Studieren an der Amerikanischen Universität in Kairo
von Frederik Richter
Unmittelbar am Midan Tahrir im Herzen Kairos gelegen, ist die American University of Cairo (AUC) ein wichtiger Anlaufpunkt für westliche Besucher aller Art, von Studenten und Wissenschaftlern über Arbeitssuchende bis hin zu Touristen, die im AUC Book Shop die neuesten Reiseführer über Kairo erstehen wollen.
Ein Jahr Studium an der AUC hinterlässt ein zwiespältiges Urteil über die Universität, das stark davon abhängt, welcher der vielen Bereiche einer Universität betrachtet wird. Allgemein kommt man aber um die Feststellung nicht umhin, dass das akademische Niveau der AUC ausgesprochen niedrig ist. In einigen Fachbereichen bewegt es sich gerade einmal auf dem Niveau deutscher Gymnasien und kann insgesamt sicher nicht mit der Qualität der Lehre an europäischen oder amerikanischen Universitäten konkurrieren. Hierfür verantwortlich ist nicht das Lehrpersonal, das zu einem guten Teil auch aus Amerikanern und Europäern besteht, sondern die ägyptischen Studenten. Auch wenn ein Großteil von ihnen ausländische Schulen in Ägypten besucht hat, macht sich die Schwäche des ägyptischen Bildungssystems bei ihnen stark bemerkbar, vor allem in Bezug auf Selbstständigkeit und die Organisation der eigenen Arbeit. Hinzu kommt, dass die allermeisten Studierenden deutlich jünger und unerfahrener sind als vergleichbare Studierende besonders in Deutschland.
In Ägypten gilt zwar ein BA von der AUC als eine Arbeitsplatzgarantie, aber das sagt eher etwas über die Qualität der anderen Universitäten aus als über die der AUC, denn oftmals sind es bloß die Computerkenntnisse, die AUC-Absolventen für ägyptische Unternehmen interessant machen. Welche Leistungen die AUC im zweiten großen Aufgabenbereich einer Universität, der Forschung erbringt, kann nach einem Jahr Studium kaum beurteilt werden. Der universitätseigene Verlag AUC Press gibt jedenfalls in einer von politischen und kulturellen Restriktionen geprägten Gesellschaft wie Ägypten wissenschaftlichen und literarischen Publikationen Raum, die es im Nahen Osten sonst noch schwerer hätten.
Neben der Schwäche der Lehre hat die AUC aber auch Stärken aufzuweisen, die sie gerade im Vergleich mit deutschen Universitäten auszeichnet. Dies gilt vor allem für die Gebäude und deren Einrichtungen wie Computer-Labs, mit denen die Universität äußerst gut ausgestattet ist. Attraktiv sind auch die Möglichkeiten außerhalb des eigentlichen Studiums, wie Engagement in diversen studentischen Organisationen, Sport und angebotene Ausflüge zu Zielen in ganz Ägypten. Hierzu zählen auch studentische Konferenzen, die mit anderen ägyptischen und teilweise auch internationalen Universitäten veranstaltet werden, und in denen zum Beispiel die United Nations simuliert werden. Beeindruckend ist vor allem die Spanne an interessanten Lesungen und Vorträgen, die in der AUC veranstaltet werden, und die nicht selten von den jeweils wichtigsten Leuten in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Ägypten gehalten werden. Die AUC Library soll die größte ihrer Art im Nahen Osten sein, scheint letztlich aber auch nicht größer als deutsche Unibibliotheken zu sein.
Von den etwa 7.000 Studenten der AUC sind 90% Ägypter und Ägypterinnen, weitere 5% kommen aus anderen arabischen Ländern, von den übrigen kommen wiederum die meisten aus den USA. Unter den ägyptischen Studenten scheint nur eine Minderheit keine Familienmitglieder im Ausland zu haben, viele haben selber einen Teil ihres Lebens im Ausland verbracht, so dass eher eine Minderheit nicht mehrere Sprachen fließend spricht. Nichtarabische Studenten beklagen zwar die Schwierigkeit, Freundschaften mit ägyptischen Studenten zu schließen, aber gerade wer sich in einer der vielen Aktivitäten engagiert, kann leicht andere Studenten mit beeindruckendem Hintergrund kennen lernen. Von Ausnahmen abgesehen, stammen die Studenten der AUC aus wirklich reichen ägyptischen Familien, was auch an klischeehaften Merkmalen einer abgehobenen Oberschicht deutlich wird. Ausländische Studenten sind nicht selten besser über Ereignisse in Ägypten informiert als ihre ägyptischen Kommilitonen.
Die Administration der AUC hat ihre Tücken und ist manchmal auch ineffizient, kommt aber im Vergleich mit den Absurditäten der Bürokratie deutscher Massen-Universitäten alles in allem ziemlich gut weg. Die Gebühren der Universität sind mit mehreren Tausend US-Dollar pro Semester horrend hoch, und sind durch das Angebot gerade in der Lehre aus europäischer Perspektive in keiner Weise gerechtfertigt. Sie steigen in jedem Jahr auch um etwa 10% aufgrund der ständig steigenden Zahl der Studieren, aber auch um das neue Campus-Gelände zu finanzieren, das zur Zeit außerhalb Kairos neu gebaut wird.
In Downtown hat die AUC, die eine ganze Reihe von Gebäuden um die beiden Campusse herum unterhält oder angemietet hat, mittlerweile die Grenze ihrer Kapazitäten erreicht und will nun den gesamten Universitätsbetrieb in die Wüste verlegen. Mit diesem Umzug in den nächsten Jahren, für den es noch keinen genauen Termin gibt, könnte die AUC allerdings für ausländische Studierende stark an Attraktivität verlieren, da die Stadt Kairo, bedingt durch die Schwäche der Lehre, einen Großteil des Reizes eines Auslandsaufenthaltes an der AUC ausmacht. Dies ist nun auch die interessanteste Frage, für wen sich ein Studium an der AUC lohnt, umso mehr als man für die Nutzung einiger der genannten Vorzüge nicht an der AUC eingeschrieben sein muss. Gerade wenn man die äußerst hohen Gebühren bedenkt, ist von einem vollen Studium an der AUC denen deutlich abzuraten, die in Europa oder Amerika studieren und sich somit viel besser ausbilden können. Ein komplettes Studium an der AUC erscheint als Qualifikation für den europäischen Arbeitsmarkt kaum ausreichend.
Hat man sich bereits woanders ausreichend Wissen angeeignet, ist ein Jahr oder ein zweijähriger Masters-Degree an der AUC allerdings empfehlenswert, wenn man sich eine berufliche Zukunft in Ägypten oder im Nahen Osten vorstellen kann. Denn so bietet sich die Möglichkeit, hervorragende Kontakte in Ägypten aufzubauen und vor allem über Dozenten, die aus der Praxis kommen, Kontakte zu Arbeitgebern herzustellen. Dies um so mehr, als man sich gegen ägyptische Mitbewerber um Assistenten-Stellen oder Nebenjobs außerhalb der Universität gewöhnlich leicht durchsetzen kann.
Alle konkreten Informationen über die angebotenen Studiengänge, Studiengebühren,
finanzielle Hilfen und alles weitere sind auf der Homepage der AUC zu erhalten:
www.aucegypt.edu.
Frederik Richter, der in Münster Kommunikationswissenschaft, Geschichte und Wirtschaftspolitik studiert, schildert in diesem Bericht seine Eindrücke von einem Jahr Studium an der AUC.