Der nimmermüde Kühlschrank - eine unendliche Geschichte?
von Petra Post
Eine neue Wohnung im Grünen, eine wunderschöne Terrasse, erholsame Ruhe - wenn nur dieses (kleine?) Ärgernis nicht wäre: Der Kühlschrank, er läuft und läuft und läuft! Das kann doch nicht normal sein, oder? Morgens, mittags, abends lausche ich: Er läuft noch immer! Müsste er sich nicht irgendwann mal abstellen und wenn auch nur für kurze Zeit? Da, plötzlich, ich wage kaum meinen Ohren zu trauen, wird das Geräusch leiser. Also ist doch alles in Ordnung, oder? Keine zwanzig Minuten später ist die Hoffnung dahin: Er läuft wieder!
Was tun? Wir alarmieren die Vermieterin. Schließlich handelt es sich bei diesem Kühlschrank nicht um ein schnödes Ottonormalverbraucher-Modell, sondern um einen amerikanischen Alleskönner, sprich Gefrier- und Kühlschrank in einem, einschließlich der Vorrichtung zur Herstellung von Eiswürfeln, zerstoßenem Eis und eisgekühltem Wasser. Und wenn der Motor dieses kostbaren Monstrums kaputt ginge, würde das doch gewiss recht kostspielig werden (Staunend erfahren wir, dass unsere "Nervensäge" heute 30.000 Pfund kosten würde...).
Kurz und gut, am nächsten Tag rückt ein Trupp an, der für Abhilfe sorgen soll. Natürlich nicht zur vereinbarten Zeit, aber als "erfahrene Kairoer" lassen wir uns dadurch nicht verunsichern. Hauptsache, es passiert endlich was! Der Kühlschrank wird vorgerückt, von allen Seiten beäugt; Prognose: Er ist verdreckt und muss gereinigt werden. Gut und schön, aber wie? Sofort ist jemand mit einer Art Fön zur Stelle und lässt sich nur durch meinen vehementen Protest davon abhalten, dieses Gebläse in unserer offenen Küche, also im gesamten Wohnbereich, einzusetzen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon alles mit einer dicken Staubschicht bedeckt, und dabei hatte ich gerade geputzt! Okay, dann wird das Ding eben vor die Tür geschoben! Zu zweit müht man sich ab, den Koloss über die Küchenfliesen zu wuchten und anschließend übers Parkett des Eingangs - dass dabei das Holz verkratzt wird und die Wände anschließend schwarze Fingerabdrücke zieren: malesch! Jetzt heißt es, schnell die Fenster zu schließen und abzuwarten. Während des Rücktransports verharre ich im Arbeitszimmer, um nicht wieder die pingelige deutsche Hausfrau herauszukehren.
Wieder hoffnungsvolles Warten: Wann wird es soweit sein? Wann wird endlich Stille einkehren? Die versprochene Stunde dehnt sich zu zweien, dreien - langsam werde ich bei der Definition des Kühlschrankgeräuschs unsicher: Läuft der Kompressor vielleicht gar nicht mehr? Doch, ein Trugschluss. Am nächsten Morgen: Stille! Aber wieder mal haben wir uns zu früh gefreut. Sie währte leider nur wenige Minuten. Also erneuter Anruf bei der Vermieterin, der es allmählich mulmig wird. Da ihr der Besitzer der ersten Firma erklärt, Freitag sei nun mal sein freier Tag, wendet sie sich verärgert an eine zweite Firma; schließlich gibt es ja genug willige Handwerker!
Wieder erwarten wir voller Hoffnung, die jedoch von einer Spur Resignation getrübt ist, das Erscheinen der Handwerker. Erneute Prüfung: Aha, die Tür hängt schief, ist also undicht und lässt warme Luft herein. Des Rätsels Lösung? Die Tür wird justiert, was sich natürlich nicht in wenigen Minuten bewerkstelligen lässt, da erst Ersatzteile besorgt werden müssen. Eine erneute Reinigung kann ich zum Glück abwenden - unsere Vermieterin will doch wohl nicht für dieselbe geleistete Arbeit zwei Mal bezahlen, oder?! Also gut. Wieder geht ein Tag des Wartens ins Land - ein Glück, dass wir unsere wunderschöne Terrasse haben, um unsere Nerven zu beruhigen! Jetzt haben wir doch gewiss bald Ruhe, oder? Weit gefehlt; es ist alles beim Alten!
Ein dritter Termin wird vereinbart. Diesmal empfängt uns unsere Vermieterin mit einer Flasche Sekt - ein kleiner Trost immerhin. Es sind wieder die beiden Monteure vom Vortag gekommen. Diesmal sind sie felsenfest davon überzeugt, dass es sich nur um eine defekte Zeituhr handeln kann. Die wird umgehend ausgetauscht. Wir werden mit einem lächelnden "Don´t worry" verabschiedet. "Twenty minutes", dann schalte sich der Kompressor ab. Zweifelnd blicken wir uns an. Nach zwei Stunden beschließen wir, uns in unser Schicksal zu fügen. Bezahlen wir halt die hohen Stromkosten, schließen wir nachts die Schlafzimmertür, um das Brummen abzustellen...
Wieder klingelt es an der Tür: Unsere Vermieterin steht davor und informiert uns, dass der Besitzer der Elektrofirma ihr erzählt habe, diese amerikanischen Modelle liefen immer sechs Stunden am Stück und schalteten sich dann für wenige Minuten ab! Die ganze Aufregung also umsonst? Hätte er uns das nicht vorher sagen können? Stimmt das denn überhaupt? Als wir den Computer mit dem Stichwort "GE Americana" füttern, finden wir folgende Anzeige: 1964 GE Americana TD 486Y running like new...
Also dann, auf zum Endspurt!