Leben in Ägypten

zusammengestellt von Yvonne Dünnebier, Lehrerin an der DEO

Die Wochenzeitung ‚Die Zeit' bekomme ich leider viel zu selten in die Hände. Dabei ist sie für mich im Ausland immer ein besonderes Medium gewesen, mit Deutschland, seiner Politik, Kultur und seinem Zeitgeist in Kontakt zu bleiben. Umso erstaunter war ich dann, darin eine sehr interessante Reihe von Reportagen zu entdecken, die unter den Titel ‚Leben in Deutschland' wöchentlich erschienen. ‚Leben in Deutschland', das bedeutet die Beschreibung von Alltag in Deutschland mit all seinen Facetten, die mir bereits so fern sind.

Doch ist mir eigentlich das alltägliche Leben in Ägypten wirklich bewusst? Ist es den Ägyptern, ist es meinen ägyptischen Schülern bewusst?

Angeregt durch die ‚Zeit'-Reportagen forderte ich meine Schüler aus der 6. Klasse ‚Deutsch als Fremdsprache' der DEO auf, sich selbst einmal mit ihrem Alltagsleben auseinanderzusetzen - von Schule über Freizeit, von Hochzeit bis hin zum Sterben. Ein Unterrichtsvorhaben, das sie zum Nachdenken und zum Nachfragen veranlasste und dessen Resultate einen interessanten Einblick in den Alltag zwölfjähriger ägyptischer Schüler einer deutschen Auslandsschule geben.

Schule in Ägypten: Meine Schule, die DEO von Yasmin Ezz

Heute ist der zweite September: Die Schule fängt wieder an. Ich bin schon sehr aufgeregt, meine Freunde wiederzusehen, aber auf das viele Arbeiten, die Hausaufgaben und manche neuen Lehrer habe ich gar keine Lust.

Aber: Die DEO ist eine gute Schule, an der man viel lernt und viele Freunde der unterschiedlichsten Nationalitäten finden kann. Mich interessiert, was eine meiner Mitschülerinnen über die DEO denkt.

Was magst du und was magst du nicht an der DEO?

"Gut finde ich, dass wir viele Sprachen lernen und viele Freunde finden können. Schlecht ist, dass man so viel Geld für Bücher bezahlen muss. In anderen Schulen, wie z.B. der AIS, muss man die Bücher nicht kaufen. Stattdessen verteilt die Schule die Bücher am ersten Tag und am letzten Schultag muss man sie wieder abgeben."

Welche Regeln gefallen dir nicht an der DEO?

" Dass man das Handy nicht mitnehmen darf. Ja, es sollte schon auf ‚silent' sein, damit es nicht in der Stunde klingelt, aber man soll schon in der Pause anrufen können."

Was hat die DEO, was andere Schulen nicht haben?

"Wir feiern sehr oft und haben viele Traditionen, wie den Klaus-Heller- und den Pyramidenlauf, den Flohmarkt und die Talentshow. Wir machen auch viele Konzerte. Ich denke, dass nicht so viele Schulen solche Sachen machen."

Denkst du, dass die deutschen Schüler besser als die ägyptischen behandelt werden?

"Ich persönlich finde ja. Wir hatten zum Beispiel eine Lehrerin, die die deutschen Schüler viel netter behandelt hat. Sie hatte auch eine Lieblingsschülerin, die Deutsche war. Sie wurde am besten behandelt."

Hast du nur ägyptische Freunde oder auch deutsche?

"Meine besten und dicksten Freunde sind Ägypter. Aber ich habe auch deutsche Freunde."

Weißt du, warum du nicht so viele deutsche Freunde hast?

"Ich denke, weil ich viel Arabisch spreche und wenig Deutsch."

Was findest du ungerecht an der Schule?

"Dass die Ägypter mehr arbeiten müssen. Sie haben Klassenarbeiten in Arabisch, Religion und Civics. Arabisch ist ein Hauptfach. Die Deutschen müssen nur Geschichte und Erdkunde machen und das sind nur Nebenfächer."

Was könnte an der DEO verbessert werden?

"Das Essen am Kiosk. Die Klassenzimmer könnten schöner werden. Es müsste mehr Toilettenpa-pier auf den Toiletten geben. Wir könnten auch Ausflüge für das gesamte Gymnasium organisieren. In der Bibliothek sollte es mehr Bücher in Fremdsprachen geben und wir sollten mehr mit dem Computer arbeiten. Die ‚Zweite Tour' könnte von den Schülern organisiert werden."


Essen in Ägypten von Sarah Kassem

Die Schule ist vorbei, die Fahrt nach Hause habe ich auch endlich hinter mir und mein Magen knurrt ganz schrecklich. Zu Hause angekommen, reiße ich die Tür auf und sofort steigt mir ein wunderbarer Duft in die Nase. Ich gehe ihm nach und treffe auf meine Mutter, die ich sofort frage: "Was hast du Schönes gekocht?" Sie lässt mich raten. "Mmh, Molokheia....oder vielleicht Fisch?" Auf ihr wiederholtes ‚nein', versuche ich es mit Maccaroni mit Tomatensoße. Und genau das ist es. Sofort sitze ich am Tisch und freue mich schon. Meine Mutter kommt mit dem Topf und schöpft mir einen großen Löffel in den Teller. Ich esse so schnell wie möglich. "Mmh, schmeckt das wunderbar!", denke ich.

Doch obwohl jeder in Ägypten Maccaroni isst, sind sie doch kein typisch ägyptisches Essen, wie zum Beispiel Molokheia, sondern ein italienisches. Aber genau diese Mischung aus italienischer, türkischer und libanesischer Küche macht Essen in Ägypten aus.

Vor allem bei den religiösen Festen gibt es jeweils besondere Speisen. Während des Fastenmonats Ramadan zum Beispiel kochen meine Oma, meine Tante und meine Mutter zusammen. Man beginnt mit Datteln und Milch, danach gibt es Suppe. Anschließend essen wir als Hauptgericht Maccaroni oder Reis mit Fleisch und Salat. Zum Nachtisch gibt es ‚Ataeif', ‚Basboussa' oder ‚Kunafa'. Auch die Getränke sind im Ramadan besonders: Man trinkt Dom, Amr el Din oder Tamrhindi.

Nach dem Fastenmonat feiern wir Aidh. Das Besondere dabei ist, dass man immer Fleisch isst. Egal ob von Schaf oder Kuh - es muss Fleisch sein. Das gilt für die moslemischen Feiertage. Aber was essen die Christen in Ägypten an ihren Feiertagen? Ich frage Amira G., eine Mitschülerin, was ihre Familie an Weihnachten isst.

"Also, wir fasten den ganzen Tag, das heißt, wir dürfen dann nichts essen und trinken, was von Tieren kommt. Zum Beispiel keinen Käse, keine Milch oder Eier und natürlich kein Fleisch. Wir dürfen nur Gemüse und Obst essen. Aber am Weihnachtsabend dürfen wir dann wieder Fleisch essen."

Es gibt noch ein weiteres wichtiges Fest, Sham el Nessim oder Ostern. Da isst man Fisch, insbesondere Hering.

Bei uns in Ägypten sind es vor allem die Frauen, die kochen. Doch es wäre besser, wenn auch die Männer am Herd stehen würden, denn die Frauen müssen schon die ganze Hausarbeit machen.

Mohamed K. ist ein Mann, der gar nicht kocht - außer vielleicht einmal Eier.

"Warum kochen Sie nicht und was halten Sie davon, wenn mehr Männer kochen würden?", möchte ich von ihm wissen.

Er meint dazu: "Ich koche nicht, weil ich es noch nie versucht habe. Aber meiner Meinung nach sollten Männer kochen. Denn was passiert, wenn die Frau zum Beispiel krank wird oder der Mann alleine ist. Ja, und wer soll dann kochen?"

Freizeit und Urlaub in Ägypten von Ramy El Borollossy und Omar Aboulmagd

"Tja, wenn man über Freizeit in Ägypten sprechen will, muss man schon ein junger Mensch sein, denn das ist die beste Zeit des Lebens. Dann kann man so ziemlich alles in seiner Freizeit machen: spielen, schwimmen, Sport treiben, ausgehen und tanzen. Du weißt ja, mein Junge, ich bin eine sehr gute Tänzerin." - Vor mir sitzt eine 68jährige Dame und träumt weiter von ihrer Jugend: "Wenn man alt ist, kann man nur noch reden, spazieren gehen, in der Sonne sitzen und stricken."

Mich interessiert, ob es Unterschiede in der Freizeitgestaltung zwischen Früher und Heute gibt. "Die Sportarten haben sich nicht geändert und auch wir gingen oft ins Kino - nur, dass alles viel billiger war. Was heute ganz anders ist, sind die elektronischen Spiele und auch die Freizeitparks mit den vielen Achterbahnen. Natürlich gibt es jetzt auch einen Fernseher in jeder Wohnung. Vor 30 Jahren haben die Kinder noch gelesen und gespielt anstatt fernzusehen. Deshalb konnten sie sich auch in der Schule besser konzentrieren. Es gab einfach nicht so viele Dinge, die sie ablenkten."

Das ist also die Meinung einer älteren Dame über die Freizeitgestaltung der heutigen Jugend in Ägypten. Um mehr darüber zu erfahren, befrage ich einen 14jährigen Mitschüler, was er in seiner Freizeit macht. "Ich gehe oft in den Club. Sport ist das Wichtigste für mich, ob beim Training oder nachmittags mit meinen Freunden. Wenn wir Jungs unter uns sind, spielen wir Fußball. Jeder in Ägypten kann gut Fußball spielen. Dabei sind die Jungs aus armen Familien die Besten, weil Fußball spielen kein Geld kostet und viel Spaß macht und sie daher sehr oft spielen. Ich treffe mich aber auch mit meinen Freunden im Club, im Kino oder in der Stadt."

Das wundert mich, dass ein 14jähriger öfter ohne seine Eltern in die Stadt geht. Ob denn seine Eltern damit einverstanden seien, möchte ich wissen. "Als ich kleiner war, waren sie natürlich immer mit dabei. Aber jetzt gehe ich ohne sie, obwohl es schon ein bisschen gefährlich ist und meine Eltern immer etwas beunruhigt sind."

Es wurde bereits die Freizeitgestaltung ärmerer Familien angesprochen. Für sie kommen Kino oder gar Club aus Geldgründen nicht in Frage. Sie verbringen dafür viel Zeit mit der Familie. Man lädt nette Nachbarn ein, sitzt beieinander, trinkt Tee und redet. Die Kinder spielen dann irgendwo Fußball.

Wenn deutsche Familien nach Ägypten kommen, werden sie natürlich zunächst viel Zeit damit verbringen, das Land zu entdecken. Pyramiden und Pharaonen stehen dann auf dem Freizeitprogramm. Aber bald merken sie, dass Kinder wie Erwachsene hier ihre Freizeit nicht viel anders als die Menschen in Deutschland verbringen.

Auch die Urlaubsgestaltung ist wohl ähnlich wie in Deutschland: Fast alle wollen ans Meer.

Wir fahren oft schon am letzten Schultag in Richtung Alexandria. Nach drei Stunden Fahrt erreichen wir dann endlich unser Ferienhaus in ‚Costa del Sol', einer Anlage in der Nähe von Marina. Unser Haus steht direkt am Strand. Auch meine Cousinen haben Ferienhäuser dort. In ‚Costa del Sol' gibt es neben Strand und Meer viele Restaurants, eine Bowlingbahn, eine Billardhalle, ein Schwimmbad und eine Disko.

Meine Mutter verbringt ihre Ferien am liebsten in El Gouna, in der Nähe von Hurghada. "Es ist klein und hat viele Lagunen. Man wird dort mit einem Bootstaxi transportiert. In El Gouna kann man viel Sport machen, zum Beispiel Schwimmen, Surfen, Schnorcheln, Tauchen, Golf, Volley-ball und Aerobics. Allerdings ist es zum Schnorcheln in Sharm El Sheikh besser. Dort gibt es einige Naturschutzreservate wie zum Beispiel Ras Muhamed. Und abends gehen wir dann in einem der tollen Restaurants essen und anschließend in die Disco."

Ich aber fahre nicht nur gerne nach Alexandria, El Gouna, Sharm El Sheikh und Ras Sudr, weil man dort schwimmen und spielen kann, sondern vor allem auch, weil ich dort meine Freunde treffe. Langweilig wird es da also bestimmt nicht!

Clubs und Sport in Ägypten von Omar El Demerdash und Amira M. Ghobrial

Um mich herum sind viele fröhliche Gesichter und jubelnde Leute. Ich sitze auf der Tribüne im Club und schaue begeistert einem Fußballspiel zwischen ‚Arsenal' und ‚Ahly' zu. Hoffentlich wird ‚Arsenal' gewinnen!

Clubs, und nicht nur Fußballclubs, spielen im sozialen Leben der Mittel- und Oberschicht in Ägypten eine sehr wichtige Rolle. Daher gibt es über ganz Kairo verteilt viele Clubs, wie zum Beispiel "Wadi Digla", "Maadi", den ‚Shooting Club', ‚El Ahly', ‚Zamalek', ‚El Shams', den ‚Heliopolis Club', den ‚Sakkara Country Club und den ‚Gezirah Club'.

Manche davon sind besser, manche schlechter. So ist der ‚El Shams' Club eher schlecht. Der Club ist sehr schmutzig und auch das Schwimmbad ist dreckig. Viele der Spiele sind kaputt. Auch der Heliopolis Club ist nicht so gut, allerdings wird er gerade repariert. Das Schlimmste ist hier der Fußballplatz. Der Maadi Club ist nicht schlecht, aber leider auch etwas schmutzig. Die Leute dort sind nicht besonders nett. Außerdem ist der Club sehr altmodisch.

Der sauberste und neueste Club in Kairo ist ‚Wadi Digla'. Das Fußballtraining ist hier nicht wie in anderen Clubs. Es untersteht nämlich den bekannten englischen Fußballverein ‚Arsenal'. In die-sem Club trainiere ich und es gefällt mir sehr. Die Kosten dafür liegen bei 250,- Pfund im Monat. Auch die Tennisfelder sind sehr gut und vor allem groß. Sehr schön ist auch, dass man reiten kann. Außerdem gibt es zwei Cafés, die sehr sauber sind und leckeres Essen anbieten.

Um im ‚Wadi Digla' Mitglied zu werden, muss man 30.000,- Pfund in Raten bezahlen. Aber für die Teilnahme am Fußballtraining muss man nicht Mitglied sein. Einer meiner Freunde trainiert hier auch - anfangs Fußball, jetzt Tennis. "Wie ist die Atmosphäre im ‚Wadi Digla'?", frage ich ihn.

"Sehr schön. Am meisten gefallen mir die Berge rundherum. Außerdem ist es der sauberste Club in Kairo." " Ist das Tennistraining gut?", ist meine nächste Frage. " Ja. Die Trainer sind nett und sehr gut. Das Fußballtraining dagegen war langweilig."

Während es noch relativ leicht ist, im neuen Wadi Digla Club Mitglied zu werden, ist das im alt-eingesessenen Gezirah Club sehr schwer und vor allem sehr teuer. Manche Leute versuchen daher, mit gefälschten Mitgliedskarten hineinzukommen. Was tut man nicht alles, um Mitglied in einem Club zu sein. Und der Gezirah Club ist schließlich der vielleicht berühmteste der Stadt.

Obwohl die Clubs allgemein einen hohen sozialen Stellenwert haben, so wird doch von den meis-ten vor allem der Sport ganz groß geschrieben. Ich bin gerade bei einem Training im Heliopolis Club und total nass geschwitzt vom Spiel. Gerade habe ich mir eine eiskalte Cola bestellt und warte. Währenddessen schaue ich bei einem Basketballspiel zu. Das Spiel ist sehr schnell, denn sie haben gute Spieler dabei. Ich liebe Sport, spiele selbst Tennis und Speedball und nehme an vielen Turnieren teil.

Im Club treffe ich später Captain Hamada von der Volleyballmannschaft. Sein Team wird nächste Woche bei einem Wettkampf in der Türkei teilnehmen. Auf meine Frage, ob er an den Erfolg seiner Mannschaft glaubt, meint er: "Na ja, meine Mannschaft ist sehr gut. Wir haben intensiv trainiert und wenn Gott will, werden wir auch gewinnen!"

Während ich weiter gehe, kommt mir der Gedanke, wie viele Menschen nicht die Chance haben, große Sportler zu werden, weil sie aus Geldgründen einfach nicht Mitglied in einem Club werden können. Meistens spielen sie dann einfach Fußball auf der Straße oder joggen um das Clubgelände herum. Talentsucher der großen Clubs gehen deshalb auf die Straße und suchen talentierte junge Leute, die sie dann in ihrem Club auf ihre Kosten ausbilden.

Heiraten in Ägypten von Nour Emam

Ich bin gerade bei einer Hochzeit als Brautjungfer. Das Fest findet im J.W. Marriott statt. Ich be-finde mich mit mehreren anderen Frauen im Zimmer der Braut, die wirklich wunderschön aus-sieht. Sie ist sehr nervös, aber ich glaube, dass sie alles gut durchstehen wird.

Nach den Vorbereitungen wird die Braut von ihrem Vater in die Hotellobby geführt. Nachdem sie dort mit ihrem Mann von Trommlern begüßt wurde, geht es in den großen Festsaal. Alles ist sehr gut vorbereitet: Eine Band und ein DJ stehen bereit und auch die Bauchtänzerin fehlt nicht. In Ägypten ist es Tradition, dass man eine Bauchtänzerin für eine Hochzeit mietet.

Es sind etwa 400 Gäste eingeladen. Die Familien sind an verschiedenen Tischen verteilt und alles sieht sehr schick aus. Die Tische sind elegant dekoriert - Kristallgläser, Blumen und Tischdecken, alles in hellblau. Jetzt fordert der Bräutigam die Braut zu ihrem ‚First Dance' auf. Es ist wirklich sehr romantisch.

In Ägypten feiern die reicheren Leute anders als die ärmeren. Sie machen ihre Hochzeiten in gro-ßen Hotels oder mieten Gärten, während die ärmeren in ihren Häusern oder auf der Straße feiern. Aber egal wie und wo, es ist immer sehr schönes und besonderes Fest.

Mich interessiert, wie andere Leute Hochzeit feiern. Um mehr darüber zu erfahren, habe ich drei Angestellte der DEO befragt: Frau Nermine, die mit Frau Dr. Nahed zusammen arbeitet und bald heiraten wird, die Lehrerin Frau Habig, die Amerikanerin ist und mit einem Deutschen verheiratet, und den Gärtner Mohamed, der ebenfalls bald heiraten wird. Alle bekamen dieselben Fragen, doch die Antworten waren ganz unterschiedlich.

Wie lange dauert es, bis die Hochzeit geplant ist? Wie viel kostet es ungefähr?

Frau Nermine: "Ein Jahr hat es gedauert. Jetzt muss man fragen und sehen wie viel es kostet. Es kommt darauf an, wie viele Gäste es sind. Man muss mit 30.000,- bis 100.000,- Pfund rechnen.'

Frau Habig: "Eine halbes Jahr und es hat uns 2000 USD gekostet."

Herr Mohamed: "Die Planung hat mehr als drei Jahre gedauert. Es wird uns 1000,- bis 2000,- Pfund kosten.'

Sind Sie aufgeregt?

Frau Nermine: "Ja natürlich. Ich kann es kaum noch abwarten."

Frau Habig: "Ja, wie jede Braut."

Herr Mohamed: "Ja, ich habe ein gutes Gefühl. Und warum sollte ich heiraten, wenn ich nicht fröhlich bin?"

Können Sie uns Tipps für eine erfolgreiche Hochzeit geben?

Frau Nermine: " Alles frühzeitig planen."

Frau Habig: "Man soll sich einen Ort suchen, an dem man sich wohl fühlt."

Herr Mohamed: "Lache, auch wenn dein Lächeln nicht so gut aussieht! Zeige den Leuten, dass du mit deinem Partner den Rest deines Lebens verbringen willst!"

Wo haben Sie das Hochzeitskleid gekauft und wer macht das Make-up für die Braut?

Frau Nermine: "Mein Hochzeitskleid will ich nähen. Die Friseurin macht mein Make-up."

Frau Habig: "Ich habe es in den USA gekauft. Mein Make-up habe ich selbst gemacht."

Herr Mohamed: "Meine Frau wird das Kleid mieten, das machen wir oft so im Dorf. Oder wir lassen es nähen. Die Friseurin wird ihr Make-up machen."

Wie haben Sie sich kennen gelernt und wie wurde um die Hand der Braut angehalten?

Frau Nermine: "Meine Mutter und die Mutter meines zukünftigen Mannes waren Schulfreundinnen. Er hat dann erst mich gefragt und daraufhin meine Mutter angerufen"

Herr Mohamed: "Bei einem Ausflug. Ich habe zuerst sie und dann ihren Vater gefragt."

Alt werden in Ägypten von Youssef Afifi

Ich bin 12 Jahre alt und das Thema ‚alt werden' ist für mich wirklich noch ganz weit entfernt. Doch während in Deutschland alte Menschen nicht unbedingt am Leben der jungen Leute teilnehmen, ist es hier in Ägypten anders. Sie sind fester Bestandteil der Familie und ‚Oma' oder ‚Opa' sind bei allen Festen oder auch im Urlaub immer dabei. Viele verwitwete alte Menschen verbringen ihre Zeit bei ihren Kindern, indem sie jeweils eine gewisse Zeit bei der Familie ihres einen Sohnes leben um dann zur Familie des nächsten zu ziehen.

Im Heliopolisclub treffe ich eine alte Dame, die mir mehr über ihre Sicht des ‚Altwerdens' in Ägypten erzählt - und ich bin ganz überrascht, wie sehr dabei doch das Aussehen ein Rolle spielt.

"Viele Frauen werden dick und haben Probleme mit ihren Beinen. Sie bleiben oft zu Hause, essen viel mit ihrem Besuch und sehen fern. Sie bekommen Altersflecken und die Haare fallen ihnen aus. Ich kenne einige Frauen, die deshalb Schönheitsoperationen machen. Und ich esse zum Beispiel keine Süßigkeiten und kein Fett. Manche gehen auch joggen, weil sie nicht dick werden möchten."

Die zweite Frau, die ich zu diesem Thema befrage, ist die Kochlehrerin an der DEO, Frau Hegazy. Sie wird bald in Rente gehen. Mich interessiert, wie es ist, als Lehrerin älter zu werden. Dazu meint Frau Hegazy: "Die Schüler denken heutzutage nur an spielen oder Freistunden. Sie sind sehr laut und hören nicht zu. Das ist sehr schlecht, weil sie dann nicht wissen, wie es geht. Dadurch wird es sehr anstrengend zu unterrichten. Andererseits weiß ich jetzt natürlich mehr als früher."

"Ist es für Sie ein trauriges oder ein fröhliches Gefühl, älter zu werden?", möchte ich von ihr wis-sen. "Ich freue mich, weil ich jetzt endlich machen kann, was ich will - zum Beispiel viel mit meinen Freunden ausgehen."

Sterben in Ägypten von Karim Swedan

Um mich herum weinen und schreien viele Leute. Ich sitze bei der Beerdigung eines Bekannten. Wenn jemand stirbt, ist es immer sehr traurig. Man wünscht einfach nur, dass der Verstorbene wieder zum Leben erwacht.

Wenn ein Moslem hier in Ägypten stirbt, wird eine Beerdigungsfeier in einer Moschee oder in einem blau-roten Zelt veranstaltet. Auf dem Land finden auch große Trauerfeiern statt. Dort wird der Verstorbene nach dem Mittags- oder Sonnenuntergangsgebet beerdigt. Danach wird zum Essen in das Haus des Verstorbenen geladen.

Frauen und Männer trauern auf dem Land wie in der Stadt getrennt. Die Frauen sind meistens im Haus der Mutter, der Ehefrau oder der Schwester des Verstorbenen. Sie tragen schwarze Kleidung und keinen Schmuck. Auf dem Land wird drei Tage lang mit den Anwesenden getrauert. Dabei liest dann die Frau, die am meisten gelernt hat, aus dem Koran vor.

Bei den Männern im Zelt liest ein Sheikh aus dem Koran vor. Wenn kein Sheikh kommen kann, spielt man eine Kassette mit einer Koranlesung ab. Die Anwesenden bekommen alle etwas zu trinken, oft schwarzen Kaffee als Zeichen der Trauer. Wenn die Trauerfeier zuende ist, stehen die Verwandten des Verstorbenen vor der Moschee oder dem Zelt und verabschieden die Trauergäste. Bei den Frauen geschieht dasselbe.

Am nächsten Tag wird der Verstorbene beerdigt. Bei dem Trauerzug zum Friedhof gehen die Leute hinter dem Sarg. Nach der Beerdigung werden Blumen auf das Grab gelegt.

Und auch ich lege noch eine Blume auf das Grab meines Bekannten und gehe traurig nach Hause.

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