Die Geschichte der Brotherstellung in Ägypten

- Brotbacken zur Zeit der Pharaonen und heute -

 

 

Die Wiege der Brotherstellung

 

Schon vor ca. 5800 Jahren wurde im alten Orient Brot hergestellt. Zuerst zerstieß man Getreidekörner und verrührte sie mit Wasser. Diesen Brei trocknete man in der Sonne. Man erhielt daraus eine sehr harte Sorte Knäckebrot. Zum Essen wurde das Brot in Wasser getaucht und man erhielt wieder einen Getreidebrei, der lange sättigte. So konnte man Reiseproviant für längere Zeit mit sich führen.

 

Die Menschen im alten Ägypten machten eine weitere Erfahrung: Wenn sie den Teig eine Weile an der Luft stehen ließen, veränderte sich der Geschmack und der Teig wurde lockerer. Dies geschah (und geschieht immer noch) durch wilde Hefen in der Luft, die den Getreidebrei fermentieren. Man erhielt dann einen Sauerteig.

 

1991 hat der Ägyptologe Mark Lehner in einem Experiment die Herstellung von Brot an den Pyramiden von Gizah nachgestellt. Als Vorbild und Orientierungshilfe dienten dabei Zeichnungen aus Sakkara, die die Herstellung der Brote zeigten. Die Brote wurden in einem Tonkrug gebacken, der aus zwei Teilen bestand und senkrecht verwendet wurde. Dieser Tonkrug lief am oberen und unteren Ende konisch zu. Man gab den Teig in den unteren Teil des Tonkruges und ließ ihn gären. In der Zwischenzeit wurde der obere Teil im Feuer erhitzt. Dann wurden die beiden Teile zusammengesetzt und im Feuer gebacken. Die Brote erhielten dabei Ober- und Unterhitze. War das Brot fertig, wurde es aus dem Tonkrug herausgeschält.

 

Um Abwechslung in die Brotherstellung zu bringen, wurden mit der Zeit unterschiedliche Getreidesorten wie Weizen, Emmer (ein Vorläufer des Weizens), Gerste oder Hirse verwendet. Einige Jahrhunderte später gab es Brote mit Feigen, Honig, Kräutern und Gewürzen, mit Sesam, Koriander und Anis.

 

Zur Versorgung der Pyramidenarbeiter des Pharao wurden sehr große Mengen Brot benötigt. Brot und Bier waren die Hauptverpflegung der Arbeiter. Auch die Soldaten erhielten drei Brote am Tag vom Pharao. Eine derartige Brotmenge konnte nicht mehr in Privathaushalten gefertigt werden. So entstand bald schon der Beruf des Bäckers, der großes Ansehen genoss.

 

Vorbildlich waren die Ägypter auch in der Konstruktion von Backöfen. Zuerst gab es Röhrenbacköfen. Das waren Röhren aus Lehm, in die man das Brennmaterial steckte und verbrannte und an deren Außenwände man das Brot zum Backen klebte. Später wurden dann feste Öfen aus Lehm direkt neben das Haus gebaut. Dort wurde von unten Hitze erzeugt. Über dem Feuer folgte eine Schicht aus gebranntem Lehm, die als Backfläche für die Teigfladen diente. Aus Holzmangel wurde als Brennmaterial Maisstroh, Maisstängel und die getrockneten und abgeernteten Maiskolben verwendet.

 

Mit dem Auszug der Juden aus Ägypten wurden die Brotrezepte „exportiert“. Von Israel aus ging der Siegeszug des Brotes weiter nach Griechenland, dann in das römische Reich und von dort gelangte es endlich auch in unsere Regionen.

 

Wir Deutschen übernahmen nicht nur die Brotherstellung, sondern erweiterten auch die Rezeptsammlung. Bei uns sind heute ca. 650 unterschiedliche Brotsorten zu haben. Hatten die Ägypter in der Antike den Spitznamen „Brotesser“, sind wir heute wohl die Weltmeister im Brotverzehr.

 

 

Ägyptens Brotkultur heute

 

Im Ägypten der Gegenwart wird Brot immer noch zu den Speisen gegessen. Heute lässt sich das Brot in sechs Hauptsorten einteilen: Shamsi, Balady, Betääw, Schämi, Simit und Fino. Zu jeder Hauptsorte gibt es einige Untersorten. D.h. die Brote gleichen sich innerhalb der Hauptsorte in der Herstellung, die Zutaten können variieren.

 

Aisch Shamsi

Shamsi ist wohl das älteste Brot und reicht zurück bis in die Pharaonenzeit. Heute findet ige Stunden in die Sonne. Daraus ergibt sich ein Sauerteig, der zu 4–5 cm großen Broten verbacken wird. Dies Brot ist schon gelockert.

 

Als der Ägyptologe Mark Lehner die Brote, die er wie zur Zeit der Pharaonen gebacken hatte (s.o.), mit seinen Helfern kostete, sagten seine Helfer, dies sei Aisch Shamsi.

 

 

Aisch Balady

Dies Brot wird in den Regierungsläden und Regierungsbäckereien günstig verkauft für im Moment 5 Piaster. Die Subventionierung erfolgt, indem ausgesuchte Mühlen das Mehl zu einem fixen Preis verkaufen. Die Regierungsbäckereien verbacken dies Mehl zu Aisch Balady Iswitt (braunes Fladenbrot). Dies Brot ist für jedermann erschwinglich, und wenn es heiß aus dem Ofen kommt, bilden sich schon mal Schlangen. Nichtstaatliche Bäckereien backen natürlich auch Aisch Balady, dies wird dann teurer verkauft, da die Bäckereien nicht das subventionierte Mehl verwenden dürfen. Dafür gibt es dort zusätzlich das Aisch Balady Abyad (das weiße Balady-Brot). Der Unterschied zwischen Aisch Iswitt und Aisch Abyad besteht darin, dass für Iswitt Vollkornmehl und für Abyad Auszugsmehl verwendet wird. Das Aisch Abyad ist immer noch dunkler als unser Weißbrot.

 

 

Aisch Betääw

Für Betääw wurde früher Maismehl verwendet. Da dies heute zu teuer ist, wird Betääw jetzt aus Weizenmehl gebacken. Die Brotform ist auch nicht festgelegt, weil es heute nur selten gebacken wird. Man isst zum diesem Brot Käse und Rettich. Vor allen Dingen wird es in den ländlichen Regionen gegessen, wenn die Landarbeiter Pause machen. Es ist leicht und sauber zu transportieren und sättigt gut.

 

Eine Unterform des Betääw ist da Aisch Roää, das ohne Hefe gebacken wird. Es wird sehr dünn ausgebacken und findet in der ägyptischen Küche Verwendung für Aufläufe mit Fleisch und Hackfleisch. Sehr beliebt ist es auch vor allem bei der Landbevölkerung, Roää mit Fleisch geschichtet und mit Fleischsuppe begossen zu verzehren. Ansonsten wird eine Art Milchsuppe gemacht und das Roää dort eingetunkt. Dies ist das Brot, aus dem das typische Umm Ali, das leckere ägyptische Dessert, hergestellt wird.

 

 

Aisch Shämi

Dies ist die teuerste Brotsorte. Das Brot ist weiß und feiner als das Balady Abyad. Vor allen Dingen wird es mit Ta´ameya und Salat oder mit Foul gefüllt verzehrt.

Das Aisch Shämi soll seinen Namen von den Belad Ishäm haben, dem Gebiet der Länder Syrien, Libanon, Jordanien, Palästina. Sie bildeten vor der Kolonialisierung eine kulturelle Einheit.

 

 

Aisch Simit

Dies ist das bestaunte Brotrad, das mit Sesam bedeckt ist. Früher wurde dieses Brot viel im Zug verkauft. Vereinzelt sollen die Simit-Verkäufer noch in den Zügen zu finden sein. Ihre Rufe „Simit wa Gibna“ oder „Simit wa Doa“ motivieren die Reisenden Brot mit Käse oder mit einer Gewürzmischung (Doa) zu kaufen. Doa besteht aus Koriander, Sesam, Kümmel, Pfeffer, Pfefferminze, Nüsse, Salz und Chili.

 

 

Aisch Fino

Eigentlich ist Fino kein wirklich ägyptisches Brot. Aber heute stellt das Weißbrot den größten Anteil am Brotkonsum dar. Als Fino wird alles Weißbrot zusammengefasst: Kaiser, Petit Pain, Toast und anderes. Dies Brot ist unserem Weißbrot am ähnlichsten. Es soll italienischen Ursprungs sein. Es nimmt in der Wertschätzung der Ägypter einen hohen Stellenwert ein - vergleichbar mit der mitteleuropäischen Vorstellung von Weißbrot in früheren Zeiten.

 

 

Aisch Roschim

Dies Brot ist eine Art Knäckebrot. Es findet in der Diabetiker- Ernährung in Ägypten Verwendung. Ansonsten haben wir es für Fatoush, dem libanesischen Brotsalat, verwendet (siehe Rezepte in diesem Heft).

 

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