Kleine Kairoer Baumkunde

von Dr. Lore Becker

Teil 1: Was blüht im September und Oktober?


Das große, reichhaltige Blühen vom Frühsommer, vor Ferienbeginn, ist längst beendet. Die feuerroten Mai- und Juniblüten der Flamboyants, der Flammenbäume, sind inzwischen abgefallen und vergessen.

Nur an wenigen Ästen haben die Flamboyants lange, braune, holzige Bohnenfrüchte ausgebildet, während die tiefblauen Jakarandas kurze, beige-braune, froschkopfähnliche Holzsamen hinterlassen haben und das Elefantenohr seinen Namen mit Hunderten von schwarzbraunen nieren- bzw. elefantenohrähnlichen Holzkapseln bestätigt. Bei allen sitzen die holzigen Samen sehr drollig dekorativ zwischen den schönen doppeltgefiederten Blättern, die man bei den drei Arten nicht voneinander unterscheiden kann. Aber an den charakteristischen Holzbäumen können wir doch erkennen, welchen Baum wir vor uns haben.

Der letzte Sommerblüher, der sich im September und Oktober üppig entfaltet und mit seinen exotisch gefärbten und geformten Orchideenblüten erfreut, wird Chorisia crispiflora oder auch ventricosa genannt, der Florett-Seidenbaum (oder auch umgekehrt, Seidenflorettbaum), eine Charakterpflanze des Bornwaldes vom Gran Chaco im nördlichen Südamerika. Der lateinische Name crispiflora heißt "krausblütig", denn die großen rosa-gelben Blütenblätter mit zarten Strich- und Punktmustern sind am Rande hübsch gewellt. Ventricosa heißt "dickbäuchig", denn der Stamm ist flaschenförmig gebaucht als Wasserspeicher, bleibt in der Jugend grün und ist mit dicken, derben, buckligen Dornen besetzt. Das sieht recht eigenartig dekorativ aus und macht ihn im Moment zu einer Art Modebaum in Ägypten. Man findet ihn im Operngelände als Zierbaum, aber auch als Alleenbaum in Neubauvierteln.

Mit Früchten beglückt uns der Seidenflorettbaum in Ägypten selten. Es sind birnenförmige Holzkapseln, mit langen, seidigen Flughaaren für die Samenkernchen gefüllt. Die Engländer nennen ihn deshalb Vegetable Silk Tree, während sie den Bombaxbaum, der im frühen Frühjahr mit den roten Tulpenblüten blüht und sehr ähnliche Früchte hat, den Silk Cotton Tree nennen.

Als letztes Geschenk des Sommers beglücken uns die mächtigen Sycomorenbäume, die Pharaofeigenbäume (Ficus sycomorus). Nicht mit Blüten, sondern mit ihren dicken , orangerosa Feigenfrüchten, die süß, essbar und groß wie normale Essfeigen (Ficus carnica) sind. Sie sitzen in verwurlten Nestern auf kurzen, knorzeligen Stielchen, sehr malerisch gleich an Stamm und Ästen und werden als "Pharaofeigen" (Gammez) verkauft. Eine Reihe uralter Sycomoren wächst entlang des Maadi-Clubs.

Dieser Baum gehört zu den wenigen in Ägypten beheimateten Bäumen, der als heiliger Baum der Götter in pharaonischen Zeiten verehrt wurde, dessen Holz aber auch benutzt wurde. Aus diesem Holz wurden z. B. die alten Mumiensärge geschnitzt, aber auch Ackergeräte stellte man aus Sycomorenholz her.

Benutzte Literatur:

Das Baumbuch von Maadi. Mit Text und Zeichnungen von Ursula Kamel. (In den Bibiotheken der beiden deutschen Schulen DEO und DSB erhältlich)
Street Trees in Egypt von M. Nabil El Hadidi und Loutfy Boulos, Zeichnungen von Magdi El-Gohary.
Illustrated Polyglottic Dictionary of Plant Namens von Armenag K. Bedevian, 1936

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