El Tarboush
von Heidrun von Boetticher
Sie sind unterwegs in Luxor und wollen typisch ägyptisch essen? Dann probieren Sie doch das Restaurant "El Tarboush" aus, das seit Anfang April innerhalb des Winterpalast-Komplexes seine Türen geöffnet hat. In diesem ansprechenden Lokal kann man drinnen in gemütlicher und gekühlter oder draußen in Gartenatmosphäre (gegen Mücken empfiehlt sich ein Gegenmittel mitzubringen) ab 19 Uhr sitzen.
Auf der Speisekarte finden Sie alles, was das Herz begehrt: Beginnend mit kalten und warmen Vorspeisen können Sie zwischen Tehina, Babaganou, Taboule gefüllten Weinblätter oder den vielen anderen Köstlichkeiten, deren Namen ich mir so schlecht merken kann, wählen. Sowohl die Suppen als auch die Vorspeisen sind für einen Preis zwischen 8 bis 15 Pfund erhältlich. Eigentlich sind die Vorspeisen schon so sättigend, dass das Hauptgericht an Völlerei grenzt. Aber auch hier besteht die Möglichkeit der Wahl, ohne dass diese wegen zu großen Angebots zur Qual wird: Terrinengerichte, Fleisch und Fisch, gekocht oder gegrillt, gefüllte oder gebratene Täubchen werden neben Shish Tawouh und Beilagen zu Preisen von 28 bis 58 Pfund angeboten. Und für weitere 15 Pfund erhält man als Nachspeisen Um Ali, orientalisches Gebäck oder Obst. Wasser, Obstsäfte, Kakadé, achwa mazbout (türkischer Kaffee) oder shei bi nana (Tee mit Pfefferminzblatt) runden das Abendessen ab. Aber auch Bier- oder Weinfreunde brauchen auf ihr Lieblingsgetränk in diesem Lokal nicht zu verzichten.
Vor der Tür wird man freundlich empfangen und zu Tisch geführt, begleitet von leiser Musik eines Geigers. Es servieren viele Kellner, die zu ihrer orientalischen Tracht Tarboushs in passenden Farben tragen.
Was ein Tarboush ist, sieht man bei der Raumdekoration und erfährt man beim Blick in die Speisekarte. Denn neben der übersichtlichen Anzahl und Anordnung der Speisen, die dort zu wählen sind, informiert eine Seite über diese Kopfbedeckung und deren Geschichte, die im nebenstehenden Kasten wiedergegeben ist.
Wir haben zwei gemütliche Abende dort verbracht und haben uns fest vorgenommen, im El Tarboush wieder einzukehren, wenn wir in Luxor sind.
Wer noch mehr über den Tarboush wissen möchte, findet in Kairos islamischem Viertel auf dem Weg vom Ghouripalast zum Bab el Zuweyla noch zwei Hutmacher. Und wenn man Glück hat, begegnet man dort auch dem einen Inhaber, der selbst einem anderen Beruf nachgeht, das Geschäft aber fortführt, weil er es seinem Vater versprochen hat, die Tradition der Tarboush-Herstellung weiterleben zu lassen. Auch in dem Buch "Der Kaufmann von Kairo" von Robert Solé (Knaur TB, 1993), das die Geschichte einer syrisch-libanesischen Familie in Ägypten erzählt, erfährt man einiges über die Mode des Tarboushs.
Geschichtliches zum Tarboush
Um das Jahr 1000, als die jährlichen Pilgerfahrten nach Mekka durch die Kreuzzüge unterbrochen waren, begannen Muslime stattdessen nach Fes in Marokko zu fahren, was sie zur Heiligen Stadt erklärt hatten. Dort lernten sie eine rote Kopfbedeckung kennen, die von den Studenten einer der großen islamischen Schulen der Stadt getragen wurden. Der von den Pilgern Fes' genannte Hut verbreitete sich schnell im Mittelmeerraum und besonders in Nordafrika. Ursprünglich bestand der Fes aus einer Kappe, um die ein Turban gewickelt wurde (auch heute häufig bei Männern zu sehen, die das traditionelle weiße Tuch wegen des besseren Haltes um eine weiße, gehäkelte Kappe schlingen).
In Istanbul wurde der Name Fes' beibehalten, die Kopfbedeckung aber auch Cheday' oder Pheday' genannt. In der Türkei änderte sich aber allmählich das Aussehen dieses Hutes: Er wurde runder und höher und ohne Turban getragen. Etwas später wurde ihm eine Quaste hinzugefügt.
In Ägypten wurde diese veränderte Hutform Tarboush genannt und der erste seiner Art um circa 1820 hergestellt. Der Name leitet sich von den persischen Wörtern "Thar", gleich Kopf, und "poush", gleich Bedeckung, ab. Unter der Regierung Mohamed Alis wurde der Tarboush zur offiziellen Kopfbedeckung der ägyptischen Armee. Der Haupthersteller und Exporteur dieser Kopfbedeckung war aber Österreich, weil dieser Hut auch von der österreich-ungarischen Armee getragen wurde.
In der Türkei führte Moustafa Kemal, genannt Atatürk, eine Reihe von Reformen durch, um sein Land zu europäisieren. Das arabische wurde durch das lateinische Alphabet ersetzt, und die traditionelle Temenah"-Begrüßung (Berühren der Stirn, Lippen und des Herzens) durch den westlichen Handschlag verdrängt. Im Zuge dieser Reformen wurde auch das Tragen des Tarboushs 1926 per Parlamentsbeschluss verboten.
In Ägypten war der Tarboush ein elitäres Nationalsymbol, das am ägyptischen Hof, von Beamten, der Polizei und der Armee getragen wurde. König Fouad förderte die lokale Herstellung und noch bis zum 2. Weltkrieg gab es mehr als 20 Tarboush-Fabriken in Ägypten. Mit der Revolution verlor der Tarboush als Zeichen der Monarchie schnell an Popularität und verschwand bald ganz.