Junges österreichisches
Talent in Kairo
Ruhig
sitzt sie da und schaut mich mit ihren mit großen dunklen Augen an, gerade
zehn Jahre alt und doch schon eine äußerst begabte Virtuosin. Lili Holetschek
heißt die junge Geigerin aus Weyer im Ennstal, mit der ich mich ein wenig
unterhalte.
Als Tochter
einer Musiklehrerin und eines Vaters, der unter anderem Gitarreunterricht
gibt, kann man sagen, dass sie musikalisch schon „vorbelastet“ ist. Die Tatsache
dass sie mit fünf Jahren bereits die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule
in Wien mit der Höchstpunktzahl bestand und aufgenommen wurde, ist dennoch
sehr beeindruckend. Zweimal wöchentlich fährt das Mädchen in die MHS nach
Wien zu ihrer Professorin Frau Eugenia Polatschek, um ihr Geigenspiel zu perfektionieren.
Siege errang sie unter anderem beim Musikwettbewerb „Cita Paraletta“ in Italien.
Zahlreiche weitere Erfolge und Auszeichnungen folgten.
Noch besucht die junge Dame die Volkschule
(Grundschule) in Weyer, wo sie von Lehrerschaft und Direktion in ihrem Talent
nach Kräften unterstützt und bestärkt wird. Deshalb ist es ihr auch möglich,
im Zuge einer Tournee des Franz-Schmidt-Kammerorchesters Ägypten bereits zum zweiten Mal zu bereisen.
Der Dirigent des Orchesters, Herr Adolf Winkler, fügt hinzu, dass Lili bereits
achtmal gemeinsam mit seinem Ensemble Konzerte gegeben hat. Auch mit dem Konzertmeister
des Brucknerorchesters, Herrn Liu Chan, stand sie in Linz bei einem Benefizkonzert
auf der Bühne.
Vor ihrer Reise hat sich Lili übers
Internet Informationen über das Land der Pharaonen eingeholt. Die Pyramiden,
das Nationalmuseum und die Zitadelle hat sie bereits besichtigt, wobei sie
von den Pyramiden am meisten beeindruckt war. Das Tal der Könige in Luxor
und den Khan el Khalili würde die kleine Künstlerin noch gerne besichtigen,
ein guter Grund nochmals ins Land am Nil zu kommen. Bei einer täglichen Übungszeit
von drei bis vier Stunden, die sie auch in Ägypten konsequent einhält, ist
das nicht so einfach. Danach gefragt, ob sie denn jeden Tag gleich gerne übe,
kam „ja“ als spontane Antwort.
In der Klassischen Musikszene in
Ägypten kennt Lili, Fr. Manal Moh
el Din (Harfe), Dr. Hassan und Herr Prof. Hasim Atea Attalla. Nach diesen
wirklich außergewöhnlichen Angaben über das junge Talent freue ich mich schon
sehr auf ihr Konzert, bei dem sie Bach und Sarasate spielen wird.
Da steht sie nun, in ihrem roten
Organza-Seidenkleid, Finger und Bogen tanzen über die Saiten ihrer Violine,
ihre Locken schwingen im Rhytmus mit, gar nicht mehr ruhig oder gar schüchtern.
Jetzt ist sie in ihre Element. Den vom Publikum geforderten Zugabewunsch erfüllt
sie mit einem Stück von Paganini.
Beeindruckt und fasziniert sitze
ich da und bewundere diese junge Künstlerin, die sich trotz ihrer besonderen
Begabung das Kindsein und ihre Natürlichkeit bewahrt hat.
jac