Die Oase Bahariya
im Westen Ägyptens präsentierte sich mir als Tor zur Wüste. So wie ich dort
von Einsamkeit, Wind und Weite erfuhr, lernte ich die Oase als einen Ort kennen,
in dem fröhliche Kinder und stolze Menschen ein seit Jahrhunderten von Sonne
und Kargheit geprägtes Leben führen.
In Bahariya lebt Mahmoud Eed Abdel
Gawad. Er wurde 1971 in der Oase geboren und begann bereits in seiner
Kindheit, seine Vorliebe für sanfte, fließende Formen in Ton und anderen natürlichen
Materialien, die er in seiner Umgebung fand, auszudrücken. Er hat nie eine
Kunstschule von innen gesehen, dafür kennt er seine Heimat und deren Bewohner
sehr genau. Seine Skulpturen zeigen von der Sonne und vom Wind gezeichnete
Gesichter. Die offenen Gesichtszüge der Älteren faszinieren ihn besonders,
weil sich das Leben selbst in ihnen offenbare, und das ganz anders, als es
in einer Stadt wie Kairo der Fall sei, meint er.
Mahmoud Eed stellte seine Werke bereits zum vierten Mal in
der „World of Art Gallery“ der Familie Mamdouh in Maadi,
6, Road 77 c aus.
Am 15. Januar diesen Jahres fand
die Eröffnung statt. Farbenfroh gekleidete Musiker und Tänzer aus Bahariya
bildeten mit ihren Rhythmen die ideale Begleitung für die Feier und sorgten
für die richtige Einstimmung auf die Kunstwerke.
Diesmal hatte Mahmoud Eed nicht nur
die lebensecht wirkenden „Wüstenschiffe“ und die für ihn charakteristischen,
verschmitzt dreinschauenden Skulpturen der Oasenbewohner
aus Ton mitgebracht - mein Favorit ist ein alter Mann in Galabyya,
den ich mir z. B. auf einem Regalrand vorstellen kann, wo er mit lachenden
Augen, die Arme auf den Knien, entspannt die Beine mit seinen lustig hoch
gereckten Zehen baumeln lässt -, sondern auch seine Sandgemälde.
Den Sand, den der Künstler in verschiedenen
Hell- und Dunkeltönen verwendet, gestaltet er auf Holz zu zarten Gemälden,
die Szenen aus dem Oasen- und Wüstenleben darstellen.
Das Lehmhüttendorf war ein Blickfang
der Ausstellung, nicht nur wegen seiner exponierten Anbringung, und weil die
Hütten so liebevoll windschief arrangiert sind, nein, weil die Ausmaße des
Bildes richtig schräg sind! Es ließ mich an Fotos von alten Dörfern denken,
die ich nur aus Büchern kenne. Das liegende Kamel vor dem Schutzzelt, neben
dem ein Kochfeuer schwelt, zog ebenfalls gleich meine Blicke auf sich.
Eine weitere Seite seines Talents
zeigte der Künstler in den Holzarbeiten aus Palmblatt.
Von Palmholzresten, die nach dem
Schnitt der Pflanzen übrig bleiben, lässt sich Mahmoud Eed zu Phantasietieren
und -gebilden animieren. Ich habe einen „Vogel“ erstanden, dem die Federn der linken Seite abhanden gekommen sein
müssen...
In seiner Heimat hat er bereits vor
zehn Jahren das „Bahariya Oasis Heritage Museum“ in Eigen-initiative eingerichtet.
Es präsentiert selbst-verständlich seine Werke, darüber hinaus jedoch stellt
es die künstlerischen, kulturellen, sozialen und wirtschaftlichen Gegebenheiten
des Oasenlebens vor, die heutigen wie die aus vergangenen Zeiten. Das gehört
zu Mahmoud Eeds Anliegen: das einfache Leben der Menschen der Vergangenheit
nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Dazu zeigt das Museum das Werkzeug
von Handwerkern und Fischern sowie Szenen über Erntezeremonien, Hochzeiten,
u.a.
Bei meinem nächsten Besuch in Bahariya
werde ich nach El Bowait fahren und mich von Mahmoud Eed durch sein Museum
führen lassen, das er auf Anfrage (Tel.: 012-7107965) öffnet. - Ich bin gespannt
darauf!
ak