Tagebuch einer Mitausgereisten: Kalt - Kälter - Kairo

von Claudia Ernst

"Habt ihr es gut: Sonne, Wärme, Urlaub - und wir Armen erfrieren hier..." So oder ähnlich beginnen die zahlreichen Mails, die mich aus Deutschland erreichen.

"Danke für die Mail, aber leider kann ich nicht viel antworten, da meine Finger steif gefroren sind..." So oder ähnlich beginnen meine Mails, die ich - dick vermummt - aus dem vermeintlich warmen Kairo schreibe.

Als noch relativ ahnungsloser "Neuimport" aus Deutschland kann ich es noch immer nicht glauben, wie sehr man in diesem "warmen Urlaubsland" frieren kann! Zum Glück wurde ich vorgewarnt und habe - dem Spott meiner Freunde in Deutschland zum Trotz - meine komplette Wintergarderobe eingepackt. Selbst meine Angora-Skiunterwäsche, die ich selbst bei eisigen Skitouren noch nicht verwendet hatte, kommt hier regelmäßig zum Einsatz.

Auch wenn draußen die Sonne scheint: In den Häusern hier herrscht eisige Kälte. Mein einziger Trost ist, dass ich vielleicht nach meinen Jahren in Kairo noch genauso frisch und jung aussehe wie jetzt, da doch Tiefgekühltes viel länger hält...

Außerdem habe ich durch das ständige Treppauf-/Treppab-Laufen, das mich einigermaßen warm hält, schon einige Kilo verloren. Also, von wegen Sonne und Urlaub! Das Leben in Kairo ist eher ein Überlebenstraining! Zum Glück haben meine Nachbarinnen ebenfalls viele gute Ideen auf Lager, wie man sich warm halten kann: Andrea zum Beispiel backt Tag und Nacht Kuchen, "weil halt der Backofen sooo schön warm macht". Diese Lösung war mir von Anfang an sympathisch, wird doch auf diese Weise ständig die Nachbarschaft mit frisch gebackenem Kuchen versorgt... Auch der Rat, sich "immer mal wieder ins Auto setzen und ein paar Runden um den Compound fahren" war eine tolle Idee, denn somit habe ich vom ersten Tag an Autofahren in Kairo gelernt (wobei es einem beim hiesigen Straßenverkehr ohnehin ganz schnell heiß wird...).

Selbst mein Heimtrainer, der seit Jahren unangetastet unter einer dicken Staubdecke dahinsiechte, kommt hier regelmäßig zum Einsatz! Die Kälte hat doch eigentlich nur Vorteile, oder? Und sollte es ganz eisig sein, dann föhne ich mir nicht die Haare, sondern gönne mir einen Ganzkörperföhn.

Wenn Andrea wieder einmal mit einem neuen Kuchen vorbeikommt, den sie in ihrer von Backwerken überquellenden Gefriertruhe nicht mehr unterbringen kann, dann sitzen wir - wie Fische im Aquarium - mit einer heißen Tasse Tee hinter der Fensterscheibe und lassen uns von den Sonnenstrahlen wärmen...

"Khamseen" soll's wohl ab März geben. Das klingt so ähnlich wie "shams - Sonne", eines der fünf Wörter, die ich auf Arabisch kenne. Und so habe ich mich schon seit meiner Ankunft im Dezember auf den "sonnigen März" gefreut. Nun habe ich einen Arabisch-Kurs begonnen und zu meinem Entsetzen gelernt, dass "khamseen" nichts mit Sonne zu tun hat, sondern "fünfzig" bedeutet und dass mit diesem Wort ein Sandsturm gemeint ist. Genau gesagt bedeutet es, dass man 50 Tage mit Sandstürmen rechnen muss. Toll ! Und wenn das überstanden ist, dann geht's wohl los mit der großen Hitze im Sommer.

Werde ich mich dann vielleicht zurücksehnen nach dem kühlen Haus, der klaren Luft, der Terrasse ohne Mücken und Ameisen, meiner 13 Grad Celsius warmen Küche, in der meine Lebensmittel selbst ohne Kühlschrank tagelang frisch bleiben? Und wer bringt mir Kuchen, wenn Andreas Backofen Sommerpause hat?

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