Tiere, die besten Freunde des Menschen

von Wolfgang Engelhorn

Es wird Sommer, man geht in die Küche und will nur schnell am Waschbecken einen Apfel abwaschen und ... da entdeckt man sie: kleine, emsige und wild umherstreifende naml!

Der Forscherdrang bricht hervor und man verfolgt die Spur, die über alle noch so kleinen Speisereste an den Wänden entlang, oft zu unglaublichen Gründen führt wie Steckdosen, Verteilerbuchsen oder irgendwelchen Fugen zwischen den Kacheln. Da gutes Zureden nicht hilft, werden sie das erste Mal mit dem Finger plattgedrückt und ihre Wiederkehr durch den Wegschluss aller möglichen Essensreste zu verhindern gesucht. Aber weit gefehlt. Am nächsten Tag findest du sie wieder und dein freundliches Zureden gipfelt in er Androhung und dann in der dem ökologisch interessierten Mitteleuropäer verpönten Benutzung von umweltverträglichem Insektenvernichtungsmittel - nur der Ignorant benutzt sofort das hochwirksame " Piffpaff"!

Eine kleine Episode? Mitnichten. Die Zeit der Nahrungssucher hat begonnen! Plötzlich tauchen, wenn man im Badezimmer das Licht anmacht, die großen Ameisen auf, rennen geschäftig umher und man fragt sich, was können die nur im Badezimmer suchen oder sollte es sich um "insekte" Spanner handeln? Der tierliebende Mensch ignoriert sie, die Kinder treten auf sie und bringen sie mit einem lauten "Krrr" in den Insektenhimmel und du hast deine Hemmungen schon weitgehend hinter dir gelassen, mehrere Flaschen des bekannten Mittels auf Vorrat gekauft und bringst sie nun zur Anwendung! Andere Tierchen wollen nun auch ihren Anteil an deinem wohlgefüllten Mülleimer erhalten und balgen sich darum. "Piffpaff" richtet`s und die Kakerlaken kakern auf den Schalen!

Doch nun zur eigentlichen Geschichte!

Es war im letzten Monat! Ich bemerkte kleine wurmförmige, aber mir unbekannte schwarze Gebilde auf dem Badezimmerfensterbrett und dann auch in der Küche! Meine Neugierde war wieder geweckt! Bei der Hitze lässt man natürlich gerne Türen und Fenster offen und nachdem ich die Tür zum Dach (ich wohne in der obersten Etage) mit einem Drahtgitter abgedichtet hatte und ich somit auch keinen ungebetenen Besuch von Katzen mehr befürchten musste, fühlte ich mich eigentlich sicher! Doch was war das? Im Augenwinkel hatte ich ein Huschen aus der Tür auf die Terrasse gesehen. Sensibilisiert, aber müde schließe ich die Tür, aber schon nach kurzer Zeit erregt mich ein Kratzgeräusch von dort. Ich schleiche mich heran und beobachte nun hellwach, ohne mich zu regen. Nach einigen Minuten taucht "ES" auf und will wieder rein! EINE MAUS! Ich nenne sie Frau Tumpel-Gugerell, da alles seine Ordnung haben muss! Ich erschrecke sie und überlege schon, wie ich sie - ohne ihr weh zu tun - davon abhalten kann, ständig mein Heim im 15.Stock heimzusuchen. So setze ich mich vor die Balkontür, die ich halb mit dem Türladen schließe, so dass nur noch ein kleiner Spalt offen ist, habe einen kleinen Karton für die Öffnung vorbereitet, in dem zudem Käse duftet, und halte über dem Karton ein Früstücksbrettchen, das ich bei Bedarf blitzschnell fallen lassen kann! Die Maus ist gefangen und ich habe meine Ruhe. Wohlgedacht, aber die Durchführung bereitet Probleme! Nach einigen Minuten des Wartens zittern mir schon die Hände, die zudem schweißnass werden. Der Karton wackelt unruhig in meinen Händen und versehentlich fällt mir schon das Brettchen herunter. Endlich pirscht sich Frau Tumpel-Gugerell doch heran, langsam und den Schatten nutzend, aber ich sehe sie! Ruhe, Konzentration und Nervenstärke sind gefragt! Beim zweiten Versuch raschelt es im Karton. Das Brettchen fallengelassen - und .... die Maus ist weg - meine Nerven flattern!

Mein liebevoller Versuch eines friedvollen Entfernens von Frau Tumpel-Gugerell ist gescheitert. Das heißt Krieg und geschlossene Türen! Am nächsten Morgen zu dem Fachgeschäft, das mich mit Silikon, Draht und Schrauben versorgt und mit Händen und Füßen erklärt, was ich will. Der Menschenauflauf war enorm! Am Ende hilft der baba, der ein wenig Englisch versteht. Dabei will ich doch nur eine farah-Falle oder wie das Ding heißt. Alle sind glücklich, als ich mit dem grünen Gitterwerk davonziehe und wünschen mir Glück! Die Konstruktion ist simpel, aber human, denn nicht wie in Deutschland, wo mit der Falle der Maus das Genick gebrochen wird, landet sie hier im Käfig, dessen Klapptür mit einer filigranen Drahtkonstruktion ausgelöst wird und du dann den "Gegner" intensiv betrachten kannst! Gekauft, angewendet und Frau Tumpel-Gugerell sitzt in der Falle! Aber sie lebt! Und was mache ich jetzt? Den Flugtest aus dem 15. Stock? Der Einsatz eines Schafotts? Die Drahtschlinge? Humanität, was ist das? Ich entschließe mich mit Hinterlist, "das Ding" auf der Straße auszusetzen, so dass keine persönliche Schuld auf meinen schwachen Schultern lastet, aber wohlwissend, dass dort ständig hungrige Katzen herumlungern. Eine letzte Ermahnung an Frau Tumpel-Gugerell und schon flüchtet sie, den Brocken des boawab entkommend, der auch keine Mäuse in seiner Unterkunft haben möchte. Auf die sonst in jedem Müllsack suchenden Katzen war auch kein Verlass!

Kollegen die Geschichte erzählend meinten sie, dass Mäuse gemäß Aristoteles gesellige Tiere seien und ich vorsichtig sein sollte. Aber ich hatte ja noch die Falle und die blieb aufgestellt! Und richtig, nach ein paar Tagen saß Frau Stockschlaeder-Nöll in der Falle. So klein wie sie aussah und mich mit ihren großen dunklen Ausgen ansah, konnte ich ihr kein Leid antun und so ging auch sie den Weg der Gerechten - mit dem Aufzug hinab und über die Mauer in Nachbars Garten. Sollte doch der den Stein erheben und zum Mörder werden. Bin ich das personifizierte Misstrauen, wenn ich die Mausefalle auch weiter aufgestellt ließ und des Nachts auf das Schnappen des Klappmechanismus hörte?

Und wieder richtig! Einige Tage später saß "ES" in der Falle, die ich nun auf den kleinen Balkon verlagert hatte, weil nun dort gehäuft kleine Hinterlassenschaften meiner Mitbewohner aufgetaucht waren - ein richtig fettes Exemplar mit diesen Augen und den runden Ohren. Ihr Schwanz war so lange, dass sie zwar in der Falle nach dem Käse geschnappt hatte, aber das Ding immer noch heraushing.Meine Geduld war eigentlich erschöpft, aber die werten Kollegen der Biologie wollten für ihre Schüler keine praktischen Lehrversuche ansetzen, obwohl doch sonst auch Rinderaugen oder Frösche ihr Leben für die Wissenschaft hingeben müssen.Vielleicht hätte ich das Prachtexemplar, das dieses Mal den Namen Skarpelis-Sperk erhielt, einem Kosmetikkonzern für die Erprobung einer neuen dermatologischen Hautcreme gegen Altersfalten anbieten können, aber mein Boawab Mahmoud nahm mir das Tier ab und was ich nicht weiß, .... brachte Frau (oder Herrn ?) Skarpelis-Sperk ins Tierheim- inshal allah!

Nun war Ruhe! Mein nervöser Blick zur Balkontür des Abends wich einer entspannteren Haltung, nur die manchmal penetranten Fliegen ärgerten mich. So ließ ich ein Fliegenfenster im Arbeitszimer installieren und in der Küche ergriff ich selbst das Werkzeug, zimmerte, sägte und klebte und schon war das Gitter fertig und ich von den Fliegen befreit.

Welche Überraschung, als ich am Freitag Morgen ein Müsli bereiten und einen Apfel aus der Schale anschneiden wollte. Hatte ich ein schlechtes Exemplar gekauft?

Mein Blick fiel auf mein Fliegengitter. Ein Loch links unten! Da war schon wieder ein Harami eingedrungen! Was zu viel ist, das ist zu viel!
Zwei Tage später war die Falle mit einem Prachtexemplar gefüllt. War das ein Wiederholungstäter? Dieser monströse Schwanz kam mir bekannt vor und zudem hatte er sich in dem Federmechanismus der Falle so verheddert, dass an Bewegung kaum zu denken war.

Alle pädagoischen Gespräche waren ohne Erfolg geblieben, Fliegengitter nutzlos. So bleibt nur "Murin" (Forte Mini Pellet - Mouse and rat killer für 3.25 LE) übrig und der Wegschluss aller Lebensmittel aus dem zugänglichen Bereich.

Lerne: In jedem Menschen steckt ein Killer, wenn auch manchmal ein verdeckter!

zurück