Oh Pharao, oh Pharao! Günter Langenberg stellte seine Gedichte im Hotel Longchamps vor
von Bettina Knauth
Zu einem Gedichtabend mit Musik und Wein hatte Hebba Bakri, Eigentümerin des Hotels Longchamps auf Zamalek, Ende Januar eingeladen: Im neu gestalteten und mit einer kleinen Bühne ausgestatteten "Rumpelsaal" des Longchamps, trug Günter Langenberg eine breite Palette seiner Gedichte vor. Begleitet wurde er dabei von Harald Bast.
Günter Langenberg, Leiter des Verwaltungsreferats der Deutschen Botschaft in Kairo, schreibt seit über 30 Jahren Gedichte - eine Tatsache, die trotzdem viele Zuhörer erstaunt und neugierig gemacht hatte. Wer ihn bereits kannte, war aber nicht überrascht, dass der Humor in seiner Lyrik nicht zu kurz kommt. Doch auch ernste, teilweise sogar skurrile Verse über Menschliches und Tierisches waren zu hören. Inspiriert wird der 1952 in Hückeswagen im Bergischen geborene Diplomat durch seine Posten, die ihn seit 1974 nach Istanbul, Algier, Tokio, Reykjavik und Osaka geführt haben. Seit Juli 2000 lebt Günter Langenberg mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen in Kairo.
Harald Bast, Musiklehrer an der Deutschen Schule der Borromäerinnen (DSB), hatte zur Stimmung der Gedichte jeweils die passende Pianomusik ausgewählt: meist heiter, mitunter aber auch besinnlich. Klassische Klavierstücke und insgesamt 31 Gedichte wechselten sich auf unterhaltsame Weise ab. Rund 80 Gäste aus der deutschsprachigen Community genossen den sehr kurzweiligen Abend im "Rumpelsaal", der viel Raum für kulturelle Veranstaltungen dieser Art bietet.
Im Mai oder Juni 2003 wird voraussichtlich Langenbergs Gedichtband "Wie ging der Mops wohl hops? - Tierisches querbeet" erscheinen (im R.G. Fischer Verlag, Frankfurt/Main). Die 113 Gedichte beschreiben ein märchenhaftes, manchmal mystisches Miteinander von Menschen und Tieren und pointieren ein sehr amüsantes Tierleben.
PAPYRUS freut sich, Ihnen in dieser Ausgabe zwei Gedichte von Günter Langenberg
vorstellen zu dürfen. Fortsetzung folgt!
Eigenlob
In dem Kaffeehaus Truc de Mer,
da sitzt ein alter Araber.
Dem schmeckt der starke Mokka sehr.
Drum trinkt er jetzt sein Tässchen leer,
bestellt vom Mokka gleich noch mehr
und schaut vergnüglich hin und her.
Nun schaut er auch mal her und hin,
denn das macht manchmal durchaus Sinn.
Er kratzt sich ungestört am Kinn
und sagt sich: "Gut, dass ich so bin,
wie ich so bin. Ein Hochgewinn
für die Gesellschaft hier schlechthin!"
Oh Pharao, oh Pharao, ... !
Ägyptens großer Pharao,
der reiste oft inkognito
von Kairo aus nach anderswo.
Gehüllt in einen Kimono
vom Shoppingtrip in Tokio,
fuhr er mit einem Kabrio
von Genua nach Gütersloh.
Im kleinen Bistro Cembalo
bestellte er 'nen Pikkolo.
Den fand er gänzlich comme il faut.
Der machte ihn so lebensfroh
und steigerte die Libido.
Der Barchef - heute im Trikot -
hielt ihn für einen Gigolo,
weil er ein Girl aus Idaho
so einfach coram publico
und ohne langes Pipapo
verleitete zum Domino.
Der Maid gefiel der Pharao.
Er war für sie ein echter Beau.
Und Pfeile schoss Gott Cupido.
Das Herz des Pharaos - hoho! -
erglühte, brannte lichterloh,
denn er verliebte sich ja so
in ihre Haare, blond wie Stroh.
Im Bistro blieben sie bis zwo,
worauf die Maid ihn apropos
gleich mitnahm in ihr Studio.
Dort trieben sie's fortissimo
und sehr in dulci jubilo
mit recht artistischem Niveau
auf einer Bettcouch. - Holdrio!
Der Pharao war bald k.o.
Die Maid nahm aus dem Vertiko
die Weinkaraffe mit Bordeaux
und Gläser Marke Rokoko.
Sie sprach mit leisem Tremolo:
"Das Ganze ist auf Video!"
Ein Gläschen Wein und dies Bonmot,
das reichte nun dem Pharao.
Es zog ihn noch ins Lavabo,
dann rief zur Maid er: "Cheerio!"
Er schwang sich in sein Kabrio
und fuhr mit hohem Risiko
von Gütersloh nach anderswo.
Günter Langenberg