Ägypten im Exlibris
von Heidrun von Boetticher
Unter diesem Titel hat Dr. med. Gernot Blum, Präsident der Deutschen Exlibris-Gesellschaft, ein Buch herausgegeben, das Exlibris mit ägyptischen Motiven zeigt. Der leidenschaftliche Sammler reiste schon als Student nach Ägypten und hegt seitdem eine besondere Liebe zu diesem Land. So ist es auch verständlich, dass er die Wurzeln des Exlibrisgedanken nicht im 15. Jahrhundert, als Gutenberg den Druck mit den beweglichen Lettern erfunden hatte, sieht. Er geht in seiner Recherche viel weiter zurück in die Geschichte und schreibt in seinem Buch: "Der Exlibrisgedanke ist aber viel älter und wurde wohl erstmals realisiert - so unser heutiger Kenntnisstand - durch Pharao Amenophis III., der, 1415 geboren, von 1402 bis 1364 v. Chr. regierte und einer der größten Förderer ägyptischer Kunst war. Daran erinnern heute noch die Memnonkolosse als einzige Reste seines völlig verschwundenen Totentempels in Thebenwest und der Luxortempel. Diesem Pharao der 18. Dynastie gehörte das wohl älteste bisher bekannte Exlibris, welches im Britischen Museum in London aufbewahrt wird (Abb. 1). Dieses Exlibris ist ein hellblaues Fayencetäfelchen mit dunkelblauer Inschrift und wurde in ein Papyruskästchen eingelegt. Der obere Teil des Tontäfelchens bezieht sich auf den Eigner: Der gute Gott nb-Maat-Re (Amenophis III.) der Leben gebende, geliebt von Ptah, dem Könige beider Länder und die königliche Gemahlin Teje, die Lebende'. In der unteren Reihe steht der Buchtitel: Das Buch (von der) Sykomore (und dem) Dattelbaum'. Dieser Papyrus gehörte also Amenophis III. und wurde zusammen mit anderen Tontafeln von seinem Sohn Amenophis IV. - mit seinem späteren Namen Echnaton - nach Tell el Amarna gebracht und dort bei Ausgrabungen gefunden."
Dass sich in Europa ein Interesse an Ägypten seit dem Übergang des 18. zum 19. Jahrhundert entwickelte, hängt, schreibt Sammler Blum, vor allem mit dem Ägyptenfeldzug Napoleons zusammen, "der am 1. Juli 1798 mit seinen Soldaten an der Küste von Alexandria landete. Begleitet wurde das Heer von vielen Wissenschaftlern wie Altertumsforschern, Architekten und Zeichnern. Das Ergebnis ihrer Arbeit wurde in der Describtion de l'Egypte' veröffentlicht. Mit diesem Werk wurde das alte Ägypten und seine Kunst erstmals weiteren Kreisen bekannt gemacht. Die Entdeckung des Steines von Rosette und die dadurch ermöglichte Entzifferung der Hieroglyphen durch Jean Francois Champollion sorgten für weitere Publizität dieses Kulturkreises, dessen Schrift jetzt endlich lesbar wurde." Zum anderen hat nach Blums Meinung aber auch die 1839 von Niépce und Daguerre erfundene Photographie dazu beigetragen, dass das Land Ägypten mit seinen Motiven und der Sonne zum bevorzugten Experimentierfeld für die neue Wiedergabetechnik gewählt wurde und der Bekanntheitsgrad zugenommen hatte. Und schließlich trug nach Ansicht des Autors die Veröffentlichung des mehrbändigen Werkes des Forschers Lepsius über dessen Expeditionsreise von 1842 bis 1845 (Denkmäler aus Ägypten und Äthiopien') dazu bei, "dass auch in Deutschland ägyptische Formensprache bekannt und beliebt wurde und Eingang fand in Kunst und Kunsthandwerk. So gehörte es bald zum guten Ton wohlhabender Bürger, eine Reise an den Nil zu unternehmen."
Als konsequente Folge dieser Reisemode sieht Blum das Entstehen eigener Ägypten-Abteilungen in privaten Bibliotheken, "für die sich der Bucheigner ein Exlibris schaffen ließ, eben eines mit dem dazu passenden Ägyptenmotiv." Denn durch seine Liebe zu Ägypten, die er durch fünf weitere Reisen in das Land des Nils vertiefte, entstand auch bei ihm eine recht umfangreiche Sammlung von Büchern über das Land und seine Kunst. Und als leidenschaftlicher Exlibrissammler sammelte er nicht nur Exlibris mit ägyptischen Motiven, sondern beauftragte auch zeitgenössige Künstler, für seine Bücher solche anzufertigen. Inzwischen ist Dr. Blum im Besitz von 2500 Exemplare mit ägyptischen Motiven.
Das älteste Exlibris in seiner Sammlung - es zeigt eine Pyramide - stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde für die Bibliotheca Pezoldiana gestaltet (s. Abb.2). Dr. Blum geht bei diesem Stück allerdings davon aus, dass das Motiv nicht speziell für ägyptische Bücher gewählt wurde, sondern die Pyramide eher als reines Gestaltungselement anzusehen ist. Dagegen ist in dem sich in seinem Besitz befindenden Exlibris für Dr. Albert Moll die direkte Verwendung eines ägyptischen Motivs zu erkennen. Denn auf diesem handelt es sich um eine Darstellung des Sphinx von Gizeh. Da dieser noch tief im Sand steckt, kann die Entstehungszeit vor 1888 datiert werden, "denn in jenem Jahr wurde der Sphinx zum wiederholten Male - dieses Mal von Gaston Maspero - vom Sand befreit", schreibt Blum. Die große Zahl seiner Sammlung lässt Dr. Blum Schwerpunkte in der Motivwahl der Künstler ausmachen. So stellt er fest, dass die Lieblingsmotive "eindeutig die Pyramiden von Gizeh, der Sphinx, die Gottheiten und die Pharaonen (sind), wobei Echnaton und seine Frau Nofretete besonders häufig dargestellt werden. Aber auch Szenen aus dem Alltag des einfachen Ägypters mit den Priestern, den Schreibern und den Fellachen bei ihrer täglichen Arbeit dienen als Bildinhalt - ebenso wie Tempelanlagen, Säulen und Schmuckstücke."
Neben dem Namen, Dr. Gernot Blum, tauchen bei den Eignerexlibris noch drei
weitere Namen besonders häufig mit ägyptischen Motive in der Sammlung
auf. Hinter diesen verbergen sich leidenschaftliche Sammler wie der Autor, die
sich speziell mit Ägypten befassen. Alle anderen Exlibriseigner dürften,
so Blum, "eher zufällig zu der Thematik gekommen sein und weniger
aus dem Wunsch heraus, für Bücher mit ägyptischer Kunst ein spezielles
Exlibris zu haben. Entweder hat ein Künstler von sich aus das Thema aufgegriffen
und es wurde vom Exlibriseigner akzeptiert oder ein Eigner war so fasziniert
von dieser fremden Kultur, dass er Teile davon auf einem Exlibris auf seinen
Namen dargestellt sehen wollte. Für sein Buch hat der Autor eine Auswahl
von 178 Exlibris getroffen und stellt diese darin nach Motivgruppen vor.
Dr. Gernot Blum, Ägypten im Exlibris, 1992, Verlag Exlibristen [ Für
interessierte: www.exlibris.de]
Wir freuen uns, den Lesern nun aus Dr. Gernot Blums Buch in dieser und den nächsten
Ausgaben von Papyrus einige der interessanten Exlibris mit ägyptischen
Motiven vorstellen zu können.