Adel Hozayin und das Künstleratelier Shabramant
von Heidrun von Boetticher und Bettina Knauth
Wir fuhren die Saqqara Road in Richtung Shabramant. Nach dem Restaurant El Dars sollten wir Adel Hozayins Atelier an der aus einem Kuppeldach herausragenden Palme erkennen. Und so war es auch. Unverfehlbar! Eine Ente mit zollfreiem Autokennzeichen vor der Haustür verwunderte uns etwas und ließ uns am Eingang noch etwas zögern. Aber da kam uns schon Taxi, der Hund, bellend entgegen und hinter ihm, den fröhlichen Wächter zurückrufend, erschien Adel Hozayin. Noch etwas zurückhaltend und mit fragenden Augen hieß er uns herzlich willkommen und führte uns in seine hinteren Räume. Nachdem er erfahren hatte, dass wir deutsch sprachen, fand die weitere Unterhaltung in deutscher Sprache statt. Denn Adel Hozayin hat viele Jahre seines Lebens in Deutschland verbracht.
Nachdem er von seinem Jugendtraum, einer Fussballerkarriere, Abstand genommen hatte, verfolgte er intensiv seine zweite Berufsvorstellung, die Kunst, die ihn auch nach Schweden und Deutschland führte. Mit seiner ersten Frau lebte Adel Hozayin viele Jahre am Bodensee.
Als Wanderer zwischen zwei Kulturen ist Adel Hozayin nun wieder zu seinen ägyptischen Wurzeln zurückgekehrt, was sich auch in der Thematik seiner Bilder niederschlägt. Es sind die Menschen, die er in Shabramant oder im islamischen Viertel Kairos, in den Cafés, auf der Straße, bei der Arbeit und auf den Festen beobachtet und auf seinen Bildern festhält. Oder es ist die ländliche Umgebung seines Ateliers, die ihn fasziniert. Auch Gebäude oder Moscheen fängt er mit dem ihm eigenen Blick, Farbverständnis und Pinselstrich ein. Der Betrachter spürt förmlich die Entstehungsgeschichte des Bildes. Besonders anschaulich wird es aber, wenn Adel Hozayin diese Geschichten selbst erzählt.
Auch wenn der Maler jetzt wieder in Ägypten lebt, hat er keineswegs mit
seiner zeitweiligen zweiten Heimat gebrochen. Er hält weiterhin Kontakt
mit seinen europäischen Künstlerkollegen. Dabei hat ihm auch etwas
der Zufall geholfen: Vor zehn Jahren hatte Pro Helvetia Adel Hozayins damals
noch sehr bescheidene Behausung als idealen Treffpunkt und Schaffensort für
Schweizer Künstler erkannt und von ihm dort drei Ateliers ausbauen lassen.
Seitdem kommen Schweizer Künstler, Musiker und Literaten in die Villa nach
Shabramant, um dort jeweils ein halbes Jahr zu leben und zu arbeiten. Nachdem
die Schweden mit einem Atelier nachzogen und auch die Deutschen für ihre
Künstler einen Arbeitsraum in der Künstlerkolonie planen, sind von
der ägyptisch-europäischen Verbindung weiterhin viele Anregungen und
Impulse zu erwarten.
Als wir uns von Adel Hozayin, der uns mit viel Geduld seine Bilder gezeigt hatte,
mit einem neu erstandenen Werk verabschiedeten, klärte sich für uns
auch die Frage der Ente mit dem zollfreien Autokennzeichen. Denn wir trafen
vor der Tür einen der Schweizer Künstler, Robert Cavegn, wie er gerade
sein Vehikel in Gang setzte. Taxi bellte nicht mehr. Adel Hozayin winkte uns
nach, wie alten Bekannten. Es war eine interessante und überaus herzliche
Begegnung.
Über die inspirierende Atmosphäre der Künstlerkolonie Shabramant und die Schaffensfülle ihrer Bewohner konnte man sich Anfang Juni während einer dreitägigen Ausstellung vor Ort überzeugen Neben den Arbeiten der Schweizer Künstler, die dort seit Anfang des Jahres leben und arbeiten, waren in dieser von Pro Helvetia geförderten und unter der Schirmherrschaft des Schweizer Botschafters stehenden Ausstellung auch Bilder des Hausherrn zu sehen. Robert Cavegn, Cedric Magnin, Hansruedi Steiner und Marlene Zimmermann präsentierten Werke, die in den vergangenen Monaten in Shabramant entstanden waren. Teilweise waren die Exponate sichtbar geprägt von den Eindrücken, die die Schweizer Künstler während ihres Aufenthalts in Ägypten gewonnen hatten. Das galt besonders für die Motive der Bilder von Robert Cavegn und Cedric Magnin.
Nur einen Tag nach Ende der Ausstellung in Shabramant zeigte Adel Hozayin am 3. Juni zusammen mit Peter Nielsen im Goethe-Institut unter dem Thema "Warten am Nil" für wiederum drei Tage weitere Werke. So hatten die Liebhaber der Bildenden Künste und im besonderen Adel Hozayins die Möglichkeit, mit vielfältigen künstlerischen Eindrücken in die Sommerpause zu gehen.