Die Geburtstagsfeier - 100 Jahre DSB

von Marlene Wagner

Im April 2004 waren es fast auf den Tag genau 100 Jahre her, dass die Schwestern vom Orden des Hl. Karl Borromäus nach Alexandria auch in Kairo eine deutsche Schule gründeten. Somit stand in diesem Jahr ein großes Jubiläum an.

Wie begeht nun "unsere" ehemalige deutsche Auslandsschule ihren 100sten Geburtstag? Ich jedenfalls habe mich bereits seit längerem auf dieses Ereignis aus mehreren Gründen gefreut und sollte nicht enttäuscht werden. Da Schule auch in Deutschland anstrengend ist, sich daher von vergangenen Schulwochen und für zukünftige und sowieso erholt werden musste, nicht zuletzt auch für die Feierlichkeiten, nutzen wir die Reise nach Ägypten zunächst zum Ausspannen am Roten Meer. Eigentlich fühlten wir uns dabei insgesamt wieder wie "früher", sollten dann aber überraschend erleben, dass ein Touristenvisum zunächst nur eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten bietet. Das Problem "Konvoifahren" konnte jedoch in beiderseitigem Einverständnis sowie ebensolcher Zufriedenheit gelöst werden.

Nun folgten die Feierlichkeiten. Wir waren bereits im fernen Deutschland durch kunstvoll in deutsch-arabischem Design gestaltete Einladungskarten, die uns im Frühjahr zugesandt worden waren, darauf eingestimmt. Glücklicherweise lag der Zeitraum der Kernfeierlichkeiten in den für viele Bundesländer geltenden Osterferien. So erlebten wir bei den unterschiedlichsten Feierlichkeiten immer wieder, geplant oder überraschend, freudige Wiedersehen mit Schwestern, ehemaligen Schülerinnen und Eltern und natürlich mit Kollegen und Kolleginnen, ehe-maligen und derzeitigen. Einige der Kolleginnen und Kollegen waren wie wir eigens aus Deutschland angereist, viele, die noch an der DSB unterrichten, kannten wir noch aus unserer eigenen Zeit und andere haben wir neu kennen gelernt. Dazu trafen wir ehemalige Kolleginnen und Kollegen aus der DEO und viele Menschen, ob Deutsche oder Ägypter, die wir in Laufe unserer Jahre in Ägypten kennen und schätzen gelernt hatten. Für uns Begegnung pur, punktuelle und ausschließlich private nun, aber auch das ist für mich ein Bestandteil des offiziellen Begegnungsbegriffes, wie er für die Arbeit deutscher Schulen im Ausland gebraucht wird.

Eigentlich feierte die "Borro" jedoch fast das gesamte Schuljahr über ihren Geburtstag. Welche Aktivitäten LehrerInnen, Schülerinnen und Eltern im Laufe des Schuljahres veranstalteten und vieles andere Interessante, konnten wir in dem schönen Festband nachlesen. Dabei bot dieses Buch bereits durch sein äußeres Erscheinungsbild mit der arabischen und deutschen Sprache einen besonderen Reiz. Eine Wahrnehmung, die aus der Distanz aus Deutschland umso intensiver wirkt.

Es kamen die offiziellen Feierlichkeiten. Grundschule und Kindergarten eröffneten die Festwoche mit Aktivitäten, deren Inhalt, Elan und Kreativität sicherlich mit ein Grund sind, wieso die "Borro" es in dieser Ausprägung zu stolzen 100 Jahren gebracht hat. Dann folgte ein Festakt, der mir gerade in heutigen Zeiten deutlich zeigte, wofür die Schule sinnbildlich auch steht und woran sie arbeitet: Im Beisein und unter Mitwirkung von Vertretern der koptischen Kirche und des muslimischen Glaubens zelebrierte der Pfarrer der katholischen Gemeinde in Kairo in Anwesenheit zahlreicher Gäste auf dem Schulhof eine katholische Messe und dies mitten in der Hauptstadt der arabischen Republik Ägypten. Als ich dies zuhause erzählte, sah ich zunächst immer in ungläubige Gesichter. Die anschließende Einladung der Schwestern nutzen die deutschen und ägyptischen Gäste bei weiteren kulturellen und kulinarischen Angeboten ausgiebig zur Möglichkeit des Wiedersehens und des Beisammenseins.

Für den nächsten Tag hatten dann die Eltern der Schülerinnen der Schule eingeladen. Sie hatten sich für ihren Beitrag zum Jubiläum einen für uns ganz besonderen Platz ausgesucht: ein Nilschiff. Herrlich war es nach langen Jahren, bei vorüber gleitender Silhouette Kairos in herzlicher Stimmung mit zahlreichen ehemaligen Eltern vor allem Müttern von Schülerinnen zusammen zu treffen, von denen viele ihrerseits ein Wiedersehen als ehemalige Schülerinnen feierten. Einen unerwarteten Höhepunkt bildete dabei eine spontane Gesangsdarbietung einer Chorgruppe unter Leitung ihres ehemaligen Musiklehrers.

Den kulturellen Höhepunkt bildete jedoch das Jubiläumskonzert in der Kairener Oper. Im vollbesetzten Haus zeigten der Chor der DSB, ein befreundetes Schulorchester aus Stuttgart und Solisten aus aller Welt den Gästen der unterschiedlichsten Kulturen ihr Können. Es wurden instrumentale, gesangliche und vokalische Darbietungen allerhöchster Qualität und besonderer Ausprägung geboten, was die Zuschauer mit begeistertem Beifall bekundeten. Dazu wiesen die Inhalte der Darbietungen auf eine ganz besonders feinsinnige Ausprägung vom Verständnis von Begegnung zwischen orientalischer und okzidentaler Kultur hin. Dies zeigte sich vor allem auch mit der Auswahl und der Rezitation eines andalusischen Gedichtes durch einen Musiklehrer der DSB. Den Organisatoren/Innen und Ausführenden des Jubiläumskonzertes war es damit gelungen, auf der Basis von täglicher Grundlagenarbeit und unter Nutzung des Anlasses den Gedanken der Begegnung an diesem Abend in einer höchst sublimen Form zu gestalten. Gleichzeitig wurde ein weiteres Jubiläum gefeiert: das 25jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Kairo und Stuttgart.

Den offiziellen und letzten Festakt des Schuljubiläums erlebten wir am Samstag Abend in der Aula der Universität Kairos. Im Beisein zahlreicher ägyptischer und deutscher Gäste und vieler Schülerinnen sprachen Vertreter und Vertreterinnen aus Politik, Wirtschaft, Kultur, Kirchen und Verwaltung beider Staaten der Deutschen Schule der Borromäerinnen unter Würdigung ihrer Verdienste für die Bildung und Erziehung ägyptischer Mädchen im interkulturellen Kontext ihre besonderen Glückwünsche aus. Darunter waren auch ehemalige Absolventinnen der DSB. Trotz aller erhabenen Festlichkeit prägte auch an diesem Abend wieder eine offene und herzliche Atmosphäre zwischen den Menschen aus Orient und Okzident das Zusammentreffen, wie wir sie in den Jahren unserer Lehrerzeit in Ägypten erfahren haben. Wie sagte schließlich ein Festredner aus Deutschland: "Wenn das keine Begegnung ist, dann weiß ich nicht, was Begegnung ist." Und gerade diese Förderung friedlicher Begegnung zwischen den Kulturen ist in unserer Zeit von nicht zu unterschätzender Bedeutung.

Schade, dass 100 Jahre so lange dauern, könnte man fast sagen, aber was dazwischen passiert ermöglicht erst solche Feste. Für uns war es eine große Feier, die vieles, was wir als Lehrer und Lehrerin an der DSB sowie in Ägypten erlebt und erfahren haben, wieder aufleben ließ. Bei allem sei aber die ganz private Seite dieses Ägyptenbesuches nicht zu vergessen, wobei sich beides kaum trennen lässt: Wir haben uns gefreut, viele Freunde und Bekannte wieder zu sehen, sogar bei ehemaligen Kollegen wohnen zu können und mit vielen Zeit zum Erfahrungsaustausch über Ägypten und zu persönlichen Gesprächen gehabt zu haben. Ein weiteres nicht zu missendes Erlebnis, das einen interessanten und schönen Ägyptenbesuch abrundete. Und schließlich das Erlebnis der Stadt Kairo. Da bleibt für mich wie gehabt nur eins: Wundern und bewundern gleichzeitig.

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