Am 30. März 2005 gastierte LOWLIFE im
Goethe-Institut in der El Bustan Street in Downtown Kairo und stellte sich
einem deutsch-ägyptischen Publikum vor.
Noch bevor die ersten Klänge der
Komposition „Oslo“ durch den Raum schwebten, war ich schon damit beschäftigt
zu bedauern, dass der Kontrabass seines Bauches beraubt worden war. Dann nahm
ich Töne wahr und dachte: O nein! Moderner Jazz!
Ich hatte nicht damit gerechnet,
dass gerade die Jazzrichtung gespielt werden könnte, der ich einfach nichts abgewinnen
kann. Hinzu kam noch, dass ich meine Sitzgelegenheit, wie schon so oft in
Konzertsälen, zu unbequem fand, um Musik wirklich genießen zu können.
Warum war ich nur hierher gekommen?
Doch dann horchte ich auf und ließ
mich von dem Stück aus Odilo Clausnitzers Feder fesseln. Während des ganzen
Abends konnte ich meine Aufmerksamkeit nicht von der Bühne losreißen.
Ein Waldhorn, ein Kontrabass und
eine Posaune - drei Bassinstrumente sind nicht eben eine alltägliche Besetzung.
Den Freunden Odilo Clausnitzer (Horn), Markus Quabeck (Kontrabass) und Dietmar
Kruse (Posaune) gelingt es, die interessante Zusammenstellung der „unteren
Register“ durch einfallsreiche Kompositionen hervorzuheben und ihnen, trotz
des tiefen Ansatzes, fröhliche Klänge zu entlocken. Dem Trio, musikalisch
ein eingespieltes Team, war anzuhören, mit wie viel Erfahrung, Freude und
Hingabe sie die an diesem Abend überwiegend von Clausnitzer und Kruse stammenden
Werke spielen.
Begeistert haben mich vor allem der
Facettenreichtum der dargebotenen Musik und die Art der Percussion. Da wurde
das Waldhorn kurzerhand zum „Blech-Tambourin“ umfunktioniert, das mal den
Ton angab und sich dann wieder einfügte in die Gesamtkomposition. Der Kontrabass,
das von mir bedauerte, weil abgespeckte Elektronikinstrument, wurde von Markus
Quabeck sowohl gezupft und geschlagen als auch mit dem Bogen bearbeitet. Mit
Hilfe von Vokalisen verlieh Quabeck der Musik eine weitere Nuance.
Er erläuterte dem Publikum mit leicht
rheinischem, für mich nach Heimat klingendem Akzent das Programm des Abends
und erklärte, warum er den E-Bass mitgenommen hatte: weil der wegen seines
Gewichts beim Flug als Hand- und nicht als Übergepäck zählt.
Anlass für die Reise des Trios war
das Erste Internationale Ägyptisch-Deutsche Jugendmusikfestival mit Konzerten
in Kairo und Alexandria, bei dem es auch mit dem Streichorchester der Universität
Bonn und der Egypt Brass Band auf der Bühne stand.
Unter den Zuhörern des Konzerts im
Goethe-Institut befand sich ein junger ägyptischer Musiker, den die Bonner
durch das Festival kennen gelernt hatten. Für das letzte Stück des Abends
holten sie ihn mit seiner Trommel, der Darbukka, auf die Bühne.
Die Trommelwirbel
erklangen zunächst zaghaft. Doch dann wurde der junge Mann mutiger, ließ sich
einfangen vom Rhythmus und dominierte ihn zeitweise, nach Blickkontakt mit
den Deutschen. Die Improvisation trieb ihm den Schweiß auf die Stirn, so konzentriert
zeigte er sein Talent.
Die Begeisterung des Publikums war
groß und wurde von am Haus vorüberfahrenden Autos, einem auf den Fußboden
klirrenden Schlüsselbund und einer ins Schloss fallenden Tür nicht beeinträchtigt.
Über die spannungsreiche Musikdarbietung
habe ich doch tatsächlich den unbequemen Stuhl vergessen...
Danke dem Goethe-Institut und den
Musikern für diesen Leckerbissen!
ak