Aus den Papyrus-Heften der
ersten Stunde
Kairoer Verkehr;
oder der umstrittene Bau der Untergrundbahn
Auszüge aus einem Artikel vom Dezember 1983
„Kairoer Verkehr
– hier muß jeder hier Ansässige irgendwann einmal hindurch, oft schimpfend,
schwitzend, fluchend oder aus langer Erfahrung heraus – alle Emotionen im
Griff – resigniert gelangweilt. Mit dem Verkehr in Kairo, einem Problem, das
jeder kennt und für das viele eine Lösung oder zumindest einen Schuldigen
zu wissen glauben, beschäftigte sich im April dieses Jahres ein vom Goethe-Institut
veranstaltetes deutsch-ägyptisches Seminar.
Die meisten statistischen Daten –
Zahlenwidersprüche erklären sich aus unterschiedlichen Quellen – und Kommentare
zur Verkehrslage Kairos sind diesem
Seminarbericht und einer Untersuchung des Syrers Mathbout, Aachen 1980, entnommen.
1887 lebten 6,8% der ägyptischen
Gesamtbevölkerung in Groß-Kairo, 1976 bereits 17,6% und heute lebt hier fast
jeder vierte Ägypter. Hohe Geburtenrate und Landflucht haben Kairo zu einer
10-Mio-Stadt werden lassen, deren Bevölkerungsdichte zwischen 9.000 (El-Mohandessin)
und 100.000 (Road El Farraq) Personen pro Quadratkilometer schwankt. „Die
rasche Einwohnerentwicklung innerhalb der letzten 30 Jahre (die Einwohnerzahl
hat sich seitdem verdreifacht) erschwerte die Lage und machte jegliche Verbesserungsversuche,
die immer zu spät kamen, wirkungslos. (Mathbout)…“
Pessimistisch
wurde auch der bereits begonnene Bau einer Untergrund-Bahn beurteilt:
…“Aufgrund einer französischen Erhebung
aus den Jahren 1971/72 hat man sich in Kairo für das sicher umstrittenste
Verkehrsprojekt, den Bau der Untergrundbahn entschieden – unter französischer
Leitung. Man erhofft sich, dass Dank der
U-Bahn die Dauer einer Busfahrt im Stadtzentrum zur Hauptverkehrszeit bis
1987 um 70% reduziert werden kann. Eine Million Passagiere sollen täglich
durch sie befördert werden.
Eine andere Sicht des bereits im
Bau befindlichen Projekts, konnte man in der „Egyptian Gazette“ vom 21.04.83
lesen: „… die Kairoer Untergrundbahn wird sich als weitere Halluzination heraus-stellen.
England hat erklärt, dass es sich die Kosten des Baus der Londoner Untergrundbahn
in diesem Jahrhundert nicht hätte leisten können, sie wurde im 19. Jahrhundert
gebaut. Jedoch: Ägypten ist vielleicht reicher als England. Alle Realitäten
wie enorme
Kosten, die Bodenbeschaffenheit,
die nicht aufgezeichneten Kabel und Rohre, die Gefahr für die Häuser – alle
diese Realitäten lösten sich auf angesichts der angenehmen Halluzinationen…
Auch die deutsche Seite des oben
erwähnten Verkehrsseminars sprach sich wegen der zu hohen Kosten gegen die
U-Bahn aus und befürwortete stattdessen eine Verbesserung des Bus-Systems,
z.B. durch getrennte Fahrbahnen (schon länger streckenweise praktiziert in
Sharia Ramses). Weitere Punkte des deutschen Beitrags: vor jeder Planung muss das Planungsziel definiert werden. Historische Stadtteile
sind vom Durchgangsverkehr frei zu halten, Umgehungsstraßen zu bauen und der
Verkehr auf Nebenstraßen muss gezwungen werden, langsam zu fahren.
An Analysen und Plänen scheint es
nicht zu fehlen und an dem allgemeinen Interesse, die Lage zu verbessern,
kann angesichts der Baustellen nicht gezweifelt werden. Wie Verkehrsprobleme
gelöst werden, ist immer auch eine politische Frage, eine Frage der Durchsetzbarkeit
von Interessen.“
Heute ist die Untergrundbahn fester Bestandteil des Kairoer
Verkehrs-Systems, und bis 2022 sollen noch drei weitere Linien fertig gestellt
werden.
Nachfolgend einige Daten:
Linie 1
Der südliche Zweig dieser Linie, von Heluan zur Mubarak Station,
mit neuem Tunnel bei Sayyida Zeinab, wurde im September 1987 eröffnet. Zwei
Jahre später am 05. April 1989, wurde die nördliche Strecke, Mubarak - El
Marg, in Betrieb genommen.
Line 2
ist in vier Abschnitten fertig gestellt worden:
-
Shobra – Mubarak,
im Oktober 1996
-
Mubarak – Sadat,
im September 1998
-
Sadat – Kairo Universität,
am 19. April 1999
-
Kairo Universität - Giza,
war am Oktober
2000
betriebsbereit,
die Verlängerung Giza – Moneib, wurde
unter Leitung der Fa. Alstom, mit einer Zwischenstation bei Sakiat Mekki,
am 17. Januar 2005 fertig gestellt
Linie Nr. 3
der
Bau dieser Linie ist ebenso für vier Abschnitte geplant:
-
Zentraler Streckenabschnitt,
fünf Stationen,
Attaba – Abbasiya,
Verbindung mit
Linie 2
-
Abbasiya – Al Ahram (Heliopolis),
vier Stationen
-
Attaba – Imbaba / Mohandessin;
acht Untergrund Stationen,
Verbindung mit
Linie 1
-
Al Ahram – Cairo International
Airport.