Das Weihnachtsfest im

koptisch-orthodoxen Christentum

 

 

Am 7. Januar feiern die koptisch-orthodoxen Christen Weihnachten. Ich hatte bereits davon gehört, dass die Ostkirchen einer anderen Zeitrechnung folgen als wir, aber nun stellte ich mir die Frage, inwieweit sich deren weihnachtliche Bräuche und Traditionen von den mir bekannten unterscheiden. Hatte ich vor meinem Umzug nach Kairo noch nie den Begriff Kopte (arabisch: al qipt, griechisch: Aigyptioin = Ägypter) gehört, war die Annäherung an das Thema eine echte Herausforderung. Ich startete meine Recherchen also voller Tatendrang und mit der Erwartung, viele neue Aspekte des Weihnachtsfestes kennen zu lernen. Gleich bei meiner ersten koptischen Gesprächspartnerin stellte sich heraus, dass das Thema komplexer war, als ich zunächst gedacht hatte: Diese Dame war zwar Koptin, aber seit ihrer Heirat koptisch-katholisch, während sie vorher koptisch-evangelisch war. Also leider keine ideale Gesprächspartnerin für mein Thema. Aber zwei Kontaktpersonen blieben mir glücklicherweise noch. Bei ihnen sollte ich die von mir gewünschten Informationen erhalten.

 

Zu Beginn meiner Ausführungen ein kleiner Selbst-Test: Welche Begriffe fallen Ihnen spontan zum Thema „Weihnachten“ ein? – Diese Frage hatte ich einigen Freunden und Bekannten gestellt. Zur Antwort bekam ich hauptsächlich Begriffe wie Weihnachtsmarkt, Glühwein, Geschenke, Advent, Weihnachtsstress etc. Als ich diese Frage meiner koptisch-orthodoxen Gesprächspartnerin stellte, sagte sie: „Weihnachten ist das Fest anlässlich der Geburt von Jesus Christus. Was soll mir noch dazu einfallen?“ Dies sollte sich als der eigentliche Schlüsselsatz meiner Recherchen herausstellen, denn auch zu meiner Frage nach typischen Weihnachtsleckereien sowie der Tradition des Schenkens gab es nur wenig zu berichten. Irgendwann bemerkte ich, dass meine Fragen unbewusst immer wieder mein eigenes, vertrautes und wie mir auffiel recht kommerziell geprägtes Bild von Weihnachten widerspiegelten. Mir wurde klar, dass sich die beiden Feste, vom religiösen Aspekt her gesehen, nicht allzu sehr unterscheiden. Schließlich feiern wir die Geburt Christi ebenfalls in einem Festgottesdienst.

Beide Traditionen kennen die vier Adventssonntage (für die Kopten begann der Advent im letzten Jahr am 12. Dezember) und auch das Fasten, das im koptischen Christentum 43 Tage vor dem Fest beginnt (25.11. – 06.01.) und der Reinigung von Körper und Seele, sowie der spirituellen Vorbereitung auf das Fest dient, hat es bei uns vor langer Zeit noch gegeben.

Während des Fastens verzichten die Kopten von Montag bis Freitag zwischen 0:00 Uhr und 15:00 Uhr auf tierische Produkte wie Fleisch, Eier, Käse etc. verzichtet. Wie bei uns wird das Haus vor dem Fest geputzt und festlich geschmückt. Sogar einen Weihnachtsbaum kann man in vielen Haushalten vorfinden. Zum Heiligen Abend kauft sich die ganze Familie gemäß einem alten Brauch, neue Kleider, die beim Festgottesdienst, der von 20:00 Uhr bis 01:00 Uhr stattfindet, das erste Mal getragen werden. Damit arme Familien auf diesen Brauch nicht verzichten müssen, werden sie von Kirchen und gemeinnützigen Einrichtungen unterstützt.

Die Heilige Messe des Patriarchen wird im 2. Programm des ägyptischen Fernsehens übertragen.

Nach dem Gottesdienst findet zu Hause ein Festessen, das eigentliche Fastenbrechen, statt. Hier gibt es dann unter anderem „Fattah“, ein Gericht aus Fleischsuppe, Reis und Brot, sowie „Kahk“, ein festliches Gebäck, das auch an muslimischen Feiertagen gereicht wird. „Fattah“ und „Kahk“ (Rezept siehe unten) gehören zu den einzigen wirklich traditionellen Speisen im Rahmen des Festes. Dabei hatte ich mir erhofft, Anregungen für verschiedene Plätzchensorten zu erhalten…

 

Zum Thema „Weihnachtsstress“ ergab sich zunächst eine kleine Pause. „Eigentlich gibt es das hier nicht. Vielleicht ein bisschen“ ,erklärte mir mein Gesprächspartner. Es ist auch nicht so, dass jeder von jedem Geschenke erhält. Tatsächlich setzte sich der Brauch des Schenkens erst in den letzten Jahren durch. Üblicherweise erhalten die Kinder von Verwandten zum Fest „el aidia“, das Festgeld, um sich Süßigkeiten zu kaufen oder einen Kinobesuch zu bezahlen. Die religiöse Seite steht eben im koptisch-orthodoxen Christentum noch voll und ganz im Vordergrund.

 

Interessante Gespräche, die zum Überdenken der eigenen Traditionen anregen und die mich veranlassen werden, mich noch mehr mit dieser Form des Christentums zu beschäftigen.

 

Papyrus wünscht Frohes Fest und „Novri Schai“.

 

 

„Kahk“

2 EL Butter in einer Pfanne schmelzen lassen und 2 EL Mehl unter Rühren hinzufügen. So lange rühren, bis das Mehl seine Farbe ändert und sich komplett mit der Butter vermischt hat. Danach 2 EL Sesam dazugeben und goldbraun rösten. Nun 1 Tasse Honig hinzufügen und so lange rühren, bis er geschmolzen und aus den Zutaten eine geschmeidige Masse geworden ist. Dann die Pfanne vom Herd nehmen.

In einer zweiten Pfanne 500 g Butter schmelzen lassen und nach kurzem Aufkochen beiseite stellen.

1 kg Mehl, ½ TL Salz, ½ TL Kardamompulver, ½ TL Zimtpulver, ½ TL Nelkenpulver in eine große Schüssel geben, das Sesam-Gemisch hineingeben und mit einem Holzlöffel verrühren. Nun unter ständigem Rühren die geschmolzene Butter hinzufügen.

Anschließend muss der Teig abkühlen und dann gut geknetet werden.

50 g Hefe (alternativ 2 Päckchen Trockenhefe) in ½ Tasse lauwarmen Wasser auflösen und 2 TL Zucker dazu geben. Die Hefelösung und das übrige Wasser zum Teig geben und so lange kneten, bis alles eine einheitliche Masse geworden ist. Nun kann der Teig zu kleinen Bällchen geformt werden, die anschließend für 90 Minuten zugedeckt an einem warmen Ort gehen müssen. Währenddessen 4 EL gemischte Nüsse (z. B. Mandeln, Pistazien, Haselnüsse) schälen, hacken und rösten.

Zum Schluss die Bällchen in der Hand platt drücken, einen Teil der Nussfüllung auf den Teig geben. Den Teig um die Füllung schließen und wieder zu einer Kugel formen.

Auf einem mit Backpapier ausgelegten Blech im vorgeheizten Backofen 20 Minuten bei 180°C goldbraun backen. Wer möchte, kann das Gebäck anschließend noch mit Puderzucker bestreuen.

 

Quelle: Pit Budde/Joseqhine Kronfei: Santa, Sinter, Jonlupulelei – Weihnachten hier und anderswo

Auf den Spuren fremder Kulturen, Ökotopia Verlag

 

 

Vielen Dank an Herrn Dr. Ghattas von der DEO für die geduldige Beantwortung all meiner Fragen!

hf

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