Ein Ausflug ins Grüne in Mittelägypten: Besuch bei einem Imker
von Gisela Radshat
An einem wunderschönen Märztag starteten wir mit dem Hobby-Imker in die Felder rund um die Provinz Minia, um uns die Gewinnung von Honig zeigen zu lassen. Wir hielten kurz vor Bena Beet und liefen dann durchs Feld. Der Weizen steht vor der Blüte, kräftig und gesund aussehend. Fasziniert vom Gelb eines blühenden Kümmelfeldes stapften wir weiter auf dem sehr harten Grund durch den Klee bis zu unserem eigentlichen Ziel, den Bienenkörben oder besser gesagt den Bienenkästen. Mit 60 an der Zahl bieten sie eine gute Nebeneinnahmequelle für den beamteten Lehrer.
Zunächst wurde ein kleines Feuer auf dem Boden entfacht und die dabei entstehende qualmende Kohle in eine Kanne mit Sprühvorrichtung und Blasebalg getan. Darauf wurde eine Mischung aus getrockneten Eukalyptusblättern (Kafour) und gehexeltem, getrocknetem Bockshornklee (Helba), der für seine desinfizierende Wirkung bekannt ist, gegeben. Diese Mischung wurde dann nach Öffnung des Deckels in das Innere geblasen, zum einen, um die Bienen vorübergehend weniger aggressiv zu machen, zum anderen um auch tödliche Insekten und Bakterien fernzuhalten, die den Bienen gefährlich werden können.
An jedem einzelnen Lattenrost (22cm x 42cm), mit Drähten querverbunden, werden zuerst die flachen Wachsblätter eingehängt, bevor ein neuer Stamm in den Kasten getan wird, die die Bienen dann zu vollständigen Zellen ausbauen und mit Nektar versehen. Sie werden auch zur Eiablage benutzt.
Die emsigen Bienen schwärmen in die umliegenden Felder, bringen Kümmel, sowie Kresse (Gargier) und Klee-Nektar heim, um die Zellen damit zu füllen. Hinterher werden sie von den Bienen verschlossen und gelten als Wintervorrat. Wenn sie nicht von den Menschen entfernt würden, hätten sie genügend Nahrung für den Winter. So aber muss ein restlicher Stamm im Winter mit Zucker durchgefüttert werden, wenn man den Bestand erhalten will.
Es kann immer nur eine Königin in einem Kasten sein, mehrere würden sich andernfalls töten. Die Königin ist die Mutter aller Drohnen, Arbeiter und auch zukünftiger Königinnen. Eine Königin kann bis zu 1500 Eier am Tag legen. Sie ist größer als die anderen Bienen, ihre Zelle ebenfalls. Die Arbeitsbienen sammeln den Nektar, verwandeln ihn in Honig, säubern den Kasten und wenn nötig, verteidigen sie ihn auch. Die Drohne ist ohne Stachel und kann sich nicht verteidigen, ihre einzige Funktion besteht darin, sich mit neuen Königinnen zu vereinigen, um den Nachwuchs zu sichern. Im Herbst wird sie von den Arbeitsbienen aus dem Kasten hinausgetrieben und stirbt.
Die Bienen, die wir hier sahen, waren hauptsächlich italienischer Herkunft, die weniger aggressiv als die ägyptischen sind. 250 Pfund Honig hat der Imker im letzten Jahr geerntet. Der Honig wird ausschließlich kalt geschleudert, um eine Verzuckerung durch Lagerung zu verhindern.
Für uns war es ein herrlicher Tag, draußen, im satten Grün der Felder und den wogenden Weizenfeldern, mit vielen Erlebnissen und Neuigkeiten.