Mali

 

Vom 7.2. – 21.2.2004 reiste ich mit Hannah, einer guten Freundin, durch Mali. Wir hatten diese Trekking- und Campingreise mit Ikarus gebucht und waren nur elf Teilnehmer, sechs Herren und fünf Damen. Fünf Nächte verbrachten wir im Hotel und neun Nächte wurde gecampt. Wir flogen mit Air France von Frankfurt über Paris nach Bamako, der Hauptstadt von Mali – von Paris ein Flug von fünf Stunden. Die Maschine war voll, viele Europäer, aber keine Touristen! Wir kamen spät abends in Bamako an und fuhren ins Hotel „Faso“. Hannah und ich mussten noch umpacken, da wir im Anschluss an die Reise noch vier Tage in Paris bleiben und die warmen Sachen dafür im Bus lassen wollten. Außerdem kam alles fürs Zelten und Übernachten in einen Extrasack. Bevor ich ins Bett ging, untersuchte ich das Zimmer nach Mücken. Ich war etwas besorgt, da ich keine Malariaprophylaxe hatte. Aber ich schlief gut, auch ohne Moskitonetz. Am nächsten Morgen gab es zeitig Frühstück. Dann wurde Geld getauscht. Für einen € bekam man 640 CFA. Und dann ging’s los. Wir hatten einen urigen Bus, hoch und etwas klobig, das Führerhaus war extra davor gesetzt. Da Klingel und Telefon nach vorn oft nicht funktionierten, war es meist eine langwierige Sache, wenn wir anhalten wollten. Trotz Gepäck, das sich hinten im Bus befand, hatten wir genug Platz. Unser Führer hieß Dra, ein Malenke, der aus einem Gebiet südwestlich von Bamako kam. In Mali leben viele ethnische Gruppen – im Reiseführer sind 14 aufgeführt – und alle haben ihre eigene Sprache. Die Amtssprache ist Französisch, die am weitesten verbreitete Eingeborenensprache Bambara, die auch an den Schulen unterrichtet und von 80% der Bevölkerung gesprochen wird. Dra hatte in Österreich studiert und sprach recht gut Deutsch. Leider erzählte er uns nicht viel, sondern saß meist mit einheimischen Freunden zusammen. Er hatte ein kindliches Gemüt, freute sich beispielsweise königlich über den Reichtum seines Volkes, die zahlreichen Kinder!

 

Nun aber zu unserer Fahrt. Von Bamako ging es auf einer Asphaltstraße Richtung Osten. Rechts und links der Straße hässliche, schmutzige Dörfer. Bei jedem Dorf ist Polizeikontrolle (wohl wegen der Guerilla, die immer wieder aus dem Norden, aus dem Tuareg-Gebiet kommt). Da alle Autos halten müssen, haben sich kleine Märkte entwickelt – aber Fotografieren ist verboten! Wir fahren durch ein Gebiet, das zur Trockensavanne gehört: trockenes Buschwerk, einige Akazien und Baobab- bzw. Affenbrotbäume. Mali ist das Land mit den meisten Baobab-Bäumen; sie sind so dick und urig – und erinnern mich an Kinderbilder. Dazu gibt es Felder von Termitenhügeln, vom Wasser erodiert zu lustigen Pilzformen. Mali ist dreimal so groß wie Deutschland und ragt weit in den Norden hinauf; ein Drittel des Landes befindet sich in der Sahara. Nach Süden schließt sich dann die Sahelzone und weiter die Trocken- und Feuchtsavanne an. Die Lebensader Malis ist der Niger, der wie der Senegal im Südwesten entspringt und dann mit einem großen Bogen nach Norden durchs Land fließt, bevor er Nigeria erreicht und dort in den Golf mündet. Mali ist eins der am dünnsten besiedelten Länder Afrikas. Es hat etwa 12 Millionen Einwohner. Der Norden ist menschenleer, 80% der Bevölkerung  lebt am Niger und in der Savanne. Und hier bewegen wir uns auch, lediglich in Timbuktu nähern wir uns der Sahara. Die Dörfer entlang der Straße sind recht unterschiedlich, einige sauber und hübsch, andere schmutzig, mit viel Plastik und Müll. Vielleicht werden sie von unterschiedlichen Stämmen bewohnt? Am Rand der Dörfer liegen jede Menge Holz und Säcke mit Holzkohle, wahrscheinlich zum Verkauf gedacht. Im Hintergrund sieht man Meiler, wo vermutlich die Holzkohle hergestellt wird. Einige Dörfer sind auch schon in der für Mali typischen Lehmbauweise gebaut: rund, weich, fließend – einfach schön! Außerdem sehen wir die ersten Moscheen aus Lehm im sudanesischen Baustil und die ersten Speicher für die Hirse. Hirse ist ein Hauptanbauprodukt und eins der Grundnahrungsmittel. Dann stoßen wir auch auf einen richtigen Markt zu beiden Seiten der Straße: voll, lebendig und unwahrscheinlich bunt. Niemand trägt europäische Kleidung und die Frauen lieben Farben und auffällig gemusterte Stoffe. Am meisten beeindrucken mich die orangefarbenen großen, halben Kalebassen, die zu Riesenringen zusammengesteckt sind und als Schüsseln dienen. In San zelten wir bei einem etwas heruntergekommenen Hotel; auch die Zelte lassen zu wünschen übrig. (Entfernung Bamako San: 435km)
Morgens müssen wir im Dunkeln aufstehen. Es ist Montag und wir wollen zum Montagsmarkt in Djenne. Es sind noch 140km und wir müssen mit der Fähre über den Bani, einen Nebenfluss des Niger, der bei Mopti in den Niger mündet. Es wird also flott gefahren, nur ab und zu eine Zigarettenpause – Gott sei Dank, raucht Dra auch! Der Bani überwältigt uns durch seine unendliche Weite und wir sehen Piroggen, diese eleganten, schmalen Boote mit langem, spitz auslaufendem Bug und Heck. Einzelne Frauen waschen am Fluss ihre Wäsche und auch einige Pferde stehen im Wasser. Die Bäume in der Nähe des Flusses stehen auf bizarren, hohen Wurzelgestellen, offenbar vom Fluss ausgewaschen. In der Regenzeit ist hier alles überschwemmt; das Binnendelta mit Niger und Bani wird zu einem riesigen Meer. An der Fähre herrscht viel Betrieb. Da einer aus unserer Gruppe einkauft und die Fähre verpasst, habe ich Zeit und erstehe auf der anderen Seite meine ersten Souvenirs: zwei Ketten und zwei Tuareg-Anhänger. Bald darauf sind wir in Djenne. Wir fahren über einen langen Damm, denn Djenne ist von Wasser umgeben. Am Eingang zur Stadt ein Stadttor mit Zinnen, auch aus Lehm gebaut – noch in der alten Bauweise, bei der Lehmklumpen aneinander geworfen werden. Es sieht aus, als wäre alles mit einem Fellchen überzogen. Wir stellen den Wagen am Campment-Hotel ab, trinken etwas und gehen gleich auf den Markt, einem riesigen Platz zwischen Moschee und Altstadt.

Unser Führer begleitet uns und passt auf, dass keiner im Gewühl verloren geht. Er erzählt etwas, aber ich höre ihm nicht zu, denn dazu bin ich viel zu fasziniert von dem bunten Treiben! Es scheint, als wären alle Stämme Malis hier vertreten. Die Männer erkennt man meist an ihren Hüten bzw. ihrer Kopfbedeckung. Die Fulbe haben große runde Hüte mit einer roten Lederspitze in der Mitte. Bei den Frauen ist es schwieriger. Viele sind ziemlich füllig und tragen weite, gebauschte, sehr farbige Kleider – eine Schulter ist oft frei. Sie sind recht aktiv und es ist ein lautes, reges Hin und Her. Angeboten wird, was das Herz begehrt: Obst, Gemüse, Lebensmittel, Stoffe, Kleidung, Haushaltswaren, neu und gebraucht. Auch einen Tiermarkt gibt es. Alles ist umgeben von schön geformten Lehmbauten und der großen Moschee mit Mauer, Treppen, Türmen und den Minaretten; alles ist weich und fließend, ohne eine einzige Ecke! Leider dürfen Nicht-Moslems in Mali, seit die Amerikaner Modeaufnahmen in einer Moschee mit leicht bekleideten Mannequins machten, keine Moschee mehr betreten. Der Lehmverputz der Moschee wird alljährlich erneuert, ausgeführt von zwei rivalisierenden Stämmen. Wer in diese Schlammschlacht gerät, geht im Niger baden – mit und ohne Bilharziose! In Mauern und Türmen sind Holzbalken eingezogen, die weit herausragen. Sie dienen der Stabilität, aber auf ihnen kann man natürlich auch gut hochklettern! Vom Dach eines Hauses gucken wir hinunter aufs Marktgedränge und hinüber zur Moschee: Sie ist wirklich riesig und in einem sehr eigenwilligen, aber großartigen Stil erbaut. Durch eins der schönen Tore gelangen wir in den Gewürzbasar und dann weiter in die Altstadt und schließlich ins Hotel zurück zum Essen. Nach dem Essen gibt es einen malinesischen Tee, der mit jedem Glas immer süßer wird! Anschließend gehe ich noch einmal los, auf den Markt, um die Moschee und in die Altstadt, wo mich ein Junge lotst. Leider hapert es etwas mit der Verständigung. Eigentlich ist es jetzt am Nachmittag noch schöner, da das Licht nicht mehr so grell ist. Am Spätnachmittag geht es zurück, wieder über den Damm. Wir zelten außerhalb der Stadt. Das erste Mal wird unsere Dusche am Auto installiert, umgeben von einer Plane – Beine und Kopf gucken raus! Abends und morgens kommen die Einheimischen mit ihren Souvenirs, nicht aufdringlich, eigentlich nett.

Ich kaufe eine Maske vom Stamm der Bozo. Es ist eine Jungenmaske, wie mir Dra erklärt, zu erkennen an den hochstehenden Haaren. Wir laufen zum Fluss und setzen wieder mit einer Fähre über. Und wieder diese unendliche Weite und die schönen Boote! Heute geht es nach Mopti, einer größeren Stadt, die an der Mündung des Bani in den Niger liegt. Auf dem Weg dorthin halten wir an zwei Dörfern: reine Lehmarchitektur, Speicher, Moschee und sehr sauber: Dörfer wie aus dem Bilderbuch! Mopti hat etwa 75.000 Einwohner, ist auch von Wasser umgeben und steht auf aufgeschüttetem Gelände. Die Stadt wirkt etwas verkommen und die große Moschee ist oben schon mit Beton ausgebessert! Schön ist der Gemüsemarkt mitten in der Stadt, wieder ein buntes Gewühl! Auch hier gibt es Souvenirs zu kaufen und beim Preisvergleich stelle ich fest, dass ich bei den Einheimischen draußen nicht schlecht gekauft habe! Ich erstehe eine Tuareg-Decke, da es nachts empfindlich kalt ist. Wir laufen zum großen Hafenbecken: ein riesiges Viereck,  ringsherum liegen Boote und an den Uferböschungen herrscht ein unübersehbares Chaos von Waren und Menschen. Dazu Dreck und Gestank, vor allem da, wo der Trockenfisch verladen wird. Ein unvergesslicher Eindruck! Wir essen im „Le Bozo“, einem renommierten Restaurant, etwas höher gelegen an  der Südecke des Hafenbeckens. Man blickt hinaus auf den Bani und über das Hafenbecken. Schön die Piroggen: Alle sind an ihrem spitzen Bug unterschiedlich bemalt. Es sind geometrische Muster, meist in den Farben rot, schwarz, weiß und gelb. Die Pinassen sind viel größer und haben ein „Dach“, eine über gebogene Holzstäbe gespannte Plane. Es gibt sogar einen kleinen Passagierhafen und auf der anderen Seite wird das Salz aus der Sahara verladen. Hinter dem Restaurant entdecken wir eine kleine Werft – alles wird per Hand gemacht, auch die Nägel werden per Hand geschlagen! Zum Übernachten verlassen wir die Stadt. Wir schlafen heute nicht im Zelt, sondern in einem sehr schönen Hotel, direkt am Bani gelegen. Dort treffen wir auch zwei Touristengruppen, die einzigen auf unserer Reise. Natürlich zieht es uns sofort an den Fluss. Ein breiter Strand, ein unendlich weiter Fluss und in der Entfernung Inseln, auf denen Bozos wohnen. Die Bozos sind Fischer, die in kubischen Stein- oder Lehmhäusern wohnen. Piroggen sind auf dem Wasser, werden mit langen Stangen gestakt. Am Ufer herrscht reger Betrieb. Boote legen an und fahren ab. Es werden Autos und Wäsche gewaschen. Die Wäsche wird zum Trocknen auf den dreckigen, staubigen Boden gelegt! Entlang des Flusses befindet sich eine Corniche mit großen, alten Bäumen und Bänken. Von hier aus hat man einen herrlichen Blick und kann den Dreck am Fluss ignorieren. Am nächsten Morgen laufe ich schnell noch einmal an den Fluss und dann geht es weiter – heute beginnt unsere Flussfahrt.

Ein Stück fahren wir noch auf der Hauptstraße von Bamako über Mopti nach Gao, und dann biegen wir nach links zum Fluss ab. An der Stelle, wo wir abfahren, ist das Ufer etwas erhöht, vermutlich, damit es auch während der Regenzeit nicht unter Wasser steht. Es liegen viele Boote im „Hafen“, Piroggen und Pinassen, auch unsere Pinasse ist schon da. Mit den Pinassen werden Waren und Passagiere befördert. Während unser Gepäck verladen wird, schaue ich mich noch etwas um. Oben stehen Bozo-Häuser und Zelte, runde von den Tuareg und ovale, etwas größere von den Bellas, den ehemaligen Sklaven der Tuareg. Hier leben recht viele Menschen mit ihren Eseln und dem Federvieh. Einige sind beschäftigt, andere sitzen am Fluss, reden und schauen, aber alle sind recht vergnügt und sehr freundlich. Jetzt heißt es aber einsteigen. Unser Auto sehen wir erst in Timbuktu wieder; auf dem Boot begleiten uns Dra und unser Koch Baba, der auch auf der Fahrt durchs Binnendelta für unser leibliches Wohl sorgt. Wir sitzen auf Holzbänken mit Kissen und haben reichlich Platz. Hinter der letzten Sitzreihe befindet sich die Küche und der „Mannschaftsraum“ für Dra, Baba und den Bootseigner. Natürlich gibt es auch einen Sonnenschutz. Wie bei allen Pinassen laufen gebogene, mit Stoff überzogene Holzstangen von einer Seite zur anderen. In unserem Fall sind sie grün und weiß gestreift, passend zu den Kissen.  Ganz hinten befindet sich das „Klo“, mit einer Plane umspannt. Zwei Bretter, unter uns „fließend Wasser“, aber zwei Holzstangen, an denen man sich festhalten kann. Kurz nach dem Ablegen stehe ich schon am Bootsrand und gucke. Wir befinden uns auf einem etwa 300m breiten Fluss. Rechts und links am Ufer leben Menschen in Häusern oder Zelten; sie besitzen Vieh, vor allem Rinder. Und es wachsen Bäume, schöne, große, manchmal sogar Palmen. Vor den Dörfern liegen die Boote. Auf dem Fluss herrscht reger Betrieb. Einige Pinassen haben Waren geladen, aber vor allem sind Piroggen unterwegs, mit denen gefischt wird. Von einem der Boote kaufen wir Fisch. Es legt bei uns an und dann wird sorgfältig ausgewählt. 2 1/2 Tage sind wir auf dem Binnendelta und 2 1/2 Tage gibt es mittags und abends Fisch! Dann wage ich den Balanceakt zum „Klo“, wozu man auf einer Bootsseite entlangturnen muss. Allmählich wird der Fluss breiter: Wir kommen ins Binnendelta. Jetzt lässt sich nicht mehr sagen, ob wir am Ufer, an einer Insel oder einer Sandbank entlangfahren. Aber fast überall gibt es Menschen, einfache Häuser, Zelte und Vieh. Es sind Bozos, die mit ihren Booten, aber auch vom Strand aus mit Netzen und Reusen fischen. Sie leben hier in Zeitdörfern. Ihre Pinassen liegen bereit, so dass sie jederzeit fort können, wenn das Wasser steigt. Einige Inseln oder Sandbänke stehen auch jetzt unter Wasser, nur die Baumspitzen gucken raus. An den Ufern stehen Reiher, wunderschön anzusehen; aber wenn wir uns nähern, fliegen sie in großer Schar davon. Wir sehen auch Graureiher und Raubvögel und viele Kormorane. Eigentlich ändert sich in diesen 2 1/2 Tagen nicht viel, aber diese Weite ist so faszinierend, dass mir jede Minute Leid tut, die ich unten im Boot verbringe. Ich stehe an der Seite, wir sitzen vorn am Bug vor dem Gepäck oder sogar oben auf unserem Dach – leider dürfen wir am zweiten Tag nicht mehr nach oben zu unserem Lieblingsplatz, da das die Statik nicht aushält. Am ersten Tag halten wir an einem Dorf mit einer hübschen, kleinen Lehmmoschee im sudanesischen Stil. Die Dörfer im Binnendelta sind bekannt für ihre Moscheen im alten Stil und Lehmarchitektur. Am Strand liegen wieder viele Boote, hier im Binnendelta zwischen Mopti und Timbuktu das einzige Verkehrsmittel. Und dann kommt in breiter Reihe eine große Gruppe von Frauen und Kindern den Strand entlang, prachtvoll gekleidet, auf dem Kopf Körbe und große Bündel. Sie sind sicher auf dem Weg zu einer Feier. Abends zelten wir am Strand. Vor dem Essen, das wir im Boot einnehmen, sitze ich erst einmal ganz allein da und genieße den Sonnenuntergang. Anschließend machen wir noch ein Lagerfeuer. Aber ich verziehe mich bald in mein Zelt, bin recht müde von Sonne und Wind und den vielen neuen Eindrücken.

Am nächsten Morgen müssen wir schon im Dunkeln aufstehen. Bei Sonnenaufgang geht es los, gefrühstückt wird im Boot während der Fahrt. Es weht ein kräftiger Wind und manchmal schlagen die Wellen sogar ins Boot. Die Pinassen haben heute Segel gesetzt, ein, zwei, manchmal sogar drei große, viereckige Segel, vom Wind gebauscht: ein schönes, stimmungsvolles Bild. Wir legen in Niafunke an, einem größeren Ort. Von hier gelangt man auch auf dem Landweg nach Timbuktu, aber die Straßen sollen sehr schlecht sein. Wir gehen in ein Restaurant und kaufen Getränke ein und schlendern dann über den Markt. Wieder buntes Leben, aber anders als die bisherigen Märkte – im Grunde hat jeder Markt etwas Eigenes. Leider haben wir keine Zeit, um zur großen Moschee zu gehen, denn durch den Gegenwind kommen wir nur langsam vorwärts und wir wollen natürlich nicht zu spät in Timbuktu ankommen. Die Landschaft rechts und links bekommt allmählich etwas Wüstencharakter. Es gibt mehr Palmen, auch Dompalmen, mehr Sand und dazu riesige Termitenhügel. Ab und zu sehen wir Pumpstationen. Und dann der Höhepunkt: Nilpferde! Wir fahren bis in die Dunkelheit und halten auch am nächsten Tag nicht an. Entweder ist die Zeit zu knapp kalkuliert oder unser Boot ist zu langsam!

Am Morgen wie gehabt: im Dunkeln aufstehen und Frühstück an Bord während der Fahrt. Auch die Weite bleibt, mal rechts, mal links in der Nähe eine Sandbank oder Insel und dann wieder weit, weit entfernt. Es gibt mehr Vieh, häufig Rinder, manchmal Ziegen oder Schafe. Wir sehen viele Reiher und Kormorane und auch noch einmal Nilpferde. Der Verkehr nimmt zu, es sind viele Pinassen und Piroggen unterwegs, voll besetzt mit Passagieren, denn es ist Freitag und wir nähern uns Timbuktu. Wir halten natürlich alle Ausschau nach diesem sagenumwobenen Ort, dem Endpunkt, dem „Hafen“ der großen Salzkarawanen durch die Sahara. Gegen 13 Uhr sind wir endlich da. Der Hafen von Timbuktu liegt etwa 20km von der Stadt entfernt. Immer noch Weite und Wasser nach allen Seiten. Doch zunächst gibt es eine große Überraschung: Unser Auto ist nicht da! Vor der Fähre auf der anderen Seite hat sich ein Lastwagen im Sand festgefahren und die Zufahrt blockiert. Unser Gepäck wird hochgetragen und Dra muss ein Auto besorgen, das uns in die Stadt bringt. Dadurch gibt es wieder Zeit, um sich umzuschauen! Ein kleines Dorf mit wonniger Lehmmoschee. Am Ufer große, alte Bäume, darunter Frauen, die ihre Arbeit tun: waschen, Hirse stampfen, Essen vorbereiten. Am Wasser viele Boote. Die Passagierpinasse von Segou nach Timbuktu ist gerade gekommen. Frauen mit Kindern steigen aus, traditionell gekleidet und sehr würdevoll. Töpferwaren werden angeboten und die großen Salzplatten liegen zum Verladen bereit. Sie werden von hier auf Pinassen in vier bis fünf Tagen nach Mopti gebracht und dort verkauft. Dra hat einen Jeep aufgetrieben und erstaunlicherweise passen wir alle samt Gepäck hinein! Zunächst fahren wir recht flott auf einer Asphaltstraße, aber in der Stadt geht es über holprige Sandstraßen. Unser Hotel liegt im Norden der Stadt auf einem Hügel und wir müssen schieben! Aber dafür haben wir einen weiten Blick auf die Trockensavanne, die der Sahelzone ähnelt: trocken, Sand und kaum Bewuchs. Unser Hotel ist nach dem 2km nördlich gelegenen Azalai benannt, dem Ort, wo die Salzkarawanen ankommen. Leider haben wir nicht das Glück, die Ankunft einer Karawane und einen der bekannten Azalai-Märkte zu erleben  Da wir am nächsten Morgen schon weiterfahren, geht es natürlich sofort in die Stadt. Wir stapfen durch den Sand. Rechts Kamele, links Zelte und „Hängende Gärten“. Die so genannten „Hängenden Gärten“, die man vor allem am Stadtrand findet, sind bepflanzte, um eine Quelle gelegene Dünenhänge. Obwohl die Straße immer noch breit und sandig ist, befinden wir uns jetzt offenbar in der Stadt, denn wir sehen die zweistöckigen Bürgerhäuser, die zum Stadtbild Timbuktus gehören. Die Lehmwände sind mit hellem Sandstein verkleidet oder ganz aus Stein gebaut. Wunderschön sind die kunstvoll geschnitzten, oft noch mit Metallplättchen verzierten Türen. Auf der Straße vor den Häusern steht der Backofen, ein runder, aus Lehm geformter Kegel. Unser erstes Ziel ist die „Große Moschee“, die Djinger-Ber Moschee. Es ist in Mali die einzige Moschee, die Touristen besichtigen dürfen. Dicke, viereckige Säulen, ein Hof mit Nebenräumen und ein formvollendeter, schöner Aufgang aufs Dach und zum Minarett. Von hier oben hat man einen weiten Blick ins Land und über die Stadt. Der Blick über die Stadt ist nicht sehr ansprechend, zu viel ist am Verfallen. Auf den Trümmern stehen oft Zelte, und drum herum hat sich die Großfamilie eingerichtet mit all ihrem Zubehör und ihren Tieren. Da wir zu lange auf dem Dach bleiben, bleibt keine Zeit mehr für die große Gebetshalle – schade! Weiter geht’s zur Sidi Yahia-Moschee. Hier stehen viele der alten Bürgerhäuser und hier wohnten auch die europäischen Reisenden, die im 19. Jh. Timbuktu besuchten: Rene Caille, Gordon Laing und Heinrich Barth. Es gibt ein kleines Heinrich Barth-Museum, das wir auch besuchen. Heinrich Barth lebte längere Zeit in der Stadt und fertigte detaillierte Berichte über Timbuktu und die weitere Umgebung an – auch über das Dogon-Land. Unsere dritte Moschee ist die Sankore-Moschee.

Hier befand sich im Mittelalter die Universität. Durch den Transsahara– Handel der Tuareg erlangte Timbuktu schon früh Bedeutung und war im 15./16.Jh.  geistiger Mittelpunkt der islamischen Welt. Es gab eine berühmte Bibliothek und an der Universität waren 20.000 Studenten eingeschrieben. Das Ende dieser Blütezeit kam mit der Invasion der Marokkaner. Heute lebt die Stadt nur noch von ihrem legendären Ruf. Die Hauptkarawanenroute hat sich verlagert und es ist wohl eine Frage der Zeit, wann überhaupt noch eine Karawane durch die Sahara zieht. Timbuktu macht keinen „zeitlosen“ Eindruck, es wirkt etwas verloren und verlassen auf mich – einst 20.000 Studenten und heute 30.000 Einwohner! Wir gehen noch über den Markt, wo wenig Betrieb ist, aber es ist auch später Nachmittag. Ich hätte gern mehr von Timbuktu gesehen und wäre auch gern nach Azalai rausgefahren. Aber leider haben wir keinen Wagen! So kaufe ich dann wenigstens im Hotel einen schönen Tuareg-Anhänger. Die Silberwaren der Tuareg kommen heute nicht aus Algerien oder Mali, sondern aus dem Niger, da sich dort die Silberschmiede niedergelassen haben.

Am nächsten Morgen ist unser Wagen immer noch nicht da. So fahren wir vornehm in zwei Jeeps zum Hafen. Unsere Pinasse liegt noch dort und bringt uns hinüber zum Fähranleger, wo wir unseren Wagen endlich wiederfinden. Ein schönes Plätzchen hier hoch über dem Wasser. Weite, Weite und eine Gruppe Menschen marschiert in die Weite – wo sie wohl hingehen? Nirgends ist ein Ort zu sehen! Wir fahren nun nach Süden in Richtung Douentza (220km Piste) und dann nach Osten zu den Hombori-Bergen (140km Asphalt). Eine lange Fahrt und wir haben durch die Gepäckumladerei schon viel Zeit verloren. Eigentlich sollten wir unterwegs zelten, aber da man in der Gegend Touristen überfallen hat, verzichten wir darauf. Rechts und links der großen, ausgefahrenen Piste ist es flach. Wir sind noch in der Savanne, dem trockenen Grasland mit wenigen Bäumen. Wir halten an einem Brunnen, einer Viehtränke, und dann an einem kleinen See. Büsche, Bäume und viel Vieh – vor allem Rinder, aber auch Ziegen, Schafe und sogar Kamele. Während wir die Idylle in uns aufnehmen und fotografieren, hat sich unser Auto im Sand festgefahren. Allein hätten wir es niemals wieder flott gekriegt. Aber wir haben Glück. An der Straße wird gearbeitet und die Planierraupe zieht uns raus. Unser Koch Baba hat die Zeit genutzt und Essen zubereitet. Es geht noch lange durch die Savanne und dann durch eine Ebene mit Hunderten von abgestorbenen Bäumen; vielleicht hat es hier mal gebrannt. Links sehen wir dann plötzlich hohe Berge, wuchtige Felsen, die sich aus der Ebene erheben und recht eigenwillig geformt sind. Es sind die Tafelberge von Hombori (bis zu 1000m hoch), die höchste Erhebung im westafrikanischen Becken – Zeugenberge, die zeigen, dass die Bergketten der südlichen Sahara einst eine Hochfläche bildeten. Zu linker Hand wollen meine Mitreisenden Elefantenbälle gesehen haben, was durchaus möglich ist. Hier im Gebiet der Hombori-Berge gibt es noch die kleinen wilden Elefanten, die Hannibal einst benutzte, um über die Alpen zu ziehen. Wir sind bald in Douentza, machen einen kurzen Stopp im Restaurant und weiter geht’s – 140km müssen wir noch fahren, aber Gott sei Dank auf einer Asphaltstraße. Wir sind wieder auf der Hauptstraße von Bamako über Mopti nach Goa. Es ist stockfinster, als wir auf unserem Zeltplatz ankommen. Wir zelten am Fuße der „Fatima“, denn morgen sollen wir über ihren Sattel marschieren.

Wieder heißt es im Dunkeln aufstehen! Um 6 Uhr gibt es Frühstück, die Zelte bleiben stehen, aber alles muss gepackt sein. Wir sind pünktlich, doch unsere Crew schläft noch. So haben wir Zeit, um die Morgenstimmung zu genießen. Es ist leicht diesig und im Morgendunst stehen nah und fern diese urigen Berge. Und gleich neben uns ist die „Fatima“. Sicher heißt sie so, weil zwei riesige Finger in die Luft ragen, dazwischen liegt der Sattel, über den wir steigen. Um 7 Uhr machen wir uns auf den Weg. Erst ein langer, leichter Anstieg, aber dann geht es steil bergauf. Die Männer unserer Gruppe legen ein gewaltiges Tempo vor. Ich bummele hinterher, will gucken und genießen. Zwei einheimische Jungs, Yahia und Isa, begleiten mich. Das letzte Stück vor dem Sattel geht es über gewaltige, schwarzglänzende Felsbrocken. Oben auf dem Sattel geht es rechts noch höher auf einen großen, flachen Platz. Steine sind aufgeschichtet und zu Ringen gelegt und es gibt viele Reibschalen. Möglicherweise handelt es sich um einen Kultplatz. Jedenfalls hat man einen herrlichen Blick von hier oben. Zurück zum Sattel und dann überqueren wir eine Hochebene, auf der Menschen wohnen. Wir sehen eine Ansammlung von Steinhäusern und auch mehrere Reibschalen am Weg. Und dann kommt der Abstieg! Über Riesensteine müssen wir einen Steilabfall hinunter. Tief unten ist Wasser. Von der Hochebene kommen Leute und steigen hinunter, um Wasser zu holen. Isa, der eine Koranschule besucht, kann arabisch schreiben und wir können uns auch etwas verständigen. Saudi Arabien ist übrigens in Mali sehr aktiv, um den Islam zu stärken. Am Fuß des Bergs liegt ein Dorf mit einer kleinen Moschee. Hier wohnt unser Bergführer. Seine Mutter kommt gerade und stampft dann Hirse im Schatten einer der wenigen Bäume. Dann kommt unser Bus, der uns zum Zeltplatz bringt, wo wir unser Gepäck einladen. Nun geht es zurück nach Douentza, auf derselben Strecke, die wir abends im Dunkeln gefahren sind. Wir fahren am Abfall der Hombori-Berge, recht kahlen, steilen Felsen, entlang. Hier soll ein ideales Wandergebiet sein, mit grünen Tälern, Wasserfällen und kleinen Dörfern. In Douentza schlafen wir in dem Restaurant, das wir schon kennen. Wir können unsere Zelte im Hof oder auf dem Dach aufbauen. Ich ziehe den Hof vor, da die Treppe nach oben sehr steil ist. Zu unserer großen Überraschung gibt es auch Duschen Wir essen, trinken einen guten Kaffee und marschieren dann zum Markt. Douentza ist ein kleiner Ort in Lehmbauweise und zur Regenzeit oft überschwemmt. Der Weg zum Markt ist lang, heiß und staubig. Der Markt ist sehr voll und etwas unübersichtlich – aber natürlich wieder herrlich bunt. Eine Reihe von Frauen tragen großen, auffallenden Goldschmuck, Riesenohrringe aus Gold. In Mali gibt es Goldvorkommen und in Dürrezeiten wird noch immer nach Gold gesucht. Hannah und ich bleiben nicht lange auf dem Markt, werfen dafür auf dem Rückweg einen Blick in die Höfe. Es sind große Anwesen, sauber und recht reizvoll durch die durchgehende Lehmarchitektur. Abends gehe ich früh schlafen, weil ich entsetzlich müde bin. Zelt aufbauen, duschen, ein Bierchen, Tagebuch und in den Schlafsack. Mali ist anstrengend, was aber wohl auch daran liegt, dass das Programm zu gedrängt ist.

Der östlichste Punkt, die Hombori-Berge, liegt hinter uns. Jetzt sind wir eigentlich schon auf dem Rückweg. Wir fahren auf der Hauptstraße Bamaco-Mopti-Goa zurück nach Westen. Die Strecke bietet nicht viel: manchmal Gras, mitunter ist es fast kahl, hier und da einige Akazien. Es gibt ein paar Wasserstellen, meist sehr lang gezogen. Es sind wohl Überreste der Regenzeit, denn rechts von uns liegt das Binnendelta und das Land hier steht wahrscheinlich oft unter Wasser. Wir halten in Bori, einem Bambara-Dorf mit schöner Lehmmoschee. Und dann kommen wir an die Stelle, wo wir zum Niger hin abbogen und unsere Pinasse bestiegen. Der Kreis ist geschlossen! 12km vor Mopti liegt Sevare, eine kleine, aber sehr geschäftige Stadt. Hier befindet sich der Flughafen von Mopti und hier zweigt auch die neue Straße nach Bandiagara im Dogon-Land ab. Wir tanken, gehen in den Supermarkt und kaufen Hüte! Hannahs ist auf der Pinasse weggeflogen! Und dann fahren wir auf der neuen Asphaltstraße in Richtung Bandiagara, der Hauptstadt des Dogon-Landes. Es wird felsig. Es ist wieder der alte Sandstein wie in den Hombori-Bergen, etwa 100 Millionen Jahre älter als der bei uns in Ägypten. An einer Stelle mit großen, phantasievollen Felsgebilden machen wir Mittagspause und ein Picknick. Wir sitzen in einem höhlenartigen Durchgang, luftig und schattig. Vor Bandiagara trinken wir noch etwas Kaltes in einem recht neuen Hotel. Es ist eine schöne Anlage, einzelne Bungalows wie Hütten, Blumen, viel Grün und sauber. Das Doppelzimmer kostet 26.000 CFA, d.h. etwa 40€. Die Stadt Bandiagara selbst macht keinen guten Eindruck. Wir biegen dann bald links ab auf eine Piste nach Sanga. Es ist sehr felsig und stark erodiert, dazwischen abgeerntete Hirsefelder. Eine öde Gegend! Doch plötzlich riecht es nach Zwiebeln. Wir halten und sehen Felder von leuchtend grünen Zwiebelvierecken, säuberlich eingefasst von Lehm oder Steinen, weil wohl alles bewässert werden muss. Ein kleines Mädchen hat sich eine Puppe aus Sackleinen auf den Rücken gebunden. Bald danach führt die Straße über einen See. Wir steigen auf einen Felsen. Das Wasser ist jetzt tief unter uns. Auf dem Wasser Seerosen und ringsherum ist es üppig grün – nicht nur Zwiebeln, auch große Mangobäume und herrliche Baobab-Bäume. Dra zeigt mir bei einem nächsten Stopp einige Bäume aus der Nähe, den Balanzan, den Nere, den Schibutter-Baum und Tamarinde. Sie gehören mit dem Baobab zu den sechs heiligen Bäumen in Mali. Kurz vor Sanga biegen wir rechts ab auf die kahle Hochfläche oberhalb der Falaise. Die Falaise von Bandiagara ist ein Steilabfall, 200-400m hoch, der sich etwa 250km im südlichen Nigerbogen durchs Land zieht. Hier zelten wir und hier beginnt am nächsten Morgen auch der Abstieg ins Tal. Sofort kommen von irgendwo her Kinder und es gibt sogar richtiges Bier! Eine etwas dubiose Atmosphäre – hier würde ich nicht gern allein zelten!

In der Nacht schlafe ich schlecht, werde aber entschädigt, denn als ich gegen Mitternacht aus dem Zelt gucke, wölbt sich über mir ein phantastischer Sternenhimmel! Morgens fahren wir zurück zur Straße und dann nach Sanga, dem Haupttouristenort im Dogon-Land, genannt nach den Dogon, einem Stamm, der in diesem Teil der Falaise lebt. Das Dogon-Land ist ein beliebtes Touristenziel. Die Dogon haben ihre Dörfer an die Felsen der Falaise gebaut und haben noch weitgehend ihre alte Kultur bewahrt. Früher wohnten hier die Telem. Sie waren sehr klein von Wuchs, ähnlich den Pygmäen. Sie waren Jäger und wurden von den Dogon in Richtung Bukina Faso vertrieben. Am Steifabfall sieht man noch Telem-Häuser. Aber viele wohnten auch direkt in Höhlen im Fels. Wie lange sich das Dogon-Land noch seine Ursprünglichkeit erhält, ist eine Frage der Zeit. Die Dogon  sind Bauern und immer mehr ziehen hinunter ins Tal. Mit der neuen Asphaltstraße von Sevare nach Bandiagara werden auch noch mehr Touristen kommen. Dann wird die alte Kultur zur Touristenschau. In Sanga bekommen wir einen neuen Führer und haben Glück: Golfith ist ein kleiner, zierlicher Herr in Dogon-Kleidung, auch mit der traditionellen Troddelmütze. Er ist ruhig und reserviert, weiß aber viel und spricht ein ausgezeichnetes Englisch. Er war für Mali schon in Paris und auch auf der Expo in Hannover. Sanga besteht aus zwei Dorfteilen und dazwischen wachsen herrliche Baobab-Bäume. Wir gehen zuerst in den linken Teil, vorbei an einer Lehmmoschee, und steigen auf das Dach eines Hauses. Wir blicken auf die Moschee, über das Dorf und hinaus auf die Felder mit Zwiebeln und Hirse und natürlich den schönen Baobab-Bäumen. Das Dorf ist ganz aus Lehm gebaut, enge Gassen, kleine Höfe und überall zwischen den Häusern die lustigen Speicher. Sie sind viereckig, stehen auf  Pfählen oder Steinen und überragen die Häuser. Und alle haben einen Hut, ein etwas spitzes Dach aus Zweigen oder Stroh. Geschützt wird der wertvolle Inhalt durch Amulette, angehängt oder als Relief an der Wand. Dabei handelt es sich um die heiligen Tiere der Dogon: Schlange, Echse, Fisch und Vogel. Unten im Haus befindet sich eine Indigo-Färberei und man bietet uns natürlich auch Stoffe an. Dann sehen wir uns den anderen Teil des Dorfes an, der offenbar der offiziellere ist, denn hier befinden sich der Versammlungsplatz und das Haus der Alten, d.h. zwei Häuser, für jeden Dorfteil eins. Die Ältesten sind eine Art Bürgermeister. Sie leben im Haus der Alten und werden von jungen Mädchen versorgt. Die Frauen müssen fünf Tage während ihrer Menstruation im Frauenhaus schlafen und essen; arbeiten dürfen sie aber mit den anderen! Wir kommen auch beim Schmied vorbei. Er steht auf der untersten Stufe der Rangordnung, ist aber dennoch geachtet, weil er die Jungen beschneidet, und auch gefürchtet, weil er mit Eisen arbeitet und Waffen herstellt. Von Sanga fahren wir ins nächste Dorf, nach Bongo. Hier wohnt Golfith. Er hat sechs Kinder (9 – 22 Jahre) von einer Frau. Die kleineren Kinder können in Bongo zur Schule gehen, die größeren müssen nach Sanga. Zum Studium müssen sie nach Mopti oder Sevare. Zwei von Golfiths Söhnen studieren schon. Bongo liegt hoch auf den Felsen, direkt am Rande des Canyons. Wir schauen hinunter und sehen Telem-Häuser und Eingänge zu Telem-Höhlen. In den Höhlen bestatten die Dogon ihre Toten. Es sind Massengräber. Der Tod ist für die Dogon keine traurige Sache, am ersten Tag wird sogar ein großes Fest gefeiert. Wir beginnen nun die Abfahrt ins Canyon. Unterhalb des Dorfes werden Zwiebeln angebaut. Frauen sind beim Ernten; mit einem kleinen Messer holen sie die Zwiebeln aus dem Boden. Und dann kommen wir zum Orakelplatz, eine mit Steinen abgegrenzte ebene Fläche, etwa 20 mal 50m groß. Im Dorf werden Männer ausgewählt, die dann Erdnüsse auf dem Platz auslegen. Nachts frisst der Fuchs die Erdnüsse und morgens kommen die Bewohner des Dorfes und schauen, wie viele Erdnüsse er gefressen hat und wo. So spricht das Orakel und gibt Auskunft über die Zukunft des Dorfes! Nun geht es aber steil abwärts ins Tal von Bandiagara, eine enge Serpentine nach der anderen, auf schmaler, schlechter Straße. Eine Herausforderung für den Fahrer, für uns ein grandioses Erlebnis. Die Felswände sind bis zu 200m hoch und steil und wuchtig. Wir fahren ins Dorf Banani. Dort im Restaurant werden wir essen und auch schlafen. Nach einem kleinen Rundgang serviert Baba das Essen, das er im Restaurant gekocht hat. Und dann gibt es erst einmal eine lange Ruhepause. Es ist heiß und stickig hier im Tal, und erst am späten Nachmittag sind wir wieder frisch genug, um etwas zu unternehmen. Gegen 15.30 Uhr gehen wir dann zu den drei Dörfern am Berg, die ebenfalls zu Banani gehören. Am Rande des Hauptdorfes führt ein Steg über einen großen Teich mit Seerosen, der von Baobab-Bäumen umgeben ist. Dann geht es steil bergauf, aber danach eben am Berg entlang. Die drei Dörfer reihen sich aneinander. Sie sehen aus wie Bilderbuch-Dörfer. Sie ziehen sich weit die steilen Felswände hinauf und überall bestimmen die lustigen Speicher das Bild. Oberhalb der Dörfer sieht man noch die alten Telem-Häuser. Am Ende der Dorfreihe befindet sich ebenfalls ein Versammlungsplatz. Wir gehen durchs Tal zurück; der Weg ist richtig romantisch! Im Restaurant abgekommen, schlage ich auf dem Dach mein Nachtlager auf, dusche und gehe nach dem Essen bald ins Bett. Trotz meiner Sorge wegen der Moskitos schlafe ich sehr gut.

Um 6.30 Uhr wird gefrühstückt; um 7.30 Uhr soll es losgehen. Da wir noch etwas Zeit haben, gehen Andreas und ich zum Seerosenteich und steigen auf der anderen Seite ein Stück den Berg hinauf. Von hier aus blicken wir durch die Zweige eines Baobabs hinunter auf den Teich – ein Bild wie gemalt! Unter einem Baum wäscht eine Frau Wäsche. Über den Steg ziehen Frauen und Jungen und holen Wasser. Den Abschluss bildet ein Fels, noch eingehüllt in Morgendunst ragt er weit ins Tal. Wir fahren nun wieder nach Sanga hinauf. Auf dem Platz vor der Moschee halten wir an. Überall werden Souvenirs feilgeboten! Es hat sich scheinbar herumgesprochen, dass Touristen kommen. Die Händler sind recht lästig. Doch wir erstehen für Hannah eine schöne Maske. Dann spazieren wir noch einmal durch Sanga – durch den rechten und den linken Teil, mit einer großen Kinderschar im Gefolge. Jetzt merken wir, was wir an Golfith hatten. Völlig ruhig und ungestört konnten wir gehen, gucken und fotografieren. Doch eine der schönen, geschnitzten Holztüren darf ich fotografieren, der Meister zeigt sie uns voller Stolz. Zum Abschluss sehen wir den Maskentanz. Zur Feier des ersten Todes wurde und wird alle 50 Jahre das Sigui-Fest mit diesem Maskentanz gefeiert. Von Männern des Maskenbundes werden die Masken an einem verborgenen Ort geschnitzt. Nur Männer dürfen sie tragen, da sie mit dem Tod verbunden sind, während Frauen Leben spenden. Die Masken stellen ihre Götter und heiligen Tiere dar. Die Hauptmaske zeigt oben eine Frau, weil eine Frau die erste Maske gefunden hat. Die Gruppe besteht aus etwa 30 Tänzern. Masken und Kostüme sind farbenfroh, die Tänze recht lebendig. Getanzt wird zu rhythmisch geschlagenen Trommeln. Wir müssen teuer für die Vorführung bezahlen. Aber sie ist gut, auch wenn die Masken nur aus Pappe sind! Gleich nach dem Tanz geht es zurück nach Bandiagara und nach einer kurzen Essenspause auf einer Piste weiter nach Songo. Die Nacht werden wir auf einem Platz nicht weit von der Straße verbringen. Baba lassen wir dort, so dass er schon das Abendessen vorbereiten kann. Songo: wieder eins der schönen Dogon-Dörfer, wenn auch nicht am Felshang gelegen. Wir gehen durchs Dorf auf einen Fels zu, der im Hintergrund das Dorf überragt. Eine traditionelle Kirche aus Lehm, viele Speicher mit Amuletten und in einigen Höfen wird gewebt. Wir möchten fotografieren, was aber, wie überall im Dogon-Land, nur gegen Bezahlung möglich ist. Und die Forderungen sind nicht gerade bescheiden! Schade, aber das Dogon-Land ist eben eine Haupttouristenattraktion! Oben am Fels unter einem Überhang befindet sich ein Initiationsplatz. Alle drei Jahre werden hier Jungen im Alter von 13 bis 17 Jahren beschnitten. Sie bleiben vier Wochen hier oben und werden auch in die Mythologie eingeführt. Vier Wochen wird gefeiert und Musik gemacht, oben und unten im Dorf. In einer Felshöhle werden die Instrumente in der Zwischenzeit aufbewahrt. An die Felswände des Überhangs sind Symbole gemalt, vorwiegend in den Farben weiß, gelb, rot und schwarz. Sie werden alle drei Jahre zur Beschneidung erneuert. Jeder Clan hat ein eigenes Symbol, das den anderen nicht bekannt ist. Nach der Beschneidung ziehen die Jungen in Gruppen vier Wochen durchs Land, erkennbar an einem besonderen Umhang. Bevor wir hinuntergehen, klettern wir noch etwas höher, um die Aussicht auf das Dorf unter uns noch besser genießen zu können. Es liegt in einer Ebene, aus der sich einzelne recht klobige Berge erheben, sicher auch Zeugenberge wie in Hombori, aber lange nicht mehr so spektakulär in der Form. Fast im Dunkeln erreichen wir unseren Zeltplatz, gefolgt von einer Kinderschar aus dem Dorf. Essen, Zeltaufbau, Holz sammeln, Lagerfeuer und dann geht es bald ins Bett – es sind lange und anstrengende Tage!

Heute liegt eine lange Strecke vor uns, 480km über San bis Segou, die wir zum Glück auf einer Asphaltstraße zurücklegen. Die Landschaft erinnert an Namibia: trockener Busch, einige Akazien, manchmal auch recht kahl. Die Dörfer sind hübsch, mit Moschee und runden Speichern. Nach Sevare, wo wir tanken, erinnert das Bild rechts und links der Straße an den Anfang unserer Fahrt. Wieder Polizeikontrollen. Die Dörfer werden hässlicher und schmutziger. Gegen 13 Uhr sind wir in San und fahren direkt zur Moschee, die durchaus mit der in Djenne konkurrieren kann. Leider hat sie neue, blau gestrichene, hässliche Holztüren. Direkt daneben befindet sich ein großer Platz mit Balanzan-Bäumen, die während der Trockenzeit Laub tragen und deshalb begehrte Schattenspender sind. Unter jedem Baum sitzt ein Grüppchen – ein hübsches Bild! Die Früchte der Bäume sind gelbe, kleine, gebogene Schoten, die Pferde gern fressen und ihnen viel Kraft geben. Das beobachteten auch die Bambara-Könige und fütterten damit ihre Pferde. Über die Pferdeäpfel verbreiteten sich Samen und Bäume und heute sind sie im Raum der früheren Bambara-Könige endemisch. Vor der Weiterfahrt gehen wir essen. Ich esse Papaya für teures Geld. Später an der Straße werden sie uns sehr billig angeboten. Wir dürfen die fröhliche, bunte Frauengruppe auch fotografieren – umsonst! Die Natur ist erstaunlich viel weiter als vor 14 Tagen. Viele Bäume blühen jetzt und eine Mangoart trägt schon Früchte. Der Schi-Baum hat kleine unattraktive, weiße Blüten, die dicht beieinander sitzen. Beim Neere-Baum sind die Blüten runde, rotbehaarte Bommeln in Tennisballgröße, die lang herunterhängen. Die Früchte sind dann große, gelbe, fleischige Schoten, die man essen kann. Es gibt viele Dompalmen mit Früchten, die hier in großen Trauben hängen. Und an großen Feldern kommen wir vorbei, übersät mit Kalebassen, die nach der Ernte auf den Märkten als Schüsseln verkauft werden. Wieder einige nette Dörfer mit Moschee und vor Segou die von Dra lange angekündigte rote Moschee. Ja, sie ist rot, liegt etwas erhöht, aber sonst kann ich ihr nicht viel abgewinnen. In Segou bleiben wir zwei Nächte und sollen eigentlich im „Balanzan-Hotel“ wohnen, aber das ist ausgebucht und so steigen wir im „Mivera“ ab, das an der Umgehungsstraße am Verkehrskreisel liegt. Ich nehme das lauteste Zimmer, das keiner haben will – und werde belohnt! Es ist das einzige Zimmer, in dem die Klimaanlage funktioniert! Zwei Nächte – also wird schnell erst einmal gewaschen. Zum Essen fahren wir dann ins „Balanzan“, wo wir gut verköstigt werden. Leider können wir kein Geld tauschen. Auch meine Filme sind alle. Hannah und ich trinken noch in meinem schönen kühlen Zimmer den Rest von unserem Kognak und nach einer guten Dusche falle ich wie immer auf dieser Reise wie tot ins Bett.

Morgens bin ich frisch und munter. Um 8 Uhr gibt es Frühstück im „Balanzan“ und dann fahren wir an den Niger. Auch hier ein weiter, weiter Fluss, Frauen waschen, Sandbänke, Boote und eine Corniche mit schönem alten Baumbestand. Am Fluss wurden Gärten angelegt und die Töpfer bieten in Straßennähe schöne Krüge, Schüsseln und Teller feil, die sie auf der anderen Flussseite herstellen. Unsere Gruppe eilt zur Post und ich bummle in Ruhe hinterher. Trotz des Schmutzes hat das Ganze Atmosphäre. Anschließend besichtigen wir eine Brauerei. Von Christen wird hier Hirsebier gebraut. Es ist hübsch und gemütlich in der Brauerei und die Leute sind nett. Wir probieren auch das Hirsebier, das gar nicht so schlecht schmeckt. Das Brauen ist eine lange und umständliche Prozedur. Die Hirsekörner müssen im Wasser keimen. Die gekeimten Körner werden getrocknet und müssen anschließend drei Tage im Wasser gären. Der Sud wird abgenommen und getrocknet. Der Rest wird gekocht und dann wird der getrocknete Sud untergerührt. Das Ganze muss wieder gären, drei Wochen, mit Hefe drei Tage. In der Nähe der Brauerei ist auch eine katholische Mission mit einer Missionsschule. Parallel zum Fluss, nicht weit entfernt liegt die Allee, in der die Franzosen ihre Prachtbauten hatten. Der Baustil ist eine Mischung von französischen und sudanesischen Elementen, recht harmonisch, wenn er auch etwas an Walt Disney erinnert! Herrlich die großen Gärten, die die Villen umgeben. Heute werden die Gebäude für offizielle Zwecke genutzt. Die Allee ist gesäumt von prächtigen, alten Bäumen, die leider allmählich verschwinden. Sie fallen dem Bootsbau zum Opfer und werden durch schnell wachsende Bäume ersetzt, wie z. B. Eukalyptus. Nun fahren wir nach Alt-Segou, 13km außerhalb der Stadt in Richtung Bamaco. Segou war im 17.Jh. die Residenz der Bambara-Könige. Einer der Könige hatte einen Adoptivsohn. Als dieser König werden sollte, wurde aus Protest ein neues Königreich im heutigen Segou gegründet. Ein Nachfolger des Adoptivsohns „regiert“ noch immer in Alt-Segou. Er lebt ein normales Leben, ist aber der Schiedsmann! Wir gehen in sein Haus, wo wir auch seine Frau sehen. Alt-Segou ist ganz in Lehm erbaut, hat drei Moscheen und einen kleinen Markt und ist sehr sauber. Auch am Niger ist es hier sauber und die Gärten am Fluss sind gepflegt. Außerdem steht hier eine wunderschöne, kleine Moschee mit einem riesigen Baobab davor. Dieses Plätzchen allein lohnt einen Besuch von Alt-Segou! Zurück in Segou, essen wir im „Djoliba“, einem Restaurant und Hotel unter deutscher Leitung. Es liegt sehr zentral, macht einen gepflegten Eindruck und ist nicht teurer als unser Hotel. Wir sitzen im Garten wie in einem Pavillon: Grün, Blumen, Vögel und ein Wasserfall. Und das Essen ist auch gut. Anschließend bringt uns der Bus ins Hotel zurück, wo Hannah und ich erst einmal ein Mittagsschläfchen halten. Danach trinken wir gemütlich einen Kaffee und dann wird gepackt. Am späten Nachmittag fahren wir zwei mit dem Taxi zum Niger. Ein Stückchen müssen wir noch laufen, aber dann sind wir direkt am Fluss. Wir finden einen schönen ungestörten Platz, etwas erhöht auf einer Mauer, und können in aller Ruhe sitzen, gucken und genießen. Es ist sehr stimmungsvoll. Die Boote kommen heim, die Leute waschen sich, reden noch ein bisschen miteinander und gehen dann nach Hause. Es wird still, die Sonne geht unter und langsam legt sich die Abenddämmerung über den Strom. In welche Richtung er fließt, ist nicht zu erkennen, da er kaum Gefälle hat. Ein schöner Abschied, doch leider müssen auch wir nach Hause, ins Hotel zurück. Zu Abend essen wir wieder im „Balanzan“ und unser Trinkgeld wird der Mannschaft überreicht. Ich dusche noch und schlafe gut – aber bin wohl die Einzige, da die anderen von Mücken geplagt werden und ihre Klimaanlagen nicht funktionieren.

Unser letzter Tag in Mali! Um 7 Uhr sind wir im „Balanzan“ – Frühstück und Abschied von Baba, unserem Koch, er bleibt in Segou, arbeitet dort im Hotel. Er war ein netter Kerl und ein guter Koch! Es geht zurück nach Bamako, etwa 200km Asphaltstraße. Nach der schlechten Nacht schlafen fast alle im Bus. Aber es gibt auch nicht viel Neues zu sehen: Savanne, Dörfer mit Speichern, Holz an der Straße zum Verkauf und natürlich die Polizeikontrollen. Außerdem sind wir die Strecke bereits zu Beginn gefahren. Aber ich staune wieder, wie viel jetzt schon blüht. Dra sagt mir Namen in seiner Sprache, lustige Namen – z.B. Nogonogo und Kolokolo! Gegen 13 Uhr erreichen wir Bamako. Zum Essen gehen wir ins „ 5 o’clock Tea“, ein großes, modernes, ganz amerikanisches Restaurant – fast nur Ausländer und herrlich bunter Kuchen! Für meine Begriffe passt es überhaupt nicht nach Bamako! Die Stadt macht auf mich einen entsetzlichen Eindruck. Ein Trümmerhaufen, dreckig, verkommen, selbst neue Bauten sind hässlich. Da unsere Maschine erst gegen Mitternacht fliegt, haben wir noch Zeit für das Nationalmuseum und den Handwerkermarkt.

Zum Museum geht die Fahrt über den Fluss. Jetzt in der Trockenzeit fließt nur in der Mitte des breiten Flussbetts Wasser, aber dieser Restfluss ist noch 2-3 mal so breit wie der Nil bei uns in Kairo. Auf der anderen Seite des Niger ist die Stadt auch nicht ansprechender. Doch das Museum ist architektonisch gelungen: Flachbauten im landesüblichen, rechteckigen Stil in Rot-Braun-Tönen. Wir gehen als erstes in die Stoffabteilung, wo mich die Vielfalt der Techniken – gewebt, gestickt, gebatikt – und die feine Arbeit beeindrucken; die Farben variieren von weiß, beige, gelb, rot bis schwarz, aber kaum grün oder blau, außer bei den Indigo-Arbeiten. In der nächsten Abteilung sehen wir Holzarbeiten, vor allem Fetische, d.h. Figuren, denen man magische Kräfte zuspricht. Menschliche Figuren sind recht natürlich, Tierfiguren oft recht abstrakt – aber alle wunderschön. Hier wäre ich gern länger geblieben. Als letztes sehen wir uns eine Ausstellung über das Dogon-Land an, die sehr gut gemacht und für uns besonders interessant ist, weil wir dort waren. Es gibt einen ausgezeichneten Katalog zu der Ausstellung, der aber leider vergriffen ist. Anschließend fahren wir zurück auf die andere Seite des Flusses zum Handwerkermarkt. Es ist ein abgeschlossener Gebäudekomplex mit viel Grün. Und hier findet man wirklich alles, was im Lande angeboten wird, und das in großer Auswahl, leider etwas unübersichtlich. Es herrscht viel Betrieb und es ist heiß und schwül. Wir sind müde und angefüllt mit den Eindrücken der Reise und deshalb nicht sehr enthusiastisch. Ich muss mich zwingen, wenigstens eine Runde zu drehen. Und dabei darf man hier sogar fotografieren, während es draußen zu Schwierigkeiten führen kann – Dra hat uns sehr eindringlich gewarnt! Zum Abschluss fahren wir ins Hotel „Faso“, in das Hotel, wo wir auch unsere Reise begonnen haben. Man stellt uns zwei Räume zur Verfügung, so dass wir duschen und uns für die Reise umziehen können. Danach vertreiben uns die Zeit in der Bar, essen und trinken etwas, lesen, schreiben und erzählen. Am Nebentisch wird Deutsch gesprochen und wir kommen mit einem deutschen Ingenieur und seiner Begleiterin ins Gespräch. Frau Mankan besitzt seit 14 Jahren ein kleines Hotel und Restaurant in Sevare. Sie betreut vor allem Individualtouristen. Für jemanden, der Mali bereisen will, ist sie sicher eine gute Anlaufstelle. Weitere Informationen findet man unter www.mankan-te.de

 

Am Flughafen geht alles ganz schnell. Es bleibt kaum Zeit zum Verabschieden; beim Einchecken herrscht ein fürchterliches Durcheinander. Ich schlafe dann fast bis Paris. Als Getränke serviert werden, bin ich überrascht, dass es schon der Morgenkaffee ist! Ja, wir sind in Paris und bleiben vier Tage. Mali war faszinierend, eine Reise wert! Es war das erste westafrikanische Land, das ich bereiste und völlig anders als alles, was ich bisher von Afrika gesehen hatte. Und was war für mich so faszinierend? Es waren die bunten Märkte, allen voran der Montagsmarkt in Djenne, es war die unendliche Weite des Niger, es war die Lehmarchitektur, weich, fließend und so harmonisch, es waren die vielen urigen Baobab-Bäume und natürlich das Dogon-Land. Das einzige, was mich etwas enttäuscht hat, war das sagenumwobene Timbuktu. Aber vielleicht muss man länger bleiben; vielleicht hatte ich auch zu viel erwartet!

 

Ursula Mahlke, bearbeitet von pp

 

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