Das Kopftuch (Al Hagab) – eine Betrachtung
Schon längst ist das „Kopftuch“ hier in Ägypten mehr
als ein Attribut des Glaubens. Die Kopfbedeckung und Bekleidung der *Mohagaba, die Variationen und Kreationen, die sehr viel Stoff benötigen,
ergeben ein blühendes Geschäft und sind der Mode unterworfen. Die Ägypterinnen
haben (wieder-)entdeckt, dass solche Art von Kleidung attraktiv ist. Sie haben
die Empfehlung ihres Glaubens mit ihrem Wunsch, sich schön zu machen verbunden.
Und wer würde die jungen Mädchen und Frauen mit ihren wallenden, bunten
Kopftüchern, die das Gesicht eng umrahmen und ihm schmeicheln, nicht schön
finden? Sollte jetzt noch ein klein wenig des Stirnhaares hervorschauen und
das Gesicht nach alter Tradition geschminkt sein, so ist diese Frau ein Blickfang.
Die lange, eng anliegende Kleidung der jungen Mädchen ist ebenso vorteilhaft
wie die lose Weite der fülligen Frauen. Und auch hier ist das Gelingen des
Angezogenseins abhängig vom Geschmack und vom Geld. Auf jeden Fall kann sich hier die hohe Kunst des Angezogenseins
ausleben und wahrhaft „anziehend“ sein.
Vor einiger Zeit besuchte ich die Hochzeit eines begüterten Brautpaares.
Da sah man in prächtigem Ambiente eines Luxushotels viele wunderschön zurechtgemachte
Frauen. Ihre Kleidung hatte sie wochenlange Vorbereitung und viel Geld gekostet.
An den Frisuren hatten viele Friseure gut verdient und das Make-up war an
diesem Abend ein besonderes gewesen.
Einige junge Frauen trugen viel sichtbare Haut und sie sahen sehr hübsch
aus. Andere hatten ihre Körper mit kostbaren Stoffen bekleidet. Auch sie waren
wunderschön. Und wiederum andere waren …“Mohagabat“*. Sie sahen so erstaunlich und fantastisch aus,
dass sie mir wie Märchenfiguren, wie wunderschöne, geheimnisvolle Feen erschienen.
Die Farbabstimmungen der in verschiedenen Längen fallenden Kleider, die Kopfschleier
in mehreren Lagen eng und weit um den Kopf drapiert gaben ihnen etwas von
Heiligen, ja, manche sahen aus wie die Bildnisse der Jungfrau Maria.
Zugegeben, nicht alle Frauen sehen in ihren Kopftüchern vorteilhaft aus.
Aber auch nicht alle Kopftuchlosen gefallen.
Wir westlichen Menschen sind diesbezüglich etwas voreingenommen. Manchmal
vergessen wir, dass bei uns noch vor 50-60 Jahren die Kopfbedeckung für eine
Frau selbstverständlich war. Die Bäuerin trug ebensolche Kopftücher wie manche
Türkin in Deutschland.
Auch ich bin nicht frei von Vorurteilen. Aber die Ägypterinnen haben mich
davon überzeugt, dass der Wunsch der Frau sich schön zu machen, immer wieder
siegt.
Und das freut mich.
Uta Badran-Neujean
*Mohagaba: eine Muslimin
mit Kopfbedeckung
KORREKTUR: Im letzten Text von Frau
Badran-Neujean („Suhur“) hatte sich ein Fehler eingeschlichen. Es muss heißen:
„…Es fehlt trotz Abwesenheit aller
Schönheit die Hässlichkeit…“