CAIRO Hash House Harrier HHH H3 - "A running club with a drinking problem!" oder umgekehrt?

von Albrecht Zimburg, bearbeitet von Jutta Zeppelzauer

Wenn Sie irgendwann ein paar Leute durch die ruhige Idylle der Wüste rennen sehen, laut "ON ON" brüllen und in ein Jagdhorn blasen hören, wundern Sie sich nicht, denn dann wissen Sie: Die Hasher sind wieder unterwegs!

Sie sind "neu" in Kairo, möchten sich an "frischer" Luft bewegen und dabei "nette" Leute treffen, dann lesen Sie einfach weiter...

Dieser weltweit größte internationale Sportklub hat über 1700 HHH-Vereine in 180 Ländern. In Kairo gibt es seit mehr als 20 Jahren den Hash mit ca. 150 Mitgliedern. Im deutschsprachigen Raum gibt es auch einige Klubs: ca. 20 in Deutschland u. a. in Berlin, Bonn und München, in der Schweiz sieben und in Österreich die Vindobona Hash House Harriers in Wien.

Kurz vorweg, es hat überhaupt nichts zu tun mit dem als Hash - oder hashish (arab. Gras) landläufig bekannten Marihuana. Hash ist eine englische Bezeichnung für einen bestimmten Eintopf, ein Hash House ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für ein billiges Fast Food Restaurant. Ein Harrier ist eine Art Jagdhund. Als Vorlage dient ein altes englisches Kinderspiel namens "Hare and Hounds", welches unserer Fuchsjagd entspricht. Die Hasen also (bzw. der Fuchs) legen eine komplizierte Fährte mit Sägespänen, Mehl oder auch mancherorts Papierschnitzeln. Die Harrier folgen dieser Fährte und, anstatt zu bellen, rufen sie "On On" - soll heißen: "Hier entlang!".

Wie aus dem Namen bereits ersichtlich, ist dies eine englische Erfindung. Der erste Klub wurde 1937 in Kuala Lumpur von einem dort stationierten britischen Offizier der Argyll and Sutherland Highlanders namens Albert Stephen Ignatius Gisbert gegründet. Gisbert hatte Geschmack an solchen Fuchsjagden gefunden und einige Freunde aus der Gruppe der dort lebenden Ausländer um sich versammelt, um diese wöchentlich durchzuführen.Die dortigen Behörden verlangten, dass dieser Klub registriert werden müsse. G, wie Gisbert genannt wurde, entschied sich für den Spitznamen des Selangor Klubs "Hash House", in dem die meisten der "Harrier" nicht nur lebten, sondern auch speisten. So wurde der Name Hash House Harrier geboren.

Die Charta, die sich die ersten Harrier gaben, war Folgende:
· Unterstützung der physischen Fitness der Mitglieder.
· Den Wochenendkater dadurch erfolgreich zu bekämpfen.
· Einen ordentlichen Durst zu bekommen und diesen mit Bier zu löschen.
· Ältere Mitglieder zu überzeugen, dass sie nicht so alt sind, wie sie sich fühlen.

Der II. Weltkrieg unterbrach die regelmäßigen Läufe in Kuala Lumpur, die erst einige Jahre nach dem Krieg wieder aufgenommen wurden. "G" fiel im Krieg im Kampf gegen die Japaner.

Es dauerte bis 1962, ehe ein zweiter Klub in Singapur gegründet wurde. Langsam, durch die Versetzungen der Mitglieder in andere Länder, wo diese wiederum einen neuen Hash gründeten, entstanden bis 1973 zirka 35 Klubs in 14 Ländern. Seither hat sich das Rad immer schneller gedreht, sodass wir heute bei den bereits angesprochenen 1700 und mehr Klubs weltweit liegen.

Wie kommt man nun zum Laufen?

Jeden Freitag zwischen 14 und 17 Uhr, je nach Jahreszeit, treffen sich 80 bis 100 Hasher irgendwo in der Nähe von Kairo. Eine Hashgruppe geht meist quer durch viele soziale und berufliche Schichten, was der Sache auch einen eigenen verbindenden Reiz gibt.
Für Einzelpersonen und Familien, die meisten sind Expats, ist der Hash eine gute Gelegenheit, auf schnelle und unkomplizierte Art und Weise Bekanntschaften zu machen und Kontakte zu knüpfen. Man lernt auf diese Art Orte kennen, die man ohne den Hash nie gefunden hätte. Jeder Hase ist bemüht der Gruppe einen speziellen Ort, eine bestimmte Aussicht zu zeigen. Er kundschaftet eine Strecke aus und markiert die Fährte mit Mehl oder anderen Markierungsstoffen. Der Lauf darf nicht zu lange sein, denn die Langsamen, wie die Schnellen sollen auf ihre Kosten kommen. Abkürzungen und falsche Fährten werden markiert.

Die Läufer treffen sich an einem vorher vereinbarten Ort. Dieser wird unter www.cairohash.com im Internet veröffentlicht. Nach einer kurzen Einweisung durch den so genannten "Grand Master", der meist aber "Grand Bastard" genannt wird, wird der Lauf gestartet. Die Schnellen voran, suchen die Markierungen und rufen, wenn sie sie gefunden haben laut "ON ON". Die Langsameren folgen in die entsprechende Richtung.

Die schnellen Frontläufer werden durch so genannte "Checks" etwas gebremst, das sind kreisförmige Markierungen an Wegkreuzungen, von denen aus in alle Richtungen Markierungen weggehen - nur eine ist richtig!

Nach einiger Zeit kommen die Frontläufer oft wieder mit langen Gesichtern einen Streckenteil zurück und finden sich plötzlich hinter den langsamen Läufern wieder, die vom nun mitlaufenden Hasen geleitet, gleich den richtigen Weg genommen haben, während erstere auf einer falschen Fährte in die Irre gelaufen sind: Eine kreuzförmige Markierung am Boden zeigt das Ende eines vermeintlich richtigen "trails". Auf diese Art wird eine vollkommen inhomogene Gruppe von schnellen und langsamen, sportlichen und weniger sportlichen Läufern zusammengehalten und jeder kommt auf seine Rechnung. Eine eigene Strecke für Geher (oft sind ganz kleine Kinder dabei) ermöglicht auch diesen, mehr oder weniger gleichzeitig mit den Läufern den Zielpunkt zu erreichen.

So zieht sich der Lauf ein bis zwei Stunden zwischen fünf und zehn Kilometern durch die Wüste. Immer wieder wartet man an eigens gekennzeichneten Punkten, den schon erwähnten Checks, zusammen, damit niemand verloren geht, man wieder zu Luft kommt und mit den anderen reden kann. Diese soziale Komponente ist sehr wichtig, denn dieser Lauf ist kein Wettrennen.

Im Ziel angekommen, gibt es Getränke und nachdem der Letztee angelangt ist, formieren sich die Hasher in einem Kreis um das so genanntee Hash Mouth, bzw. den Religious Adviser. Dieser ist einer der wichtigsten Protagonisten, denn er verteilt die so genannten Down Downs, die "Strafen" für Regelverstöße, auf besonders witzige und manchmal auch deftige Art. Das Problem dabei ist, dass es à priori gar keine Regeln gibt bzw. diese erst im Nachhinein aufgestellt werden.

So kann es ein Down Down geben für:
· Kompetitives Laufen
· Neue Schuhe
· Stretching
· Schrille Kleidung
· Schwätzen
· Ein Küsschen der Freundin wird als "Sex on the Hash" geahndet
· Denken ("I think...")

Kurz, alles was in witziger Weise auffällig ist bzw. als solches gebrandmarkt werden kann.

Was ist ein Down Down? Der Gescholtene muss in den Kreis treten und bekommt zusammen mit anderen Delinquenten einen Krug Bier in die Hand gedrückt. Der Kreis stimmt nun ein eher rüdes Lied im Anschluss an die Strafpredigt an, worauf auf Kommando der Krug gelehrt werden muss. Alles, was nicht binnen des Liedes getrunken wird, hat man sich über den Kopf zu gießen.

Das Bier ist nicht immer Pflicht, es gibt auch so genanntee "Softie" Down Downs mit Limonade oder Wasser, je nach Präferenzen.

Hat ein Läufer den ersten Hash als "Hare" organisiert, wird er meist an dieser Stelle "getauft", das heißt, er bekommt einen Spitznamen. Erst mit diesem meist doppeldeutigen und oft durchaus derben Spitznamen ist man richtiger Hasher und kann sich als aufgenommen betrachten. Dieser Name reflektiert entweder den Beruf, den wirklichen Namen oder etwas Dummes, was man bei einem der Läufe getan hat.

Eine Frau fand ein etwas penetrant riechendes Ziegenhorn, schleppte es den ganzen Lauf mit sich herum und bekam flugs den Namen "Horny". "Golden Banana" trug eine enge Laufhose mit gelbem Blitz an offensichtlicher Stelle. Der Job in einem Mikrobiologielabor führte zu "Fungus Amungus" - sinngemäß "Der Pilz unter uns". Jeder Name hat seine Geschichte, die der Träger manchmal preisgibt - manchmal auch nicht.

Wie in jedem Verein gibt es natürlich Funktionäre, die je nach lokalem Reglement einmal im Jahr gewählt oder einfach ernannt werden. Diese sind nicht überall dieselben und haben verschiedene eigene Namen:

· Hash Beer: kümmert sich ums Bier, wehe ihm, wenn er zu spät kommt!
· Hash Cash: sammelt das Geld ein.
· Hare Raiser: muss die Hares für die nächsten Läufe organisieren und koordinieren.
· Hash Flash: macht Fotos, die er später den Läufern billig verkauft.

Durch das Internet ist der Kontakt zwischen den einzelnen Hashgruppen intensiver geworden. Es werden größere Events veranstaltet. Wenn mehrere Hashgruppen in einem Staat sind, wird ein Nationaler Hash "Nash Hash" organisiert. Letzten Herbst fand der Egypt Nash Hash im Wadi Natrun statt, da es eine Gruppe in Heliopolis und eine in Alexandria gibt.

Auch kontinentale Hashes, der North America Hash und der Euro Hash, werden veranstaltet. Alle vier Jahre treffen sich die Hasher zu einem großen internationalen HHH, dem Inter Hash, der in diesem Jahr in Goa in Indien stattfindet.

Bei vielen Läufen gibt es, von diversen Sponsoren unterstützt, spezielle T-Shirts oder andere Kleidungsstücke. So ist es anhand des T-Shirts ersichtlich, wo man schon überall dabei war.

Es ist somit eine internationale, völkerverbindende Bewegung geworden, wohlgemerkt, ohne dass dem Ganzen eine zentrale Organisation zu Grunde liegt! Es sind Enthusiasten und Leute mit einer gewissen Art von Humor. "A drinking club with a running problem", wie viele Hasher ihren Klub schmunzelnd bezeichnen.

Quelle: www.cairohash.com

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