von Bettina Knauth
Spätestens seit Januar macht Einkaufen in Kairo so richtig Spaß -
wenn man über ein Guthaben in Fremdwährungen verfügt. Preise
in der Heimat erscheinen dagegen exorbitant, wie ich beim Oster- und Sommerurlaub
feststellen konnte. Eine Hose für 100 Euro, bin ich verrückt? Das
wären umgerechnet fast 700 LE, dafür könnte ich in Kairo gut
und gerne sieben Hosen erwerben. Ein Fetzen Stoff, ein Kleid in modischer Optik,
das mich 150 Euro gekostet hätte, habe ich ähnlich in Downtown Kairo
für umgerechnet knapp 30 Euro gesehen. Und die Qualität ist - zumindest
in den bekannten Markengeschäften, die Baumwoll- oder Leinenbekleidung
verkaufen - nicht schlechter als daheim.
Aber die wenigsten Experten erhalten ihr volles Gehalt in Euro oder US-Dollar, auch ich solle nicht umrechnen, ermahnt mich immer wieder mein Ernährer und "Finanzminister", sondern mich an den Preisen hier orientieren. Und die sind teilweise merklich gestiegen, im Gegensatz zu den Löhnen, so dass ich mich oft frage, wie manch' einheimische Familie über die Runden kommt...
Noch immer lohnenswert und zugleich unvermeidlich ist der internationale Preisvergleich, wenn man mit Besuchern über die Basare oder durch die Boutiquen streift. Das Bauchtanztuch kostet umgerechnet 5 Euro, musst du da wirklich lange überlegen? Eine modische Baumwollhose für 15 Euro, dazu ein todschickes Top für 12 Euro - die Preise findest du nicht einmal bei H&M in Deutschland!
Richtig spannend wird es auf den Basaren. Ich gestehe, dass es mir Spaß macht, um jeden Piaster zu feilschen, schon als Sport - und weil ich mir sicher bin, am Ende immer noch als Unterlegene das Geschäft oder den Stand zu verlassen. In Euro umgerechnet, wird die Differenz zwischen dem angebotenen und meinem "letzten" Preis allerdings lächerlich gering.
Zu meinen Lieblingsbasaren gehört der Stoff- und Kleidermarkt Wikäla el-balah in Bulaq. Je weiter man in ihn eindringt, desto billiger wird die Ware. Neben Stoffballen aller Art werden imitierte und Second-Hand-Designerklamotten verkauft, auch reizvolle Unterwäsche wird offen auf der Straße ge-handelt. So manche Containerladung aus Kleidersammlungen in Europa landet auf solchen Märkten, zum Schaden der einheimischen Textilindustrie. Ich komme jedoch eher der preisgünstigen Stoffe wegen.
Manchmal zahle ich jedoch im Nachhinein drauf. Manch ein auf dem Stoffmarkt erstandener Meter billigen Stoffes weist, mit Muße betrachtet, etliche Webfehler auf. Andere Stoffbahnen büßen in der Waschmaschine einiges von ihrer Größe und/oder Leuchtkraft ein; so dass ein Betttuch schon mal zur Tischdecke mutiert. Die Farbe des im Sonderangebot erworbenen T-Shirts hat auf den zweiten Blick an manchen Stellen schon zu viel ägyptische Sonne gesehen.
Auch mein Gast entdeckt erst zu Hause die Kehrseite ihrer in Kerdassa billig erworbenen Galabija: Statt Vlieseline befindet sich unter der Stickerei und als Verstärkung des dünnen Stoffes im Ärmel Zeitungspapier (der sich bei der ersten Wäsche dann auf die ganze Waschmaschinenladung verteilt hat).
Drum prüfe, wer ein einheimisches Kleidungsstück oder einen Stoff
erwerben will, ob sich nicht noch etwas Papier oder ein anderer Fehler im Verborgenen
findet!