Der Deutsche Friedhof in Kairo
von Jutta Zeppelzauer
Das oft totgeschwiegene Thema "Sterben und Tod" gehört für
mich zum Leben, wie die Geburt. Deshalb fand ich es wissenswert, wo ortsansässige
Deutsche in Kairo beerdigt werden und wurden...
Der Deutsche Friedhof ist gar nicht so einfach zu finden. Straßenschilder sind in diesem Viertel Mangelware. Ich bin ganz zufrieden, dass es mir trotzdem gelingt. Im Norden dient mir die südlichste Brücke nach Roda als Begrenzung, im Süden die bekannte Amr Ibn al-As Moschee. Bevor ich den richtigen Eingang entdecke, fahre ich um den großen Friedhofstrakt, der den protestantischen, den koptischen und den Commonwealth-Friedhof beherbergt. In der richtigen Straße, der 12, Sharia Gabbanet Maslama, Ecke Sharia El Malek El Saleh in Alt-Kairo angelangt, beobachte ich noch die Automechaniker bei ihrer Arbeit und den netten Fischhändler, der die Katzenbabys mit Leckerbissen versorgt. Der Markt am anderen Ende der Straße lädt genauso zum Verweilen ein.
Der Eingang zum Friedhof ist dann schnell gefunden, auch wenn eine Tafel die Suche noch erleichtern würde. Eine Dame begrüßt mich freundlich und lässt mir genügend Freiraum, um mich in dieser Idylle des letzten Friedens zu bewegen. Es ist tatsächlich ein Kleinod, inmitten dieser pulsierenden Stadt! Die hohen Bäume und der dichte, fast dschungelartige Pflanzenbewuchs erinnern mich an die Waldfriedhöfe zu Hause. Diese letzte Ruhestätte ist sehr gepflegt und malerisch.
In der Mitte der 3.240 m2 großen Anlage befindet sich ein Kriegsgräberfeld, bestehend aus 75 Grabstellen mit 149 Soldaten des I. Weltkrieges.
Auf dem Friedhof finden insgesamt 375 Grabstätten Platz. Darunter finde ich den Grabstein des Theodor Bilharz, der 1825 in Deutschland geboren wurde und nur 37-jährig in Kairo starb. Durch seine Entdeckung der Fadenwürmer in Ägypten und die durch diese ausgelöste, nach ihm benannte Krankheit Bilharziose wurde er weltberühmt. (Siehe dazu die Papyrus Ausgabe 5-6/97.)
100 freie Grabstätten (Stand April 2002) stehen derzeit noch für ortsansässige Deutsche und deren Familienmitglieder zur Verfügung.
Ein paar Fakten:
Auf Vorschlag des Innenministers und mit Zustimmung des Ministerrats hat Fouad I, König von Ägypten, am 01. Januar 1932 ein Dekret erlassen, wonach das Grundstück Nr. 193 in Alt-Kairo der deutschen Kolonie dauerhaft als Friedhof überlassen wurde. Eigentümer des Grundstücks ist der ägyptische Staat. Aufsichtsbehörde ist das ägyptische Gesundheitsministerium.
Die deutsche Gesandtschaft wurde am 27. April 1937 als Besitzerin des Grundstücks registriert. Mit Verbalnote des ägyptischen Außenministeriums vom 27./28. August 1955 hat die ägyptische Regierung die unveränderte Gültigkeit des Königlichen Dekrets vom 1. Januar 1932 bestätigt. Heute ist die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland Rechtsträgerin des Friedhofs.
Die Verwaltung des Friedhofs oblag bis zum II. Weltkrieg dem "Deutschen Verein", dem praktisch alle Angehörigen der deutschen Kolonie angehörten. Danach wurde diese Aufgabe von der jeweiligen Leiterin des "Deutschen Heims" (Schwesternheim) übernommen. In den Sechzigerjahren bildete sich ein Friedhofsausschuss aus ortsansässigen Deutschen.
Nunmehr seit Jahrzehnten ist die deutsche Botschaft Kairo für Unterhalt und Pflege des deutschen Friedhofs zuständig. Die erforderlichen Mittel für Betrieb und Instandhaltung, einschließlich der Aufwendungen für einen Friedhofsgärtner werden vom Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung gestellt.
Termine von Gedenkveranstaltungen, die am Friedhofsgelände stattfinden, können bei der Botschaft erfragt werden.
Quelle: Deutsche Botschaft Kairo