötigen.
Zielsetzung
ADEW arbeitet auf zwei Ebenen. Die Organisation will
Finanzierung
ADEW ist eine Wohltätigkeitsorganisation, d. h. die Organisation macht keinen Gewinn. Sie finanziert sich über Spenden und Unterstützung, z. B. von GTZ, verschiedenen Botschaften, der Sawaris-Stiftung und der Europäischen Kommission.
Die Mitarbeiterinnen werden bezahlt, aber es wird kein Profit erwirtschaftet. Einige der Mitarbeiterinnen haben ihr Studium gerade abgeschlossen, andere sind noch am Studieren. Mit viel Elan wirken die Frauen in dieser Art der Entwicklungsarbeit.
Das jüngste Projekt
Bei der intensiven Zusammenarbeit mit den betroffenen Frauen ergab sich auch ein tieferer Einblick in ihre Schicksale. Hervorstechend war der Umfang häuslicher/familiärer Gewalt. Das Problem der Gewaltanwendung tritt in der Unterschicht in großem Ausmaß auf. Laut einer Studie über häusliche Gewalt, die Dr. Iman Bibars in Auftrag gegeben hat, werden 96 % der Unterschichtfrauen geschlagen. Viele der Frauen erdulden die Gewalt, halten sie teilweise auch für richtig. Insgesamt ist, bedingt durch eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation, ein Zunehmen der Gewaltbereitschaft in Familien zu beobachten.
Schon seit längerem zeigte sich die Notwendigkeit für ein Frauenhaus, das nun an einem geheim gehaltenen Ort im Delta eingerichtet wird. Dieses jüngste Projekt der Vereinigung nennt sich "Evas Haus" (The House of Eve) und ist als Zufluchtsort für geschlagene Frauen und ihre Kinder konzipiert. Das "House of Eve" soll Modellcharakter haben, weil hier ein umfassender Ansatz zu Grunde liegt. Es soll nicht nur ein Unterschlupf für Frauen und Kinder aus den untersten Gesellschaftsschichten sein, sondern ihnen vor Ort die Möglichkeit physischer Sicherheit, psychologischer Betreuung, sowie rechtlicher und finanzieller Beratung bieten. Auch für den Transport der Frauen vom Haus zur Ausbildungs- oder Arbeitsstelle soll gesorgt werden; außerdem soll eine Spieltherapie für traumatisierte Kinder angeboten werden.
Das Haus ist inzwischen eröffnet, die Grundausstattung ist da, aber es fehlt natürlich noch vieles, zum Beispiel Kleider und Spielsachen. Auch Nahrungsmittel - Tee, Reis, Zucker - sind dem "House of Eve" willkommene Spenden, sei es in natura oder in Form von Geldspenden.
Wer gerne helfen möchte oder nähere Informationen über ADEW bzw. das "House of Eve" möchte, kann sich telefonisch melden unter der Nr. 3636345 / 3644324 oder 5321050 (Natalie). Oder per Mail unter folgenden Adressen: adew@link.net oder natalie@adew.org.eg