Aus
Alt wird Neu (Teil
2)
Nun saß ich
da und betrachtete das Werk der fleißigen und so wuseligen Arbeiterschaft,
die ja schon das Pharaonenreich zur Blüte geführt hatten! Es schien so wohlgetan!
Die hohl klingenden Kacheln waren noch unterfüttert worden, die Wände mit
einem neuen Anstrich verwöhnt und auch die fünf Monteure, die eigentlich nur
die Türen und Rahmen reinigen und mit einer Art Lasur versehen sollten, aber
die unteren Ränder mit vollständiger Ignoranz strafen wollten, hatten nach
meinem Insistieren ein Einsehen und tatsächlich alle Teile bestrichen!
Der uns wohlbekannte Mohandes wollte
nun natürlich noch die ihm zustehende Restsumme haben, doch er musste sich
mit einer Abschlagszahlung begnügen, da ich erst eine in Ruhe vollzogene Inspektion
abwarten wollte. Aber das nahm er nicht so tragisch, sondern versprach mir
sogar eine saudi-arabische Didascha, da er am nächsten Tag auf die Pilgerreise
wollte und wir einen Zahlungstermin nach Ramadan vereinbart hatten. Ich nehme
fast an, dass es um die Zahlungsmoral von ägyptischen Wohnungsrenovierern
nicht sonderlich gut bestellt ist. Er bekam natürlich die Restsumme, nachdem
wir noch einmal ordentlich gefeilscht hatten und jeden Posten der Gesamtrechnung
einzeln und kritisch durchgegangen waren. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn,
als wenn er in großer Angst sei, ich könnte noch mehr Abzüge vornehmen, denn
an den Kostenvorschlag wollte er sich kaum noch halten und erzählte ständig
von der immensen Inflation in Ägypten.
Zwischenzeitlich habe ich mindestens
10 Kartuschen Silikon verarbeitet, um die Ritzen und Öffnungen, die ich an
den Fenstern und Türen entdeckte, zu füllen und abzudichten. Der Baba meines
ägyptischen Baumarktes um die Ecke freut sich schon mächtig, wenn ich wieder
auftauche und erneut Silikon „obiat“ verlange! Auch die Rollläden, die ich
so stolz auf den Sonnenseiten einbauen ließ, erwiesen sich als nachbesserungswürdig,
denn ich stellte nach kurzer Zeit fest, dass es bei entsprechendem Wind durch
alle Ritzen zog. Was sollte da erst werden, wenn es Chamsin geben wird? Also
muss abgedichtet werden. Im bereits genannten Baumarkt gab es leider kein
Styropor, was ich für eine praktikable Lösung hielt. Aber ich fand heraus,
dass es dieses Material in der Sharia Septeia geben sollte. Also mal wieder
losgebraust, die Corniche in Richtung „Conrad“ entlang, und dann mit dem Gespür,
wo es etwas gibt, durch die Dunkelheit die Geschäfte abgeklappert – und tatsächlich
– eine Platte Styropor war nach kurzer Zeit mein eigen! Nun in „Baba`s Shop“
noch Klebstoff organisiert und los konnte es gehen! Dieser vom Baba selbst
empfohlene Pattex hatte wirklich eine beeindruckende Konsistenz – doch leider
war er für Styropor ungeeignet- er verbrannte einfach das Material! Also eine
ägyptische Lösung gesucht und gefunden – der tolle Restbestand meines Aluklebebandes
wurde zum doppelseitigen umfunktioniert und das Styropor hält – noch! Leider
schließen auch die Fenster nicht ganz so dicht und die wärmeisolierte Wand
weist ab und zu Risse auf, die dann sofort von den Truppen des Mohandes –
„you call me every time you have problem“ – mit Magun und Farbe ausgebessert
werden, aber sonst ist alles o.k.!
Nun sollte die Wohnung auch wieder
an Qualität gewinnen! Nach der Fertigstellung der Rohbaumaßnahmen wurde die
Küche vermessen, ein computergestütztes Modell entworfen und die Teile geordert.
Zwischenzeitlich wirbelte ich auf meinen beiden Campingkochern, um Abstand
von den diversen Restaurantbesuchen – heute McDo, morgen Pizza-Mütze, übermorgen
Scoozi und dann wieder von neuem! – zu gewinnen. Nach dem Einbau der Küche,
der planmäßig – Sohail sei Dank! – erfolgte, musste ich die Klagen hören:
„Oh Gott, deine Küche ist ja so klein“! Aber das genau wollte ich – klein
und ideal für das effektive Kochen! Alles schnell zu greifen, keine überflüssigen
Wege oder falsch genutzte Lagerflächen!
Die Betten für das Gästezimmer
hatte ich rechtzeitig bestellt und es sollte auch noch ein Schrank folgen.
Gut, dass ich abgewartet hatte, denn bei der Lieferung der Bettgestelle stellte
sich heraus, dass die Seitenteile nicht dieselbe Lackbehandlung aufwiesen
wie der Rest der Betten. Meine diesbezügliche Bemerkung wurde mit der Antwort
beschieden, dass am nächsten Tag ein Arbeiter vorbeikommen würde, um dies
zu erledigen. Mein Misstrauen, nun die Restzahlung erst einmal zu stornieren,
wurde eher verständnislos hingenommen wie auch meine Weigerung, doch wenigstens
den Transport der Bettteile zu meiner Wohnung zu bezahlen. Und richtig – am
nächsten Tag wurde mir die Antwort gegeben, dass der Chef gemeint habe, dass
das alles seine Ordnung habe und ich nun bezahlen sollte! Es lebe der Kunde!
Und es wartet der Schreiner auf den Restlohn! Den Schrank wie auch den Esstisch
bestellte ich dann in einem Geschäft in der Haram-Straße und tatsächlich wurde
alles prompt geliefert und montiert Allah sei Dank! Als meine Putzfrau kam,
bewunderte sie den neuen Tisch und stellte die Frage in den Raum, wo denn
die Glasplatte für den Tisch sei. In ägyptischer Manier bedeutete ich ihr
mit einem verneinenden Gaumenlaut „nnnhhh“, dass das nicht in Frage komme.
So war ich auch nicht mehr erstaunt, als weitere ägyptische Besucher die gleiche
Frage stellten. Auch sie mussten enttäuscht werden!
Zwei letzte Problemstellen taten
sich zwischenzeitlich auf. Eine davon ist bis zum heutigen Tag noch nicht
gelöst. Erstens wollte die Gasbehörde mir den Zähler nicht wieder montieren.
Hatte ich mich vielleicht leichtfertig für das falsche Kochmedium entschieden?
Da war der Kämpfer gefragt.
Telefonische Nachfragen bei der
zentralen Behörde in der Sudanstraße, wann denn endlich der Zähler und die
Rohre verlegt werden könnten, wurden damit gekontert, dass man den Besuch
der bisherigen Besitzerin im Büro in der Sudanstraße anmahnte. Meine Antwort,
dass ich die Wohnung gekauft habe, wurde eigentlich ignoriert, wenn auch ein
Mohandes die Küche inspizierte und versprach, dass in den nächsten Tagen etwas
passieren würde. Es passierte nichts! Mein nächster Anruf mit der Begründung,
dass die Dame nicht mehr laufen könne, zeitigte keine Reaktion. Auch mein
letzter Anruf und die Behauptung, dass Madame gestorben sein, hatte nicht
zur Folge, dass ich eine Sterbeurkunde vorlegen musste, sondern einen weiteren
Besuch des Mohandes. Immerhin verwies er mich dieses Mal an das Gasbüro in
Dokki – und das lag gar nicht weit von meinem Heim entfernt. Voll angestauten
Zornes mit dem Kaufvertrag in der Hand besuchte ich sofort das besagte Büro.
Keine Schlangen von Menschen, verständnisvolle Mitarbeiter, konkrete Zeitzusagen
– warum in aller Welt hat das nicht vorher geklappt? Warum musste ich so lange
auf meinen Campingkochern hantieren?
Nach einer weiteren Woche brutzelte
und schmurgelte ich endlich am Herd, den ich ja auch
erst nach einer Odyssee bei Omar
Effendi erstanden hatte. Mit Hilfe meiner Putzfrau hatte ich das Modell ausgesucht.
Zielstrebig war sie auf besagten Herd zugesteuert und hatte deutlich gesagt,
das ist er! Als dann der konkrete Kauf anstand, flitzte ich los, doch genau
dieser Herd war gerade verkauft. Nun, es gibt ja noch weitere Omar Effendis,
also zur Ahmed Orabi Straße gedüst, doch das farblich ausgesuchte Modell war
leider nicht verfügbar! Wann es denn wieder vorhanden sei, wollte ich wissen,
aber das weiß nur Allah, also ein farblich anderes Modell ausgewählt (mmmmh),
bezahlt und vom Träger im Karton auf dem Rücken zu meinem Auto gebracht. Glücklich
packte ich im 15.Stock das Prachtstück aus, als mir die Rostflecken auf der
Unterseite auffielen, aber da brach schon der eine Fuß aus der Verankerung!
Die genaue Analyse der Unterseite führte zum Rücktransport. Ein sofortiger
Umtausch scheiterte mangels Masse – doch inshah allah – sollte es am nächsten
Tag klappen. Eine Pechsträhne kann ja nicht endlos andauern! Und tatsächlich
– meine Wohnung näherte sich am nächsten Abend einen weiteren Schritt der
Vollendung. Der Herd war da und auch die zwei Tage Wartezeit auf die Gasanschluss-Monteure
erwiesen sich als nicht verschwendet! Wie gesagt, ich brutzelte und kochte,
dass es eine Freude war!
Nur auf den Eintag der Wohnung
im Grundbuch muss ich bis heute warten – und damit hängt die Ummeldung bei
der Strom-, Telefon- und Gasrechnung zusammen! Die Anwaltskanzlei tut ihr
Bestes, aber Ramadan, Ferien, Feiertage verzögern den Abschluss, zudem kamen
Papiere der früheren Besitzerin nicht bei oder die Eintagung im Grundbuch
wies eine Lage in einem anderen Stockwerk auf. Im Februar hatte ich kurzzeitig
Hoffnung, denn ich musste mit dem Anwaltsgehilfen zur Behörde nach Dokki,
um Papiere zu unterzeichnen. Solche Behörden sind für uns Europäer einfach
immer wieder ein Erlebnis! Ein Ameisenhaufen ist nichts dagegen. Umlagerte
Schreibtische in überbesetzten Büros , dazwischen Teeboys und Aktenträger!
Toll! Was es da alles zu beobachten gibt! Ein Glück, dass ich so entspannt
sitzen und beobachten kann und nicht agieren muss! Nun werde ich an einen
Schreibtisch zitiert und eine Dame verblüfft mich, das umfangreiche Dokument
studierend, mit der Frage, ob ich denn wüsste, was ich da unterzeichne? Ich
verstehe ihr Arabisch, aber ich verstehe eigentlich nicht! Ein Glück, dass
es Handys gibt, denn meine Anwältin erklärt mir dankenswerterweise, dass das
üblich sei. Was denken diese Beamten eigentlich? Dass ich zum Spaß dort sitze
und darauf warte, dass ich eine Unterschrift leisten darf? Als alles geklärt
ist, die Unterschrift vollzogen, geht es zur Kasse, denn der ägyptische Staat
braucht ja meine Knete! Der Gehilfe bedeutet mir, dass wir fast fertig sind.
Nur noch zum „Stempelfräulein“ müssen wir! Das Büro mit dem Riesenschreibtisch
ist beeindruckend, auch die 4 Stühle davor nicht schlecht – und schon zückt
sie ihr Handwerkszeug. Mit drei Stempeln und energischen Gesten versieht sie
ihre Arbeit – stempelt vorne, stempelt hinten und auch die Quittungen kommen
nicht zu kurz. Schon steht der nächste Kunde neben dem Tisch – und auch der
wird prompt mit Stempelabdrücken erster Güte versorgt. Beeindruckt verlasse
ich diese Hallen der Arbeitsamkeit mit der Versicherung des Gehilfen, dass
es noch bis zur Vollendung drei bis vier Tage dauern wird.
Das war vor 2 Monaten!
Aber ich weiß natürlich, woran
es liegt. Die Behörden müssen noch nachprüfen, ob ich meine Vollmacht an die
Anwaltskanzlei nicht wieder aufgehoben habe und das kann bei einer 5000 Jahre
alten Behörde natürlich dauern! Aber ich bin voller Optimismus, dass ich es
noch in diesem Jahre schaffen werde,
stolzer Besitzer einer Wohnung in Ägypten zu werden – inshah allah!
W. Engelhorn
P.S. Der Anruf
meiner Anwältin erfolgte vor zwei Tagen! Man habe bei der Übertragung einer
Wohnung an Ausländer einen neuen Rekord aufgestellt. Die Übertragungsurkunde
liege bereit.
W. Engelhorn