Mohamed Ali - Ein Maler aus der Kairoer Muski

von Ursula Schernig

Die große Begeisterung, die die Nasser-Revolution im Volk entzündet hatte, war verflogen. Das Essen war knapp geworden. Und dann kam auch noch der Krieg mit Israel und sein schreckliches Ende 1967. Zusammen mit dem blinden Sheikh Imam sangen damals jeden Donnerstagabend Schüler, Studenten, junge Künstler und junge Leute aus dem Volk die nachrevolutionären Spottlieder des Sheikhs auf die Regierung. Immer wieder wanderten sie dafür ins Gefängnis. Aber sie ließen sich nicht klein kriegen - die Lieder verbreiteten sich in ganz Ägypten und im Ausland.

Neben dem Bildhauer und Milchmann Mahmoud Al-Labban (siehe Papyrus 5-6/2002) war auch der Maler und Musiker Mohamed Ali, der in einer "Fabrik" für Gold- und Silberwaren arbeitete, ein begeisterter Anhänger des Sheikhs. Sechs Monate wanderte er für ihn ins Gefängnis.

Die Bilder, die Mohamed Ali damals malte und die er 1970 und 1972 in einem Kulturzentrum in Bab El Louk ausstellte, hatten Titel wie: "Das vergossene Blut Ägyptens" (1967) oder ebenfalls von 1967 "Milch gibt es nicht für meine Söhne" (... nur für die Regierung!). Mohamed Ali hielt dem Sheikh 35 Jahre lang die Treue bis zu dessen Tod in den 70er Jahren.

Vieles hat sich seitdem verändert. Man sieht es auch an den bunten naiven Acrylbildern, die Mohamed Ali heute in der Muski an Ausländer und Ägypter verkauft: sie zeigen Straßenszenen in Kairo, Moulids (Heiligenfeste) und andere Feste, kosten etwa 500 LE und sind liebenswürdige Mitbringsel aus einem fremden Land und einer fremden Kultur.

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