4th
Pharaonic -Race
oder
Qual und Lust des Langstreckenlaufes
Warum geb’ ich mir das?
Es war mal
wieder soweit! Das Pharaonen-Rennen stand an und in leutseliger Runde hatten
wir uns im letzten Jahr auf dem Sinai verabredet, daran teilzunehmen. Die
„Noltes“ hatten nun ja schon einmal daran teilgenommen und ich wollte mir
selbst beweisen, dass mit mir noch zu rechnen ist! Also liefen wir mehr oder
weniger intensiv eine Vorbereitung im Wadi Digla. Als uns zwei Läufer abhanden
kamen, denn wir wollten ja als 5-köpfige Staffel starten, keimte in mir nun
doch die Hoffnung, dem Ganzen zu entkommen. Aber da seien Anke und Ralph davor!
Schwupps wurde noch der „Axel“ von der Schule und der „Rami“ als Ehemaliger
verpflichtet und schon waren wir wieder komplett! Natürlich schlief auch die
Konkurrenz nicht. Zwei weitere Staffeln mit DEO-Mitgliedern befanden sich
im Aufbau! Aber als wir das Trainingspensum der „Habig-Staffel“ hörten, wollten
wir doch lieber dem Coubertin-Ratschlag folgen und uns auf das „Mitmachen“
beschränken! Die wenigen Trainingseinheiten führten zumindest bei mir dazu,
dass ich hoffte, ohne schwerwiegende Schäden davonzukommen. Man sollte einfach
erkennen, dass die „guten Jahre“ vorbei sind!
Am Freitag den 26. November ging
es endlich los! Treffpunkt 3.30 Uhr vor dem Interconti in Giza! Buntes Geschnatter
aus aller Herren Länder! Kleine Crew-Busse, die wild umherkurvten und mit
den Gruppennummern versehen waren! Ein Fernseh-Team, das unermüdlich Interviews
mit den Teilnehmern durchführte! Doch wo war Rami? Angstvoll telefonierten
wir, denn eigentlich wollte keiner von uns Vieren zusätzliche Kilometer laufen!
Ahhh, da war er schon! Nun in die Busse, Bananen und 28 Liter Wasser (Sind
wir denn Rennkamele?) zugeladen. Mit der obligaten Polizeieskorte ging es
dann los, nachdem uns der deutsche Starter in die Busse gescheucht hatte!
Gegen 6 Uhr erreichten wir die Hawara-Pyramide, bei der ein werbewirksames
Starttor aufgebaut war. Alle rannten in die nächsten Sandmulden, um überflüssigen
Ballast loszuwerden. In der Nähe patrouillierten
„Bewacher“ mit alten Vogelflinten oder was man noch so in der Wüste finden
kann. Noch ein paar letzte Photos (Nett, die Japan-Girlies!) und Interviews
(Cheese), ein Schuss („Nur Probe!“) und dann ging es wirklich los!
Die Rennpferde voran, Anke dahinter!
Warum beherzigte sie nicht unseren Rat, sich an Martins „Ferse festzubeißen“?
Sie wollte die erste Strecke (20 Kilometer) laufen, weil man nie weiß, wie
es einem im Verlauf des Rennens in den zu passierenden Dörfern ergeht. Unser
Team hatte die Nummer 40 und wir folgten im Tross! An strategischen Punkten
warteten wir, feuerten die 19 Teams und 9 Einzelläufer (100 Kilometer alleine
!!!!! Die müssen verrückt sein!) an, reichten Wasser oder Bananen und bauten
Anke auf („ Nur noch 10 Kilometer, du siehst noch gut aus“). Am Frauengefängnis
vorbei, durch die Hügel vom Fayum näherte sich „unser Mädchen“ dem ersten
Wechsel, der mein Schicksalspunkt werden sollte.
Anke kam („Oh Gott, sah die noch
gut aus“), klatschte ab und ab ging’s mit dem jungen Hengst – zumindest am
Anfang. Vorbei an den Müllhalden, immer die Meidum-Pyramide vor mir, setzte
ich Schritt um Schritt, als ob es nichts Leichteres geben könnte. Fans an
der Straße und die Einheimischen, die gerade vom Friedhof nach Hause eilten,
bellende Hunde, die mich überlegen ließen, ob ich mich nicht mit Steinen bewaffnen
sollte, aber das Gewicht ... erleichterten den Weg.
DOCH DANN ...
Die Hälfte hatte ich und war am Sakkara-Kanal.
Da kam dieser kalte Gegenwind und die Schrittfrequenz wurde kleiner und kleiner!
Die Hüfte schmerzte, die Achillessehne zwickte und das Knie wollte auch nicht
mehr! Warum tu ich mir das an? Frisch sah ich sicher nicht mehr aus, aber
das Team .... Anja aus dem dritten Team überholte mich altes Schlachtross
nach kurzem Smalltalk und auch all die anderen, die ich vorher so leicht überholt
hatte. Beißen... kämpfen... weiter... Ich schaffte es dank des Teams, das
dann meinen Einbruch ausgleichen durfte! Aber ich war am Ar...!
Axel lief famos, aber er ist ja auch
kleiner als ich und konnte so besser dem Gegenwind trotzen und zudem ist er
als „Ossi“ Entbehrungen gewohnt – oh du Wohlstandsgesellschaft! Rami enteilte
in Begleitung einer Damenstaffel (!) und stellte tolle Durchgangszeiten auf,
so dass man befürchten muss, dass die Habig-Staffel ihm ein ernstzunehmendes
Angebot für das nächste Jahr unterbreiten wird!
Und dann kam Ralph! Digla-erprobt
stob er los, dass die Funken sprühten und man noch befürchten musste, dass
wir noch die „Rennpferd-Teams“ einholen würden und tatsächlich auf das Siegerpodest
müssten. Vor der Pyramide von Daschur sah man nur den Staub seiner aufgewühlten
Spur. Da sah der noch gut aus! Doch dann kam der Lauf am Kanal entlang. Oh,
jetzt sah er aber schlecht aus! „Keine Luft“, keuchte er und auch die Anfeuerungen
unserer „Lazaretttruppe“ an den wichtigen
Punkten schienen kaum noch zu helfen, dabei hatte er ja noch diesen
grässlichen Anstieg zur Sakkara-Pyramide vor sich! Armer Ralph! Und diese
Frauen-Staffel lief auch noch vorbei! Aber auch er schaffte es! Dort warteten
auch schon die Habig-Staffel und Reste unseres Teams (ich leider nicht mehr),
um ihn im Tross zum Ziel zu begleiten!
Hamdullilah, wir haben es geschafft
und erhalten Urkunden und Plaketten, denn 100 Kilometer in 9 Stunden und 6
Minuten zu laufen, das ist schon toll, wenn auch dieser ägyptische Einzelläufer
ein gutes Stück vor uns ins Ziel gekommen ist. Ob wir es noch einmal wagen?
Heute eher nicht ... aber wer weiß!
Wolfgang Engelhorn