von Bettina Knauth
"Pyramids People" lautete der Titel der Ausstellung, mit der HA Schult vom 11. bis zum 20. Mai 2002 seine "Trash People" an der Südwest-Seite der Pyramiden von Gizeh präsentierte.
Spektakulär war der Anblick dieser 1000 lebensgroßen Müllskulpturen, wie sie militärisch in Reih und Glied aufgereiht, aber gleichzeitig fast winzig in der Wüste vor den Pyramiden standen. Der Kölner Aktionskünstler will mit solchen Installationen einen "Dialog zwischen Kunst und täglichem Leben" schaffen: "Wir leben in einer Zeit des Mülls: Wir produzieren Abfall und wir werden zu Abfall. Daher sind HA Schults Müllmenschen Abbilder von uns selbst" lautete die Erklärung im begleitenden Pressetext.
Die Müllmenschen wurden aus Abfall zusammengepresst, der zuvor sortiert, gereinigt und gelagert wurde. Getränke- und Konservendosen, Plastikflaschen, Verpackungs-material, PC-Karten, alte Autokennzeichen und weiterer ausrangierter Wohlstandsmüll werden mit einer grünen Schaummasse zusammengehalten. Einige der Figuren sind eindeutig als deutsch zu identifizieren, etwa an den verwendeten Sauerkrautdosen. Andere sind globaler gestaltet, zum Beispiel fällt eine nur aus Coladosen zusammengesetzte Skulptur auf. Aber alle sind aus Müll gemacht. Müll, der die nächsten 4000 Jahre bestimmt nicht überdauern wird.
Gegenüber der "Cairo Times" erklärte HA Schult, Müll sei die größte Erfindung der Menschheit. Der Mensch der Verbraucher-Gesellschaft des 21. Jahrhunderts zöge eine riesige Spur von Müll hinter sich her, die Umwelt zerstörend, wo immer er sich befände. Der Künstler will mit seinem Werk für den Schutz der Umwelt eintreten. Er stellt seine Figuren an einem geschichtsträchtigen Platz wie diesem auf, um darauf hinzuweisen, dass die Menschen "mit ihren Abfällen die Symbole der Zivilisation zerstören". Wir sollten unsere Umwelt mehr respektieren, so der Wunsch des 63-jährigen Schult.
Kairo war nicht die erste Station der weltreisenden Müllmenschen. Bereits 1996, als HA Schult die tausend Figuren zum ersten Mal im Amphitheater in Xanten aufstellte, entstand die Idee, sie um die Welt zu schicken. Bisherige Zielorte waren Paris, der Rote Platz in Moskau und die Chinesische Mauer. Momentan verhandelt Schult mit den australischen Behörden, um seine Abfall-Armee am Ayers Rock präsentieren zu können. Auch in New York und in der Antarktis will er die Müllmenschen noch aufmarschieren lassen.
Ein Sponsor aus dem Transportgewerbe hat bisher jedes Mal den enormen Aufwand ermöglicht. Die 1000 Figuren wurden verpackt, in 16 Containern verstaut, zunächst mit dem Zug von Köln nach Hamburg und dann mit dem Schiff nach Alexandria verschifft, von wo aus sie nach einer dreiwöchigen Seereise per LKW nach Kairo transportiert wurden. Allein das Aufstellen und Ausrichten der Müllmenschen dauerte danach noch einmal gut zehn Tage.
Die Touristenpolizisten, die zur Bewachung der Skulpturen abkommandiert waren, hatten sich ihre ganz eigene Meinung über Sinn und Unsinn der Aktion gebildet: "Es ist sehr schön, sie sehen wie Soldaten aus," lautete ein Urteil. "Wenn das einem ägyptischen Künstler eingefallen wäre, säße dieser nun bestimmt in einer Nervenheilanstalt," meinte ein anderer schmunzelnd. Ein weiterer Polizist äußerte seine Anerkennung:."Der Deutsche muss schon gut sein, wenn er aus Müll Geld machen kann". Immerhin hätte er sogar die ägyptischen Autoritäten davon zu überzeugen vermocht, seine Figuren vor die mehr als 4000 Jahre alten Monumente platzieren zu dürfen.
Schade nur, dass so wenige Menschen die Müllmenschen zu sehen bekamen. Viele potentiell Interessierte hatten von der Aktion gar nichts mitbekommen oder wurden erst verspätet über sie informiert. Auch Papyrus hätte gern vorab auf das Ereignis hingewiesen. Denn auch wenn man über die Intention des Künstlers- manche nennen seine Aussage schlichtweg platt, andere kritisieren sie als zu populistisch - ebenso streiten mag wie über den logistischen Aufwand der Aktion: Spektakulär war der Aufmarsch der Armee der Müllmenschen allemal.