As salamu aleikum, liebe LeserInnen

in Ägypten und Deutschland!

 

Nun lebe ich „schon“ fast drei Monate in Ägypten, doch das Thema Geld ist immer noch ziemlich aktuell für mich! Ständig frage ich mich: wohin mit dem „Zaster“?? Wie ich mich doch an bargeldlosen Zahlungsverkehr gewöhnt hatte! OK, mein Mann erhält regelmäßig sein Gehalt – in Form von Schecks. Auch die Erstattungen für unsere Auslagen für den eigenen und den Gepäck-Transport von Good Old Germany to Merry Old Egypt sind uns zugeflossen, so dass wir nicht mehr von unseren Ersparnissen zehren müssen. Doch noch sind wir nicht Inhaber eines ägyptischen Bankkontos. Es ist unmöglich, auch nur ein Pfund auf´s Sparbuch zu überweisen. Für uns sparsame Deutsche ein fast unhaltbarer Zustand! Erst mit dem zuerkannten Status als Residents können wir ein Konto einrichten. Daran sind bekanntermaßen bestimmte Voraussetzungen sowohl unsererseits wie auch von Arbeitgeberseite geknüpft. Und bislang fehlt der entsprechende Stempel leider noch. Wir können lediglich die Schecks einlösen...

Ist es Euch/Ihnen auch schon so ergangen?

Ja, das liebe Geld! Dass es schwierig ist, es nicht auszugeben, das kennen wir aus unserem alten Leben in Deutschland. Hierzulande herrschen tatsächlich ähnliche Zustände, erkannte ich innerhalb kurzer Zeit, auch wenn es dem wohlhabenderen Europäer leichter gemacht wird, sein Geld zu behalten. Das LE ist bekanntlich weniger wert als der Euro. Doch muss der Quereinsteiger einige Regeln im Umgang mit dem ägyptischen Pfund zunächst durchschauen und dann verinnerlichen, so haben wir gelernt.

 

Regel Nr. 1: Guck Dir die Scheine, die Du eingesteckt hast, genau an, vor allem, wenn Du Neu –Ägypter bist!

 

Die Vielfalt der Scheinchen von Pfund und der nachgeordneten Einheit Piaster ist sehr verwirrend! Alles ähnelt sich, vor allem die älteren „Lappen“. Zudem stehen natürlich nur auf einer Seite die Zahlenwerte in lateinischer Schriftweise!

 

Regel Nr. 2: Führe immer einige Ein-Pfund-Scheine zusätzlich zum großen Geld mit Dir!

 

Ob Du Taxi fahren willst, oder einem Kind, das nicht bettelt, sondern dem Koran entsprechend eine Ware anbietet, ein Paket Papiertaschentücher abkaufst: Du benötigst abgezählte Ein-Pfund-Scheine. Und wehe, Du hast Dich verschätzt und dem Taxifahrer zu wenig Geld in die Hand gedrückt! Dann kann ich nur hoffen, dass Du nach dem Aussteigen gezahlt hast! Pardon wird nicht gewährt! Mein Mann hatte Glück ... 

 

Regel Nr. 3: Viele Händler nehmen nur unversehrte Scheine.

 

Was tun, wenn der Bankautomat mal wieder die alten, eingerissenen und geknickten Dinger ausgespuckt hat, die keiner will? Und die Bank hat schon geschlossen? Tja, dumm gelaufen! Da hilft nur, bis zum nächsten Tag warten und die Restaurantrechnung mit Karte zahlen. Wie, man befindet sich nicht im Besitz einer solchen??? Ob ich mit Singen davonkomme?

 

 

Regel Nr. 4: Zum Einkaufen oder vor der geplanten Einkehr in ein Luxusrestaurant immer eine Hose mit weiten Taschen anziehen (oder sich vorher einen Mann mit eben jenen Beinkleidern an’s Bein binden, so wie ich!).

 

Die 10-, 20-, 50-, und 100- Pfund-Scheine bekommt kein Mensch in eine normale Geldbörse, schon gar nicht, wenn man einen ganzen Packen Geld einsteckt. Und das muss man ja notgedrungen, denn 50- und 100-Pfund-Noten können meist nur die Supermärkte wechseln. Die kleinen Händler mit dem leckeren Obst und dem gesunden Gemüse sind besonders morgens um 9.00 h bei Geschäftsöffnung noch nicht flüssig.

 

Das habe ich neulich feststellen müssen. Ich wollte schlau sein und die „Morgenkühle“ nutzen. Sowohl beim Gemüsehändler als auch in der Bäckerei konnte ich zwar zahlen, aber nur mit einem  20 LE-Schein. Beide Geschäfte haben mir unabhängig voneinander je 2 LE gestundet. „Till tomorrow! You pay tomorrow!“ Wahrscheinlich rechneten sie nicht damit, den zugegebenermaßen kleinen Betrag jemals zu bekommen. Nach meiner Einkaufsrunde hatte ich dann Kleingeld und stellte meine deutsche Ehrlichkeit unter Beweis.

 

Ein weiteres Erlebnis mit „zu großen“ Scheinen fällt mir ein. Vor ein paar Tagen hatte ich telefonisch Trinkwasser geordert. Es wurde angeliefert von einem Fünfzehn- oder Sechzehn- Jährigen, mit dem Fahrrad. Die 3 Kisten kosteten 60 LE. Ich wollte mit einem 100-Pfund-Schein zahlen, weil ich kein kleineres Geld hatte, aber der Junge konnte nicht herausgeben. Und nun? Er gab mir, was er zusammenkratzen konnte und erklärte, er wolle die 100 LE irgendwo wechseln. Ich zeigte mich einverstanden. Tatsächlich war er nach etwa 15 Minuten zurück. Ergebnis: er konnte immer noch nicht wechseln. Aber ich solle am nächsten Tag ins Geschäft kommen. Er sei da, dann würde der Betrag verrechnet. Ich bin noch nicht dort gewesen ... 

 

Fällt mir eine weitere Regel ein? Oh, ja:

Regel Nr. 5:    Achte auf Dein Geld ...

....es ist schneller weg, als Du denkst, gerade weil vieles günstiger zu bekommen ist als in Euroland!      

                 

 

 

Astrid Kühnemann

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