Bedrohte Schätze: Korallenriffe im Roten Meer

von Dr. Georg Heiss

Die Korallenriffe im ägyptischen Roten Meer sind im weltweiten Vergleich noch relativ intakt. Von dem großen Korallenbleichen, das 1998 große Riffgebiete im Indischen Ozean und Pazifik zerstört hat, sind die ägyptischen Riffe verschont geblieben. Es gib keine Flüsse, die große Mengen Abwässer einleiten und nur wenige Industrieanlagen.

Jedoch bedrohen Überfischung und Tourismus die Gesundheit der Riffe. Bau-maßnahmen in Riffnähe, die Einwehung von Sand, die direkte Zerstörung der Riffe durch trampelnde Touristen, Boote und Souvenirjäger stellen weiterhin massive Bedrohungen für die Korallenriffe dar. Der Druck auf die Riffe hält an, vor allem durch die großräumige Bebauung der Küstenlinie mit Ressorts, die seit den 80er Jahren im Süd-Sinai und der Region Hurghada stattfand und nun in den Süden Ägyptens vordringt. Zunehmende Urlauberzahlen und deren Nachfrage nach Fisch und anderen Meeresfrüchten verschärfen den Druck auf die ohnehin überfischten Bestände, der Verkauf geschützter Tierarten als Souvenirs ist trotz Verbots weiterhin zu beobachten.

Die Einrichtung von Schutzgebieten und Erstellung von Managementplänen gibt zwar Anlass zur Hoffnung, jedoch lässt die Umsetzung der Vorschriften zu wün-schen übrig. Beobachtungen in Sharm-el-Sheikh zeigen, dass selbst dort, wo jedes Neubauprojekt ein "Environmental Impact Assessment" vorweisen muss, diese Vorgaben nicht in allen Fällen umgesetzt werden. Erfolgreiche Ansätze sollten aber nicht unerwähnt bleiben, dazu gehören die Errichtung des Ras Mohammad National Parks sowie weiterer Schutzgebiete im Sinai und die Installierung von fest verankerten Bojen für Tauchboote in Hurghada und Sharm-el-Sheikh. Aber auch hier sind die erreichten Erfolge gefährdet, weil z. B. abgerissene Bojen seit Jahren nicht ersetzt werden.

Eine vermeintliche Bedrohung der Existenz der Riffe ist das lokale Massenauftre-ten von Dornenkronenseesternen im Golf von Aqaba. Von vielen Tauchbasen und Hotels, aber auch von der ägyptischen Umweltbehörde, wird dieses Massenauftreten als eine Bedrohung der Korallenriffe betrachtet. Jedoch ist dieses Phänomen in seiner Dimension weder mit dem Massenauftreten wie im australischen Great Barrier Reef vergleichbar, noch sind die ökologischen Zusammenhänge bisher eindeutig geklärt. Daher sind die langfristigen Effekte des Massenauftretens von Dornenkronen bzw. des Entfernens der Seesterne nicht vorherzusagen. Es kann sich durchaus um einen für ein gesundes Riff völlig normalen Vorgang handeln, der ähnlich wie Waldbrände für eine Verjüngung der Bestände sorgen kann.

Die Korallenriffe in Ägypten sind die Grundlage für einen weiterhin wachsenden Küstentourismus. Nur durch verantwortlichen Umgang mit den Riffen kann diese Basis erhalten werden.

Freiwillige untersuchen die Riffe

Um den Zustand und die Entwicklung der Riffe in Ägypten zu beobachten, haben sich Wissenschaftler und Sporttaucher in der Initiative "Reef Check" mit etablierten und umweltbewussten Tauchbasen im Roten Meer zusammengetan. Im Roten Meer werden die Reef Checks regelmäßig in Sharm el Sheikh, Dahab, Hurghada und Marsa Alam durchgeführt.

Wissenschaftler und Taucher "checken" seit 1997 jedes Jahr einige Tage den Zu-stand ausgewählter Riffe. Die Freiwilligen werden in einem kleinen Seminar mit den Methoden vertraut gemacht. Bei einem Übungstauchgang wird noch einmal alles durchgespielt und die Bestimmung der Organismen unter Wasser geübt. Dann gehen die Taucher in Zweier-Teams unter Wasser und zählen entlang einer hundert Meter langen Leine bestimmte Indikatoren für die Riffgesundheit. Die Indikatoren sind leicht zu erkennen und geben Auskunft über den Einfluss des Menschen auf das Ökosystem. Sie sind in drei Gruppen eingeteilt: Fische, Weichtiere und Substrat (wie Korallen, Sand, etc.). Je nach Tauchgebiet werden die Tauchgänge vom Boot oder vom Strand durchgeführt. Die Gruppe wird von einem Wissenschafter bzw. einer Wissenschaftlerin betreut.

An jedem Riff wird jeweils ein Reef Check in ca. fünf sowie in zehn Metern Tiefe durchgeführt. Da der Reef Check keine harte Arbeit darstellt, sondern in einen gelungenen Urlaub integriert werden soll, bleibt noch genug Zeit für Fun-Tauchgänge.

Viele Teilnehmer sind schon zum zweiten oder dritten Mal dabei, im September reist sogar ein ganzer Tauchclub aus Österreich extra zum Reef Check in Marsa Alam an. Die Freiwilligen buchen ihre Tauchpakete ganz normal bei den Tauchbasen, die Teilnahme an Reef Check ist kostenlos. Bisherige Teilnehmer schätzen es sehr, dass sie einen neuen Einblick in das Ökosystem Riff gewonnen haben, und gleichzeitig an einer weltweiten Initiative teilgenommen haben, die hilft, den Schutz der Korallenriffe zu verbessern.

Reef Check im Roten Meer ist Teil einer internationalen Initiative von Wissenschaftlern und Sporttaucher-Teams, die regelmäßige Beobachtungen von Riffen in allen tropischen Meeren vornehmen. In den letzten fünf Jahren wurden an Riffen in über 50 Ländern über 1500 Untersuchungen der Riffe durchgeführt.

Reef Check International begann im Jahr 1996 als eine Freiwilligen-Initiative, wurde 1999 als gemeinnützige Non-Profit-Organisation in Hong Kong registriert und hat heute seinen Sitz an der Universität von Los Angeles. In Deutschland wurde Reef Check e.V. im Jahr 2001 als gemeinnütziger Verein gegründet.


Dr. Heiss ist Geologe, spezialisiert auf Sedimentologie und Meeresgeologie, Korallenriffe und Klimawandel. Seit 1992 hat er immer wieder in Ägypten geforscht, war aber auch in Jordanien und im Indischen Ozean unterwegs. 1997 stieß er zu Reef Check. In Kairo lebt Dr. Heiss seit Herbst 2002. Ebenso wie seine Partnerin bei Reef Check Kairo, Dr. Moshira Hassan: Die Ägypterin ist Meeresbiologin, spezialisiert auf Korallenriffe, deren Wachstum und deren Zerstörung. Für Reef Check engagiert sich Dr. Hassan seit 1996. Seit September 2002 unterrichtet sie als Assistant Professor an der American University Cairo (AUC).

Sind Sie interessiert? Haben sie Lust, einige Tage im Riff zu tauchen und als "Meeresbiologe" an Reef Check teilzunehmen?

Dann informieren Sie sich näher über das Programm im Internet, lernen Sie mehr über die Korallenriffe und engagieren sich für deren Erhaltung durch Ihre Teilnahme. Oder unterstützen Sie Reef Check durch eine Spende oder Fördermitgliedschaft.

Mehr Informationen über Reef Check im Internet unter http://www.reefcheck.de und per E-Mail: info@reefcheck.de oder telefonisch in Kairo:
Dr. Georg Heiss, Dr. Moshira Hassan: 02 - 736 43 25

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