Das Nubische Museum in Assuan
von Claudia Ernst
Bereits kurz nach unserer Ankunft in Assuan waren wir uns einig: der Besuch dieser zu Recht als "Perle Ägyptens" bezeichneten Stadt muss wohl ein Höhe-punkt einer jeden Ägypten-Reise sein. Und obwohl wir nicht gerade die "in-jedes-Museum-Renner" oder die "jeden-Tempel-Besichtiger" sind, ließen wir dann doch nichts von den wunderschönen Sehenswürdigkeiten von Assuan und Abu Simbel aus.
Als krönender Abschluss stand schließlich der Besuch des uns als "schönstes Museum Ägyptens" empfohlenen Nubischen Museums auf dem Programm. Und tatsächlich: Dieses Museum sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen! Alleine die Außenanlagen sind schon einen Abstecher vom üblichen Touristen-programm wert: Das nach 17jähriger Planungs- und Bauzeit erst 1997 eröffnete Museum aus hellem Sandstein im nubischen Baustil liegt malerisch an einem Felshügel und passt sich wunderbar an die Landschaft an. Dazu ein terrassen-förmig angelegter kleiner Park, ähnlich einem Steingarten, mit zahlreichen Denkmälern, vielen herrlich duftenden Pflanzen und kleinen Wasserläufen, Springbrunnen und Bänken, auf denen man sich nach dem Besuch des Muse-ums ausruhen kann, umgibt das Gebäude.
Betritt man das Museum, sieht man schon von weitem einen "alten Bekannten" in Form einer kolossalen Standfigur, nämlich Ramses II (wie viele Ramses-Statuen mag es wohl in Ägypten geben?). Man ist sofort angenehm berührt von der In-nenausstattung des Museums, die vorwiegend aus dem Rosengranit Assuans gestaltet ist. Die Exponate sind sehr übersichtlich angeordnet und gut in arabi-scher und englischer Sprache beschrieben. Eine Zeittafel klärt den Besucher über die verschiedenen Epochen der nubischen Geschichte auf, die ja nicht in Dynastien, sondern in alphabetisch geordnete Gruppen eingeteilt ist (A-Gruppe, B-Gruppe, C-Gruppe, später dann verschiedene Königreiche bis hin zum Einzug des Christentums und schließlich des Islam ab 641). Sich das alles zu merken, ist allerdings nur etwas für genaue Kenner der Materie oder Leute mit einem Ele-fantengedächtnis!
Ein Modell des gesamten Niltals mit den wichtigsten Tempeln und Bauwerken mit Schwerpunkt Nubien will den Besucher zunächst gar nicht weitergehen lassen. Doch es warten auf ihn noch jede Menge interessanter und aussagekräftiger Exponate, von der Frühgeschichte über die Pharaonenzeit, Christentum und Islam, bis hin zum Bau des Staudamms.
Die zentrale Ausstellungshalle im Untergeschoss zeigt ca. 1200 Exponate, die die gesamte Geschichte Nubiens dokumentieren. Der Besucher wird themenbe-zogen durch die Geschichte geführt:
Man erfährt jede Menge interessanter Details über die Entstehung und das Flusssystem des Nils, über frühe Steinwerkzeuge, Felszeichnungen und Gräber des prähistorischen Nubien. Aus der Pyramidenzeit sieht man u.a. einen sehr schönen, wenn auch "kopflosen" König Chefren. Aus den Zeiten der Königreiche gibt es sehr interessante und gut erhaltene Gefäße, Amulette, Handspiegel, Ra-siermesser u.a. Beeindruckend auch die Modelle von zwei Pferden mit zum Teil aus Silber gefertigtem Zaumzeug, die den Toten mit auf ihre Reise gegeben wurden. Viele schöne Stücke und Stoffe aus dem christlichen und schließlich islamischen Nubien beenden die Zeitreise durch die wirklich hochinteressante und teils kaum beachtete Geschichte.
Auf den technisch interessierten Besucher wartet schließlich ein weiterer Höhepunkt mit Darstellungen der Bewässerungssysteme am Nil sowie der Rettung der vom Untergang bedrohten nubischen Tempel durch die UNESCO-Kampagne mit einem beeindruckenden Modell der Tempel von Abu Simbel und Philae.
Szenen aus dem Alltag, die auch Einblick geben in die Wohnkultur sowie in bäuerli-che und handwerkliche Tätigkeiten der Nubier, werden durch lebensgroße Puppen anschaulich dargestellt.
Ein Saal für Wechselausstellungen befindet sich rechts neben dem Eingang. Bei unserem Besuch befanden sich dort Statuen und Mumien sowie eine Foto-Ausstellung über die durch den Bau des Staudamms versunkenen Monumente.
Zum Abschluss genossen wir noch einmal die schöne Atmosphäre des Museumsgar-tens, an dessen unterem Ende sich sogar noch ein typisch bunt bemaltes nubisches Haus befindet, das jedoch leider zurzeit geschlossen ist. Eindrucksvoll fanden wir auch eine Felsenhöhle mit interessanten Felszeichnungen von Elefanten, Giraffen u.a., die man aus den überfluteten Gebieten gerettet hat.
Wir waren insgesamt vom Besuch des Museums sehr angetan und würden jedem Assuan-Reisenden unbedingt einen Abstecher dorthin empfehlen.
Das Nubische Museum befindet sich an der leicht ansteigenden Straße hin-ter dem Old Cataract Hotel gegenüber dem Basma-Hotel. Die Öffnungszeiten sind 09:00 - 13:00 h und 17:00 - 21:00 h. Der Eintritt beträgt 20 LE. Museum sowie Gartenanlagen sind rollstuhlgerecht angelegt.