Aphrodite's Child - Eine etwas andere Zypernreise
von Wolfgang Engelhorn
Wer schon längere Zeit hier in Ägypten lebt, konnte mit Sicherheit schon viele der Sehenswürdigkeiten erkunden. Aber es gibt auch außerhalb der ägyptischen Grenzen eine Reihe von reizvollen Reisezielen, die sozusagen direkt vor der Haustüre liegen und mit dem Flugzeug in kurzer Zeit zu erreichen sind. Diese bieten sich ideal an für einen Kurzurlaub oder eventuell als Stop-over auf dem Weg nach Europa. In lockerer Folge möchte Papyrus Ihnen einige davon vorstellen.
In vielen Menschen brodelt der Hunger nach Ferne und Abenteuer, aber oft fehlt es dann an dem entscheidenden Schritt, etwas ohne vorherige Planung und minutiöses Timing zu unternehmen, denn es könnte ja Situationen geben, die einen vor Probleme stellen. All jenen möchte ich Mut machen, Reisen in noch unbekannte Länder ohne Pauschalbuchung und -betreuung zu unternehmen!
Im Juni 2003 wollte ich von Ägypten aus Zypern bereisen, aber dann nicht zurückfliegen, sondern von der Türkei direkt nach Deutschland gelangen. Das Studium der Reiseführer verunsicherte mich, da es dort immer hieß, dass ein Grenzübertritt vom Süden Zyperns in den Norden nur für einen Tag möglich und vom Norden in den Süden überhaupt nicht denkbar sei. Meine Kontaktaufnahme mit der deutschen Botschaft in Nicosia verlief dann auch unbefriedigend, weil man mir nur deutlich machen wollte, dass ich gefälligst im Süden bleiben sollte und der Grenzübertritt in den von der Türkei besetzten Norden auf eigenes Risiko erfolge. Weiter unangenehm schlug mir entgegen, dass bei Egypt Air bei einer Anfrage die Möglichkeit bestand, einen One-way-Flug zu reservieren, aber beim Kauf des Tickets dann auf ein Return-Ticket bestanden wurde (Vorschrift der Republik Zypern). Da aber der Einfachpreis vom Returnticket nur um 80 LE abwich, buchte ich das Ticket. Solche Kleinigkeiten dürfen den "Abenteurer" nicht von seinem Vorhaben abbringen!
Endlich konnte es also losgehen und nach 75 Minuten landete ich schon auf dem
Provinzflughafen Larnaka. Der Taxifahrer wollte mich natürlich sofort in
ein Hotel schleppen, mit dem er irgendwelche Verbindungen hatte, aber da hilft
das Reise-Know-How doch erheblich und wenn man nicht zu viel Gepäck hat,
kann man diese Stadt gut zu Fuß erkunden. Prinzipiell muss man sagen,
dass die Hotelpreise auf Zypern gesalzen sind. Umgerechnet 35 Euro für
ein einfaches Hotel im Einzelzimmer mit Frühstück war der günstigste
Preis und auch die Kosten für die Verpflegung sind eigentlich unangemessen
hoch.
Larnaka bietet keinen schönen Strand, hat aber ein minimales türkisches
Viertel, ein sehenswertes Aquädukt und weitere kleinere Sehenswürdigkeiten.
Aber von hier kann man gut seine Tour über die Insel beginnen. In der Nähe
des Flughafens und des Salzsees lohnt auch die kleine Moschee der Tekke, einer
verehrungswürdigen Dame des Islam.
Der Süden verfügt über hübsche und sehenswerte kleine Kirchen und Klöster, wenn auch die ständig unterschiedlichen Öffnungszeiten nerven und man nach einigen Besuchen genug von den Ikonostasen und dem ständigen Umziehen hat. Denn ein Kirchenbesuch mit halblangen Hosen oder unbedeckten Oberarmen ist undenkbar. Den Höhepunkt bildete da sicher ein alter Kirchenwächter, der mein Umziehen beobachtet hatte und mich massiv abwies, indem er mir demonstrierte, wie gläubig man gerade an diesem Platze in Nicosia sei. Hier scheint mir auch von Seiten der gläubigen Gottesdiener vor Ort doch ein wenig mehr Toleranz angebracht!
Ich mietete mir also einen Motorroller, schnallte meine Tasche auf und den Rucksack um und schon ging es los und das bei Linksverkehr! Der Verkehr ist insgesamt nicht sehr stark, vor allem wenn man Kairo-Erfahrung aufweist. Über Kitti fuhr ich immer in Richtung Süden nach Limassol, vorbei am Governor`s Beach. Im Norden von Limassol reiht sich ein Hotelklotz an den anderen und man ist froh, wenn man diesen Teil der Stadt hinter sich gebracht hat. Das alte türkische Viertel lohnt sich wiederum, doch dann wollte ich weiter auf den Spuren der Johanniter zu deren Zuckerrohrpresse nach Kolossi. Wer das Mittelmeer bereist hat, der hat auch Kontakt zu den imposanten Bauwerken dieses kämpfenden Ordens des Heiligen Landes gefunden: Syrien, Rhodos und Malta sind Sternstunden der Bauten der Johanniter. Ein Besuch der Turmburg sowie der Produktionsstätten des hochbegehrten Zuckerrohres lohnt sich auf jeden Fall, doch kann man ohne Probleme noch weiter nach Kourion fahren. Diese antike Stadt liegt in exponierter Lage hoch über einem herrlichen Strandabschnitt und so lassen sich Sightseeing und Erholung gut kombinieren. Zudem gibt es am Strand und in der näheren Umgebung nette kleine Restaurants, die zur Einkehr einladen. Die antike Stadt bietet durchaus einiges, aber zur Zeit wird sehr viel gearbeitet und mit Dächern gegen die Witterung versehen, so dass der volle Eintrittspreis nicht gerechtfertigt erscheint.
Im folgenden Küstenabschnitt haben sich dann Engländer der Luftwaffenbasis der Akrotiri-Halbinsel im Süden aus begreiflichen Gründen niedergelassen. Wundervolle Landschaften mit herrlichem Ausblick laden geradezu zum Verweilen ein und zu dem bekannten Strandabschnitt der Aphrodite ist es auch nicht weit. Leider blieb mir nicht genügend Zeit, denn ich wollte ja an diesem Tag bis Paphos fahren, aber die Abendstimmung dort ist wirklich mythisch! In Paphos fand ich dann im alten Zentrum ein kleines Hotel mit wunderbarem Jugendstil-Design, das so auf dem Hügel liegt, dass man von der Terrasse auf die Hotelstadt unterhalb und das Meer im Süden schauen kann. Paphos ist leider neben Agia Napha nördlich von Larnaka touristisch überlaufen. Es lohnen sich die touristischen Angebote, doch so euphorisch wie in den Führern beschrieben ist das Gebotene dann doch nicht. Die Mosaikhäuser sind sehenswert, aber wer die tollen Arbeiten z.B. in Tunesien gesehen hat, wird enttäuscht sein. Die Königsgräber, ein weiteres Ausflugsziel, sind ja nun eigentlich nur Gräber des Adels und wer denkt da nicht an die Gräber in Luxor oder Petra in Jordanien und vergleicht. Zudem sind die Ausschilderung oder Erklärungen dürftig, die Anlagen weitgehend mit Grünzeug überwuchert, hingegen die Preise deftig. Als Tipp für Pistenfahrer empfehle ich ein Bad bei der Adonis-Quelle auf dem Weg in Richtung Polis. Der geschäftstüchtige Besitzer zockt nach 15 anstrengenden Kilometern über eine wilde Piste die Besucher mit einem Wuchereintrittsgeld ab, aber das eiskalte Wasser unter dem Wasserfall sowie die witzigen Geschichten über Ägypten entschädigen das finanzielle Opfer. Und wer will zudem nach dieser Strapaze ohne Erfüllung den Rückweg antreten? Polis an der nördlichen Westküste bietet tolle Strände und eine angenehme Atmosphäre für die Touristen, denen der Trubel der Touristenhochburgen zu wild erscheint. Aphrodites Bad entspricht nicht der Vorstellung, die man sich vorher macht, aber von dort lässt es sich gut wandern, zudem findet man nette Restaurants über der Küste und feine Kiesstrände mit kristallklarem Wasser. Sogar die Schildkröten mögen diese Strände!
Von Paphos aus lenkte ich meinen Roller ins Trodos-Gebirge. Vor den Bussen am Chrysorroyiatissa-Kloster zu sein lohnt schon wegen des Blickes in die herrliche Landschaft, hingegen ist ein Besuch des grässlich überlaufenen Kykko-Klosters, wo Erzbischof Makarios begraben liegt, eher ein Fehler. Busladungsweise werden die Touristen angekarrt, um die Klosterlegenden anzuhimmeln und das im Schweinsgalopp! Ein Ausflug durch den Naturpark zu dem Zederntal erscheint mir entspannender und lohnenswerter, wenn ich auch nach insgesamt 30 Kilometern Piste ziemlich durchgerüttelt war. Das Trodos-Gebirge mit 2000 Metern Höhe erfrischt durch wunderbare Luft, vor allem, wenn man aus Kairo kommt. Direkt in der Nähe des Gipfels fand ich ein nettes Hotel und war der einzige Gast. Wer gerne wandert, findet dort sehr gute Möglichkeiten.
Aber meine Reise sollte ja noch weiter gehen und so musste ich nach Larnaka zurück, meinen Roller zurückgeben. Dann fuhr ich mit dem Linienbus nach Nicosia. Diese Stadt mit den venezianischen Bastionen könnte das Juwel der Insel sein, aber diese unsägliche Teilung der Insel durch politische Betonköpfigkeit scheint kaum überwindbar! Tony's Bed and Breakfast-Pension ist ein guter und preiswerter Tipp in der Altstadt. Von dort lassen sich alle Sehenswürdigkeiten zu Fuß besuchen. Auf die uneinheitlichen Öffnungszeiten sei verwiesen!
Am nächsten Tag wollte ich dann die Reise in den Norden antreten. Mit meiner Reisetasche und dem Rucksack rollte ich also zum Grenzübergang. Der Grenzbeamte musterte mich und mein Gepäck kritisch. Seiner undeutlich formulierten Frage setzte ich vermeintliche Unwissenheit entgegen und siehe da, sein Vorgesetzter fragte nett und glaubte meinen Ausführungen, dass ich nach meinem Tagesbesuch im Norden Zyperns direkt mit meinem Gepäck nach Larnaka zurück müsse. Kein Stempel im Pass und die Türken sind so freundlich und stempeln ihren Einreisevermerk auf ein Extrablatt. Schnell zur nächsten Dolmus-Station (Sammeltaxi) und schon war ich im hübschen Küstenstädtchen Girne, das die Griechen Kyrenia nennen.
Hier sei eine Bemerkung angebracht! Karten und Bücher, die man in Deutschland zu kaufen bekommt, weisen nur die griechischen Bezeichnungen auf. Der Baedecker-Verlag, den ich deshalb anschrieb, teilte mir mit, dass die zyprische Verwaltung darauf bestehen würde. Die Fehler in der Straßenkarte des Norden wurden mir zudem so erklärt, dass das türkische Militär die Infrastrukturangaben als geheim betrachte (!). Zu beiden Punkten kein Kommentar! Es ist allerdings schon beschämend, wenn von den zypriotischen Griechen alle Schuld der Teilung der Insel 1974 der türkischen Minderheit zugeschoben wird. Schließlich wurde der UN-Teilungsplan aus den 70er Jahren, der der türkischen Minderheit Sonderrechte einräumte und der zuerst von den griechischen Verwaltungsorganisationen gebilligt wurde, bei der Umsetzung torpediert, weil der Ruf "Heim ins (griechische) Reich" immer vernehmlicher wurde und man diese Kreise mit Härte gegenüber der Minderheit zufrieden stellen wollte. Die türkische Militärpräsenz im Norden ist nervig und entspricht nicht mehr dem Wunsch der Bevölkerung nach einem Miteinander, aber diese einseitigen Schauermärchen in den Reiseführern sowie die Ignoranz gegenüber dem Nordteil der Insel sind auch nicht besser!
Girne ist ein wunderbarer Hafenort mit einer tollen venezianischen Festung. Die türkischen Touristen verlieren sich und man kann wunderbar am Wasser sitzen und nett essen. Der Nordteil der Insel hat zudem den Vorteil, dass die Preise moderat sind. Zudem gibt es viele den unterschiedlichen Ansprüchen gerecht werdende Übernachtungsmöglichkeiten. Die Nordküste ist von Girne aus in Richtung Westen leider schon ziemlich verbaut und die Strände befinden sich entweder in Privatbesitz oder sind eher unzulänglich. Für den Individualreisenden ist das nicht so gut!
Von Girne aus lassen sich aber problemlos alle bemerkenswerten Touristenziele bereisen. Ich mietete mir ein Auto, machte mich mit der Rechtssteuerung vertraut (wo ist nur der Schaltknüppel?) und schon brauste ich wieder über die Insel. Zu den tollen Bergfestungen St. Hilarion und Kantara an der Nordküste führen atemberaubende Straßen mit tollem Panoramablick. Besonders St. Hilarion besitzt eine gut erhaltene Bausubstanz und man kann sich den Aufenthalt der Herrscher in den luftigen Höhen, die in der heißen Sommerzeit dorthin flüchteten, noch immer gut vorstellen. Famagusta verfügt über eine hochinteressante Altstadt mit Stadtmauer, Bastionen und Kirchen, die den Besuch lohnen. Eigentümlich berührt es einen allerdings, wenn Kirchtürme zu einem Minarett umgestaltet wurden, aber so wurde zumindest die Bausubstanz der Kirchen erhalten. Den Besuch von Famagusta kann man sehr gut mit dem Ruinenfeld von Salamis nördlich der Stadt kombinieren. Ein Vorteil ist auch, dass unmittelbar an den recht interessanten Resten mit Forum, Theater und Bädern ein netter Strandabschnitt mit Bewirtschaftung anschließt. Der Umweg über St. Barnabas und das Gräberfeld lohnt nur für den wirklichen Enthusiasten.
In unmittelbarer Nähe von Girne liegen auch die Reste der Klosterabtei Bellapis. Würde diese herrlich am Nordabhang der Kyreniakette gelegene Anlage mit ihren gotischen Resten vom griechischen Teil Zyperns verwaltet, dann wäre es mit der Beschaulichkeit aus und die Touristenscharen würden wie die Heuschrecken einfallen. So lassen sich noch das Refektorium, die gut erhaltenen Gebäudeteile und der unvergleichliche Blick über Landschaft und Meer genießen. In Girne selbst macht das Baden keinen Spaß, aber fährt man zur Nordostecke der Insel, dem sogenannten "Pfannenstiel", dann wird man voll entschädigt. Diese ganze Halbinsel ist ein Traum zum Baden, da die Wasserqualität bestens ist. Es gibt dort feine Sandstrände und auch nette Restaurants direkt am Meer. Höhepunkt ist da sicher "Golden Beach". Wenn es nicht zynisch wäre, dann müsste man sich tatsächlich den Fortbestand der Teilung der Insel wünschen, um diese tollen Strände, an denen auch Schildkröten ihre Eier legen, so zu erhalten wie sie momentan noch sind.
Einen Trip nach Westen verband ich mit dem Besuch von Soli, einer noch kaum ausge-grabenen Stadt mit einer Basilika, die das berühmte Leda-Mosaik besitzt. Auch hier war mein Reiseführer "ungepflegt", weil er in der typisch wertenden Sprache die mangelnde Sorgfalt der Türken um die Mosaike kritisierte, obwohl die Überdachung schon Jahre steht. Übrigens habe ich dort in unmittelbarer Nähe in einem Strandrestaurant am besten gegessen. Es gab die wunderbaren türkischen meeze, börek, Gurken in Joghurtsoße, Kalamari und Pilze... dazu ein kühles Efes-Bier (bin eigentlich kein Biertrinker!) und das direkt über dem Meer bei einer angenehmen Brise, wenn ich nur daran denke!
Mein letzter Ausflug führte mich in den Nordteil von Nicosia. Im Gegensatz zu der im Führer beschriebenen Einöde pulsiert der türkische Teil dieses "zyprischen Berlins". Im Zentrum wird viel an der Restaurierung der alten Gebäude gearbeitet und der Büyük Han (große Karawanserei) erstrahlt bereits in fertigem Zustand. Kleine Geschäfte, Galerien und ein Café laden zum Verweilen ein. Ein halber Tag ist schnell dahin und dann lohnt sich ein Besuch in einem hamam, wenn es auch nicht das alte sein muss, weil man dort als Tourist abgezockt wird.
Leider ist es nicht möglich, vom Nordteil Zyperns als europäischer Tourist in den Süden zu gelangen, weil die griechischen Zyprioten die Einreise in diesen Teil der Insel als illegal betrachten. So fuhr ich mit dem Tragflügelboot in 3 Stunden nach Alanya, bereiste dort noch ein wenig die Küste und flog von Antalya mit einem deutschen Charter (Neckermann) nach Frankfurt! Alles in allem klappte meine Organisation, zudem habe ich viel gesehen und erlebt und das alles ohne "Massen". Ich möchte alle dazu ermutigen, ebenfalls individuell zu reisen. Probleme lassen sich bei guter Planung reduzieren und falls doch, findet sich meist eine überraschende und gelungene Lösung! Wer weitere Infos braucht, kann sich gerne mit mir in Verbindung setzen Tel. 748 33 27.